Erste Verhandlungen USA-Kuba beendet

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Die Leiterinnen der Gesprächsdelegationen: Roberta Jackson (USA, links) und Josefina Vidal (Kuba, rechts). Quelle: Voice of America

Havanna. Die USA und Kuba haben die erste Gesprächsrunde zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen in der kubanischen Hauptstadt Havanna beendet. Die Chefunterhändlerin der US-Delegation, Roberta Jacobson, erklärte, es sei trotz bestehender Differenzen zu Fortschritten gekommen. Kuba setzte sich bei den Verhandlungen dafür ein, von einer Liste von Staaten gestrichen zu werden, die nach Meinung der USA den Terrorismus unterstützen.

Die Wiedereröffnung der US-Botschaft war eines der dringlichsten Ziele der US-amerikanischen Delegation. Zu einem konkreten Ergebnis kam es jedoch nicht. „Dieser Prozess hat die Herstellung zivilisierter Beziehungen zwischen zwei Ländern mit profunden Meinungsverschiedenheiten zum Ziel“, kommentierte die kubanische Verhandlungsführerin Josefina Vidal. Dennoch hätten die Gespräche in einem „respektvollen, professionellen und konstruktivem Klima“ stattgefunden. Sie sollen in Kürze fortgesetzt werden.

Einen Tag nach den Gesprächen sorgte die Leiterin der US-Delegation jedoch bereits für Aufsehen, als sie mehrere kubanische Oppositionelle in die Residenz von Jeffrey DeLaurentis, dem Leiter der US-Interessenvertretung in Havanna, zum Frühstück einlud. Unter den Gästen befand sich auch Jose Daniel Ferrer, Gründer der „Patriotischen Union Kubas“ (UNPACU). Im Zuge eines Deals mit den USA wurden jüngst einige Dutzend Aktivisten der Gruppe freigelassen. Kritik kam dagegen von einer anderen Oppositionsgruppe, die der Einladung demonstrativ fernblieb.

Berta Soler, Vorsitzende der auch aus den USA finanzierten Oppositionellengruppe „Damen in Weiß“ begründete ihren Boykott der Veranstaltung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP mit der unzureichenden Pluralität der eingeladenen Personen. Die USA würden Aktivisten bevorzugen, die mit der US-Politik gegenüber Kuba einverstanden sind.

Auch von Regierungsseite kam es zu Kritik an dem Treffen, das als Einmischung in die innere Angelegenheiten angesehen wurde. „Diese kleine Gruppe vertritt nicht Interessen der gesamten kubanische Gesellschaft und des kubanischen Volkes“, sagte Vidal gegenüber dem US-Fernsehsender MSNBC.

Während des Treffens hatte die Ankunft des russischen Spionageschiffs „Viktor Leonow“ für kurzzeitige Aufregung gesorgt. Dabei betonte Russland, dass der Besuch schon lange vorher geplant gewesen sei. Auch die USA gaben sich gelassen: „Es ist nicht beispiellos, es ist nicht ungewöhnlich, es ist nicht alarmierend“, kommentierte ein Funktionär des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Reporter vor Ort konnten keine ungewöhnlichen Aktivitäten auf dem Schiff feststellen, das kurz nach der Ankunft für Familienbesuche geöffnet wurde. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits vor einigen Wochen die mögliche Lockerung der Blockade gegen Kuba begrüßt. Der Besuch Wladimir Putins vergangenen Sommer beweise, „dass unsere strategische Partnerschaft mit Kuba gefestigt ist“.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Fidel Castro unterstützt Dialog mit den USA

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Fidel Castro ist trotz Misstrauens gegenüber der US-Politik mit der diplomatischen Annäherung  zwischen Kuba und den USA einverstanden (Quelle: onedio)

Fidel Castro hat sich am Montag in einem offenen Brief an die kubanische Studentenorganisation (FEU) geäußert. Darin bekundete er seine vorsichtige Zustimmung zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten. Seit den Reden von US-Präsident Obama und Raúl Castro am 17. Dezember hat sich der langjährige kubanische Staatschef nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet. Zuletzt schrieb er Mitte Januar einen Brief an Diego Maradona, über dessen Inhalt nichts bekannt ist.

Das lange Schweigen des Fidel Castro wurde von einigen Beobachtern als Zeichen schwächer werdender Gesundheit und seiner ablehnenden Haltung gegenüber der diplomatischen Öffnung interpretiert. Umso überraschender kam jetzt die erste öffentliche Stellungnahme des „Comandante en jefe“, der sich möglicherweise bis zum Ende der jüngsten Gespräche mit der US-Delegation in Havanna bewusst zurückgehalten hat. Er wolle den „Freunden Kubas“ seine Haltung darlegen, so der 88-jährige.

„Weder vertraue ich der US-Politik, noch habe ich ein Wort mit ihnen gewechselt“, schreibt Castro. Dennoch werde er keine friedfertigen Konfliktlösungen zurückweisen, die Verteidigung des Friedens sei die Pflicht aller. „Jede friedliche oder Verhandlungslösung für die Probleme zwischen den Vereinigten Staaten und den Völkern oder jedem anderen Volk Lateinamerikas, die keine Gewalt oder Gewaltanwendung beinhaltet, sollte in Übereinstimmung mit den internationalen Normen und Prinzipien behandelt werden.“

Im Kontext von Kubas Kampf gegen das Apartheidsregime in Südafrika hob er den Handschlag zwischen seinem Bruder Raúl und US-Präsident Obama auf der Beerdigung Nelson Mandelas hervor. Er ging dabei detailliert auf das kubanische Engagement in Afrika ein: „Die internationalistischen kubanischen Truppen zogen sich ehrenvoll aus Afrika zurück. Dann kam die plötzlich die Sonderperiode in Friedenszeiten, die schon über 20 Jahre gedauert hat, ohne dass die weiße Fahne gehisst wurde. Etwas das wir niemals taten und niemals tun werden.“

In dem Brief ruft Castro seine Studienzeit an der Universität von Havanna ins Gedächtnis und beschreibt, welche Bedeutung die Lektüre von Marx und Lenin in seinem Leben gehabt habe. In einigen Sätzen ging er auch auf Fragen der globalen Nachhaltigkeit im Zuge des Bevölkerungswachstums ein. Die Rückkehr der „Cuban Five“ ließ er unkommentiert. Mit Blick auf die USA schloß Castro versöhnlich: „Wir werden die Zusammenarbeit und Freundschaft mit allen Völkern der Welt, darunter auch die unserer politischen Gegner, immer verteidigen.“ In diesem Geiste werde er bis zum letzten Atemzug kämpfen.

Eine deutsche Übersetzung des gesamten Briefs findet sich hier.