8. Juni 2026

Kuba verkürzt Schuljahr und setzt Hochschulaufnahmeprüfungen aus

Kubas Bildungsministerin Naima Ariatne Trujillo Barreto hat am Dienstag im staatlichen Fernsehen angekündigt, dass das laufende Schuljahr 2025/2026 vorzeitig enden wird. Der Unterricht soll zwischen dem 15. und 30. Juni schrittweise eingestellt werden – ursprünglich war das Ende für Juli vorgesehen. Als Grund nannte die Ministerin die schwerwiegenden Folgen der Krise in Folge der verschärften US-Blockade: Treibstoffmangel, anhaltende Stromausfälle und massive Transportprobleme machten eine Fortsetzung des regulären Schulbetriebs bis zum geplanten Termin unmöglich.

Es ist laut Trujillo Barreto das dritte Mal, dass Anpassungen dieser Größenordnung vorgenommen werden müssen. Den bisherigen Verlauf des Schuljahres bezeichnete sie als Prozess „von außerordentlicher Sensibilität, von Opferbereitschaft und enormem Einsatz“.

Stromausfälle und lange Fußwege prägen den Schulalltag

Die Bildungsministerin schilderte, unter welch schwierigen Bedingungen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte den Unterricht aufrechterhalten haben. Kinder, Eltern und Lehrer hätten wegen fehlender Transportmittel lange Strecken zu Fuß zurücklegen müssen. Stromausfälle hätten nicht nur die Vorbereitung von Mahlzeiten in Schulen erschwert, sondern auch das Lernen zu Hause beeinträchtigt.

„Nach einer Nacht ohne Strom ist es eine echte Herausforderung, die Schüler überhaupt in die Schule zu bekommen, sie zu motivieren und den Unterricht zu gestalten. Und für die Lehrkräfte, die unter genau denselben Bedingungen leiden – ohne Strom oder in der Ungewissheit, ob sie zu Hause Wasser haben –, war es ein enormer Kraftakt, sich auf das Unterrichten zu konzentrieren“, gab Trujillo Barreto zu bedenken.

Zu verschiedenen Zeitpunkten im Schuljahr befanden sich demnach zwischen 10.000 und 22.000 Schülerinnen und Schüler in Ausnahmesituationen – weil sie weit von ihren Schulen entfernt wohnten oder keinen regelmäßigen Kontakt zu ihren Bildungseinrichtungen hatten.

Kein vollständiger Schulschluss

Die Ministerin betonte ausdrücklich, dass das vorzeitige Ende des Schuljahres nicht mit einer vollständigen Schließung der Einrichtungen gleichzusetzen sei. Schulen sollen weiterhin als Anlaufstellen für besonders schutzbedürftige Kinder offenbleiben und Betreuungsangebote bereitstellen. „Wir werden auch weiterhin genau den Rückhalt bieten, den man von Bildungseinrichtungen gewohnt ist – im Bewusstsein unserer großen Verantwortung für die Gesellschaft und die Familien“, bekräftigte sie.

Abschlussfeiern für die Abgangsjahrgänge – sechste, neunte und zwölfte Klasse – sollen stattfinden, allerdings in kleinerem Rahmen: in den jeweiligen Stadtvierteln, Schulen oder Gemeinden. „Wir können die Möglichkeit dieses bedeutsamen Aktes, der den Abschluss eines Schulabschnitts darstellt, nicht einschränken“, so Trujillo Barreto. Die Förderschulen schließen bereits im Mai, noch vor dem Rest des Systems, da ihre Schülerinnen und Schüler besondere Unterstützung benötigen.

Hochschulaufnahmeprüfungen fallen weg

Parallel dazu kündigte Hochschulminister Walter Baluja García an, dass die Aufnahmeprüfungen für Universitäten für das Studienjahr 2026/2027 abgeschafft werden. Stattdessen soll der während der Oberstufe erzielte Notendurchschnitt als Zulassungskriterium gelten – mit garantiertem Studienplatz für alle Bewerberinnen und Bewerber. Der Großteil des laufenden Universitätskurses soll in der ersten Julihälfte abgeschlossen werden; einzelne Praktika, Forschungsarbeiten und Abschlussverteidigungen könnten sich darüber hinaus erstrecken.

Die im Februar 2026 verkündeten Sparmaßnahmen haben für die kubanischen Schüler und Studenten zu massiven Einschränkungen geführt. Während es für Kinder in Sonderschulen keine Einschränkungen gibt und auch Kindergärten sowie Grundschulen weiterhin prioritär geöffnet bleiben – teilweise allerdings mit verkürzten Betreuungszeiten –, sind die Einschnitte für ältere Jahrgänge deutlich spürbarer, für die der Unterricht auf ein Teilpräsenz-Modell umgestellt wurde.

Die Bildungsministerin schloss ihre Ausführungen mit einem emotionalen Dank an die Lehrkräfte: „Ihnen gilt unser ewiger Dank und unser Appell, das Schuljahr – wie sie es gewohnt sind – mit genau jener Sorgfalt und Tiefe zu einem Abschluss zu bringen, die solch außergewöhnlich schwierige Bedingungen erfordern.“

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