Bei einem bewaffneten Zwischenfall in kubanischen Hoheitsgewässern sind am Mittwochmorgen vier Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Das kubanische Innenministerium teilte mit, dass Insassen eines Schnellboots mit Kennzeichen aus dem US-Bundesstaat Florida das Feuer auf eine Patrouille der Grenztruppen eröffnet hätten.
Der Vorfall ereignete sich etwa eine Seemeile nordöstlich der Insel Cayo Falcones in der Provinz Villa Clara an der Nordküste Kubas. Das Boot trug laut dem Ministerium das Kennzeichen FL7726SH aus Florida.
Nach Angaben des Innenministeriums näherte sich ein Schiff der kubanischen Grenztruppen (Tropas Guardafronteras) mit fünf Soldaten an Bord, um das Schnellboot zu identifizieren. Dabei hätten die Insassen des Bootes das Feuer eröffnet und den Kommandanten des kubanischen Schiffes verletzt, hieß es in der Erklärung.
Die kubanischen Kräfte hätten daraufhin das Feuer erwidert. Vier der Bootsinsassen seien dabei getötet worden. Die sechs Verwundeten seien evakuiert und medizinisch versorgt worden. Weder die Identität noch die Herkunft der Bootsinsassen wurden zunächst bekannt gegeben. Auch deren Absichten blieben unklar.
Das kubanische Innenministerium kündigte an, dass die zuständigen Behörden die Ermittlungen zur vollständigen Aufklärung des Vorfalls fortsetzen würden.
Der Vorfall ist nicht der erste dieser Art. Im Dezember 2023 haben Kubas Behörden einen mutmaßlichen exilkubanischen Terroristen aus Florida verhaftet, der die Insel illegal mit einem Jetski – ebenfalls mit Floridaer Kennzeichen – erreicht hat. Der Beschuldigte hatte geplant, mit dem Einschmuggeln von Handfeuerwaffen einen bewaffneten Aufstand zu organisieren, so die Ermittlungsergebnisse. Er habe die Absicht verfolgt, vor Ort weitere Personen zu rekrutieren. Mehrere Personen wurden im Zuge der damaligen Ermittlungen festgenommen und Schusswaffen sichergestellt. „Seit einiger Zeit warnen wir die Vereinigten Staaten vor Terroristen, die von Florida aus gegen Kuba operieren. Sie handeln jedoch weiterhin ungestraft“, kritisierte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel damals.
Update (26.02): Das kubanische Innenministerium erklärte in einer jüngeren Stellungnahme, dass das Boot zehn bewaffnete Personen transportiert habe. „Laut vorläufigen Aussagen der Festgenommenen hatten sie die Absicht, eine Infiltration mit terroristischen Zielen durchzuführen“, hieß es in der Mitteilung. Bei den Beschlagnahmungen fanden die kubanischen Behörden Sturmgewehre, Handfeuerwaffen, Molotowcocktails, kugelsichere Westen, Zielfernrohre und Tarnuniformen.
Alle Beteiligten seien in den USA lebende Kubaner, teilte das Ministerium mit. Die meisten von ihnen hätten „eine bekannte kriminelle und gewalttätige Vergangenheit“. Zwei der Festgenommenen würden auf der nationalen Liste von Personen geführt, die gemäß Resolution 1373 des UN-Sicherheitsrats wegen mutmaßlicher terroristischer Aktivitäten von den kubanischen Behörden gesucht werden. Zusätzlich wurde ein Mann auf der Insel festgenommen, der „aus den Vereinigten Staaten geschickt wurde, um den Empfang der bewaffneten Infiltration zu gewährleisten“. Dieser habe seine Beteiligung gestanden, so das Ministerium.
Der Journalist Javier Díaz vom US-Fernsehsender Univisión berichtete unter Berufung auf Familienangehörige, die Gruppe habe sich vor der Abfahrt auf einer Farm im Süden Floridas vorbereitet und über soziale Medien wie TikTok organisiert. Die Quellen hätten erklärt, es habe sich nicht um eine Fluchtaktion gehandelt, sondern um eine koordinierte Operation um Kuba „zu befreien“.
US-Außenminister Marco Rubio, der zugleich als Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump fungiert, erklärte, dass es sich nicht um eine US-Operation gehandelt habe und kein US-Regierungspersonal beteiligt gewesen sei. Der Vorfall sei „extrem ungewöhnlich“ und werde untersucht, kündigte Rubio während eines Besuchs auf Sankt Kitts und Nevis an. Verschiedene Teile der US-Regierung würden sich nun damit befassen, die US-Küstenwache habe sich in die Region begeben. Der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier, ordnete Ermittlungen zu dem Vorfall an.
„Es ist merkwürdig, dass die US-Küstenwache – soweit wir wissen – nicht versucht hat, dieses Schiff daran zu hindern, in kubanische Hoheitsgewässer einzudringen, da dies angesichts der langen Geschichte solcher Übergriffe von kubanischen Exilorganisationen eindeutig als Provokation interpretiert würde“, erklärte der Analyst Lee Schlenker. Selbst wenn es sich nur um eine Rettungsmission für Migranten gehandelt hätte, würde dies eine Verletzung zahlreicher US-amerikanischer und kubanischer Gesetze darstellen.

