23. Januar 2026

Kuba führt neuen Wechselkurs ein

Auf Kuba gilt seit heute ein neuer offizieller Wechselkurs. Die Präsidentin der kubanischen Zentralbank (BCC), Juana Lilia Delgado Portal, kündigte gestern Abend in einer Sondersendung im Anschluss an die Abendnachrichten an, dass der bereits seit Langem geplante offizielle Devisenmarkt am 18. Dezember anlaufen wird.

Funktionsweise des neuen Systems

Um Mitternacht wurde der erste Kurs bekannt gegeben, der bei 410 Pesos pro US-Dollar und 481,42 Pesos pro Euro lag. Der Kurs soll durch ein Spezialistenteam der Zentralbank regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls täglich angepasst werden. Für den Tausch stehen wie gehabt das landesweite Netz der Cadeca-Wechselstuben zur Verfügung, die rund zwei Prozent Aufschlag zum Referenzkurs erheben (an Flughäfen und Hotels etwas mehr). Zunächst wird mit dem Ankauf von Devisen begonnen, um den Markt zu kapitalisieren. Dieser soll sich dann aus sich selbst heraus speisen – das heißt, in dem Maße, in dem frische Fremdwährung ins System gelangt, wird diese verkauft.

Für natürliche Personen gilt beim Erwerb von Devisen ein Limit von 100 US-Dollar pro Transaktion. Für private KMU, Selbstständige und Kooperativen gelten eine Obergrenze von 50 Prozent des Durchschnitts ihrer Bruttoeinnahmen des letzten Quartals. Beim Verkauf von Fremdwährungen gibt es kein Limit. Für Touristen ist damit erstmals seit Jahren wieder eine legale und sichere Möglichkeit entstanden, mitgebrachte Devisen zu einem attraktiven Kurs gegen die Landeswährung zu tauschen. Auch an den Geldautomaten (die allerdings oft nicht ausreichend bestückt sind) kommt der neue Kurs zum Einsatz.

Ein Land, drei Wechselkurse

Darüber hinaus werden die anderen beiden offiziellen Kurse 1:24 und 1:120 beibehalten. Damit existieren jetzt „drei Wechselkurssegmente“ in der kubanischen Wirtschaft, wie Delgado erklärte. Der Kurs 1:24 kommt weiterhin für zentrale staatliche Zuteilungen, wie beispielsweise Treibstoffe, Medikamente, Strom, öffentlicher Nahverkehr und die Grundversorgung zur Anwendung. Das zweite Segment mit dem Kurs von 1:120 gilt für bestimmte devisenschaffende Unternehmen, insbesondere im Tourismussektor. Der dritte, neu eingeführte dynamische Kurs kann von natürlichen Personen und Privatunternehmen genutzt werden.

Erster Wechselkurs des offiziellen Devisenmarkts am 18. Dezember 2025 (Quelle: Cubadebate)

Mit einem neuen Gesetzesdekret, das seit Mittwoch in Kraft ist, wurde in Vorbereitung dieses Schrittes ein neuer Mechanismus für staatliche Devisenzuteilungen geschaffen. Exporteure können 80 Prozent ihrer Deviseneinnahmen behalten, die übrigen 20 Prozent werden zum jeweils geltenden Kurs mit der Zentralbank gegen Pesos getauscht und landen im staatlichen Devisenmarkt.

Langfristiges Ziel ist es, die drei Kurse wieder zu einem einheitlichen Wechselkurs zusammenzuführen. Dies soll allerdings über einen längeren Zeitraum und graduell erfolgen, wobei die Erfahrungen aus China und Vietnam hier als Vorbild dienen könnten.

Ian Pedro Carbonell, Direktor für makroökonomische Politik der Zentralbank, betonte, dass der neue dynamische Kurs auf „realen Transaktionen“ basieren werde und nicht auf spekulativen Erwartungen wie im informellen Markt. Damit spielte er auf das Portal ElToque an, dessen Kurse seit der Währungsreform von 2021 de facto als Referenz im informellen Devisenmarkt gelten. Die Regierung wirft dem von ausländischen NGOs finanzierten Portal vor, den Wechselkurs zu manipulieren. Tatsächlich orientieren sich auch die ersten veröffentlichten Kurse des offiziellen Devisenmarkts an jenen von ElToque – allerdings wird der US-Dollar etwas schwächer, Euro und kanadischer Dollar etwas stärker gewertet.

In den vergangenen Wochen wurde das Portal in den staatlichen Medien oft scharf kritisiert, zum heutigen Start des Devisenmarkts war die Seite aufgrund eines Hackerangriffs zeitweise nicht erreichbar. Ziel des Staates ist es, wieder die Hoheit über den Devisenmarkt zu erlangen und diesen von der Straße zurück in die Wechselstuben zu verlegen. Auch, um einen legalen Rahmen für private Wirtschaftsakteure zu schaffen, die aufgrund des informellen Markts immer mit einem Fuß im Gefängnis stehen müssen, um ihre Geschäfte zu bestreiten. Das bisherige System habe „Verzerrungen geschaffen, die Informalität gefördert und die steuerliche Nachverfolgbarkeit erschwert“, erklärte die Zentralbankchefin.

Die Einführung des Devisenmarkts sei eine Reaktion auf eine „objektive Existenz“, die nicht länger ignoriert werden könne: die enorme Kluft zwischen den offiziellen Kursen und dem realen Dollarwert auf dem informellen Markt, der derzeit bei etwa 440 Pesos liegt.

Abzuwarten bleibt, wie sich offizieller und informeller Devisenmarkt in Zukunft zueinander verhalten. Damit sich der offizielle Markt durchsetzen kann, muss dieser langfristig einen attraktiven Ankaufskurs gewährleisten, ohne eine Inflationsspirale auszulösen. Ein schwieriger, aber keinesfalls unmöglicher Spagat.

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