22. April 2026

Hilfskonvoi „Nuestra América“ erreicht Havanna

Am Dienstag hat das Flaggschiff des Konvois „Nuestra América“ den Hafen von Havanna erreicht. Der umgebaute Thunfischkutter „Maguro“, von seiner Besatzung in „Granma 2.0“ umgetauft, legte nach einer fünftägigen Überfahrt aus dem mexikanischen Hafen Progreso auf der Halbinsel Yucatán an. An Bord befanden sich 32 Besatzungsmitglieder aus elf Ländern sowie mehr als 30 Tonnen humanitäre Hilfsgüter, wie das kubanische Nachrichtenportal Cubadebate berichtet.

Die Ladung umfasst 14 Tonnen Lebensmittel und Medikamente, 73 Hochleistungs-Solarpaneele, die für Gesundheitseinrichtungen bestimmt sind, sowie Grundnahrungsmittel wie Reis, Bohnen und Getreide, Hygieneprodukte und rund ein Dutzend Fahrräder. Zwei weitere Segelboote der mexikanischen Delegation, die am Samstag von Isla Mujeres in der mexikanischen Karibik abgelegt haben, werden noch ohne festes Datum erwartet.

Politisches Signal gegen die US-Blockade

Organisiert wird die Aktion von der Vereinigung Progressive International, einer Koalition aus sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und humanitären Organisationen. Laut den Organisatoren verfolgt die Initiative ein doppeltes Ziel: Zum einen sollen die Hilfsgüter die akute Versorgungslage auf der Insel lindern. Zum anderen will man internationale Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Einschränkungen lenken, unter denen Kuba leidet.

Seit Januar 2026 hat sich die Lage auf der Insel drastisch verschärft, nachdem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump die Lieferung von Erdöl an Kuba blockiert und dies auch militärisch mit Hilfe der Küstenwache durchsetzt. Die Vereinten Nationen haben diese Maßnahme als völkerrechtswidrig eingestuft. Am 6. Februar führte die Insel deshalb Sparmaßnahmen ein (Cubaheute berichtete). Der öffentliche Nahverkehr ist seither weitgehend zum Erliegen gekommen und die Preise für Grundgüter sind stark gestiegen.

Die Organisatoren betonen, dass die Initiative auch die Kooperation zwischen Ländern des Globalen Südens stärken soll, um den Auswirkungen der externen Beschränkungen und der internen Versorgungsprobleme entgegenzuwirken.

Unter den Teilnehmern des Konvois befanden sich mehrere Politiker der politischen Linken. Nach Havanna reisten unter anderem der britische Abgeordnete Jeremy Corbyn, die kolumbianische Senatorin Clara López, der spanische Abgeordnete Gerardo Pisarello sowie der Ko-Koordinator von Progressive International, David Adler. Auch mehrere Abgeordnete des Europäischen Parlaments nahmen teil. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel empfing die Delegation, die nach ihrer Ankunft unter anderem Krankenhäuser und Schulen besuchte.

Vorbild Gaza-Flotille

Die Aktion ist nach dem Vorbild der „Global Sumud Flotille“ gestaltet, die 2025 versuchte, humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen. Thiago Ávila, brasilianischer Koordinator der Überfahrt, sagte an Bord des Schiffes: „Es ist eine große Freude zu wissen, dass wir es diesmal schaffen werden. Wir haben viele Nachrichten von unseren palästinensischen Geschwistern erhalten, die sich freuen, dass wir Kuba mit dieser Flotille erreichen.“ Sobald die Mission in Havanna abgeschlossen sei, wolle man erneut versuchen, Gaza zu erreichen, so Ávila.

Bei der Gaza-Flotille waren nach Angaben der Organisatoren insgesamt 42 Personen festgenommen und misshandelt worden, mehrere Schiffe seien von israelischen Drohnen angegriffen worden. Die dabei gesammelten Erfahrungen hätten den Erfolg der Kuba-Mission erst möglich gemacht.

Der Name „Granma 2.0“ ist eine Anspielung auf die Yacht „Granma“, mit der Fidel Castro und 81 Kämpfer vor 70 Jahren von Mexiko nach Kuba übersetzten. Die Besatzung des Konvois betonte, dass man diesmal keine Waffen, sondern Solidarität an Bord habe.

Das Schiff hatte ursprünglich am Samstagabend in Havanna eintreffen sollen, um zeitgleich mit den Hauptveranstaltungen des Konvois in der kubanischen Hauptstadt anzukommen. Widrige Wetterbedingungen verzögerten jedoch die Abfahrt aus Progreso um einen Tag. Auf der 370 Seemeilen langen Überfahrt musste die Besatzung laut Cubadebate schwierige Wetterverhältnisse bewältigen.

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2 Kommentare zu „Hilfskonvoi „Nuestra América“ erreicht Havanna

  1. Ich bin vom 21.02. bis 22.03.2026 auf Kuba gewesen.
    Leider ist die Berichterstattung, sehr klein kariert.
    Ja die Menschen leiden, ja es gibt ein Müllproblem, ja es gibt ein Lebensmittel Problem.
    Ich bin als mutiger Segeltörn – Veranstalter eingereist, und mit der harten Realität konfrontiert worden.
    Es gibt drei Gesellschaftsebenen. Tourismus, reiche Kubaner / Privatwirtschaft und die Menschen im real existierenden Sozialismus.
    Im Laufe meiner Anwesenheit wurden die Müllberge entfernt und die Straßen waren sauber und gepflegt. Trotz Dieselmangel? Die angesagten Restaurants waren auch ohne Touristen überfüllt? Ja Havanna ist nicht das ganze Land. Ich war auf dem größten Markt, bescheidenes Angebot! Afrika wird wohl besser bestückt sein.
    Ich habe Trinidad und andere Sehenswürdigkeiten besucht. Und dabei viele Kubaner und auch deutsche Auswanderer kennen gelernt.
    Fazit: Der Sex Tourismus hat die Menschen verändert. Private Investoren kämpfen mit der sozialistischen Arbeitsmoral. Die Menschen kämpfen um die Existenz. Die Infrastruktur ist kaputt. Auf der Autobahn grasen Büffel auf dem Mittelstreifen?? Dreiräderige Akkutaxi, Pferdekutschen, Taxi-Oldies und staatliche teure Taxis kämpfen um die wenigen zahlungsfähigen Kunden.
    Die Wasserversorgung? in jedem größeren Ort den ich besucht habe, entspringen Quellen auf Kopfsteinpflaster -Strassen.
    Gott wohl Sprich, diejenigen die vom Staat abhängig sind, sind die Dummen.
    Die, die vom Ausland unterstützt werden können den Umständen entsprechend auch in dem gescheiterten System leben.

  2. Kuba überlebt seit Jahrzehnten trotz der Sanktionen der USA. Das noch lebende sozialistische System hat zur Alphabetisierung und guter medizinischer Versorgung der Bevölkerung geführt. Wie sieht es dagegen in von kapitalistisch geprägten Systemen aus: Märchenhafter Reichtum Weniger, Verdummung der Massen, Armut durch Ausbeutung, Kommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche, Abbau staatlicher Daseinsvorsorge, ….
    Welches System dient den Menschen???

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