Sherritt International war bis vor wenigen Tagen eines der etabliertesten Joint-Ventures in Kuba. Als einzige ausländische Firma gelang es dem kleinen kanadischen Unternehmen, 1994 einen Fuß in die Tür zu den kubanischen Nickelvorkommen zu bringen. Mehr als 30 Jahre lang hielten die Kanadier allen Krisen und Sanktionen stand – bis jetzt.
Nickel, einen Katzensprung entfernt
Kuba verfügt über eines der weltweit größten Nickelvorkommen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich im Erdreich des Inselostens rund 5,5 Millionen Tonnen des Metalls befinden, was etwa knapp 6 Prozent der globalen Reserven entspricht.
Der Rohstoff wird vor allem in der Edelstahlproduktion, in hochbelastbaren Legierungen, in Batterien für Elektrofahrzeuge und in Korrosionsschutzbeschichtungen verwendet. Hinzu kommt ein Kobaltvorkommen am selben Standort. Für die US-Industrie dürften beide Elemente von großem Interesse sein, zumal diese nur 150 Kilometer Luftlinie vor der Südküste Floridas lagern.
In guten Jahren machten die Nickelexporte aus dem ostkubanischen Moa den Hauptteil der Warenexportbilanz des Landes aus, wertmäßig weit vor Tabak und Zucker angesiedelt. Doch das kanadisch-kubanische Joint-Venture ist jetzt de facto Geschichte: Am Mittwoch hat die Firma eine unverbindliche Vereinbarung mit Gillon Capital LLC unterzeichnet – einem Familienunternehmen, das mit dem früheren Trump-Berater Ray Washburne verbunden ist.
Gillon soll über einen Warrant die Möglichkeit erhalten, genug Sherritt-Aktien zu erwerben, um eine Mehrheitsbeteiligung von 55 Prozent am Unternehmen zu halten. Der Kaufpreis würde dabei unterhalb des Schlusskurses vom 15. Mai liegen, der bei nur noch 11 kanadischen Cent pro Aktie lag.
Damit würde ein enger Vertrauter des amtierenden US-Präsidenten die Kontrolle über das einzige westliche Bergbauunternehmen in Kuba übernehmen – während die US-Regierung dem Land mit Militärintervention und Regimewechsel droht.
Washburne war von Donald Trump zwischen 2017 und 2019 als Leiter der staatlichen US-Entwicklungsbank Overseas Private Investment Corporation eingesetzt worden, saß im Geheimdienstbeirat des Präsidenten und war 2016 stellvertretender Vorsitzender des Trump Victory Committee sowie ein wichtiger republikanischer Spendensammler. Gillon Capital ist das Familienunternehmen der Washburnes.
Sanktionen als Hebel
Die Chronologie der Ereignisse ist aufschlussreich: Am 1. Mai unterzeichnete Trump eine Executive Order, die US-Sanktionen gegen Kuba erheblich ausweitete. Die Anordnung ermöglicht Strafmaßnahmen gegen „jede ausländische Person“, die in Kubas Energie-, Bergbau-, Rohstoff- oder Finanzsektor tätig ist – einschließlich sogenannter Sekundärsanktionen gegen Banken und Finanzdienstleister weltweit, die Transaktionen mit betroffenen Akteuren abwickeln.
Am 7. Mai legte das US-Finanzministerium nach und setzte den kubanischen Militärkonzern Gaesa (Grupo de Administración Empresarial S.A.) sowie das Nickel-Joint-Venture Moa Nickel S.A. – an dem Sherritt beteiligt ist – auf die Liste der „Specially Designated Nationals“ (SDN), eine schwarze Liste, die Geschäfte mit den Betroffenen für US-Personen und -Institute faktisch unmöglich macht.
Noch am selben Tag stellte Sherritt seine direkte Beteiligung an den kubanischen Joint-Venture-Aktivitäten ein. Das Unternehmen erklärte, es sei zwar bislang nicht formell unter der Executive Order designiert worden, eine solche Ausweisung könne jedoch jederzeit erfolgen. Bereits die bloße Existenz der Anordnung schaffe Bedingungen, die den normalen Betrieb grundlegend veränderten. Drei Verwaltungsratsmitglieder traten mit sofortiger Wirkung zurück.
Zunächst hatte Sherritt angekündigt, sein kubanisches Joint Venture vollständig aufzulösen – eine Entscheidung, die das Unternehmen nur eine Woche später wieder rückgängig machte. Kurz darauf folgte die Bekanntgabe der Vereinbarung mit Gillon Capital.
Damit haben sich die USA mit Drohungen, Sanktionen und Mafia-Methoden für den Fall eines Regimewechsels die Schürfrechte der wichtigsten kubanischen Rohstoffvorkommen gesichert und bereits jetzt Kanada vom Markt verdrängt.
Umfassende Strategie
Bemerkenswert ist, dass die US-Regierung die Verhandlungen zwischen Gillon und Sherritt ausdrücklich billigt. Sherritt erklärte, das US-Außen- und das Finanzministerium hätten keine Einwände gegen die Aufnahme von Gesprächen geäußert und betrachteten diese auf Basis der bisher vorliegenden Informationen nicht als Verstoß gegen US-Recht.
