„Konzert für die Freundschaft“ der Rolling Stones in Kuba

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Kubanische Interpretation des Bandlogos der „Stones“ (Quelle: ntd.la)

Havanna. Jetzt ist es offiziell: Die britische Rockband Rolling Stones wird am 25. März in Kubas Hauptstadt Havanna ein Gratiskonzert geben. Das Musikinstitut beim kubanischen Ministerium für Kultur bestätigte, was die Gruppe am Montag auf ihrer Homepage angekündigt hatte. Das „Konzert für die Freundschaft“ wird in der Ciudad Deportiva stattfinden, einer Großanlage mit verschiedenen Stadien und Sportplätzen.

Die Nachricht verbreite sich in den Medien der Insel „mit einer Art Euphorie“ und die sozialen Netzwerke „explodieren mit der Neuigkeit, die so lange Zeit erwartet wurde“, berichtet die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina. „Beim Erkunden immer neuer Horizonte und als echte Pioniere des Rock werden die Rolling Stones, die in jeder Ecke des Planeten aufgetreten sind, ihre hochkarätige Show und ihr unglaubliches Repertoire zum ersten Mal in der Geschichte in die Karibik bringen“, heißt es etwa in La Jiribilla, einer kubanischen Kulturzeitschrift.

Die Jugendzeitung der Kommunistischen Partei Kubas merkt an, charakteristisch für die Musik der Rolling Stones „sind ihre schlichten Melodien und einfachen Strukturen, bei denen sie nicht allzuviel Akkorde zur Begleitung rauher Songtexte einsetzen, die soziale Themen berühren. Ihrem klassischen Repertoire des Rock’n Roll haben sie in ihrer ausgedehnten Karriere verschiedenen Stile hinzugefügt, wie Country, Folk, Reggae und Tanzmusik. Sie gelten als eine der größten und einflussreichsten Bands in der Geschichte des Rock.“

Die Gruppe verbindet ihren ersten Auftritt mit einer Initiative „von Musiker zu Musiker“, und bringt von Firmen gespendete Instrumente und Equipment für kubanische Kollegen aller Genres mit. Organisiert wird das Konzert gemeinsam von der Kulturstiftung Bon Intenshon aus Curaçao und dem Kulturministerium Kubas. „Wir haben in unserer langen Laufbahn schon an vielen besonderen Orten gespielt, aber dieser Auftritt in Havanna wird ein Meilenstein für uns und wir hoffen, auch für alle unsere kubanischen Freunde sein“, heißt es in der Ankündigung der Band.

Kuba bildet den Abschluss der ersten Lateinamerika-Tournee der Stones seit zehn Jahren. Konzerte fanden bereits in Chile, Argentinien, Uruguay und Brasilien statt, vor Kuba stehen noch Peru, Kolumbien und Mexiko auf dem Programm. Wie die Pressesprecherin des kubanischen Musikinstitutes mitteilte, sollte das Konzert in Havanna zunächst am 19. März stattfinden, wurde dann aber wegen des Besuches von US-Präsident Barack Obama am 21. März verschoben.

Den ersten Kontakt habe man im Februar 2015 geknüpft, als Darryl Jones und Barryl Fowler, die die Band seit Jahren begleiten, mit den Dead Daisies in Havanna auftraten und sich als Vermittler eines Konzerts der Rolling Stones auf der sozialistischen Karibikinsel anboten. Im Oktober hatte sich deren Sänger Mick Jagger dann mehrere Tage in der kubanischen Hauptstadt aufgehalten. Seitdem wurde das Ereignis konkret geplant.

von Eva Haule / Amerika21

Österreich stärkt Beziehungen zu Kuba und Kolumbien

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Österreichs Präsident Heinz Fischer (SPÖ) zusammen mit Raúl Castro in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Wien/Havanna/Bogotá. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer hat mit Besuchen in Kuba und Kolumbien die Beziehungen zu beiden Staaten weiter ausgebaut. Vor allem der Aufenthalt in Havanna sorgte angesichts der diplomatischen Annäherung zwischen dem sozialistischen Karibikstaat und den USA für mediale Aufmerksamkeit.

Beim ersten offiziellen Besuch eines österreichischen Staatsoberhauptes traf Fischer am Freitagvormittag mit dem kolumbianischen Staatspräsidenten Juan Manuel Santos zusammen. Im Vorfeld lobte der österreichische Präsident die „großen Fortschritte in den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Untergrundorganisation Farc“. Aber auch in Bogotá standen die Ausweitung der Handelsbeziehungen beider Länder im Vordergrund. Kolumbien ist Österreichs drittgrößter Handelspartner in der Region.

Die abschließenden Höhepunkte des Besuches sind die Wiedereröffnung der österreichischen Botschaft in Kolumbien – die Vertretung war 2012 einem Sparkurs zum Opfer gefallen – sowie ein Konzert der Wiener Philharmoniker im Teatro Mayor von Bogotá.

