Kontroverse um LGBT-Demonstration in Kuba

Vom Parque Central zog die erste LGBT-Demonstration am Samstag unter Beisein zahlreicher internationaler Medienvertreter bis zum Malecón (Quelle: Cubanet/Twitter)

Havanna. Trotz vorheriger Absage durch die Veranstalter hat am Samstag in der kubanischen Hauptstadt Havanna die diesjährige Parade der LGBT-Bewegung stattgefunden. Rund 200 Aktivisten marschierten vom Parque Central der Altstadt bis zur Uferpromenade Malecón. Die Polizei reagierte zurückhaltend auf die nicht genehmigte Demonstration. Dennoch kam es gegen Ende zu Provokationen einiger Teilnehmenden in deren Folge drei Personen festgenommen wurden. Anders als in deutschsprachigen Medien berichtet, wurde der Zug jedoch nicht bereits nach 400 Metern gestoppt.

Am vergangenen Dienstag hat in Kuba die 12. Ausgabe der „Tage gegen Homo- und Transphobie“ unter dem Motto „Alle Rechte für alle Personen“ begonnen, die bis zum 18. Mai andauern. Zu den Zielen gehört nach Angaben der Veranstalter, alle Formen von Diskriminierung und Gewalt aufgrund des Geschlechts sichtbar zu machen, zu bekämpfen und zu überwinden, insbesondere solche, die mit der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität zusammenhängen. Mit Filmen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops soll Aufklärung gegen homophobe Ressentiments betrieben werden.

Die traditionelle Parade wurde dieses Jahr jedoch aufgrund „internationaler und regionaler Spannungen“ vom Gesundheitsministerium abgesagt, wie das Nationale Zentrum für Sexualerziehung (Centro Nacional de Educación Sexual, Cenesex) als Veranstalter im Vorfeld bekannt gab. Die Leiterin des Instituts, Mariela Castro, warnte bereits im Vorfeld vor ausländischer Einflussnahme auf die Demonstration.

Dennoch versammelten sich am Samstag mehrere hundert Aktivisten im Parque Central der Altstadt, um von dort aus die Demonstration zu beginnen. Anders als in deutschsprachigen Medien berichtet, wurde der Zug nicht bereits nach 400 Metern gestoppt, sondern konnte die fast einen Kilometer lange Strecke bis zur Uferpromenade Malecón unter Duldung der Behörden zurücklegen. Wie Zeugen vor Ort berichten, begann sich die Demonstration an dieser Stelle langsam aufzulösen, Gruppenbilder wurden gemacht.

Einige Teilnehmer zogen anschließend jedoch weiter in Richtung Malecón. Die Polizei untersagte dies aus Gründen der Verkehrssicherheit und sprach eine Verwarnung aus. Die vierspurige Uferstraße wird normalerweise bei Demonstrationen weiträumig für den Verkehr gesperrt, was aufgrund der fehlenden Genehmigung am Samstag nicht der Fall war. In der Folge kam es zu Handgemengen, die in drei Festnahmen mündeten. Wie das oppositionelle Medium „14ymedio“ berichtet, waren alle Festgenommenen, unter denen sich auch die bekannte Dissidentin Iliana Hernández befand, noch am selben Tag wieder auf freiem Fuß.

Einige der Aktivisten kritisierten das Vorgehen der Polizei anschließend scharf. Auch der Liedermacher Silvio Rodríguez und der Parlamentsabgeordnete Luis Ángel Adán Roble schlossen sich der Kritik an. Adán Roble, der selbst LGBT-Aktivist ist, bezeichnete die Absage der offiziellen Demonstration als „Fehler“ und widersprach der Aussage, diese sei von außen instrumentalisiert worden. Andere hingegen verurteilten die Provokation durch Teile der Demonstrierenden.

