Kuba hat erstmals detaillierte Informationen zu dem bewaffneten Zwischenfall vom vergangenen Mittwoch veröffentlicht, bei dem ein aus Florida kommendes Boot den Beschuss auf kubanische Grenztruppen aufgenommen hat. Drei der Insassen starben, nachdem die Küstenwache das Feuer erwiderte, ein vierter erlag später seinen Verletzungen. Den sechs Festgenommenen drohen jetzt Anklagen wegen Terrorismus.
Bei einer Pressekonferenz präsentierten hochrangige Vertreter des kubanischen Innenministeriums der Öffentlichkeit am Freitag erstmals die beschlagnahmten Gegenstände. Der Vorfall ereignete sich am Mittwochmorgen in der Region der Gemeinde Corralillo (Provinz Villa Clara), in einem Inselgebiet namens Los Cayos de Falcones, rund zehn Meilen von der kubanischen Küstenlinie entfernt.
Ablauf des Zwischenfalls
Laut Oberst Ivey Daniel Carballo von den kubanischen Grenztruppen wurden das verdächtige Fahrzeug um 7:10 Uhr morgens durch technische Überwachungsmittel der Grenztruppen erfasst – zu diesem Zeitpunkt befand es sich bereits 3,7 Seemeilen innerhalb der kubanischen Hoheitsgewässer, die sich auf zwölf Seemeilen erstrecken.
Das Boot US-amerikanischer Herkunft bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 24 Knoten in südlicher Richtung und transportierte etwa 1,8 Tonnen Ladung.

Als das kubanische Grenzschutzboot auf rund 185 Meter herangefahren war, eröffneten die Insassen des Boots mit dem Floridaer Kennzeichen Feuer. „Wir hatten klar einschätzen können, dass wir es mit einer Terroraktion von einem Boot aus den USA zu tun hatten“, sagte Carballo gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Der Kommandant des kubanischen Bootes, Kapitän Yosmany Hernández Hernández, wurde durch Schüsse in den Bauch und den Unterarm schwer verletzt. „Trotz seiner Verletzungen verließ der Kapitän das Steuer nicht“, betonte Carballo. Die fünfköpfige Besatzung erwiderte das Feuer.
Technische Untersuchungen ergaben 13 Einschusslöcher am kubanischen Grenzschutzboot sowie 21 Einschusslöcher am Boot der Angreifer. Der Schusswechsel fand auf einer Distanz von rund 20 Metern statt. Carballo bezeichnete die Reaktion der Besatzung als „korrekt, energisch und entschlossen“. Das von kubanischer Seite eingesetzte Schusswaffenmaterial bestand aus drei AKM-Sturmgewehren und einem leichten Maschinengewehr vom Typ RPK.
Die kubanischen Ermittlungen ergaben, dass ursprünglich zwei Boote vom Cayo Marathon in Florida ausgelaufen waren. Eines davon erlitt auf dem Weg technische Probleme, woraufhin alle Personen und die gesamte Ausrüstung auf das verbleibende Boot umgeladen wurden und das defekte Fahrzeug zurückgelassen wurde. Dieser Umstand wurde laut den Behörden durch Aussagen der festgenommenen Verdächtigen bestätigt.
Beschlagnahmte Ausrüstung
Das Boot war mit GPS und Funknavigationsgeräten ausgestattet. Zu den beschlagnahmten Gegenständen zählten zwölf Hochleistungswaffen – darunter DB AR-15-Gewehre, ein Delta-Gewehr, eine Winchester-Schrotflinte sowie elf Pistolen, von denen eine in der Lage ist, schusssichere Westen zu durchdringen. Außerdem wurden 134 Magazin und insgesamt 12.846 Patronen verschiedener Kaliber sichergestellt, darunter 5,56×45 mm und 7,62 mm (AKM). Die Gewehre haben laut Behörden eine effektive Reichweite von bis zu 800 Metern und befanden sich in einwandfreiem Zustand.
Darüber hinaus wurden eine Drohne mit zwei Kameras, zehn Kommunikationsgeräte, Kampfmesser, ein tragbares Stromaggregat, eine Bolzenschneider sowie Tarnuniformen, Helme mit Kameras, Sturmhauben, Medikamente und steriles Material gefunden. Jeder der zehn Insassen verfügte offenbar über ein individuell zusammengestelltes Ausrüstungspaket. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befanden sich auch Abzeichen der von Kuba als konterrevolutionär eingestuften Bewegung „30. November“ sowie Kennzeichen mit der Aufschrift „Volksverteidigung“.
