Ecuador hat am Mittwoch Kubas Botschafter Basilio Antonio Gutiérrez sowie das diplomatische Personal der Botschaft zu unerwünschten Personen erklärt und ihnen 48 Stunden zum Verlassen des Landes gegeben. Das ecuadorianische Außenministerium teilte laut der Nachrichtenagentur AP mit, die Maßnahme sei im Rahmen des internationalen diplomatischen Rechts erfolgt, nannte jedoch keine Gründe.
Bereits am Vortag hatte Ecuadors Präsident Daniel Noboa per Dekret den ecuadorianischen Botschafter in Kuba, José María Borja, von seinen Aufgaben entbunden – ebenfalls ohne Erklärung.
Kubas Regierung wies den Schritt in einer Stellungnahme am Mittwochabend scharf zurück und sprach von einem „unfreundlichen und beispiellosen Akt, der die historischen Beziehungen der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern erheblich beschädigt“.
Washingtons Kampagne gegen Kubas Ärztebrigaden
Die diplomatische Eskalation zwischen Quito und Havanna reiht sich in ein breiteres Muster ein: Die USA erhöhen derzeit auf allen Ebenen den Druck auf Kuba. Neben einer faktischen Ölblockade nehmen sie gezielt Kubas Ärzteprogramm ins Visier – eine der wichtigsten Devisenquellen des Inselstaats mit Einnahmen von zuletzt 4,8 Milliarden US-Dollar jährlich (2022).
Ein Vorfall in Europa verdeutlicht, wie weit der Einfluss Washingtons reicht: Der Geschäftsträger der US-Botschaft in Kuba, Mike Hammer, reiste Ende Februar in die süditalienische Region Kalabrien, wo gegenwärtig rund 400 kubanische Ärzte in lokalen Krankenhäusern tätig sind – eine Zahl, die im Jahresverlauf auf 1.000 anwachsen soll. Hammer sprach dort vor der regionalen Verwaltung vor und forderte sie auf, auf den Einsatz der kubanischen Mediziner zu verzichten.
Kuba entsendet medizinisches Personal ins Ausland und lässt sich die Dienstleistungen bezahlen. Einen Teil der Vergütung behält die kubanische Regierung, den Rest erhalten die Ärzte. Das US-Außenministerium und regierungsnahe Thinktanks sprechen in diesem Zusammenhang von „Zwangsarbeit“ und „Menschenhandel“ – ein Vorwurf, den Kuba strikt zurückweist.
Laut der italienischen Zeitung Il Manifesto sah das erste Abkommen zwischen Kuba und Kalabrien vor, dass die Region der staatlichen kubanischen Vermittlungsagentur 3200 Euro pro Monat pro Arzt zahlt, davon 1200 Euro direkt an die Mediziner. Dieser Lohn liegt ein Vielfaches über den auf Kuba üblichen Gehältern, weshalb die Tätigkeit im Ausland attraktiv ist. Zudem erhalten Ärzte auf Mission nach ihrer Rückkehr häufig weitere Vergütungen wie Autos oder Renovierungsarbeiten am Haus.
Die kubanischen Ärzte waren im März 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie als Nothilfe für überlastete Kliniken nach Italien geholt worden und wurden seither zu einer strukturellen Stütze des Gesundheitssystems im wirtschaftlich schwachen Süden. Italien ist das einzige EU-Land mit einem solchen Abkommen. Bis zum vergangenen Jahr hatte Kuba laut der Nachrichtenagentur AFP rund 24.000 Ärzte in 56 Ländern im Einsatz.
Dominoeffekt in Lateinamerika
Der US-Druck zeigt zunehmend Wirkung. Erst vor wenigen Tagen kündigte Honduras den Abzug seiner 128 kubanischen Ärzte an. Die Regierung des Ende Januar ins Amt gelangten Präsidenten Nasry Asfura, eines erklärten Trump-Anhängers, hatte beschlossen, das Abkommen mit Kuba nicht zu verlängern. Auch Guatemala lässt die vor 27 Jahren nach Hurrikan Mitch begonnene kubanische Ärztemission mit 412 Medizinern auslaufen, ebenso Antigua und Barbuda. Bahamas und Grenada haben die Vertragsbedingungen im vergangenen Jahr modifiziert.
Bereits in Trumps erster Amtszeit beendeten Brasilien (2018), Bolivien (2019), Ecuador (2019) und El Salvador (2020) die kubanischen Missionen. Die Ärztemission in Venezuela, traditionell Kubas wichtigster Partner, steht nach der Entführung von Präsident Nicolás Maduro durch die USA ebenfalls auf der Kippe. In Afrika hingegen empfangen Länder wie Angola und Südafrika weiterhin kubanische Ärzte, und Katar hat seine Vereinbarungen mit Kuba erneuert.
Widerstand in der Karibik und in Europa
Nicht alle Regierungen beugen sich dem Druck aus Washington. Jamaikas Regierung erklärte, ihr medizinisches Kooperationsprogramm mit Kuba bleibe weiterhin in Kraft, obwohl das Abkommen derzeit unter US-Druck neu verhandelt werde. Rund 300 kubanische Ärzte sind auf der Insel tätig, die Zusammenarbeit besteht seit mehr als fünf Jahrzehnten.
„Lassen Sie uns klarstellen, dass die kubanischen Ärzte in Jamaika uns unglaublich geholfen haben“, sagte Jamaikas Premierminister Andrew Holness bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Marco Rubio.
Auch in Kalabrien stößt der US-Druck auf Widerstand. Regionalpräsident Roberto Occhiuto, stellvertretender Parteichef der rechten Forza Italia und Teil von Giorgia Melonis Regierungskoalition, bekräftigte, nicht auf das kubanische Personal verzichten zu wollen. Seine oberste Priorität sei das Recht auf medizinische Versorgung der kalabrischen Bürger. „Ich habe Hammer gesagt, dass die kubanischen Ärzte, die dafür sorgen, dass die Krankenhäuser und Notaufnahmen in Kalabrien geöffnet bleiben, für unsere Region nach wie vor unverzichtbar sind“, sagte Occhiuto. Vorherige Ausschreibungen zur Einstellung ausländischer Ärzte hätten laut Il Manifesto kein Ergebnis gebracht – kein italienischer oder europäischer Arzt habe sich angesichts der ungünstigen Vertragsangebote und Arbeitsbedingungen beworben.
Die Gesamtheit der Maßnahmen – von der Ölblockade über die systematische Bekämpfung der Ärzteprogramme bis hin zu diplomatischen Verwerfungen wie in Ecuador – deutet auf eine umfassende Strategie Washingtons hin, Kubas wirtschaftliche Lebensadern zu kappen und die geopolitische Landschaft des amerikanischen Kontinents nach eigenen Vorstellungen neu zu ordnen. Ob dies im Interesse der betreffenden Länder ist, spielt dabei keine Rolle.
Update (06.05): Inzwischen hat auch Jamaika angekündigt, die seit mehr als 50 Jahren bestehende medizinische Kooperation mit Kuba nicht mehr zu verlängern.


unfassbar was sich die USA erlauben,und erbärmlich daß Ecuador und andere Staaten nach der Pfeife tanzen der USA, die Leidtragenden sind immer die einfachen Menschen, aber daß ist den Regierungen wie immer egal..