8. Juni 2026

Kuba hebt Festpreise für Treibstoff in Devisen auf

Die kubanische Regierung hat am Dienstag eine grundlegende Änderung ihrer Treibstoffpreispolitik angekündigt: Ab Freitag, dem 15. Mai 2026 um 0 Uhr, werden die Verkaufspreise für Kraftstoff in Fremdwährung nicht mehr einheitlich festgelegt, sondern richten sich nach den tatsächlichen Kosten jedes einzelnen Importvorgangs. Das kündigte das Ministerium für Finanzen und Preise in einer offiziellen Erklärung an.

Preise nicht mehr haltbar

Bislang gilt auf Kuba ein einheitlicher Treibstoffpreis an den Tankstellen des staatlichen Betreibers Cupet. Ein Liter Superbenzin (Especial) kostet dort 1,30 US-Dollar bzw. das Äquivalent in anderen Währungen, der Liter Diesel ist mit 1,10 US-Dollar bepreist. Die Preise haben sich seit vielen Jahren nicht verändert und stammen noch aus einer Zeit, in der Kuba regelmäßige Treibstofflieferungen aus Venezuela erhielt. Diese seien „unter den gegenwärtigen Bedingungen wirtschaftlich nicht mehr aufrechtzuerhalten“, erklärte das Ministerium.

In der Praxis bedeutet die Änderung, dass an den Tankstellen des Landes künftig erstmals unterschiedliche Preise nebeneinander existieren werden. Dabei sollen die realen Kosten für die jeweils belieferte Tankstelle abgebildet werden, was „Frachtkosten, die Versorgungsroute, Versicherungen, Risiken sowie die Schwankungen auf dem internationalen Markt“ einschließt.

Als Hauptursache für die Maßnahme nennt das Ministerium die verschärfte US-Wirtschaftsblockade, in deren Rahmen die Trump-Administration seit Anfang des Jahres Energie- und Treibstofflieferungen an die Insel zu verhindern sucht. Mit wenigen Ausnahmen konnte seitdem kein Öltanker mehr kubanische Häfen anlaufen, Lieferungen auf dem Spotmarkt wurden abgefangen. Zuletzt erreichte am 31. März ein russischer Tanker mit 700.000 Barrel Rohöl die Insel.

Private Importe an Tankstellen?

Als Reaktion auf die Energieblockate hat das staatliche Handelsunternehmen CIMEX am 6. Februar den Verkauf von Treibstoff in kubanischen Pesos eingestellt, Dieselverkäufe auf unbestimmte Zeit komplett ausgesetzt und den Kauf von Benzin in Dollar auf 20 Liter pro Person und Tankvorgang begrenzt.

Zugleich erlaubte die Regierung Ende Februar erstmals den Import von Treibstoff durch private Unternehmen, was von Washington bislang geduldet wird. Dies habe dazu geführt, dass es inzwischen „zahlreiche Akteure gibt, die in der Lage sind, Kraftstoffe gegen Devisen zu importieren und zu vermarkten“. Deren Importe – so lässt sich die Erklärung verstehen – werden offenbar ab dem 15. Mai auch an den staatlichen Tankstellen zum Marktkurs abgegeben. Der Importvorgang erfolgt dabei jedoch nicht wie üblich über große Tankschiffe, sondern in normierten Edelstahltanks als Gefahrguttransport auf gewöhnlichen Frachtern, was die Kosten auf mindestens zwei US-Dollar pro Liter verteuert.

Auf dem informellen Markt hat der Literpreis für Benzin im April 2026 zwischen 4.000 und 6.000 kubanischen Pesos erreicht, was umgerechnet etwa sieben bis zehn Euro entspricht.

Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert