Die kubanische Regierung hat alle ausländischen Unternehmen darüber informiert, dass sie keine Devisen mehr von ihren bestehenden Bankkonten abheben oder ins Ausland transferieren können. Dies bestätigten mehrere Unternehmens- und Diplomatenquellen gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE.
Gleichzeitig bietet die Regierung den Unternehmen die Möglichkeit, neue Bankkonten zu eröffnen, die als „real“ bezeichnet werden. Diese müssen mit frischen Devisen aus dem Ausland gespeist werden und sollen theoretisch Auslandsüberweisungen und Bargeldabhebungen ermöglichen. Allerdings berichten einige ausländische Unternehmen, dass auch hier Probleme auftreten.
Diplomatische Vertretungen ebenfalls betroffen
Das kubanische Außenministerium informierte offenbar am Mittwoch auch das diplomatische Korps über ähnliche Beschränkungen. Den Botschaften wurde mitgeteilt, dass in Kürze ein Stichtag für ihre Konten angekündigt werde. Devisen, die ab diesem Zeitpunkt aus dem Ausland eingehen, könnten theoretisch abgehoben und ins Ausland transferiert werden. Die Verfügbarkeit vorheriger Guthaben sei jedoch nicht garantiert, hieß es.
Ausländische wie staatliche Unternehmen leiden bereits seit mehreren Jahren unter erheblichen Liquiditätsproblemen, die durch Wechselkursverzerrungen verstärkt werden. Während juristische Personen offiziell mit einem Kurs von 24 Pesos pro Dollar operieren müssen, liegt der Straßenkurs aktuell etwa 480 Pesos pro Euro. Zusätzlich wurden alle ausländischen Unternehmen vor einigen Monaten dazu verpflichtet, Mieten für Immobilien und Gehälter ihrer Mitarbeiter in US-Dollar zu zahlen.
Der Schritt könnte ein Vorbote für eine umfangreiche Neuordnung des Währungsmarktes sein, wie er im Rahmen des kürzlich veröffentlichten „Regierungsprogramm zur Korrektur von Verzerrungen und Wiederbelebung der Wirtschaft“ vorgesehen ist.
Derzeit sind 334 Joint-Ventures und ausländische Firmen in Kuba ansässig, davon 56 mit 100 Prozent ausländischem Kapital. Das Land importiert 80 Prozent aller Verbrauchsgüter und leidet unter einem enormen Leistungsbilanzdefizit. Experten vermuten, dass die Behörden die Devisen aus den eingefrorenen Konten für Auslandszahlungen verwendet haben, ähnlich wie bereits bei der Liquiditätskrise 2008/9.

