Die US-Regierung hat am Donnerstag Kubas staatlichen Ölkonzern Unión Cuba-Petróleo (Cupet) auf die Sanktionsliste des US-Finanzministeriums gesetzt. Damit zielt die Trump-Administration direkt auf das wichtigste Energieunternehmen des Landes, welches für die Förderung, Lagerung und Raffination von Erdölprodukten und deren Verkauf an die Bevölkerung zuständig ist.
Energie als Waffe
Washington begründete den Schritt damit, dass Cupet Grundstücke zur Kraftstofflagerung besitze, die ursprünglich „illegal von US-amerikanischen Eigentümern enteignet“ worden seien. Laut Medienberichten stehen diese Flächen im Zusammenhang mit Verhandlungen zwischen einem Importeur und dem in Florida ansässigen Unternehmen Vanguard Energy über Rohöllieferungen nach Kuba. Das US-Außenministerium hatte am Mittwoch ausdrücklich dementiert, Vanguard Energy eine Lizenz erteilt zu haben, die Trumps seit Januar geltendes Embargo auf ausländische Öllieferungen an Kuba umgehen würde.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte in seiner eigenen Begründung des Schrittes, Energie sei auf Kuba „seit langem vom kommunistischen Regime als Waffe eingesetzt worden – sowohl zur Unterdrückung als auch zur Bereicherung der Kleptokratie“. Ohne Belege zu nennen, warf er der kubanischen Führung vor, Treibstoff gestohlen und gehortet zu haben.
Tatsächlich belegt ist hingegen, dass die USA Energie als Waffe gegen Kubas Bevölkerung einsetzen. Erst vor wenigen Wochen behauptete Rubio, es gebe keine Ölblockade gegen Kuba, obwohl Washington seit Januar de facto eine Seeblockade für Energielieferungen verhängt hat und potenziellen Lieferanten mit Strafzöllen droht. Seit Januar sind deshalb nur wenige Einzellieferungen aus Russland eingetroffen, während mehrere Schiffe, die Kuba auf dem Spotmarkt kontraktiert hatte, von der US-Küstenwache umgeleitet wurden.
Die Sanktionen gegen Cupet dürften unmittelbare Auswirkungen auf das tägliche Leben der kubanischen Bevölkerung haben. Der Treibstoffmangel beeinträchtigt Bildungs- und Gesundheitswesen, den öffentlichen Nahverkehr, Stromerzeugung, Nahrungsmittelproduktion sowie die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern. Jede neue Sanktion verschärft die angespannte Versorgungslage auf der Insel weiter.
UN üben scharfe Kritik
Die Vereinten Nationen warnten in diesem Zusammenhang mehrfach vor einer humanitären Krise, die insbesondere die schwächsten Teile der Gesellschaft treffe. „Die seit Anfang 2026 verhängten Kraftstoffbeschränkungen und die jüngste Verschärfung extraterritorialer Sanktionen schaden den Kubanern direkt, insbesondere den Schwächsten“, sagte der Hohe Kommissar für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen, Volker Türk. „Kinder sterben, weil Ärzten der Zugang zu lebenswichtigen medizinischen Hilfsmitteln und Medikamenten fehlt. Das ist inakzeptabel.“
„Solche schwerwiegenden Sanktionspakete, die ganze Wirtschaftssektoren ins Visier nehmen und weitreichende, unterschiedslose und harte Auswirkungen auf die Bevölkerung haben, sind mit den grundlegenden Prinzipien des internationalen Menschenrechtssystems unvereinbar“, sagte Türk.
Die laufenden Gespräche zwischen Washington und Havanna scheinen indes in eine Sackgasse geraten zu sein. Zuletzt besuchte US-Kriegsminister Pete Hegseth am Mittwoch die von Kuba als völkerrechtswidrig besetzt eingestufte US-Marinebasis Guantánamo im Osten der Insel und erklärte dort mit Blick auf eine mögliche Entführung oder Tötung von Präsident Miguel Díaz-Canel, dass „alle Optionen auf dem Tisch“ lägen. Zugleich mahnte er Kuba von Guantánamo aus, sich keine Defensivwaffen zu besorgen, die US-Territorium erreichen könnten.