Mariela Castro bezeichnete die Eskalation am Ende der Demonstration als „von Miami orchestrierte Show“. In einem Facebook-Post vom Sonntag kritisierte sie die Instrumentalisierung der Demonstration durch Funktionäre der US-Botschaft sowie ausländischer Medien, welche die LGBT-Bewegung gegen die Revolution in Stellung bringen wollten. „Unseren Regenbogen malen wir stolz in den Farben des Antiimperialismus“, so Castro.

Der chilenische LGBT-Aktivist Víctor Hugo Robles warnte in einem Artikel vor der Instrumentalisierung der Schwulen- und Transsexuellenbewegung auf Kuba durch die USA. Anders als in den letzten Jahren befanden sich am Samstag auch einige bekannte Dissidenten unter den Demonstrierenden, darunter die in den USA lebende Tania Bruguera, die offensichtlich extra angereist war. Laut Gerüchten vor Ort unterstützten auch ausländische Botschaften die Kundgebung.

Cenesex fördert bereits seit Jahren den Kampf gegen Homo- und Transphobie auf Kuba. Obwohl die Einführung der „Ehe für alle“ im Zuge der Volksaussprache im Vorfeld zu Kubas neuer Verfassung mehrheitlich abgelehnt wurde, hat sich die Stimmung in den letzten Jahren zugunsten der LGBT-Community gewandelt. Laut einer 2016 veröffentlichten Studie sind 77 Prozent der Kubaner der Ansicht, dass Schwule und Lesben die gleichen Rechte wie alle anderen genießen sollten. In der selben Umfrage im Jahr 1989 teilten lediglich 23,3 Prozent der Befragten diese Haltung. Zu den schärfsten Kritikern der Gleichstellung zählen in jüngster Zeit auf Kuba vor allem evangelikale Gruppen und andere christliche Fundamentalisten. (Amerika21)

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Kehrt Kuba zurück in die Sonderperiode? (Analyse)

Die Sonderperiode der 1990er Jahre mit ihren Einschränkungen und Improvisationen ist vielen Kubanern noch in lebendiger Erinnerung (Quelle: Commons)

Angefangen hat es mit der Verknappung von Mehl und Speiseöl. Inzwischen bekommt Kuba auch in anderen Bereichen die Folgen der Krise in Venezuela sowie die jüngste Verschärfung der US-Blockade zu spüren. Während die Zeitungen ihren Umfang reduzieren mussten, haben viele Provinzen bereits mit Einschränkungen beim Transport und im Stromverbrauch zu kämpfen. Raúl Castro warnte Mitte April, dass sich die Lage „in den kommenden Monaten“ weiter verschlechtern könne. Droht Kuba die Rückkehr in die Sonderperiode der 1990er Jahre?

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Keine Parade dieses Jahr bei den kubanischen „Tagen gegen Homophobie“

Die traditionelle „Conga“ gegen Homo- und Transphobie auf Kuba wurde dieses Jahr vom Gesundheitsministerium abgesagt (Quelle: Facebook)

Am Dienstag hat in Kubas Hauptstadt Havanna die 12. Ausgabe der „Tage gegen Homo- und Transphobie“ begonnen. Noch bis zum 17. Mai wird im Rahmen von Filmen, Diskussionsveranstaltungen und anderen Events über die Rolle der LGBT-Bewegung auf Kuba diskutiert und Aufklärung gegen homophobe Ressentiments betrieben. Die traditionelle Parade jedoch wurde dieses Jahr aufgrund „internationaler und regionaler Spannungen“ vom Gesundheitsministerium abgesagt.

Den Ausfall der Parade gab das nationale Sexualaufklärungszentrum CENESEX, der als Veranstaltung der Tage gegen Homophobie fungiert, am Montag in einem Facebook-Posting bekannt. Die diesjährige „Conga“, wie der bunte Marsch genannt wird der zeitgleich in Havanna und Camagüey stattfindet, müsse aufgrund „verschiedener Gründe, die nicht zu seinem erfolgreichen Verlauf beitragen würden“ abgesagt werden.

