23. Januar 2026

USA verschärfen Blockade gegen Venezuela, Mexiko hilft Kuba

Die Vereinigten Staaten haben ihre Seeblockade gegen Venezuela weiter verschärft. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters verfolgte die Küstenwache am Sonntag einen dritten Tanker in den Gewässern vor der venezolanischen Küste. Die USA betrachten den Tanker als „sanktioniertes Schiff der Schattenflotte“ das „unter falscher Flagge“ fahre und einem gerichtlichen Beschlagnahmebefehl unterliege. Mit der jüngsten Eskalation haben die USA indes auch Kuba im Blick.

Kommandoaktion gegen chinesischen Tanker

Bereits am Samstag hatten US-Streitkräfte in internationalen Gewässern nahe Venezuela den Tanker „Centuries“ gekapert. Bei der nächtlichen Aktion seilten sich Soldaten von Militärhubschraubern auf das Schiff ab, wie Heimatschutzministerin Kristi Noem in einem auf X veröffentlichten Video zeigte. Das unter panamaischer Flagge fahrende Schiff gehört laut der Nachrichtenagentur AFP der Reederei Centuries Shipping mit Sitz in Hongkong und transportierte 1,8 Millionen Barrel venezolanisches Rohöl für China.

Die von den USA vorgebrachten Begründungen für die Kaperaktionen erweisen sich jedoch immer wieder als fragwürdig. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation steht weder die „Centuries“ noch das Unternehmen auf Sanktionslisten. „Wir werden euch finden und wir werden euch stoppen“, erklärte Noem zu der jüngsten Aktion.

Dritte Kaperung binnen zwei Wochen

Es war bereits die dritte Kaperung eines Tankers in diesem Monat. Am 10. Dezember hatten US-Einheiten den Öltanker „Skipper“ beschlagnahmt und nach Houston in Texas gebracht.

US-Präsident Donald Trump hatte am 16. Dezember eine „totale und vollständige Blockade“ aller unter Sanktionen stehenden Öltanker angeordnet, die Venezuela ansteuern oder verlassen. Er bezeichnet Venezuelas Regierung mittlerweile als „ausländische Terrororganisation“ und warf Venezuela vor, den USA Land und Öl gestohlen zu haben.

Die venezolanische Regierung verurteilte die Kaperungen indes scharf. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sprach von einem „schwerwiegenden räuberischen Akt der Piraterie“ und warf den USA „Diebstahl und Entführung“ sowie das „gewaltsame Verschwindenlassen der Besatzung“ vor. Caracas kündigte eine Beschwerde vor dem UN-Sicherheitsrat an. Die USA verfolgten einzig das Ziel, einen Regimewechsel zu erzwingen und sich die größten Ölreserven der Welt anzueignen, erklärte Rodríguez. Das „kolonialistische Modell Washingtons“ werde jedoch scheitern.

Venezuela ist Kubas wichtigster Öllieferant. Der erste der in jüngster Zeit gekaperten Tanker war mit Öllieferungen für Kuba beladen.

Internationale Kritik nimmt zu

Seit September greift das US-Militär Schiffe in der Region an, die es des Drogenschmuggels verdächtigt. Nach offiziellen Angaben wurden bei mehr als zwei Dutzend Angriffen auf Boote über 100 Menschen getötet, die nach US-Darstellung Verbindungen zu Drogenkartellen hatten. Beweise hierfür wurden jedoch nicht vorgelegt. Susan Wiles, Stabschefin des Weißen Hauses, kündigte in einem Interview mit dem Magazin Vanity Fair an, Trump werde „so lange Boote in die Luft jagen“, bis Venezuelas Präsident Nicolás Maduro aufgebe. In einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit NBC News schloss Trump auch einen Krieg gegen Venezuela nicht aus.

Die internationale Kritik an Trumps Vorgehen nimmt zu. Kuba prangerte den „staatlichen maritimen Terrorismus“ der USA wiederholt an an und forderte die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten auf. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warnte am Samstag vor einer „humanitären Katastrophe“ für die gesamte Region. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum appellierte am Freitag an die Vereinten Nationen, ein Blutvergießen zu verhindern.

Wie die New York Times jüngst berichtet hat, plant US-Außenminister Rubio einen Regime-Change in Venezuela, der auch Kuba umfassen könnte. Die sozialistische Insel gilt ultrarechten Falken in den USA bereits seit der Revolution von 1959 als „Grundübel“ der lateinamerikanischen Linken und dürfte daher insgeheim im Fokus der Eskalation um Venezuela stehen.

Mexiko springt für Kuba in die Bresche

Angesichts der Verschärfung der US-Blockade hat Mexiko jetzt Kuba kurzfristig unterstützt. Laut Angaben des Energieinstituts der Universität Texas sind zwei Schiffe aus Mexiko mit insgesamt 80.000 Barrel Treibstoff auf dem Weg nach Kuba. Die Tanker „Ocean Mariner“ und „Eugenia Gas“, beide unter liberianischer Flagge, haben in der staatlichen mexikanischen Anlage Pajaritos geladen. Die „Eugenia Gas“ umfährt bereits die Nordküste Kubas in Richtung des Hafens von Moa im Osten der Insel, berichtete die Nachrichtenagentur EFE.

Die 80.000 Barrel, die der staatliche mexikanische Ölkonzern Pemex liefert, decken etwas mehr als das tägliche Rohöldefizit der Insel. Kuba benötigt rund 100.000 Barrel für seine grundlegenden Energiebedürfnisse, wovon etwa 40.000 aus eigener Produktion stammen. Nach Angaben des kubanischen Statistikamts ONEI werden 60 Prozent des auf der Insel verbrauchten Treibstoffs importiert, wobei 65 Prozent des gesamten Bedarfs für die Wärmekraftwerke des Landes verwendet werden.

Die gesamte Situation um Venezuela kommt für Kuba zur Unzeit, inmitten einer kritischen Phase für das kubanische Stromnetz. Das Land leidet seit drei Jahren unter einer schweren Energiekrise aufgrund häufiger Ausfälle veralteter Kraftwerke und fehlender Devisen zum Kauf von Treibstoff. Binnen zwölf Monaten erlebte das nationale Stromnetz fünf vollständige und mehrere teilweise Zusammenbrüche. In weiten Teilen des Landes kommt es zu Stromausfällen von 20 oder mehr Stunden täglich. Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt indes langsamer als geplant voran. Dieses Jahr konnten 41 von 51 geplanten Solarparks fertiggestellt werden.

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