Ein Ausfall einer Hauptübertragungsleitung hat am Mittwochmorgen zu einem großflächigen Stromausfall in Westkuba geführt. Betroffen waren die Hauptstadt Havanna und die Provinzen von Pinar del Río bis Mayabeque, wie das Energieministerium auf dem Kurznachrichtendienst X mitteilte.
Die Störung ereignete sich um etwa 5:00 Uhr Ortszeit, als eine wichtige Übertragungsleitung zwischen dem größten Kraftwerk des Landes in Matanzas und der Hauptstadt ausfiel. Lázaro Guerra Hernández, Generaldirektor für Elektrizität im Energieministerium, erklärte in einer Fernsehübertragung, dass der Ausfall einer Übertragungsleitung zwischen den Kraftwerken Santa Cruz und Antonio Guiteras eine Überlastung verursacht habe.
Die Überlastung habe dazu geführt, dass die Kraftwerksblöcke in Mariel, Santa Cruz, Cienfuegos und Felton vom Netz gingen, so Guerra Hernández. Bis zum späten Nachmittag (Ortszeit) konnten die Behörden etwa die Hälfte der Hauptstadt wieder mit Strom versorgen.
Schrittweise Wiederherstellung
Der staatliche Stromversorger UNE berichtete, dass um 8:30 Uhr bereits 44 Megawatt in Havanna wieder am Netz waren. Bis 16:00 Uhr waren 24 Umspannwerke und 144 Verteilungskreise wiederhergestellt, wodurch 435.625 Kunden mit insgesamt 309,73 Megawatt versorgt werden konnten. Dies entspricht einer Wiederherstellungsquote von 50,5 Prozent in der Hauptstadt.
Alle vier betroffenen westlichen Provinzen wurden innerhalb weniger Stunden wieder an das Stromnetz angeschlossen, teilten die Behörden mit. 43 wichtige Gesundheitsdienste, darunter Krankenhäuser, sowie 13 grundlegende Wasserversorgungssysteme blieben während des Ausfalls mit Notstrom versorgt.
Am Nachmittag fiel jedoch das Kraftwerk Felton erneut aus, was laut Guerra Hernández zu einem erheblichen Defizit während der Spitzenlastzeiten führen werde. Der Kraftwerksblock werde zwischen 24 und 36 Stunden außer Betrieb bleiben.
Anhaltende Energiekrise
Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Energiekrise, die Kuba seit Jahren plagt. Bereits vor dem Mittwochsausfall erlebten weite Teile des Landes tägliche Stromausfälle von bis zu 20 Stunden oder mehr. Selbst Havanna, das früher vor den schlimmsten Ausfällen geschützt war, ist nun regelmäßig zehn Stunden oder länger ohne Strom.
Am Montag erreichte das Energiedefizit 2105 Megawatt, was einen neuen Negativrekord für die Insel darstellt. Guerra Hernández warnte, dass das Stromnetz trotz der Reparatur der Übertragungsleitungen weiterhin mit einem Erzeugungsdefizit von etwa zwei Dritteln der Nachfrage kämpfe.
Die veralteten ölbefeuerten Kraftwerke der Insel, die bereits seit Jahren dringend eine Generalsanierung benötigen, sind in den vergangenen Jahren immer wieder havariert. Insgesamt ist das kubanische Stromnetz seit dem vergangenen Jahr fünfmal kollabiert, davon einmal in Folge eines Hurrikans.
Der jüngste vollständige Ausfall ereignete sich im September nach einem „unerwarteten Ausfall“ des Kraftwerks Antonio Guiteras. Wenige Tage zuvor hatte ein Defekt an einer 220-kV-Leitung die gesamte Ostregion vom Netz getrennt. Im Oktober gab es einen weiteren teilweisen Ausfall aufgrund einer „Parameterschwankung“, der jedoch kurz war und innerhalb weniger Stunden behoben werden konnte.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sind die Rohöl- und Kraftstoffimporte in den ersten zehn Monaten des Jahres um mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gefallen, da die Verbündeten Mexiko und Venezuela ihre Lieferungen reduzierten. US-Sanktionen und eine tiefe Wirtschaftskrise haben die Energiekrise in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft.