„Las nuevas tensiones en el contexto internacional y regional afectan de manera directa e indirecta a nuestro país y tiene impactos tangibles e intangibles en el normal desenvolvimiento de nuestra vida cotidiana y en la implementación de las políticas del Estado cubano.“
(Aus der Stellungnahme von CENESEX)

 

Als Gründe wurden „neue internationale und regionale Spannungen“ genannt, welche „auf direkte und indirekte Weise das Land […], das ruhige zusammenleben und die Implementierung der staatlichen Gesetze“ beeinträchtigten. Welches Phänomen genau damit gemeint ist, geht aus der Stellungnahme nicht hervor. Neben der jüngsten Verschärfung der US-Blockade könnte jedoch auch die anhaltende Krise im befreundeten Venezuela gemeint sein. Beide Ereignisse haben in den letzten Wochen zu stärker werdenden Versorgungsengpässen auf Kuba geführt. Einige LGBT-Aktivisten vermuten, dass auch der Widerstand von evangelikalen Gruppen bei der Entscheidung zur Absage eine Rolle gespielt haben könnte. Diese drohten in den vergangenen Wochen offenbar mit einer Gegendemonstration.

Ungeachtet dieser Umstände finden alle übrigen Veranstaltungen der „Tage gegen Homo- und Transphobie“ wie geplant statt. Hierzu gehören neben mehreren Diskussionsrunden und Filmvorführungen auch Workshops, die in Havanna und der zentralkubanischen Stadt Camagüey veranstaltet werden.

Der Kampf gegen Homophobie wird auf Kuba von der staatlichen Sexualaufklärungsinstitution CENESEX maßgeblich unterstützt. An deren Spitze steht seit dem Jahr 2000 die Tochter des Expräsidenten des sozialistischen Landes, Mariela Castro. Während die Einführung der „Ehe für alle“ im Zuge der Volksaussprache im Vorfeld zu Kubas neuer Verfassung mehrheitlich abgelehnt wurde, hat sich die Stimmungen in den letzten Jahren dennoch zugunsten der LGBT-Community gewandelt. Laut einer 2016 veröffentlichten Studie sind 77 Prozent der Kubaner der Ansicht, dass Schwule und Lesben die selben Rechte wie alle anderen genießen sollten – zum Vergleich: bei der selben Umfrage im Jahr 1989 teilten lediglich 23,3 Prozent der Befragten diese Haltung. Dennoch gibt es noch immer Teile der kubanischen Gesellschaft, welche nicht bereit sind, Homo- und Transsexuelle zu akzeptieren. Neben „klassischen“ Vorurteilen des Machismo zählen hierzu auch in jüngster Zeit entstandene evangelikale Gruppen und andere christliche Fundamentalisten.

In den kommenden zwei Jahren soll auf Kuba ein neues Familiengesetz beschlossen werden, in dessen Vorfeld ebenfalls öffentliche Aussprachen stattfinden werden. In diesem Rahmen soll dann auch die Frage nach der Einführung der „Ehe für alle“ nochmals diskutiert werden.

Bessere Bedingungen und neue Routen für Havannas gelbe Sammeltaxis (+ Karte)

Seit Januar sind rund 400 gelbe Mikrobusse als Ergänzung für Havannas ÖPNV-Netz im Einsatz (Quelle: Cubadebate)

Wie Kubas Transportministerium vergangene Woche bekannt gegeben hat, werden die gelben Sammeltaxis („Gazellas“), welche seit Anfang des Jahres das ÖPNV-Angebot in Havanna ergänzen, künftig eine zusätzliche Route bedienen. Die bisherigen Strecken wurden ebenfalls überarbeitet. Mit neuen Regeln will der Staat darüber hinaus das Angebot sowohl für Fahrgäste als auch die Taxidienstleister selbst attraktiver gestalten.

