Kuba hat am Donnerstag angekündigt, mehr als 2000 verurteilte Gefangene zu begnadigen. Wie das Nachrichtenportal Cubadebate berichtet, handle es sich um eine „humanitäre und souveräne Geste“ im Rahmen der Karwoche.
Mehr als 20 Insassen verließen am Freitag das Gefängnis La Lima im Osten Havannas, wo sie von weinenden Angehörigen empfangen wurden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch aus weiteren Haftanstalten wurden Gefangene entlassen.
Unter den Begnadigten befinden sich junge Menschen, Frauen, über 60-Jährige, ausländische Staatsangehörige sowie im Ausland lebende Kubaner. Die Auswahl basierte laut der kubanischen Botschaft in den USA auf einer „sorgfältigen Analyse“ der begangenen Delikte, dem Verhalten während der Haft, dem bereits verbüßten Strafanteil sowie dem Gesundheitszustand der Betroffenen. Einer der ersten Freigelassenen war der 46-jährige Albis Gainza, der die Hälfte einer sechsjährigen Haftstrafe wegen Raubes verbüßt hatte, so AFP.
Ausdrücklich ausgeschlossen von der Begnadigung wurden Personen, die wegen schwerer Delikte verurteilt worden waren – darunter sexuelle Gewalt, Mord, Totschlag, Drogendelikte, bewaffneter Raub, Kindesmissbrauch sowie Straftaten gegen staatliche Autoritäten. Auch Wiederholungstäter und Personen, die nach einer früheren Begnadigung erneut straffällig geworden waren, kamen nicht in Frage.
Es handelt sich um den fünften derartigen Gnadenakt der Regierung seit 2011, von denen insgesamt mehr als 11.000 Personen profitiert haben. Die Freilassung erfolge im Rahmen der Osterfeiertage, was eine übliche Praxis im kubanischen Strafjustizsystem sei.
Bereits im März waren 51 Häftlinge nach Gesprächen mit dem Vatikan freigelassen worden. Im vergangenen Jahr hatte Kuba im Rahmen einer vom Vatikan und den USA vermittelten Vereinbarung 553 Personen entlassen. Noch unklar ist, inwiefern die jüngste Begnadigung mit den laufenden Gesprächen mit den USA zu tun hat: Ob es sich um eine unabgesprochene Geste guten Willens handelt, nachdem die USA zuletzt einen russischen Öltanker durchgelassen haben, oder um eine abgesprochene „Tit for tat“-Verhandlungstaktik, in deren Rahmen sich Washington und Havanna anzunähern beginnen.

