Unter dem wachsenden Druck der US-Regierung ziehen sich immer mehr westliche Investoren und Handelspartner aus Kuba zurück. Nach dem kanadischen Bergbaukonzern Sherritt (der jetzt von einem trumpnahen US-Investor übernommen werden soll) und zwei europäischen Redereien, könnte als Nächstes die spanische Hotelkette Iberostar einen Teil ihrer Hotels in Kuba aufgeben.
Dies legen zumindest Medienberichte nahe, die sich auf ein noch nicht bestätigtes Kommuniqué des Unternehmens berufen. Demzufolge werde sich die Hotelkette zum 1. Juni von sämtlichen Hotels trennen, die mit der kubanischen Militärholding Gaesa assoziiert sind. Diese wiederum wurde mit einer Exekutivanordnung von US-Präsident Donald Trump am 1. Mai unter scharfe Sanktionen gesetzt. Sämtliche mit der Firma verbundenen Unternehmen aus Drittstaaten müssen fürchten, ebenfalls Opfer von Sekundärsanktionen zu werden. Gaesa kontrolliert wichtige Teile der kubanischen Wirtschaft, insbesondere im Tourismus- und Devisenbereich, weshalb die Sanktionen Kuba an empfindlicher Stelle treffen.
Die US-Behörde für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) setzte den 5. Juni als Frist, bis zu der ausländische Unternehmen jegliche Geschäftsbeziehungen mit Gaesa oder dessen Tochtergesellschaften abgewickelt haben müssen.
Iberostar trennt sich offenbar von zwölf Hotels
Der spanische Konzern Iberostar Cuba Hotels & Resorts trennte sich laut den vorliegenden Informationen offenbar von zwölf Hotels, die gemeinsam mit dem Gaesa-Tochterunternehmen Grupo de Turismo Gaviota betrieben wurden.
Das betrifft Häuser in Havanna, Varadero, Cayo Santa María, Cayo Ensenachos, Cayo Cruz, Cayo Guillermo, Guardalavaca und Playa Pesquero. Auch das relativ neue Grand Packard und das erst im Februar 2025 eröffnete Iberostar Selection La Habana, auch bekannt als „Torre K“, sind betroffen. Das Fünf-Sterne-Hotel ist das höchste Gebäude Kubas und gilt als architektonisch wie ökonomisch umstrittenes Prestigeprojekt, welches mit 100 Prozent kubanischem Kapital finanziert wurde.
Laut einem Kommuniqué des Unternehmens sei die Maßnahme Teil einer „Anpassung an das internationale regulatorische Umfeld“, um „die Standards der Marke zu gewährleisten“. Auf der Buchungswebseite ibercuba.com sind derzeit nur noch sechs der ehemals 18 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels buchbar. Erst im Oktober 2025 hatten Iberostar und Gaviota eine Kooperationsvereinbarung als „neues Modell der Hotelführung“ auf der Insel vorgestellt.
Der spanische Konzern Meliá, der 35 Häuser in Kuba betreibt, hat nach eigenen Angaben im ersten Quartal bereits 50 Prozent seiner Betriebskapazität geschlossen – offiziell begründet mit geringer Nachfrage, Versorgungsproblemen und der Energiekrise. Über eine Aufgabe von Beteiligungen war allerdings bei Melía bisher nichts zu hören. Anders bei der kanadischen Hotelkette Blue Diamond und der indonesischen Aston: diese gaben ebenfalls ihren Rückzug aus Kuba bekannt.
Kuba weist Vorwürfe gegen Gaesa zurück
Die kubanische Regierung hat am 2. Juni mit einer offiziellen Stellungnahme auf die US-Sanktionen und die internationale Berichterstattung über Gaesa reagiert. Die Erklärung bezeichnet die jüngsten Sanktionen als „die intensivste, unverhältnismäßigste und gefährlichste Eskalation in der jüngeren Geschichte der Beziehungen zwischen Kuba und den USA“ und wirft Washington vor, eine gezielte Rufschädigungskampagne gegen die Institutionen der kubanischen Revolution zu betreiben.
Zur Entstehungsgeschichte des Konzerns heißt es, Gaesa sei in der Sonderperiode gegründet worden, um dem Wirtschaftskrieg zu begegnen — mit dem Ziel, Unternehmen mit Devisenkapazitäten zu bündeln, die der Staat zur Aufrechterhaltung sozialer Errungenschaften benötigt.
Gegen die Darstellung als intransparente Parallelstruktur verwahrt sich die Stellungnahme ausdrücklich: Die Unternehmensgruppe sei keine Elitestruktur und schon gar kein Bereicherungsinstrument weniger, sondern vielmehr eines der vielen Beispiele, die es Kuba ermöglicht hätten, der permanenten Aggression der US-Regierung standzuhalten. Als Belege für den gesellschaftlichen Beitrag des Konzerns werden unter anderem der Bau von mehr als zehntausend Wohnungen, die Unterstützung der Wirtschaft während der Covid-Pandemie sowie Investitionen in die Energieinfrastruktur angeführt.
Update (03.06): Inzwischen hat Iberostar die Ankündigung gegenüber der Nachrichtenagentur EFE bestätigt. Jetzt hat auch Melía offiziell den Rückzug angetreten und wird sich von 15 seiner 34 Hotels auf Kuba trennen.

