Ab dem 1. Juni 2026 zahlt der kubanische Stromversorger Unión Eléctrica (UNE) einen Betrag von 90 kubanischen Pesos (15 Eurocent) pro eingespeister Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Quellen – bis zu 30 Mal mehr als bisher. Die Maßnahme soll einen neuen Anreiz für mehr Solarstromproduktion für Haushalte und Betriebe setzen.
Damit wird die bisherige Einspeisevergütung aus dem Jahr 2023 abgelöst, die mit Tarifen von drei Pesos pro Kilowattstunde für den Nicht-Wohnbereich und sechs Pesos für Privathaushalte kaum Anreize für den Stromverkauf bot. Der neue Einheitstarif von 90 Pesos gilt ohne Unterschied nach Tageszeit oder Nutzertyp für alle, die Strom aus Solar-, Wind- oder anderen erneuerbaren Quellen einspeisen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Solar-Einspeisevergütung für Überschüsse aktuell bei 7,78 Cent pro kWh bzw. 12,34 Cent, wenn der gesamte Strom ins Netz eingespeist wird.
Laut Vizefinanzministerin Yenisley Ortiz Mantecón hätten die alten Vergütungen „die tatsächlichen Kosten und Aufwendungen nicht korrekt widergespiegelt“. Zusätzlich zur Tariferhöhung werden Einnahmen aus dem Stromverkauf künftig vollständig von der Dienstleistungssteuer befreit. Diese Steuerbefreiung erfordere keinen zusätzlichen Behördengang: Steuerpflichtige könnten den entsprechenden Betrag einfach von ihrer monatlichen digitalen Steuerzahlung abziehen – vorausgesetzt, sie bewahren Vertrag und Rechnung als Nachweis auf.
Mario Castillo Salas, stellvertretender UNE-Direktor, erläuterte die praktische Umsetzung: Bestehende Verträge würden ab dem 1. Juni automatisch auf den neuen Tarif umgestellt, ohne dass Kunden aktiv werden müssen. Neue Interessenten können ab dem 28. Mai online oder persönlich in einer UNE-Geschäftsstelle einen Antrag stellen. Die UNE verpflichte sich, den gesamten Prozess – von der Antragstellung über den obligatorischen Technikerbesuch bis zur Vertragssignierung und dem Einbau eines bidirektionalen Stromzählers – innerhalb von zehn Tagen abzuschließen. Ein solcher Zweirichtungszähler, der sowohl verbrauchten als auch eingespeisten Strom erfasst, ist technisch zwingend erforderlich. Die UNE verfüge hierfür über ausreichend Geräte, so Castillo Salas.
Die erste Abrechnung nach dem neuen System ist für den Zeitraum zwischen dem 20. und 30. Juni geplant, die Auszahlung soll zwischen dem 1. und 10. Juli erfolgen.
Castillo Salas wies Interessenten auf eine wichtige technische Einschränkung hin: Solaranlagen können während eines Stromausfalls keine Energie ins Netz einspeisen, weil der Schaltkreis unterbrochen ist. Eingespeiste und damit vergütete Energie fließt nur dann, wenn der jeweilige Stromkreis aktiv ist. Das macht die Einspeisung in bestimmten, prioritär versorgten Stromkreisen (z.B. jene, an denen auch Krankenhäuser hängen), potentiell interessanter.
Die Maßnahme fällt in eine Phase akuter Energienot. Das Versorgungsdefizit lag in den vergangenen Tagen in Spitzenlastzeiten immer wieder um die 2.000 Megawatt – ein kritischer Wert von über der Hälfte des Bedarfs, bei dem das Stromnetz jederzeit zusammenbrechen kann. Während die Insel seit Januar nur eine Rohöllieferung aus Russland aufgrund der US-Energieblockade erreichte, gab es zuletzt neue Hiobsbotschaften von den Kraftwerken: Wie der französische Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erklärte, verweigere die französische Reederei CMA CGM die Lieferung von Ersatzteilen für das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas – das wichtigste und leistungsfähigste Kraftwerk Kubas –, obwohl die französische Regierung deren Lieferung offiziell zugesagt habe. Der Schritt ist eine direkte Folge der Verschärfung der US-Sanktionen vom 1. Mai, in deren Folge auch die deutsche Reederei Hapag-Lloyd ihre Kubageschäfte einstellte.
Kuba hat angekündigt, bis 2028 insgesamt 92 Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 2000 Megawatt zu errichten. Darüber hinaus haben im Zuge der Energiekrise in den vergangenen Monaten zahlreiche Haushalte, Unternehmen und öffentliche Institutionen Solarpaneele installiert, die Einfuhren aus China gingen ab 2025 sprunghaft in die Höhe. Derzeit liegt der Anteil Solarenergie an der Stromerzeugung bei rund 10 Prozent, zu solaren Spitzenzeiten am Mittag kann jedoch bereits rund die Hälfte des Bedarfs über die Sonne gedeckt werden. Ein Problem ist dabei die bislang fehlende Batteriespeicherkapazität, welche gerade erst aufgebaut wird. Sie ist notwendig, damit das Netz größere Mengen Solarenergie stabil absorbieren kann. Ortiz Mantecón betonte, dass die Maßnahme keine zeitliche Befristung habe, rief jedoch angesichts der Lage zur raschen Beteiligung auf.