Verdächtige und mutmaßliche Hintermänner
Víctor Eduardo Álvarez Valle, stellvertretender Leiter der auf Staatsschutzdelikte spezialisierten Ermittlungsabteilung des Innenministeriums, erklärte, dass die Festgenommenen selbst angegeben hätten, wo und wie sie die Ausrüstung beschafft und welche Ausbildung sie erhalten hätten. Auch die Finanzierungsquelle sei benannt worden. „Wir hatten nicht damit gerechnet, so viele Menschen und Waffen vorzufinden“, sagte Álvarez gegenüber der AP.
Unter den Verdächtigen befindet sich Amijail Sánchez González, der als einer der Organisatoren gilt und bereits auf der nationalen Liste terrorismusverdächtiger Personen stand.

Die Ermittlungen deuten laut Álvarez darauf hin, dass die intellektuelle Urheberschaft bei Maritza Lugo Fernández liegt, einer in den USA ansässigen Frau, die als Hauptförderin der Bewegung „30. November“ bezeichnet wird. Das erklärte Ziel der Gruppe sei es gewesen, ins Land einzudringen, öffentliche Unruhe zu schüren, Gewaltakte zu begehen und Militäreinheiten anzugreifen.
Chefankläger Edward Robert Campbell erklärte, dass mehrere der Beschuldigten bereits vor dem Vorfall auf der nationalen Terrorismusliste standen. Die sechs Festgenommenen, alle kubanischer Herkunft, werden wegen bewaffneter Aggression, illegaler Einreise und terrorismusbezogener Delikte angeklagt. Das kubanische Strafrecht sieht für Terrorismus Freiheitsstrafen zwischen zehn und dreißig Jahren, lebenslange Haft oder die Todesstrafe vor – wobei Letztere seit mehr als einem Jahrzehnt faktisch ausgesetzt ist.
Campbell wies zudem darauf hin, dass Personen, die die Aktion vom Ausland aus finanziert haben, wegen Terrorismusfinanzierung verfolgt werden könnten. Auch Verstöße gegen US-amerikanisches Recht in Bezug auf Schifffahrt und Waffenbesitz kämen demnach in Betracht.
Gesundheitszustand der Beteiligten und Kontakt zu US-Behörden
Militärarzt Oberst Dr. Juan Antonio Ramírez vom Innenministerium teilte mit, dass Kapitän Hernández Hernández sich außer Lebensgefahr befindet und sich in stabilem Zustand mit guter klinischer Entwicklung befindet. Auch die verletzten Festgenommenen erhalten nach Angaben der Behörden medizinische Versorgung. „Es ist eine ethische Praxis unserer Institutionen, Hilfe ohne Unterschied zu leisten“, sagte Ramírez.
Oberst Carballo betonte abschließend, dass Kuba in Migrationsfragen, bei der Drogenbekämpfung sowie bei Such- und Rettungsaktionen operativ mit der US-Küstenwache zusammenarbeite.
Im Zusammenhang mit dem aktuellen Vorfall habe es nahezu in Echtzeit einen Informationsaustausch mit dem Verbindungsoffizier der US-Botschaft sowie mit Behörden in Miami gegeben, denen Details des Vorfalls mitgeteilt worden seien. Die Behörden kündigten an, die Bevölkerung über den Fortgang der Ermittlungen weiter zu informieren.
Update (04.03.): Die kubanische Generalstaatsanwaltschaft hat alle sechs festgenommenen Verdächtigen des Zwischenfalls vom 25. Februar offiziell wegen Terrorismus angeklagt. Wie die Behörde am 3. März mitteilte, wurden die Beschuldigten nach den einschlägigen Bestimmungen des kubanischen Strafgesetzbuches formell in Kenntnis der Vorwürfe gesetzt und als Sicherungsmaßnahme in Untersuchungshaft genommen. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, sie werde im Rahmen der verfassungsmäßigen Rechte und Garantien auf die Einhaltung des ordentlichen Verfahrens achten und nach Abschluss der Ermittlungen weitere prozessuale Entscheidungen treffen.