Seit dem Start des neuen Routentaxi Dienstes diesen Januar, haben die 400 gelben Mikrobusse im Schnitt 5.000 tägliche Fahrten absolviert und damit jeden Tag rund 70.000 Passagiere befördert. Der Spitzname „Gazella“ leitet sich aus dem Namen des 1932 gegründeten russischen Herstellers Gorkowski Awtomobilny Sawod (kurz: „GAZ„) ab. „Seit dem Start des Angebots wurde der Transportdienst konstant überprüft, was zur Aufdeckung einiger Probleme sowohl auf Seiten der Passagiere als auch aus Sicht der Fahrer geführt hat“, erklärte Kubas Vize-Transportministerin Marta Oramas, gegenüber dem Nachrichtenportal „Cubadebate„.

Aus diesem Grund werden ab dem 13. Mai einige neue Regeln in Kraft treten, welche das Angebot optimieren sollen. Hierzu zählt beispielsweise eine neue Routenführung, um die Versorgung der Pendler in den Wohngebieten außerhalb der Innenstadt weiter zu verbessern. Darüber hinaus sind die Sammeltaxis nun verpflichtet, zur Hauptverkehrszeit zwischen 6 Uhr 30 und 21 Uhr ausschließlich die vorgegebenen Routen zu bedienen, an den Haltestellen dürfen maximal fünf Minuten verweilt werden. Damit reagiert das Ministerium auf Kritik der Bevölkerung, wonach manche der Sammeltaxi-Betreiber die rush hour abgewartet haben, um anschließend auf eigene Rechnung zu arbeiten. Die eigentlich vorgesehenen Routen wurden oft gar nicht mehr bedient. Um die Verluste durch das neue Modell auszugleichen werden die privaten Fahrer, welche die Fahrzeuge in Zweierteams vom Staat pachten, künftig bessere Vertragsbedingungen erhalten.

Auch bei der Transparenz gibt es Fortschritte. Um die Orientierung zu erleichtern, muss die genaue Routenführung in Zukunft noch besser sichtbar im Fahrzeug ausgehängt werden, zudem soll die Motorhaube mit der entsprechenden Nummer beschriftet werden, so dass die Ziele der Sammeltaxis schon von weithin sichtbar sind. Der Preis bleibt mit 5 kubanischen Pesos (ca. 0,20 €) pro Streckenabschnitt konstant.

Seit 2016 läuft in Havanna ein Prozess der Restrukturierung des Nahverkehrs, welcher neben einer massiven Ausweitung der staatlichen Busflotte auch die Einführung von genossenschaftlichen und privaten Transportdienstleistern als Ergänzung vorsieht.

Die neuen Routen im Detail:

