Die Revolution und ihre Streichhölzer

Kubas Streichhölzer bestehen nicht aus Holz, sondern einem biegsamen Faserstoff (Quelle: Granma)

Kein Thema ist auf Kuba zu klein oder unwichtig, um nicht einmal von der Parteizeitung „Granma“ behandelt zu werden. Als sich vor wenigen Tagen ein Leser über die anerkanntermaßen bescheidene Qualität der heimischen Streichhölzer beschwerte, beschloss die Redaktion auch dieser Sache nachzugehen. Und förderte dabei erstaunliches zu Tage.

Wer auf Kuba ein Feuer entzünden will, nutzt meistens noch das klassische Streichholz. Die Schachtel kostet einen Peso, umgerechnet etwa vier Cent, und ist überall erhältlich. Allerdings ist die Qualität der Produkte derart schlecht, dass sie kaum ihren Dienst erfüllen. Zum einen Weil die Hölzer nicht wirklich aus Holz bestehen, zum anderen weil auch die Reibefläche häufig defekt ist. „Von 100 Stück funktionieren vielleicht zehn“ schrieb ein verärgerter Leser an die „Granma„. „Warum ist es für die Bevölkerung so schwierig die im Land verkaufen Streichhölzer zu entzünden?“, fragt deshalb die Zeitung.

Zahlreiche Kommentare auf Kubas Nachrichtenportal „Cubadebate“ geben ihr darin Recht, dass die Qualität ihrer Streichhölzer vielen Menschen unter den Nägeln brennt. Tatsächlich hat es das Thema im Jahr 2016 sogar auf die Agenda des kubanischen Parlaments geschafft, wurde in einem Bericht des Industrieministeriums behandelt. Damals blieb allerdings nur festzuhalten, dass die Lösung von „Investitionen in neue Technologie“ abhänge. Die heutigen Anlagen zur Herstellung von Streichhölzern stammen nicht selten noch aus den Zeiten vor der Revolution. Doch auch die schlechte Versorgung mit Ersatzteilen und Rohstoffen führte zum Niedergang der Betriebe. Nicht wenige der 146 Millionen Schachteln, die das Land in zehn Fabriken produziert, gelangen deshal halbvoll und in minderwertiger Verarbeitung in den Handel.

Kubas Industrieministerium jedenfalls teilt die Kritik der Bevölkerung, verweist jedoch ebenfalls auf die völlig veralteten Anlagen. Als vor vier Jahren die einzige Fabrik die echte Holzstreichhölzer produzieren konnte die Segel streichen musste, wurden andernorts die uralt-Anlagen wieder hochgefahren. Als kurzfristige Verbesserung soll laut Ministerium bald ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf die Schachteln gedruckt und die Nutzung der Anlagen besser koordiniert werden. In Zukunft, wenn sich Investoren finden und Gelder bereit stehen, will man jedoch dazu übergehen die Maschinen komplett auszutauschen. Dann sollen Kubas Streichhölzer auch aus echtem Holz bestehen und der bisher übliche biegsame Faserstoff der Vergangenheit angehören.

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EU-Außenbeauftragte: „Kuba wird niemals allein sein“

Die EU-Diplomatin Federica Mogherini (2. v. r.) lässt sich von Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal (rechts) die Altstadt zeigen (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Am vergangenen Freitag ist auf Kuba ein zweitägiger Besuch der Vertreterin der Europäischen Union für Sicherheit und Außenpolitik, Federica Mogherini, zu Ende gegangen. Die Diplomatin traf auch mit Präsident Raúl Castro zusammen. Bei dem ersten Arbeitsbesuch nach Inkrafttreten des Abkommens über politischen Dialog und Zusammenarbeit im vergangenen November wurde vor allem der Stand der Beziehungen zwischen Kuba und der EU erörtert. In scharfen Worten verurteilte Mogherini dabei auch die Wirtschafts- Handels- und Finanzblockade der USA gegen Kuba.

„Unabhängig von den politischen Veränderungen in Washington, lautet die Nachricht die ich hier überbringe: die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Kuba sind solide, stabil und vertrauensvoll“, versicherte Mogherini zu Beginn ihres Besuchs auf einer Konferenz im Universitätskollegium San Gerónimo in Havanna. „Wir stehen euch heute näher als jemals zuvor. Die Kubaner waren und werden niemals allein sein gegenüber denjenigen, die Mauern errichten und Türen schließen“, verwies Mogherini indirekt auf US-Präsident Donald Trump. Die Blockade sei „nicht die Lösung“, dies habe man auch gegenüber den USA erklärt.

