Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel ist am vergangenen Samstag zu einer offiziellen Reise nach Vietnam, China und Laos aufgebrochen, um die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den drei asiatischen Ländern zu vertiefen.
„Dieses Wochenende beginnen wir offizielle Besuche in Vietnam, China und Laos, Brudernationen, mit denen uns tiefe Bindungen und eine gemeinsame Geschichte der Kooperation und Solidarität verbinden“, schrieb Díaz-Canel auf der Plattform X. Die Reise ziele darauf ab, die historisch gewachsenenen bilateralen Beziehungen zu stärken.
Kuba hat seine freundschaftlichen Beziehungen zu den drei Ländern, die sich als sozialistische Bruderstaaten betrachten, seit mehreren Jahren auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft vertieft.
Vietnam läuft China den Rang ab
Zuletzt hat sich dabei insbesondere Vietnam neben China als wichtigster Wirtschaftspartner Kubas in Asien etabliert. Das Land ist mittlerweile der zweitgrößte Handelspartner Kubas weltweit und der wichtigste Kapitalinvestor aus der asiatischen Region. Das bilaterale Handelsvolumen beläuft sich auf etwa 340 Millionen US-Dollar.
Vietnam exportiert nach Kuba hauptsächlich Reis, Kohle, Chemikalien, Textilien und elektronische Komponenten, während Kuba vor allem pharmazeutische Produkte liefert. Während der Corona-Pandemie kooperierten beide Länder bei Impfstoffen: Kubas „Abdala“-Vakzin kam auch in Vietnam zum Einsatz. Mittlerweile bestehen mehr als 50 bilaterale Kooperationsabkommen.
Erstmals Ackerland an ausländische Firmen

Anfang des Jahres wurde erstmals staatliches Ackerland an vietnamesische Unternehmen zur Bewirtschaftung übertragen– ein bisher beispielloser Schritt der kubanischen Regierung. Die private vietnamesische Firma Agri VAM, eine Tochtergesellschaft der im Lebensmittelbereich aktiven Fujinuco-Gruppe, erhielt 1000 Hektar für den Reisanbau in der Provinz Pinar del Río. Über das erfolgreich verlaufende Projekt wurde gemeinsam mit dem vietnamesischen Fernsehen eine Dokumentation gedreht, die am 2. September zeitgleich in beiden Ländern ausgestrahlt wurde.
Díaz-Canel kündigte während seines Besuchs in Hanoi an, dass weitere 2000 Hektar an vietnamesische Unternehmen für landwirtschaftliche Projekte übertragen werden sollen (Cubaheute berichtete). Die Kontrakte mit vietnamesischen Firmen sind die einzigen bekannten Fälle, in denen Havanna Staatsland an ausländische Firmen abgetreten hat.
Der kubanische Präsident betonte, sein Land sei bereit, „ein zunehmend attraktiveres Umfeld für vietnamesische Unternehmer“ durch „Erleichterungen und Anreize“ zu schaffen. Ende des Jahres soll ein hochrangiger Gegenbesuch des vietnamesischen KP-Generalsekretärs To Lam in Havanna stattfinden.
Militärische Kooperation ausgeweitet
Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit vereinbarten beide Länder auch eine Ausweitung der militärischen und geheimdienstlichen Kooperation. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, die Regierungen hätten „eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und Außenpolitik“ vereinbart.
Díaz-Canel hatte bereits in seiner Rede in Hanoi erklärt, die Ausweitung der Kooperation in diesen Bereichen stelle „einen weiteren Ausdruck des gegenseitigen Vertrauens dar“. In den vergangenen Monaten fanden mehrere Austauschprogramme statt, an denen die kubanischen Minister für Verteidigung und Innereres, Álvaro López Miera und Luis Alberto Álvarez Casas, teilnahmen. Im Gegenzug reiste der vietnamesische Vizeminister und Generalstabschef Nguyen Tan Cuong im Juni nach Havanna.
Während seines Aufenthalts in Vietnam verfolgte Díaz-Canel am Dienstag die Militärparade zum 80. Jahrestag der Unabhängigkeit Vietnams als Gast auf der Ehrentribüne.
Biotech-Kooperation und „eiserne Freundschaft“ mit China

Nach Vietnam reiste Díaz-Canel nach China weiter, wo er am Mittwoch gleich an der nächsten Militärparade, diesmal auf dem Tiananmen-Platz in Peking, teilnahm. Die Parade markierte den 80. Jahrestag des chinesischen Sieges über das faschistische Japan im Zweiten Weltkrieg. Anschließend wurde Díaz-Canel von seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping empfangen.
Bei dem Treffen wurden insgesamt elf neue Kooperationsabkommen unterzeichnet. Sie umfassen Bereiche wie die Neue Seidenstraße, politische Konsultationen, praktische Zusammenarbeit, kulturelle Austauschprogramme und Chinas Globale Sicherheitsinitiative. Weitere Vereinbarungen betreffen landwirtschaftliche Kooperation, Raumplanung, künstliche Intelligenz, traditionelle Medizin sowie Presse, Film und Fernsehen.
Beide Staatschefs bekräftigten die strategische Partnerschaft ihrer Länder. Die „Gemeinschaft geteilter Zukunft zwischen China und Kuba“ sei in den vergangenen Jahren „immer tiefer und solider geworden“ und habe sich zum „charakteristischen Merkmal der eisernen Freundschaft zwischen beiden Parteien und Ländern“ entwickelt, sagte Chinas Staatschef Xi Jinping. Díaz-Canel überbrachte Grüße des kubanischen Revolutionsführers Raúl Castro Ruz, den Xi als „alten Freund“ und „unermüdlichen Förderer der bilateralen Beziehungen“ würdigte.
Während seines Aufenthalts besuchte Díaz-Canel die Pekinger Niederlassung des chinesisch-kubanischen Biotechnologie-Gemeinschaftsunternehmens BPL. Die Firma beliefert nach Angaben der Betreiber rund 2000 chinesische Krankenhäuser mit kubanischen Biotechnologie-Produkten. Das Hauptprodukt ist derzeit Nimotuzumab, ein Krebsmedikament.
Mayda Mauri, Präsidentin des kubanischen Pharmaunternehmens Biocubafarma, erklärte, gegenwärtig werde die Produktion von CIMAVAX übertragen, einer therapeutischen Impfung gegen Lungenkrebs. „Die ersten Nutznießer sind das kubanische und das chinesische Volk“, sagte Mauri. Díaz-Canel drängte darauf, die Exportvolumen in China, Kuba und auch auf dem „wettbewerbsintensiven und anspruchsvollen Markt der ASEAN“ zu steigern.
Díaz-Canel stattete auch dem 2021 eröffneten Museum zur Geschichte der Kommunistischen Partei in Peking einen Besuch ab.
Weitere Station in Laos
Die Besuche in Vietnam und China markieren den 65. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und beiden Ländern. Nach seinem Besuch in China wird Díaz-Canel dem südostasiatischen Laos einen Besuch abstatten, mit dem ebenso wie im Falle Chinas und Vietnams neben Beziehungen auf Staatsebene seit mehreren Jahren wieder ein Austausch beider Kommunistischer Parteien stattfindet.
Das kubanische Staatsoberhaupt wird von einer Delegation begleitet, der Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla, der Leiter der Abteilung für Internationale Beziehungen des Zentralkomitees Emilio Lozada García und Außenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva Fraga angehören.