  • Ruta 11 con origen Base Taxis 82 en San Miguel del Padrón y destino en calle 27 y O, Vedado. (Modificación: alargamiento de la ruta a un tercer tramo, des Infanta y calle 27 hasta la Liga Contra la Ceguera en Marianao; su recorrido continúa por San Lázaro a Infanta, calle 23, avenida 41 hasta hospital Pando Ferre (La Ceguera). El regreso utiliza calle O a Infanta, continuando su recorrido habitual. Por lo cual la ruta quedaría con origen Base Taxis 82 en San Miguel del Padrón y destino en Hospital Pando Ferrer (La Ceguera, Marianao)
  • Ruta 13 con origen El Roble, Guanabacoa y destino en calle 11 y K, Vedado. (Modificación: Alargamiento de la ruta a un tercer tramo, continuando por calle Línea y 3ra avenida hasta 1ra y 70 en Playa. Por lo cual la ruta quedaría con origen El Roble en Guanabacoa y destino en 1ra y 70, Playa.)
  • Ruta 15 con origen en el Edificio 18 Plantas Alamar y destino calle 5ta y D, Vedado. (Modificación: Cambiar el itinerario de retorno, por Galeano, Reina, Monte, Monserrate, Túnel de La Bahía, a su recorrido habitual. Ello permite un mayor acceso de la población de Alamar, en el retorno hacia su municipio.)
  • Ruta 17 con origen Managua y destino Parque de La Normal. (Modificación: Cambio de recorrido en ida de Managua hacia el parque de La Normal, circulando por 1er Anillo, Ave Rosario, Calzada Güinera a Calzada Bejucal, continuando por su recorrido habitual. Mantiene el recorrido de regreso actual, al no existir posibilidad de cruzar el 1er anillo. Mantiene su estructura de cuatro tramos, el segundo punto de intercambio en el puente de Calabazar se traslada para Calzada de Güinera y Calzada de Bejucal.
  • Ruta 18 con origen en Micro X en Alamar y destino Parque de La Normal. (Modificación: Alargamiento de ruta- mantiene dos tramos- hasta la piquera ubicada en calle 11 e/ K y J, en el Vedado; continua por calle Infanta, San Lázaro, Calle L, hasta calle 11 y K. A su regreso utiliza 7ma, calle O, Infanta a su recorrido habitual. Por lo cual, la ruta quedaría origen Micro X, Alamar con destino calle 11 y K, Vedado y mantiene dos tramos.)
  • Ruta 22 con origen en el Reparto Bahía y destino Parque de La Normal. (Modificación: Alargamiento de la ruta a un tercer tramo, cambiando el destino final de la ruta hasta la piquera de calle D, entre 25 y calle 27, Vedado. De Salvador Allende (Carlos III), Infanta, Calle 25, Calle G, Calle 29 hasta calle D. A su regreso por calle 23, calle J, Universidad, calle G, Carlos III a su recorrido habitual. Incrementa la distancia a 19.22 km, por lo que los tramos y las señales de intercambio sería: 1er tramo, desde el Reparto Bahía hasta el Cristo con 8.5 km; segundo tramo hasta el Parque el Curita con 6 km y el tercer tramo hasta piquera en Calle D, Vedado, con 4.72 kilómetros. Por lo cual, la ruta quedaría con origen Reparto Bahía, con destino a calle D y 27, Vedado.
  • Neue Route: Ruta 24 con origen Jaimanita, Playa y destino 27 y O en el Vedado. Recorrido: Calle 236, Jaimanita-3raC-Calle 240-5ta Avenida-Calle 120- 5ta B (paradero de Playa)- Avenida 112-3ra- Calle 70- Calle 29F-Calle 76- Avenida 31- Calle Línea- Calle O hasta 27 y O. En su retorno utiliza Infanta, Calle L a Calle Línea, en vez de Calle O y Calle 29E, después de calle 76 a su recorrido. Con el primer tramo 5ta B y 120 (paradero de Playa), el segundo tramo en Avenida 31 y calle 76, La Ceguera y el tercer tramo en 27 y O, Vedado.

Karte der Sammeltaxi-Routen in Havanna:

Die neuen Routen im Detail

Kuba testet neue App zum bargeldlosen bezahlen

Darstellung der Entwicklungsversion der App des staatlichen Softwareherstellers Xedit (Quelle: Cubadebate)

Die kubanische Softwareschmiede „Xedit“ arbeitet derzeit an einer App, welche „den gesamten elektronischen Zahlungsverkehr der Insel vereinheitlichen“ soll, wie das Nachrichtenportal „OnCuba“ berichtet. Das Programm mit dem Namen „EnZona“ soll künftig bargeldlose Bezahlungen, Kundenbewertungen und andere Dienste mittels QR-Code auf dem Smartphone ermöglichen.

Mit der App sollen künftig „alle elektronischen Transaktionen“ zwischen Einzelpersonen sowie staatlichen und privaten Unternehmen abgewickelt werden, versprechen die Entwickler. Funktionieren soll die Anwendung ähnlich wie der chinesische Messenger-Dienst „WeChat“, mit dem im Reich der Mitte bereits heute fast überall bargeldlos bezahlt werden kann. Dabei wird es spezielle Profile sowohl für Kunden als auch Geschäftsbesitzer geben, welche die App jeweils für ihre Zwecke nutzen können.