Zuvor war Fischer mit einer knapp 90-köpfigen Delegation aus Politik, Kultur und Wirtschaft nach Kuba gereist. In Havanna kam es zu einem Treffen mit Staatspräsidenten Raúl Castro. „Das Land befindet sich in einer sehr interessanten Entwicklungsphase“, so Fischer beim ersten Besuch eines österreichischen Staatsoberhauptes in Kuba am Dienstag, zugleich der 70. Jahrestag des Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen beider Länder. Als Ziel der Reise nannte Fischer die Ausweitung von Bildungs- und Wissenschaftskooperationen, Fortschritte beim Abschluss eines Rechtshilfeabkommens sowie die Intensivierung des Menschenrechtsdialogs zwischen der Europäischen Union und Kuba. Der österreichische Staatschef wurde von Justizminister Wolfgang Brandstetter, dem Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer Christoph Matznetter, den Klubobmännern beider Regierungsparteien sowie zahlreichen Wirtschafts- und Kulturvertretern begleitet.

Die schrittweise Stärkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sowie internationale Themen standen beim Zusammentreffen mit dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro am Mittwochnachmittag auf dem Programm. Die Annäherung zwischen Kuba und den USA werde auch für die Europäische Union inklusive Österreich positive Auswirkungen haben, zeigte sich Fischer im Anschluss an das knapp vierstündige Gespräch überzeugt. Zur selben Zeit traf der kubanische Vizepräsident Ricardo Cabrisas zu einem Arbeitsgespräch mit Rudolf Scholten, Generaldirektor der Österreichischen Kontrollbank, zusammen und analysierte mit ihm die aktuelle Situation und Perspektive der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, unter Berücksichtigung der Ergebnisse des am Morgen dieses Tages abgehaltenen Wirtschaftsforums Kuba-Österreich. Es folgte die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens zur Regelung der kubanischen Schulden auf Basis der Vereinbarungen im Rahmen der Verhandlungen mit der Ad-hoc-Gruppe des Pariser Clubs.

Von Michael Wögerer / Amerika21

Kuba bereitet nächsten Parteitag vor

Logo_7_Congreso_bigVom 16. bis zum 18. April wird in Havanna der VII. Parteitag der regierenden Kommunistischen Partei (PCC) tagen. Nach fünf Jahren findet damit in Kuba wieder der nächste reguläre Parteikongress statt, bei dem der politische Kurs des Landes zum Jahr 2021 festgelegt werden soll. Auf dem letzten Parteitag 2011 verabschiedeten Kubas Kommunisten ein umfassendes Reformprogramm, welches in Form der 313 „Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik“ bis zum nächsten Parteikongress umgesetzt werden sollte.

Neben der Vereinheitlichung der beiden Währungen, der Dezentralisierung der Staatsbetriebe, der Öffnung für ausländische Investitionen und privates Kleingewerbe, der Förderung des Agrarsektors und der Einrichtung von Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft sind in dem Programm eine Reihe von wirtschaftspolitischen Zielstellungen enthalten, die zu einem Anstieg der Löhne und damit des Lebensniveaus der Bevölkerung führen sollten.

Langfristiges Ziel der nach kubanischer Lesart als „Wirtschaftsaktualisierungen“ bezeichneten Reformen ist es, einen „wohlhabenden und nachhaltigen Sozialismus“ zu errichten, der auf Basis einer gemischten Ökonomie unter Beibehaltung des Staatseigentums der wichtigsten Produktionsmittel sowie der zentralen Planung funktionieren soll.

Nach Angaben der Parteizeitung Granma wurden allerdings bisher lediglich 21 Prozent der geplanten Reformen umgesetzt, während sich 77 Prozent der „Lineamientos“ noch im „Prozess der Implementierung“ befänden. Der kommende Parteitag soll deshalb vor allem die bisherige Umsetzung der Reformen bilanzieren und die langfristige Entwicklungsstrategie bis zum Jahr 2030 diskutieren. Darüber hinaus könnten außenpolitische Themen eine Rolle spielen.

Vom 1. bis zum 15. Februar wurden in den Basisorganisationen der Partei rund 1.000 Delegierten gewählt, darunter auch Fidel und Raúl Castro. Von den Delegierten sind 43,2 Prozent weiblich, etwa 84 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Das Durchschnittsalter beträgt 48 Jahre, wobei lediglich 55 Delegierte jünger als 35 sind. Was die Anzahl der Delegierten betrifft wird der nächste Kongress damit wieder ähnlich stark besetzt sein wie schon der VI. Parteitag im Jahr 2011.

In verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen, wie dem Gewerkschaftsbund CTC, der Frauenföderation FMC, dem kommunistischen Jugendverband UJC und anderen sollen nun in den kommenden Wochen die wichtigsten Dokumente des nächsten Parteitags erörtert werden. Es ist geplant, das mehr als 1,5 Millionen Menschen an den Diskussionen teilnehmen werden, darunter nicht nur Parteimitglieder. Neben der Bilanzierung der Umsetzung der Leitlinien werden sich die Debatten auch um Themen wie die Arbeit mit der jungen Generation, ideologische Subversion, Korruption und soziale Disziplinverstöße drehen, die zu den großen gesellschaftspolitischen Herausforderung zählen.

Dabei dürfte der nun anstehende Parteitag der letzte unter Beteiligung der historischen Generation um Fidel, Raúl und den anderen Guerilleros sein, die 1959 siegreich in Havanna einzogen. Ob und in welchem Umfang im April auch personelle Veränderungen anstehen ist bislang völlig unbekannt. Raúl Castro hat bereits angekündigt sein Amt als Präsident noch bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode 2018 ausüben zu wollen. Die schrittweise und geordnete Übergabe der wichtigsten Ämter an die nachfolgenden Generationen wurde jedoch beim letzten Parteitag zur dringenden Aufgabe erklärt.