Kubas Stromnetz ist am frühen Montagnachmittag vollständig zusammengebrochen. Wie der staatliche Stromversorger Unión Eléctrica (UNE) mitteilte, würden die Ursachen noch untersucht. Die Wiederherstellungsarbeiten liefen routiniert und zügig an. Zunächst wurde wie üblich die Stromversorgung nur für lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser wiederhergestellt.
Schwarzes Wochenende
Dem Totalausfall war ein Wochenende mit extremem Versorgungsdefizit vorausgegangen. Bereits seit den frühen Morgenstunden des 3. Juli stand das leistungsstärkste Kraftwerk der Insel, die Antonio Guiteras, still – vermutlich wegen eines Defekts im Wärmetauscher.
UNE-Generaldirektor Román Pérez Castañeda erklärte gegenüber der kubanischen Nachrichtenagentur ACN, der Kessel müsse mindestens 48 Stunden auf natürlichem Wege abkühlen, bevor Techniker überhaupt ins Innere gelangen könnten: „Nur nach dem Zugang zum Inneren der Anlage können wir die genaue Ursache des Ausfalls, das Ausmaß des Schadens und den Umfang der notwendigen Arbeiten in Erfahrung bringen.“
Am Samstagabend fiel zusätzlich ein Umspannwerk in Havanna aus und riss zwei weitere Kraftwerksblöcke mit vom Netz. Das prognostizierte Defizit lag am Samstag bei 2080 Megawatt – mehr als die Hälfte des nationalen Bedarfs – und stieg am Sonntag auf über 2200 Megawatt. Ein Anwohner in Havanna berichtete gegenüber Cuba heute, er habe an dem gesamten Wochenende weniger als vier Stunden Strom gehabt.
Stand der Wiederherstellung
Am Dienstagmorgen meldete Energieminister Vicente de la O’Levy über den Kurznachrichtendienst X deutliche Fortschritte: Das Stromnetz ist inzwischen von Havanna im Westen bis nach Sancti Spíritus in Zentralkuba verbunden. „Mit dem begonnenen Hochfahren der Einheiten des Wärmekraftwerks Carlos Manuel de Céspedes in Cienfuegos, ist jetzt unsere Priorität, das Kraftwerk Felton zu erreichen und dort weiterzumachen. Wir schreiten voran und halten alle festgelegten Protokolle ein“, so O’Levy.
In Havanna sind inzwischen 131 Verteilerstromkreise wieder in Betrieb und damit rund 396.000 Haushalte – entsprechend 46 Prozent aller Kunden der Hauptstadt – wieder mit Strom versorgt (Stand: 10:20 Uhr Ortszeit).
Der Blackout vom Montag ist der achte landesweite Stromausfall seit Oktober 2024 und der dritte in diesem Jahr. Die Guiteras, das einzige Kraftwerk, das ohne Transportkosten direkt über eine Pipeline mit einheimischem Rohöl versorgt werden kann, ist seit 38 Jahren in Betrieb und hat bislang keine umfassende Generalüberholung erhalten. Obwohl die Materialien für eine Überholung im Land sind, wurde diese Anfang des Jahres aufgrund der angespannten Situation wieder abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben, da das Netz über keine ausreichenden Reserven verfügt. Diese könnten mit Hilfe der vorhandenen Dieselgeneratoren als Grundlast-Ergänzung geschaffen werden, hierfür fehlt es allerdings an Treibstoff.
Die Trump-Administration hatte Anfang des Jahres ihre Blockade gegen Kuba massiv verschärft. Mit der Entführung von Venezuelas Präsident Maduro wurden Treibstofflieferungen aus Caracas unterbrochen, am 29. Januar drohte Trump sämtlichen Drittstaaten mit Strafzöllen, die Öl auf die Insel liefern. Washington begründet die Sanktionen mit einer angeblichen Bedrohung für die nationale Sicherheit, die von Kuba ausgehe. Die Vereinten Nationen haben die Energieblockade als Form kollektiver Strafung verurteilt.
Update (08.07): Am frühen Mittwochmorgen um 1 Uhr 10 Ortszeit war das Stromnetz wiederhergestellt.