Mittels QR-Codes können Kunden dann in Geschäften, Restaurants und anderen Dienstleistern das gewünschte Produkt einscannen und über das verknüpfte Girokonto Zahlungen tätigen. „Eine einzige Person wäre dann ausreichend, um die Rechnungen nach dem Kauf zu verifizieren“, berichtet „Cubadebate„. Auch anonyme Kundenbewertungen könnten über ein Feedback-Formular abgegeben werden. Damit sollen sich Transparenz und Komfort im staatlichen wie im privaten Gewerbe für alle Beteiligten verbessern. Auch die Buchhaltung soll mit der App stark vereinfacht werden.

In einem auf Facebook veröffentlichten Video zeigte der staatliche Hersteller Xedit bereits erste Anwendungsbeispiele für die App, deren Erscheinungsdatum noch nicht bekannt ist. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel machte die Digitalisierung zu einer Priorität seiner Regierung. Nach der Inbetriebnahme des mobilen Internets vergangenen Dezember sollen noch in diesem Jahr 17 neue Online-Shops entstehen, mit denen moderne bargedlose Bezahlsysteme getestet werden.

Havanna erhält chinesische Bushaltestellen

Die beiden neuen Wartehäuschen befinden sich in Havannas Stadtteil Plaza (Quelle: Tribuna)

Anlässlich des anstehenden 500. Gründungsjubiläums der kubanischen Hauptstadt Havanna, hat die chinesische Firma „Yutong“ zwei neue Bushaltestellen gestiftet. Neben einer modernen LED-Anzeige verfügen diese über einen Linienplan des gesamten Busnetzes sowie Vorrichtungen zur Mülltrennung.

Zum 500. Jubiläum setzt Havanna voll auf Mülltrennung (Quelle: Tribuna)

Vergangene Woche wurden die beiden neuen Haltestellen in einer feierlichen Zeremonie unter Beisein der Yutong-Vertreterin Wang Tong eröffnet, wie die Lokalzeitung „Tribuna de La Habana“ berichtet. Yutong ist einer der größten Bushersteller Chinas und in der Welt. Die Firma ist seit über 14 Jahren auf Kuba aktiv und lieferte den Großteil der kubanischen Busflotte sowie der Metrobusse von Havanna. Offenbar waren die beiden neuen Haltestellen, welche sich in Havannas Stadtteil „Plaza“ in der Nähe des Busbahnhofs befinden, eine Spende der chinesischen Firma.

Neben der breiten und überdachten Sitzfläche verfügen die Haltepunkte auch über einen Mülleimer mit Trennung für Recyclingabfälle und ist damit fit für die Zukunft. Künftig will Kubas Regierung verstärkt auf Mülltrennung setzen, um die Recyclingquote zu erhöhen und Importe einzusparen. Ein weiteres Novum ist die moderne LED-Anzeige mit Liniennetzplan, zwei Dinge, die die Orientierung insbesondere für Touristen erleichtern dürften. Ob in Zukunft weitere Bushaltestellen mit den neuen Komfortmerkmalen ausgestattet werden dürften ist noch unklar.

Die chinesischen Bushaltestellen verfügen über moderne LED-Anzeigen samt Liniennetzplan (Quelle: Tribuna)

Warum gibt es die „Granma“ auf deutsch?

Editorial der deutschen Erstausgabe der „Granma“ vom Mai 1994 (Quelle: Granma-Archiv)

Vor einem Vierteljahrhundert lief die Deutschland-Ausgabe der „Granma Internacional“ in Havanna erstmals durch die Druckerpresse: im Mai 1994 erschien die Nullnummer des kubanischen Parteiorgans in deutscher Sprache. Seitdem durchlief das Blatt eine wechselvolle Geschichte. Doch wie kommt es eigentlich, dass eine karibische Inselzeitung bei uns gelesen werden kann?

