Kuba hat am Mittwoch seinen ersten Batteriespeicher in Betrieb genommen. Die Anlage mit einer Leistung von 50 Megawatt basiert auf Lithium-Ionen-Technologie und wurde in Havannas Stadtteil Cotorro errichtet. Die Inbetriebnahmephase verlief nach Angaben der ausführenden Ingenieure mit „zufriedenstellenden“ Ergebnissen.
Voraussetzung für Netzstabilität
Bereits in den vergangenen Tagen habe das System seine Wirksamkeit bei kritischen Ereignissen unter Beweis gestellt, so Ingenieur Ulloa Rodríguez: Als das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras ausfiel und Übertragungsleitungen beschädigt wurden, habe der Speicher schnell reagiert und Energie ins Netz eingespeist beziehungsweise aufgenommen, um die Netzfrequenz stabil zu halten und einen Ausfall des Stromnetzes zu verhindern.
„Diese Woche hatten wir mehrere Störungen, und das System war in der Lage, je nach Bedarf Energie bereitzustellen oder aufzunehmen. Es gab weder automatische Frequenzabschaltungen noch Systemzusammenbrüche“, erklärte der Spezialist. Das Stromdefizit erreichte in Folge des Kraftwerksausfalls in den vergangenen Tagen Rekordwerte von über 2100 Megawatt, bei denen eigentlich mit einem Zusammenbruch zu rechnen gewesen wäre.
Solarparks bisher nicht voll nutzbar
Darüber hinaus ermögliche der Speicher, dass Solarparks künftig mit voller Kapazität betrieben werden können, da überschüssige Energie tagsüber gespeichert und nachts ins Netz eingespeist wird.
„Das System arbeitet rund um die Uhr“, betonte der Ingenieur, „es speichert den solaren Überschuss und gibt ihn nachts ab, was dem Stromnetz kontinuierliche Stabilität verleiht und die Integration weiterer erneuerbarer Quellen wie Wind- und Wasserkraft erleichtert.“
Tatsächlich musste ohne diesen ersten Speicher bereits ein Teil der vorhandenen Solarenergie ungenutzt bleiben. Pro 1000 Megawatt installierter Solarleistung, sind laut Angaben der kubanischen Techniker 100 Megawatt an Regelungsleistung durch Batterien erforderlich. Derzeit werden tägliche Solar-Spitzenleistungen von über 700 Megawatt erreicht, der absolute Rekord lag bei rund 900 Megawatt.
Ulloa Rodríguez hob zudem hervor, dass der Betrieb des Systems vollständig in den Händen kubanischer Techniker liegt, die eigens für diese Technologie ausgebildet wurden. „Wir sind vorbereitet“, sagte er.
Drei weitere Standorte geplant
Das Projekt in Cotorro ist das erste von insgesamt vier geplanten Batteriespeichersystemen auf der Insel. Die weiteren Anlagen mit ebenfalls 50 Megawatt sollen in einem anderen Teil Havannas, in Cueto (Provinz Holguín) sowie in Bayamo (Provinz Granma) errichtet werden, so dass insgesamt 200 Megawatt Batteriespeicher entstehen.
Sobald alle vier Standorte in Betrieb sind, könnten sie laut Ulloa die Energie sämtlicher künftiger Solarparks aufnehmen und das volle erneuerbare Potenzial des Landes freisetzen. „Diese vier Standorte werden es ermöglichen, alle Solarparks sowie die Wind- und Wasserkrafterzeugung maximal zu nutzen, mit entsprechenden Einsparungen beim Brennstoffverbrauch“, fasste der Ingenieur zusammen.
Der Aufbau der Batterieinfrastruktur ist Teil der kubanischen Strategie zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien vor dem Hintergrund einer anhaltenden Energiekrise. Seit Beginn des Programms im März 2025 wurden mit Hilfe chinesischer Fachleute und Finanzierung 54 Solarparks mit einer Leistung insgesamt 1177 Megawatt installiert, der letzte ging am 18. Juni in der Provinz Pinar del Río in Betrieb. Bis 2028 sollen insgesamt 90 Parks mit einer Leistung von knapp 2000 Megawatt entstehen.

