Aktuelles aus der Wirtschaft in Kuba

Baukredite: Obschon sich politisch derzeit nicht viel zu tun scheint, geht die wirtschaftliche Entwicklung natürlich weiter, die 2011 beschlossenen Programme werden fortgesetzt und beginnen zu greifen. Ein aktuelles Beispiel dafür stammt aus der Provinz Santa Clara, wie Juventud Rebelde berichtet (Englisch). Seit dem 20. Dezember 2011 werden in ganz Kuba Kredite für den Kauf von Baumaterialen zum Neubau und zur Renovation der Häuser ausgegeben um das Wohnungsproblem zu mildern. Vorzugsweise erhalten Opfer von Naturkatastrophen oder ärmere Familien den Zuschlag zum Kredit. Dies ist auch ein Teil der neuen Subventionspolitik, die vorsieht, nicht mehr alle gleichermaßen zu subventionieren, sondern Subventionen nur noch an diejenigen zu verteilen, die sie wirklich benötigen. Die Verfügbarkeit von Baumaterialien hat sich in der Zwischenzeit merklich verbessert und 47.000 Menschen haben bisher im ganzen Land diese Kredite in Anspruch genommen.

In Santa Clara wurden von 2.300 Anträgen bisher 2.000 bearbeitet, insgesamt haben dort mehr als 750 Familien von den Subventionen profitiert. Viele haben den Kredit beantragt um ihre Häuser neu zu bauen oder sie komplett zu sanieren, kleinere Reparaturen sind kaum dabei. Das zeigt auch wie dringend diese Maßnahme war, die nun allerdings ihre Wirkung zu entfalten scheint.

Energie: Kuba plant bis zur Mitte des Jahres 2013 neue Richtlinien zum Stromsparen umzusetzen. Dadurch würde sich auch im Wohnungssektor Strom sparen lassen, der mit 6.667 GWh von 17.396 GWHh Gesamtproduktion am meisten verbraucht (2010). Auch das Stromnetz Havannas soll dieses Jahr komplett überholt werden um die Verluste zu vermindern, was auch positive Auswirkungen auf den Rest des Landes hat, da 30% der in Kuba verbrauchten Elektrizität von der Hauptstadt beansprucht werden. Diese Investitionen sind allerdings angesichte der hohen Verlustleistung des kubanischen Stromnetzes auch dringend erforderlich, zumal durch die neuen selbständig Beschäftigten der Energieverbrauch im Land unerwartet gestiegen ist. Doch nach einiger Stagnation erhöhte sich die Stromproduktion 2011 und stieg um 2,1% im Vergleich zum Vorjahr. In den kommenden Jahren dürfte sich dieser Trend fortsetzen, zumal jetzt die richtigen Investitionen und Maßnahmen dafür getätigt werden.

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Zensus startet am 15. September

Der kubanische Zensus startet dieses Jahr am 15. September, wie Prensa Latina berichtet. Es werden bis zum 24. September über 100.000 Befrager an der landesweiten Erfassung mitarbeiten, bei der es darum geht, die Wohn- und Lebenssituation möglichst aller Kubaner zu erfassen sowie demographische und andere soziale Indikatoren zu aktualisieren. Dies erscheint angesichts des aktuellen Reformprozesses für Kuba äußerst sinnvoll, zumal der letzte Zensus vor 10 Jahren stattfand.

Durch den Zensus können lokale Programme besser geplant werden, da regionale demographische Entwicklungen z.B. bei der Schulplanung besser berücksichtigt werden können. Derzeit scheint der Reformprozess in Kuba etwas zu stagnieren, zumindest sind seit März keine wesentlichen neuen politischen Impulse jenseits der Korruptionsbekämpfung mehr entstanden. Dies könnte neben der allgemeinen Sommerpause auch mit dem Zensus zusammenhängen.

Der kubanische Ökonom Omar Everleny Pérez hat bereits im März angekündigt, dass derzeit wichtige Gesetze ausgearbeitet und in den Jahren 2012 und 2013 die wichtigsten der Leitlinien die bis 2015 reichen verabschiedet würden. Gut möglich, dass man in Kuba die Hurricanesaison als kleine „Verschnaufpause“ zur Erarbeitung der neuen juristischen Grundlagen und Analyse des Zensus nutzen möchte, um dann im Herbst weiter voranzuschreiten.