Im Schatten des Irankrieges nehmen die Spannungen zwischen den USA und Kuba weiter zu. Präsident Miguel Díaz-Canel hat Drohungen von US-Präsident Donald Trump scharf zurückgewiesen. „Jeder äußere Aggressor wird auf unerschütterlichen Widerstand stoßen“, schrieb Díaz-Canel am Dienstag auf der Plattform X.
Zuvor hatte Trump am Montag im Weißen Haus vor Journalisten erklärt, er rechne damit, „die Ehre zu haben, Kuba zu übernehmen.“ Ob er das Land „befreie“ oder „übernehme“ – er könne mit Kuba „alles machen, was ich will“, so Trump. Auf Nachfrage deutete er an, die USA würden „in irgendeiner Form“ eingreifen. Kuba sei derzeit „eine sehr geschwächte Nation.“ Bereits am Freitag zuvor hatte Trump von einer möglichen „freundlichen“ oder „nicht freundlichen Übernahme“ gesprochen.
Díaz-Canel wies in seiner Reaktion die US-amerikanische Begründung für den Druck auf sein Land zurück. Die US-Regierung nutze „einen empörenden Vorwand: die harten Einschränkungen der geschwächten Wirtschaft, die sie selbst seit mehr als sechs Jahrzehnten angreifen und zu isolieren versuchen.“ Die USA hätten Pläne angekündigt, „sich des Landes, seiner Ressourcen und seines Eigentums zu bemächtigen“. „Nur so lässt sich der erbitterte Wirtschaftskrieg erklären, der als kollektive Bestrafung des gesamten Volkes eingesetzt wird“, schrieb Díaz-Canel.
Der bekannte Liedermacher Silvio Rodríguez legte nach: „Ich verlange meine Kalaschnikow, falls sie kommen. Und ich möchte betonen, dass ich das absolut ernst meine“, schrieb er in einem Kommentar auf seinem Blog Segunda Cita.
Rubio dementiert Medienbericht über US-Pläne
US-Außenminister Marco Rubio wies derweil einen Bericht der New York Times zurück, wonach Washington in laufenden Gesprächen auf eine Entmachtung Díaz-Canels dränge. Der Artikel sei „falsch“ und stütze sich auf „Scharlatane und Lügner, die vorgeben, Bescheid zu wissen“, sagte Rubio.
Die New York Times hatte ihren Bericht auf vier unabhängige, mit den Verhandlungen vertraute Personen gestützt, darunter einen US-Beamten. Demnach habe die US-Regierung kubanischen Vertretern signalisiert, eine Entmachtung Díaz-Canels zu wünschen, ohne jedoch einen vollständigen Regierungswechsel anzustreben. Eine Strategie, die bei Rubios extrem rechter Wählerbasis unter Exilkubanern in Florida nicht gut ankommen dürfte.
Trump äußerte seine Drohung am Montag fast zeitgleich zum Beginn des ersten landesweiten Stromausfalls seit der Ölblockade im Januar. Der Ausfall legte das gesamte Stromnetz für mehr als 24 Stunden lahm. Anders als bei früheren Ausfällen wurde diesmal bislang keine Ursache genannt – eine Kraftwerkshavarie konnte der Stromnetzbetreiber UNE jedoch ausschließen und auch die Erzeugungsleistung war nicht wesentlich niedriger als in den Tagen zuvor. Am Dienstag um 18:35 Uhr war das Netz wiederhergestellt.
Nur wenige Tage vor der US-Drohung kündigte Díaz-Canel an, dass vor Kurzem ein formeller diplomatischer Dialog zwischen Kuba und den USA aufgenommen wurde.

