8. Juni 2026

Militärtreffen am Zaun von Guantánamo: US-Kommandeur trifft kubanischen Generalstabschef

Mordanklage gegen Raúl Castro, US-Invasionsdrohungen, Besuch vom CIA-Direktor und jetzt ein hochrangiges Militärtreffen: Am Freitag trafen General Francis L. Donovan, Kommandeur des US-Südkommandos (Southcom), und General Roberto Legrá Sotolongo, Erster Vizeminister und Chef des Generalstabs der Revolutionären Streitkräfte Kubas (FAR), am Grenzzaun der US-Marinebasis in der Bucht von Guantánamo aufeinander.

Laut einem knappen Kommuniqué des Southcom handelte es sich um „einen kurzen Austausch über operative Sicherheitsfragen“, bei dem Themen wie der Schutz des Militärpersonals und seiner Familien sowie die operative Einsatzbereitschaft besprochen wurden. Das kubanische Ministerium der Revolutionären Streitkräfte (MINFAR) teilte seinerseits mit, das Treffen habe „auf Vereinbarung beider Seiten“ stattgefunden. Beide Delegationen bewerteten den Austausch demnach als positiv. Man sei übereingekommen, die Kommunikation zwischen beiden Militärkommandos aufrechtzuerhalten. Donovan nutzte den Besuch zudem, um die Sicherheitslage am stark verminten Perimeter der Basis persönlich zu begutachten.

Eigentlich ein Routinekotakt

Direkte Gespräche zwischen Militärvertretern beider Länder am Perimeter der Basis sind an sich kein Novum. Seit dem Bestehen der US-Marinebasis gab es immer wieder technische Abstimmungen zu Sicherheitsfragen rund um den Grenzzaun. Derartige Treffen fanden über Jahrzehnte hinweg monatlich statt und wurden dabei von beiden Seiten stets in einem konstruktiven Geist durchgeführt. Fidel Castro bezeichnete sie deshalb sogar als „Vorbild für die Art und Weise, wie die Beziehungen zwischen Kuba und den USA aussehen sollten“. Unter der Trump-Administration jedoch wurden die technischen Kontakte extrem selten.

Dass ein Treffen auf dieser Ebene – Southcom-Kommandeur auf der einen, der zweitmächtigste Militär Kubas auf der anderen Seite – nun stattfindet, ist allerdings ungewöhnlich und hat angesichts der aktuellen Lage eine andere Qualität als in früheren Zeiten.

Im März 2026 hatte Donovan vor dem US-Kongress erklärt, das US-Militär könnte auf dem Gelände der Marinebasis ein Lager errichten, sollte es zu einer massiven Migrationswelle aus Kuba kommen. Die Zukunft der Basis selbst ist Gegenstand aktiver Debatten im Zusammenhang mit möglichen Krisenszenarien, die die Trump-Administration durchspielt.

Basis non grata

Das Southcom bezeichnete die Marinebasis in Guantánamo als „wichtiges operatives und logistisches Zentrum, das die US-amerikanischen Militärbemühungen zur Eindämmung von Bedrohungen für Sicherheit, Stabilität und Demokratie in der westlichen Hemisphäre unterstützt“.

Kuba lehnt die Präsenz des US-Militärs jedoch strikt ab und betrachtet sie als völkerrechtswidrig. Das 116 Quadratkilometer große Gelände wurde 1903 nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von den USA für eine jährliche Zahlung von 4085 US-Dollar gepachtet. Der Pachtvertrag und seine Erneuerung 1934 wurde allerdings unter Bedingungen geschlossen, die Havanna als Nötigung wertet: Das sogenannte Platt-Amendment zwang Kuba unmittelbar nach der Unabhängigkeit in ein asymmetrisches Abhängigkeitsverhältnis gegenüber Washington.

Seit der Revolution 1959 fordert Kuba die USA regelmäßig auf, das Gebiet zurückzugeben. Wie kubanische Vertreter immer wieder kritisieren, würde die US-Basis mit dem gleichnamigen Folterlager nicht nur den Ruf der Provinz Guantánamo in der Welt schädigen, sondern auch den Zugang zur Bucht für lokale Fischerboote verhindern. Die USA verweigern die Rückgabe der Basis mit Verweis auf eine einmalig akzeptierte erste Pachtzahlung kurz nach dem Sieg der Revolution.

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