22. April 2026

Kerosinmangel geht weiter: Air France stellt Verbindungen ein

Der anhaltende Treibstoffmangel an allen kubanischen Flughäfen zwingt immer mehr Fluggesellschaften zur Aufgabe ihrer Verbindungen. Air France hat die Aussetzung seiner Flüge ab Ende März angekündigt, Iberia warnt vor möglichen Einschränkungen. Kanadische und russische Airlines haben ihre Verbindungen bereits vollständig eingestellt.

Air France wird ab dem 29. März seine Direktflugverbindung zwischen Paris und Havanna aussetzen. Das teilte die französische Fluggesellschaft am Mittwoch, dem 4. März, in einer Pressemitteilung mit. Als Grund nannte das Unternehmen „den Kerosinmangel auf der Insel Kuba und seine Auswirkungen auf die wirtschaftliche und touristische Aktivität“. Der letzte Flug wird demnach am Samstag, dem 28. März, vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle in Richtung Havanna starten.

Als Alternative bietet die Fluggesellschaft allerdings weiterhin die Möglichkeit an, von Paris nach Panama zu fliegen und dort mit dem lokalen Anbieter Copa Airlines nach Havanna weiterzufliegen. Die Flugdauer verlängert sich damit von bisher mindestens 14 auf mindestens 19 ½ Stunden.

Eine Wiederaufnahme der Direktflüge ist frühestens ab dem 15. Juni geplant – allerdings nur unter der Bedingung, dass sich die Lage bis dahin verbessert. Air France betreibt derzeit drei Flüge pro Woche zwischen Paris und Havanna. Auf dem Rückweg nach Frankreich legen die Maschinen bereits seit einiger Zeit einen technischen Zwischenstopp auf den Bahamas ein, um Treibstoff nachzuladen.

Betroffene Kunden, die eine Reise während der rund zweieinhalb Monate dauernden Pause gebucht haben, sollen per E-Mail, SMS und über die App der Airline kontaktiert werden. Air France bietet ihnen eine Umbuchung, eine Rückerstattung oder einen Gutschein in Höhe des Buchungsbetrags an.

Iberia warnt, hält aber vorerst an Verbindungen fest

Die spanische Fluggesellschaft Iberia hat unterdessen ein Schreiben an Reisebüros verschickt, das laut dem spanischen Fachmedium Preferente für Unsicherheit in der Branche gesorgt hat. Darin heißt es: „Die Versorgungsprobleme halten an und könnten unseren Betrieb beeinträchtigen.“ Gleichzeitig betonte Iberia, dass es „derzeit keine Bestätigung gibt, dass diese Situation uns zwingen wird, unsere Flugpläne zu ändern oder zu stornieren“. Man werde die Entwicklung weiter beobachten und die Reisebüros laufend informieren, so das Unternehmen.

Iberia fliegt weiterhin dreimal wöchentlich zwischen Madrid und Havanna und hat seit Beginn der Treibstoffkrise ebenfalls einen technischen Zwischenstopp in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik in seinen Rückflug integriert. Die Verbindungen sind vorerst bis zum 30. März bestätigt. Kunden mit bereits gebuchten Tickets können kostenlos bis zum 29. April umbuchen oder einen Gutschein in voller Höhe des Ticketpreises erhalten.

Auch andere spanische Fluggesellschaften reagieren auf die Krise, aber steuern Kuba weiterhin an: Air Europa macht ebenfalls einen Tankstopp in der Dominikanischen Republik, während World2Fly einen seiner zwei wöchentlichen Flüge zwischen Madrid und Havanna gestrichen hat. Darüber hinaus wird Havanna von Europa aus weiterhin von Turkish Airlines angesteuert, die eine Direktflugverbindung von Istanbul aus unterhält. Die Preise sind für viele Verbindungen deutlich gefallen und betragen derzeit teilweise nur noch 700 Euro für Hin- und Rückflug.

Kerosinausstand bis 10. April verlängert

Die kubanischen Behörden hatten am 10. Februar erstmals eine offizielle Notam-Meldung – eine standardisierte Mitteilung an Piloten und Fluglotsen – herausgegeben, die den Mangel an Jet-A1-Treibstoff an allen internationalen Flughäfen des Landes anzeigte.

Am 3. März verlängerten sie diese Meldung bis mindestens zum 10. April. In der kodierten Meldung, die in der Datenbank der US-amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA abrufbar ist, heißt es schlicht: „JET A1 FUEL NOT AVBL“ – Jet-A1-Treibstoff nicht verfügbar.

Betroffen sind alle neun internationalen Flughäfen des Landes: José Martí in Havanna, Juan Gualberto Gómez in Varadero, Jaime González in Cienfuegos, Abel Santamaría in Santa Clara, Ignacio Agramonte in Camagüey, Jardines del Rey auf Cayo Coco, Frank País in Holguín, Antonio Maceo in Santiago de Cuba sowie Sierra Maestra in Manzanillo.

Tourismus schwer getroffen

Die Folgen für den kubanischen Tourismus sind erheblich. Alle kanadischen und russischen Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen zur Insel bereits eingestellt und bisher keine Pläne zur Wiederaufnahme angekündigt. Kanada und Russland sind die beiden wichtigsten Herkunftsmärkte für Kuba-Touristen und stehen gemeinsam für rund 70 Prozent aller internationalen Besucher der Insel.

Mexikanische, venezolanische und panamaische Airlines haben technische Zwischenstopps eingeführt und teils ihre Frequenzen reduziert – darunter auch Cubana de Aviación auf der Strecke Havanna–Madrid. Air China setzt seine zwei wöchentlichen Flüge nach Havanna, die nach einem Zwischenstopp in Madrid erfolgen, nach bisherigen Berichten ohne Treibstoffprobleme fort.

US-Ölblockade hält an

Der Treibstoffmangel hat seinen Ursprung in der Politik der US-Regierung. Am 3. Januar 2025 kündigten die USA das Ende der venezolanischen Öllieferungen an Kuba an – im Zusammenhang mit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores. Venezuela war zuvor Kubas wichtigster Öllieferant. Am 29. Januar unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine Durchführungsverordnung, die Strafzölle gegen jene Länder androhte, die Kuba weiterhin mit Erdöl beliefern. Zur Begründung führte Trump an, Kuba stelle eine „außergewöhnliche Bedrohung für die Sicherheit der USA“ dar. Am 6. Februar führte die Insel Sparmaßnahmen ein, um den vorhandenen Treibstoff möglichst effizient zu nutzen.

Seither werden selbst Öllieferungen umgeleitet, die Kuba auf dem Weltmarkt gekauft hat. Die Insel befindet sich in Bezug auf Energielieferungen de facto unter einer Seeblockade, die von den USA mit Hilfe der Küstenwache militärisch untersetzt wird. Kubas Regierung spricht von einer Erdrosselungspolitik auf dem Rücken der Bevölkerung, während die Vereinten Nationen vor einer humanitären Krise warnen. Humanitäre Hilfe erreicht die Insel unter anderem aus Mexiko, China und Spanien.

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