Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla hat am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat in New York die internationale Gemeinschaft aufgefordert, einer drohenden militärischen Aggression der USA gegen Kuba entgegenzutreten. „Ich rufe die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich zu mobilisieren, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, die entweder durch Waffengewalt oder durch die Energieblockade aufgezwungen werden könnte“, erklärte Rodríguez. Auf der Plattform X hatte er zuvor „die Mitwirkung der UNO erbeten, um eine US-Militäraggression gegen Kuba zu stoppen, die ein Blutbad auslösen würde“.
Treffen mit UN-Generalsekretär Guterres
Vor der Sitzung traf Rodríguez UN-Generalsekretär António Guterres und informierte ihn laut eigenen Angaben über „die schwere humanitäre Lage, mit der das kubanische Volk konfrontiert ist – als direkte Folge der extremen Verschärfung der Blockade durch die US-Regierung, mit zusätzlichen Maßnahmen, Sekundärsanktionen und einer brutalen Energiebelagerung“. Gleichzeitig bekräftigte er Kubas Bereitschaft, bilaterale Gespräche mit Washington fortzuführen – allerdings ohne Einmischung in Kubas innere Angelegenheiten.
In seiner Rede vor dem Sicherheitsrat bezeichnete Rodríguez die von den USA verhängte Energieblockade als „Akt des Krieges und des Genozids“, der in seinen Auswirkungen einer Seeblockade gleichkomme. Die Folgen für die Zivilbevölkerung seien bereits spürbar: Die Säuglingssterblichkeit habe sich von 4,0 auf 9,2 pro tausend Lebendgeburten verdoppelt, und die Überlebensrate von krebskranken Kindern sei von 85 auf 65 Prozent gesunken, so der Minister.
Er wies den US-amerikanischen Vorwurf zurück, Kuba stelle eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar. „Das ist eine Idee, die gegen Logik und gesunden Menschenverstand verstößt“, sagte Rodríguez. „Lasst Kuba in Frieden leben.“
Die Sitzung war von China einberufen worden und stand unter dem Thema der Stärkung des UN-zentrierten internationalen Systems.
Russischer Tanker dreht ab
Während Rodríguez in New York sprach, verdichteten sich die Nachrichten über einen weiteren schweren Schlag in der akuten Energiekrise: Der russische Tanker „Universal“ mit rund 250.000 Diesel an Bord, hat nach mehr als 30 Tagen nahezu regungslosem Treiben im Nordatlantik plötzlich Fahrt aufgenommen – und sich dabei von Kuba entfernt.
Laut Schiffsverfolgungsdaten und dem Energieforscher Jorge Piñon, Direktor des Lateinamerika- und Karibik-Energieprogramms an der University of Texas, erhöhte das Schiff seine Geschwindigkeit von rund 1,3 Knoten auf 10,5 Knoten und schlug einen Kurs in Richtung Südatlantik ein. „Es ist nicht nur die Kursänderung, sondern auch die Geschwindigkeit. Nach mehr als 30 Tagen in der Schwebe hat die Universal einen klaren Kurs nach Südosten eingeschlagen und tritt in den Südatlantik ein, weit von Kubas Küsten entfernt“, sagte Piñon. „Ihre Geschwindigkeit hat sich von 1,3 auf 10,5 Knoten erhöht, was auf ein bestimmtes Ziel hindeutet.“
Das Schiff war am 18. Januar vom russischen Hafen Vysotsk ausgelaufen und hatte den Ärmelkanal am 8. April in Begleitung einer russischen Fregatte passiert. Die Ankunft in Kuba war ursprünglich für Ende April erwartet worden. Stattdessen verblieb der Tanker über einen Monat lang auf niedrigstem Tempo oder nahezu treibend im Nordatlantik, rund 1.600 Kilometer von Kuba entfernt, ohne einen Zielhafen anzugeben.
Ob und wann Kuba weitere Treibstofflieferungen erhalten wird, bleibt nach dem Kurswechsel der „Universal“ offen. Rodríguez‘ Appell vor dem UN-Sicherheitsrat fasste die Lage in einem Satz zusammen: „Der Moment für Solidarität mit Kuba ist gekommen.“

