Die Trump-Administration hat Sanktionen gegen Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel, Mitglieder seiner Familie sowie mehrere kubanische Institutionen verhängt. Havanna verurteilte die Maßnahmen als „illegitim“ und kündigte Widerstand an.
Am Donnerstag hat die zuständige US-Bundesbehörde OFAC – das Büro für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte – die Betroffenen in die sogenannte SDN-Liste aufgenommen, die Liste besonders designierter Staatsangehöriger und gesperrter Personen. Die Maßnahme erlaubt das Einfrieren von Vermögenswerten und verbietet US-Bürgern und Unternehmen jede Transaktion mit ihnen.
Wer ist betroffen?
Auf die SDN-Liste gesetzt wurden Díaz-Canel selbst, seine Ehefrau Lis Cuesta Peraza sowie sein Stiefsohn Manuel Anido Cuesta. Ebenfalls sanktioniert wurden Alejandro Castro Espín, Sohn des früheren Staatschefs Raúl Castro und bekannte Schlüsselfigur des kubanischen Geheimdienstapparats, sowie dessen Sohn Raúl Alejandro Castro Calis.
Auf institutioneller Seite betreffen die Maßnahmen das Ministerium der Revolutionären Streitkräfte (MINFAR), die Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR) – ein flächendeckendes Netz von Nachbarschaftskomitees –, das Kubanische Institut für Völkerfreundschaft (ICAP), das Bergbauunternehmen Minera La Victoria S.A. sowie die dem ICAP zugeordnete Reiseagentur Amistur Cuba S.A.
Eingebettet in eine Eskalationsstrategie
Die aktuellen Sanktionen sind Teil einer Serie von Druckmaßnahmen, die Washington seit Jahresbeginn gegen Kuba verschärft hat. Bereits am 7. Mai hatte die OFAC den kubanischen Militärkonzern GAESA sanktioniert, was die wichtigsten ausländischen Investoren in Kuba zum Rückzug zwang. Rechtliche Grundlage dieser Designierungen ist die Executive Order 14404, die US-Präsident Donald Trump am 1. Mai 2026 unterzeichnet hatte. Am 18. Mai folgten Sanktionen gegen neun hochrangige Funktionäre, darunter der Präsident der Nationalversammlung Esteban Lazo sowie die Minister für Energie, Kommunikation und Justiz. Am 20. Mai wurde ein Haftbefehl gegen den ehemaligen Präsidenten und Revolutionsführer Raúl Castro erlassen. Ab dem 6. Juni werden als Folge der Sanktionen zudem die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard ihren Betrieb auf der Insel einstellen.
Hinzu kommen ein von Washington verhängtes Energieembargo – das Drittstaaten mit Strafzöllen belegt, wenn sie Kuba Treibstoff liefern – sowie die angedrohte Verhängung sogenannter Sekundärsanktionen gegen ausländische Finanzinstitute, die weiterhin mit designierten kubanischen Stellen Geschäfte machen.
Bereits im Juli 2025 hatten die USA Visasanktionen gegen Díaz-Canel erlassen, so dass dieser seither nicht mehr an den Sitzungen der UN-Generalversammlung in New York teilnehmen kann.
US-Präsident Trump erklärte mehrfach gegenüber Journalisten, er werde Kuba „übernehmen“ und schloss auch Militärschläge nicht aus, allerdings erst, wenn der Krieg gegen den Iran „beendet“ sei. Vor wenigen Wochen wurde der US-Flugzeugträger „Nimitz“ vor der kubanischen Küste positioniert.
Bemerkenswert ist, dass Raúl Guillermo Rodríguez Castro – ein weiterer Enkel Raúl Castros, bekannt als „El Cangrejo“ –, der Berichten zufolge als kubanischer Gesprächspartner bei diskreten Verhandlungen zwischen Washington und Havanna fungiert hat, nicht auf der Sanktionsliste erscheint.
„Imperiale Aggression“
Experten weisen darauf hin, dass die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen begrenzt sind, sofern die betroffenen Personen keine identifizierbaren Vermögenswerte unter US-amerikanischer Gerichtsbarkeit besitzen. Díaz-Canel hatte bei früheren Sanktionsrunden erklärt, kein Mitglied der Partei-, Staats- oder Regierungsführung besitze Vermögen unter US-Jurisdiktion, und Washington wisse das, weil „es nicht einmal Belege gibt, die man vorlegen könnte“. Die SDN-Designierungen entfalten ihre Wirkung jedoch auch über die rein finanzielle Ebene hinaus: Sie haben eine abschreckende Wirkung auf Drittstaaten und Unternehmen, die mit den Gelisteten Geschäfte unterhalten.
Díaz-Canel reagierte noch am selben Tag auf dem Kurznachrichtendienst X. Er bezeichnete die Sanktionen als Teil einer „illegitimen Liste“. Die Maßnahmen seien „darauf ausgerichtet, die Blockademaßnahmen zu verstärken und ein Konfliktszenario zwischen Kuba und den USA zu schaffen“.
Díaz-Canel schrieb weiter: „Diese politische Blindheit kommt zu den in den letzten Wochen gegen unser Land angewandten Zwangsmaßnahmen hinzu, die darauf ausgelegt sind, dem kubanischen Volk zu schaden […] Die Aggressivität und Verdorbenheit der Yankee-Regierung wird auf unsere Entschlossenheit stoßen, den schlimmsten Szenarien zu begegnen und dem imperialen Angriff standzuhalten.“
Außenminister Bruno Rodríguez schloss sich der Verurteilung an und erklärte, die Aufnahme Díaz-Canels und seiner Familienangehörigen auf die Liste sei „das jüngste Zeichen des interventionistischen Plans der USA, Kuba als Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darzustellen“. Rodríguez Parrilla erklärte: „Jede US-amerikanische Maßnahme, die darauf abzielt, ein Konfliktszenario zwischen den beiden Ländern zu konstruieren, ist zum Scheitern verurteilt. Jede Bedrohung der Unabhängigkeit und Souveränität Kubas wird mit mehr Einheit und Entschlossenheit unseres Volkes beantwortet werden.“

