13. Mai 2026

Kuba gewinnt Naphtha, Heizöl und Diesel aus heimischem Schweröl

Die Raffinerie Hermanos Díaz in Santiago de Cuba, eine von vier Erdölverarbeitungsanlagen in Kuba, hat nach eigenen Angaben aus heimischem Schweröl die Produkte Naphtha, Heizöl und Diesel gewonnen. Naphtha ist ein leichtes Lösungsmittel, das bei der Ölförderung eingesetzt wird. Das berichtete die staatliche Tageszeitung Granma am 26. April 2026.

Wie Irene Barbado Lucio, Generaldirektorin der Hermanos Díaz, gegenüber der Zeitung erklärte, habe man Anlagen, die früher importiertes Schweröl verarbeiteten, für die Verarbeitung des nationalen Rohöls umgerüstet.

Erste Ergebnisse in Santiago de Cuba

Das kubanische Rohöl sei hochviskos, schwefelhaltig und mit anderen Schadstoffen belastet. „Zuvor hatten wir es geschafft, importiertes Schweröl mit einem Lösungsmittel auf 16 API-Grad zu bringen, damit es als mittelschweres Öl verarbeitet werden konnte – denn unsere Industrie wurde für leichtes Öl ausgelegt. Aber wir haben nicht daran gedacht, das mit dem nationalen Rohöl zu tun“, sagte Víctor Manuel Díaz Despaigne, Ingenieur und Leiter der Arbeitsgruppe, die die technische Anpassung umsetzte.

Laut dem Vizedirektor des staatlichen Ölkonzerns Cupet, Irenaldo Pérez Cardoso, reichte die in einem ersten Testlauf gewonnene Naphtha-Menge für 15 Tage Förderbetrieb in den Ölfeldern von Varadero. Der produzierte Diesel sei zwar kein Sonderkraftstoff, aber kommerziell verwertbar und könne Teile des bei Bohrprozessen eingesetzten Diesels ersetzen.

Beim erzeugten Heizöl werde derzeit geprüft, ob es in Kraftwerken oder der Nickelindustrie eingesetzt werden kann. Ein weiterer Testlauf ist angekündigt.

Die Arbeiten in Santiago de Cuba laufen parallel zu Forschungen des staatlichen Zentrums für Erdölforschung Ceinpet, das eine Technologie namens Thermokonversion entwickelt hat. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Schweröl durch kontrollierte Erhitzung aufgespalten wird, um seine Viskosität zu senken – ohne es dafür mit Naphtha mischen zu müssen.

International ist dieses Verfahren, auch als Visbreaking oder thermisches Cracken bekannt, seit Jahrzehnten im industriellen Bereich im Einsatz.

Pilotanlage in Sancti Spíritus geplant

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel stellte die Ergebnisse am 25. April 2026 auf einer Sitzung des Nationalen Innovationsrats als historischen Schritt vor. „Wir haben eine etablierte Haltung widerlegt: dass das nationale Rohöl nicht raffiniert werden könne, dass man es nicht für andere Dinge einsetzen könne – und dass wir es praktisch dazu verurteilt hatten, direkt in einer Reihe von Wärmekraftwerken verbrannt zu werden“, sagte Díaz-Canel laut Granma.

In der Raffinerie von Cabaiguán (Provinz Sancti Spíritus) soll jetzt eine Pilotanlage für Thermokonversion errichtet werden, da dort bereits Infrastruktur wie Wasser, Dampf und Strom sowie entsprechendes Fachpersonal vorhanden seien. In einer zweiten Entwicklungsphase soll der Schwefelgehalt des kubanischen Rohöls mithilfe von einheimischen Lateriterzen – einem eisenhaltigen Gestein, das auf Kuba vorkommt – katalytisch gesenkt werden. Kosten und Zeitplan wurden nicht genannt.

Hintergrund der Bemühungen ist eine akute Energiekrise: Kuba fördert täglich rund 40.000 Barrel eigenes Rohöl, benötigt aber zwischen 90.000 und 110.000 Barrel. Ohne die Möglichkeit zur Raffination heimischen Öls ist die Insel bei Treibstoffen wie Diesel, Benzin und Kerosin zu 100 Prozent auf Importe angewiesen. Venezuela, jahrelang wichtigster Lieferant, hat seine Lieferungen nach der Entführung von Nicolás Maduro im Januar 2026 auf Druck der USA eingestellt. Mexiko stoppte Lieferungen am 9. Januar. Eine US-amerikanische Präsidialverfügung vom 29. Januar 2026 sieht Strafzölle gegen Länder vor, die Kuba Erdöl liefern. Seither ist bislang nur eine größere Lieferung aus Russland auf Kuba angekommen, wo der öffentliche Verkehr weitgehend eingestellt ist. (Amerika21)

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