Sendungsbewusstsein über das eigene Ufer hinaus

Beilage vom Dezember 1995 (Quelle: Granma-Archiv)

Alles begann am 20. Februar 1966. Anlässlich der ersten Konferenz der Solidarität der Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas („Tricontinental“), bei dem sich auch namhafte politische Führer wie der spätere chilenische Präsident Salvador Allende in Havanna versammelten, erschien die erste Ausgabe der „Resumen Semanal de Granma“, der „wöchentlichen Zusammenfassung der Granma“. Angesichts der hohen internationalen Wirkmächtigkeit, hatten Kubas Kommunisten beschlossen, eine eigene Ausgabe ihres Parteiorgans auf Englisch, Französisch und Spanisch für den internationalen Vertrieb zu entwickeln. Später kam noch eine portugiesische Variante hinzu. Ab 1990 nannte sich das Blatt dann offiziell „Granma Internacional“ und erschien monatlich im 16-Seitigen Format.

Nun ist das große internationalistische Sendungsbewusstsein der Insel kein Geheimnis. Nicht nur bei den militärischen Missionen in Angola und anderen afrikanischen Ländern im Kampf gegen das Apartheitsregime, auch bei den heutigen Ärzteeinsätzen in Krisengebieten zeigt sich, dass die Kubaner ihre Revolution immer auch in globalen Maßstäben und weit über das eigene Ufer hinaus denken. Doch eine „internationalistische Zeitung“ herauszugeben, die mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren in über 120 Ländern bereitgestellt wird, stellte die Insel immer wieder vor große logistische wie personelle Herausforderungen.

Mit Robotron-Schreibmaschinen und klapprigem Dienstwagen

In Deutschland begann die Geschichte der „Granma“ im Mai 1994, inmitten der schweren Wirtschaftskrise der „Periódo Especial“, welche die Insel in Folge des Wegfalls des sozialistischen Lagers heimsuchte. Eine Gruppe von sechs Enthusiasten, darunter eine diplomierte Dolmetscherin, begann inmitten der schwierigen Situation das Projekt, um „Interessierten im deutschsprachigen Raum endlich Originalinformationen aus Kuba zukommen zu lassen“, wie es in einem Artikel heißt, der anlässlich des fünften Erscheinungsjubiläums veröffentlicht wurde. Die Gruppe in Havanna, bestehend aus nicht wenigen deutschen Muttersprachlern aus der Solidaritätsbewegung, hatte damals inmitten der Krise mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen: alte Technik und ein klappriger Dienstwagen erschwerte das Erscheinen der Zeitung über viele Jahre hinweg. „Sechs Schreibmaschinen vom Typ Robotron und sieben Wörterbücher“, zählten damals zum Inventar der Redaktion, die nur dank jeder Menge Enthusiasmus ihre Arbeit verrichten konnte.

Dennoch gelang es, die deutsche Ausgabe der „Granma“ bis zu ihrem 25. Jubiläum zu erhalten und weiter auszubauen. Inzwischen wurde auch das komplette Archiv der Zeitung digitalisiert und ist kostenlos im Netz abrufbar. Bei der Lektüre fällt auf, dass manchmal die größte Veränderung der Geschichte in ihrer Kontinuität liegt: „USA verschärfen Blockade mit Helms-Burton“, hieß es vor 23 Jahren. Heute könnte man mit der selben Schlagzeile titeln. Und auch manchen Artikeln über die Probleme mit der Korruption, neue Ideen zur Belebung der Landwirtschaft oder Energieeinsparungen aufgrund der schwierigen Wirtschaftssituation merkt man ihr Alter nicht an.

Heute verfügt die Zeitung neben einer runderneuerten Homepage dank der Kooperation mit dem Verlag 8. Mai auch über einen eigenen Druckstandort in Deutschland, was den aufwändigen Versand der Monatszeitung über den Atlantik erspart. Noch immer liefert sie zuverlässig die schnellste Übersetzung offizieller Reden kubanischer Politiker, was gerade für die wissenschaftliche und journalistische Arbeit zu Kuba eine wichtige Primärquelle darstellt. Und auch der verklausulierte Satzbau und die sehr wortwörtlichen Übersetzungen, welche so manches Stirnrunzeln beim geneigten Leser erzeugen, gehört noch immer zum eigenen Charme der „Granma Internacional“, die wohl noch viele weitere Jahre Kubas wichtigste Stimme im Ausland sein dürfte.