Das Muster, das sich hier abzeichnet, ist eindeutig: Zunächst wird ein ausländisches Unternehmen durch Sanktionsdruck zur Aufgabe seiner Kubatätigkeit gedrängt. Dann übernimmt ein politisch gut vernetzter US-Investor zu einem Abschlagspreis die Kontrolle – mit ausdrücklichem Einverständnis der Regierung, die den Druck erst erzeugt hat.
Die Sanktionen gegen Moa Nickel sind Teil einer umfassenden Druckstrategie. Die Trump-Administration hat US-Reisen nach Kuba und Geldüberweisungen auf die Insel stark eingeschränkt, versucht regionale Verbündete davon abzubringen, kubanische Ärzte zu beschäftigen, und blockiert seit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar alle Treibstoffexporte nach Kuba.
Letzteres hat die ohnehin schwere Energiekrise auf der Insel massiv verschärft. UN-Experten bezeichneten die mit Hilfe der US-Küstenwache durchgesetzte Seeblockade als „Energieaushungerung“ mit gravierenden Folgen für Entwicklung und Menschenrechte und forderten deren sofortige Beendigung. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel nannte die Sanktionen „eine unilaterale Aggression gegen eine Nation und eine Bevölkerung, deren einziger Ehrgeiz es ist, in Frieden zu leben.“
Wenn nur noch einer übrig bleibt…
Parallel zur Übernahme von Sherritt durch den Trump-nahen Investor verlor Kuba vor wenigen Tagen auch den Zugang zu internationalen Handelsrouten.
Die beiden weltgrößten Containerreedereien CMA CGM und Hapag-Lloyd haben sämtliche Buchungen mit Kuba als Ausgangs- oder Zielhafen ausgesetzt – ebenfalls als Reaktion auf die US-Sanktionen gegen Gaesa. Laut Reuters sind damit bis zu 60 Prozent des kubanischen Seefrachtvolumens betroffen, besonders der Warenverkehr aus China sowie aus Nord- und Südeuropa.
Die Daten zeigen, wie drastisch die Lage bereits ist: Die Firma für maritime Geheimdienstanalysen Windward berichtete im März, dass die monatlichen Hafenankünfte in Kuba von durchschnittlich 50 im Jahr 2025 auf nur noch 11 eingebrochen waren – den niedrigsten Stand seit 2017. Im April verbesserte sich die Lage kaum; lediglich ein russischer Öltanker traf unter ausnahmesweiser Duldung der USA in Matanzas ein. Er brachte die zweite Lieferung des Jahres überhaupt.
Was übrig bleibt, sind ausgerechnet jene Schifffahrtslinien, die direkt aus den USA operieren. Ricardo Herrero, Geschäftsführer der in Washington ansässigen unabhängigen Organisation Cuba Study Group, wies darauf hin, dass diese Routen von den Sanktionen bislang unberührt geblieben seien.
„Ironischerweise eröffnet das die Möglichkeit, dass Importe aus den USA nach Kuba tatsächlich zunehmen könnten“, sagte Herrero. Im ersten Quartal 2026 kauften kubanische Abnehmer Waren im Wert von rund 103 Millionen US-Dollar in den USA – trotz eines Rückgangs von rund 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum immer noch eine der bedeutendsten Versorgungslinien der Insel.
2025 erreichten die US-Exporte nach Kuba mit knapp 490 Millionen US-Dollar den dritthöchsten Wert seit Beginn dieser Handelsbeziehungen im Jahr 2001. Damals wurde eine Ausnahme von der US-Blockadegesetzgebung für Lebensmittelimporte geschaffen, die direkt in bar bezahlt werden.
Herrero beschreibt die dahinterstehende Strategie klar: Es gehe darum, „Kubas bereits erhebliche Abhängigkeit von den USA weiter zu erhöhen, während alle anderen Versorgungswege abgeschnitten werden.“ Das Kalkül ist einfach: Ohne Störfeuer aus Kanada und der EU, hätten die USA nach einem Regimewechsel (der Russland und China verdrängen soll) quasi das Handelsmonopol für Kuba und exklusiven Zugriff auf Strände, Hotels und Nickelvorkommen.
Die Theorie der „reifen Frucht“
Der ehemalige US-Präsident Quincy Adams verglich Kuba 1823 mit einer „verlockenden, reifen Frucht“. Sobald diese von der spanischen Krone losgelöst sei, zwinge sie die politische Schwerkraft unweigerlich, in den Schoß der USA zu fallen. Thomas Jefferson nannte die Insel gar „die interessanteste Ergänzung, die unserem Staatensystem je zuteilwerden könnte“.
Diese annexionistischen Träume sind heute unter dem Duktus von Trumps „Kontrolle der westlichen Hemisphäre“ wieder erwacht und werden von einer Exilgemeinde befeuert, deren radikalste Teile schon offen den Anschluss Kubas an die USA fordern.
Adams‘ reife Frucht hängt zweihundert Jahre später noch immer am Baum. Heute greift Washington zu drakonischen Sanktionen und gut vernetzten Investoren – ob es dabei bleibt, ist eine offene Frage. Kuba hat für seine Unabhängigkeit gekämpft – gegen Spanien, gegen US-Statthalter, gegen ein halbes Jahrhundert Blockade. Nicht weniger steht erneut auf dem Spiel. (Telepolis)