Im Rahmen des zweitägigen Besuchs traf Mogherini mit zahlreichen kubanischen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zusammen, unter anderem mit Kubas Handelsminister Rodrigo Malmierca, Außenminister Bruno Rodríguez, Parlamentspräsident Esteban Lazo, Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal und zum Abschluss schließlich auch mit Präsident Raúl Castro. Das Treffen fand in „freundschaftlicher Atmosphäre“ statt, kommentierte die Parteizeitung Granma. Castro und Mogherini hätten die „gute Entwicklung“ der Beziehungen hervorgehoben. „Drei Besuche in drei Jahren sind ein Zeichen beider Parteien die Beziehungen weiterzuentwickeln“, kommentierte Außenhandelsminister Malmierca die Visite der EU-Repräsentantin.

In den Gesprächen wurden die verschiedenen Aspekte des im November 2017 provisorisch in Kraft getretenen Abkommens über politischen Dialog und Zusammenarbeit erörtert. Im Februar soll erstmals ein neuer EU-Kuba-Rat auf Ministerebene in Brüssel zusammenkommen. Dabei werden auch Fragen wie die Visapflicht, Handelsabkommen sowie die langfristige Zusammenarbeit zwischen Kuba und der EU diskutiert werden. „Die Europäische Union ist ein wichtiger Handels-, Wirtschafts- und Kulturpartner. Wir sehen ein Potential in der Steigerung des Handels und bei den Investitionen im Rahmen der langfristigen Entwicklungspläne unseres Landes bis zum Jahr 2030“, sagte Außenminister Rodríguez. In naher Zukunft sollen Abkommen in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro auf den Gebieten der erneuerbaren Energien, der Landwirtschaft und des kulturellen Austauschs geschlossen werden. Das neue Vertragswerk löst den 1996 eingeführten „Gemeinsamen Standpunkt“ der EU gegenüber Kuba ab, der unter anderem einen Systemwechsel auf der Insel forderte und von der damaligen rechtskonservativen spanischen Regierung unter Ministerpräsident José María Aznar vorangetrieben wurde. Kuba hat diese Position stets als Einmischung in innere Angelegenheiten verurteilt.

In dem neuen Abkommen, welches neben den politischen auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kuba und der EU auf eine neue Grundlage stellt, wurden kontroverse Themen als solche benannt, jedoch auch gegenseitiger Respekt und Souveränität als Grundlagen definiert. Die Abkehr von einer deutlichen Forderung nach einem Systemwechsel wurde vor allem von konservativen Regierungen in Osteuropa kritisiert, was zu Verzögerungen bei den mehr als zweijährigen Verhandlungen geführt hat. Nach dem provisorischen Inkrafttreten muss das Abkommen noch von den Parlamenten der 28 EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Bisher haben lediglich sieben Länder zugestimmt, darunter auch die Bundesrepublik.

„Es gibt Unterschiede in unseren Visionen, aber die Bereitschaft zu Dialog und Zusammenarbeit besteht fort“, sagte Mogherini kurz vor ihrem Abflug in Havanna.

In Miami erntete Mogherinis Besuch indes scharfe Kritik von der exilkubanischen Dissidentengruppe „Forum für Rechte und Freiheiten“. In einer Erklärung verurteilte die Gruppe die neue Dialogbereitschaft der EU, da diese der kubanischen Regierung Legitimität verschaffe. Die neue US-Administration habe mit der Verschärfung der Sanktionen eine „effektive Wende hin zur Priorisierung der Menschenrechte“ vollzogen, während die EU bevorzuge, „der Diktatur volle Unterstützung zu leisten.“

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Trotz Trump: US-Tourismus auf Kuba wächst

Trotz Sanktionen bleibt Kuba ein beliebtes Ziel für US-Touristen. Allein vergangenes Jahr besuchten mehr als eine Million US-Amerikaner die Insel (Quelle: Cubadebate)

Am heutigen Samstag meldeten Kubas Medien neue Zahlen zum US-Tourismus auf der der Insel. Demnach besuchten trotz der verschärften US-Sanktionen vergangenes Jahr rund 620.000 US-Amerikaner das Land, ein Anstieg um 217 Prozent im Vergleich zu 2016. US-Amerikaner stellen damit nach den Kanadiern die zweitgrößte Besuchergruppe. Insgesamt empfing Kuba letztes Jahr 4,25 Millionen Touristen, was einem Zuwachs von 19 Prozent entspricht.

