Kubas Zuckerindustrie beginnt sich zu erholen

Zucker war in der Geschichte Kubas immer eine der wesentlichen ökonomischen Säulen des Landes, mit Ernten von über 8 Millionen Tonnen pro Jahr gehörte Kuba in den 1980ern zu den wichtigsten Zuckerproduzenten weltweit. Doch seit der Sonderperiode in den 90ern begann dieser strategische Sektor stark an seiner Bedeutung zu verlieren: Die Ernten brachen mangels Investitionen langsam ein, als Folge dessen wurden im Jahr 2002 von den 155 Zuckermühlen des Landes mehr als die Hälfte geschlossen, der Sektor verlor zusehens an Relevanz für die gesamte Volkswirtschaft und wurde durch den Tourismus ersetzt. Missmanagement, fehlende finanzielle Mittel sowie Bürokratie trugen zur langsamen Austrocknung des Sektors bei. Schließlich wurde mit einer Ernte von 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2010 der historische Tiefpunkt seit 1905 erreicht. 2011 waren noch 46 Zuckermühlen in Betrieb.

Seit einiger Zeit soll die Zuckerindustrie allerdings als zusätzliches Standbein mit Blick auf die Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells wieder revitalisiert werden. Der steigende Zuckerpreis auf dem Weltmarkt dürfte sicherlich auch ein Anreiz für diese Entscheidung gewesen sein. Ein erster Schritt dazu war im September 2011 die Auflösung des Zuckerministeriums und die anschließende Gründung der Holding Azcuba. Diese behält 65% der Einkünfte bei sich und kann Entscheidungen über Investitionsvorhaben ohne Absprache mit der Regierung treffen. Im laufenden Jahr sollen knapp 63% der Deviseneinnahmen aus dem Sektor in neue Maschinen und technologien investiert werden. 2012 wurden beispielsweise 27 neue Erntemaschinen importiert, bis zum Ende des Jahres sollen es 100 werden. Auch sollen die Investitionen von derzeit 3 auf künftig 10 Millionen US$ pro Jahr erhöht werden.

Bereits jetzt zeigen die Maßnahmen erste Erfolge: Nach einer ersten Ertragssteigerung um 16% in der letzten Ernte konnten erstmals wieder Ergebnisse um 1,4 Millionen Tonnen erzielt werden. Bis 2015 ist zudem eine jährliche Steigerung um 20% geplant, so dass dann etwa 2,4 Millionen Tonnen geerntet werden könnten. Derzeit laufen verschiedene Modernisierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Firma Odebrecht, die Kuba auch beim Hafenausbau von Mariel zur Hand geht. Beispielsweise werden gerade 6 Millionen Dollar in eine Zuckerrafinerie der Provinz Camagüey investiert, deren Ausbau voranschreitet. Langfristig soll so die Zahl der Raffinerien auf 56 erhöht und Ergebnisse um die 4 Millionen Tonnen pro Jahr erzielt werden sagte der Vizepräsident von Azcuba, Wilson Morell.