Seit der Neuausrichtung der US-amerikanischen Kubapolitik im letzten Juni hat sich der Ton zwischen beiden Ländern wieder verschärft. Mittels neuer Sanktionen, die im Herbst in Kraft traten, wurde der unter Obama etwas gelockerte US-Tourismus nach Kuba weiter eingeschränkt. Im Rahmen der laufenden Untersuchung um die mysteriösen Schallangriffe in der US-Botschaft wies Washington im Oktober 15 kubanische Diplomaten aus. Dennoch nutzten viele US-Amerikaner die Gelegenheit, nach Kuba zu reisen.

Dabei fanden nicht nur rein touristische Besuche statt. Auch bei den Besuchen von Exilkubanern gab es 2017 einen Anstieg auf 454.000 Personen, 38 Prozent mehr als noch 2016. An vorderster Stelle bei den ausländischen Gästen bleiben die Kanadier, dennoch kommen die US-Amerikaner und Exilkubaner inzwischen an zweiter Stelle. Jeder fünfte Besucher auf Kuba hat heute die US-Staatsbürgerschaft.

Bei den „traditionellen“ Herkunftsländern der Touristen gab es bei Frankreich, Italien, Russland, Spanien, Argentinien und Brasilien Zuwächse. Vor allem Russland konnte mit 100.000 Besuchern einen starken Anstieg von 68 Prozent verzeichnen. Trotz der Schäden durch Hurrikan „Irma“ im Oktober konnte Kuba die Tourismus-Infrastruktur in kurzer Zeit wiederherstellen und erlebte auch in der letzten Jahreshälfte eine dynamische Entwicklung, erklärte der zuständige Fachminister Manuel Marrero gegenüber der Agentur.

 

Mobiles Internet kommt dieses Jahr nach Kuba

Kubas Smartphones sollen in diesem Jahr online gehen (Quelle: Cubadebate)

Kubas Telekommunikationsversorger ETECSA wird in den kommenden Monaten mit dem Ausbau des mobilen Internets auf der Insel beginnen. Nachdem vergangenes Jahr die ersten privaten Internetanschlüsse verlegt wurden, soll 2018 das mobile Internet folgen. Dies versicherte die Chefin des Unternehmens, Mayra Arevich, vergangene Woche gegenüber kubanischen Medien.

Derzeit gibt es mehr als 4,5 Millionen aktive Handyverträge auf Kuba, allein im letzten Jahr kamen 600.000 neue Handynutzer hinzu. Der Ausbau des Internets, welcher Teil der Digitalisierungsstrategie der Regierung ist, machte ebenfalls Fortschritte. Derzeit betreibt ETECSA ein Netz aus über 500 WiFi-Hotspots, welche Internet zum Preis von einem CUC pro Stunde anbieten. Im September vergangenen Jahres begann zudem der Ausbau privater Internetanschlüsse „en casa“. Die ersten 11.000 Haushalte sind bereits mit Internet versorgt. Die Anschlüsse kosten je nach Geschwindigkeit zwischen 15 und 115 CUC im Monat.

Doch auch bei den Institutionen schreitet der Netzausbau weiter voran. Vergangenes Jahr seien alle Universitäten Kubas sowie einige Oberschulen an das landesweite Glasfasernetz angeschlossen worden, sagte Arevich im Interview. Alle größeren Krankenhäuser, 200 Polikliniken sowie über 180 Apotheken verfügten mittlerweile über Internetzugang. Durch die Vernetzung der Apotheken soll vor allem die Erfassung und Planung des Medikamentenbestands besser werden, erklärte die ETECSA-Präsidentin.

Im kommenden Jahr steht für ETECSA neben dem weiteren Ausbau im Bildungs- und Gesundheitswesen vor allem die Eröffnung des mobilen Internets im Fokus. Bereits seit einigen Jahren können Kubaner über den „Nauta„-Service eMails über das Mobilnetz verschicken, nun soll das reguläre surfen mittels 3G und LTE hinzukommen. Darüber hinaus arbeitet Kubas Telekom eng mit den Banken zusammen um das Onlinebanking sowie das unkomplizierte Bezahlen von Rechnungen übers Smartphone zu ermöglichen. Preise und Tarifdetails für das mobile Internet sind indes noch nicht bekannt.