Tierschützer veranstalten Demo in Havanna

Am Sonntag fand auf Kuba die erste Demonstration für mehr Tierschutz statt (Quelle: Cubadebate)

Am Sonntag fand in Havanna eine Demonstration für die Stärkung des Tierschutzes im sozialistischen Kuba statt. Mehrere Dutzend Aktivisten zogen teilweise in Begleitung ihrer Haustiere durch die Straßen und forderten Verbesserungen bei der Gesetzgebung. Die Demo war die erste ihrer Art in Kuba.

Mit Schildern wie „Kuba gegen die Misshandlung von Tieren“ und „Tierschutzgesetz jetzt!“ demonstrierten die Tierschützer am Sonntag in der kubanische Hauptstadt. „Für diejenigen zu sprechen, die nicht sprechen können“ um auf den Tierschutz aufmerksam zu machen, nannten die Organisatoren als Ziel der Veranstaltung. Kubas Medien berichteten über die Demonstration.

Was auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Sonntag-Nachmittag-Kundgebung aussieht, ist auf der Insel bisher noch Neuland. Getreu der Aussage Raúl Castros „Die Straße gehört den Revolutionären“ waren Demonstrationen auf Kuba bisher in Form von organisierten Kundgebungen durch die etablierten Massenorganisationen bekannt. Neben ungezählten Mobilisierungen gegen die US-Blockade findet in diesem Kontext auch die alljährliche Kundgebung anlässlich des Tags der Arbeit am ersten Mai statt.

Seit einigen Jahren gibt es unter Schirmherrschaft von Mariela Castro, der Vorsitzenden des Sexualaufträrungsinstituts CENESEX und Tochter Raúl Castros, auch jedes Jahr eine Kundgebung für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender auf Kuba. Die jüngste Tierrechts-Demonstration, welche offenbar von einer lokalen Initiative abseits der staatlichen Strukturen initiiert wurde, stellt insofern ein Novum dar. Ob die genehmigte Demonstration dabei auch im Kontext der neuen Verfassung interpretiert werden kann, welche am 10. April in Kraft tritt und mit der die Bürgerrechte insgesamt gestärkt werden sollen, bleibt abzuwarten.

Werbeanzeigen

Neue Apps erleichtern den Transport auf Kuba

Mit modernen Apps soll Kubas Transportsektor transparenter werden (Quelle: Habana Trans)

Wenige Monate erst sind seit dem Start des mobilen Internets im sozialistischen Kuba vergangen, und auf der Insel blüht bereits die App-Entwicklung. Vor allem das leidige Thema Transport hat in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der kubanischen Programmierer gewinnen können. „Cuba heute“ stellt vier Smartphone-Apps vor, welche die Beförderung im Land deutlich vereinfachen.

Habana Trans

Busfahren kann in Kubas Hauptstadt Havanna ganz schön kompliziert sein. Den Netzplan sollte man sich als Tourist vorher im Internet ausdrucken. Vor Ort hilft sonst nämlich oft nur fragen und probieren, wenn man eine Busverbindung sucht. Dabei hat Kuba in den vergangenen Jahren kräftig in das Busnetz der Hauptstadt investiert. Noch nutzen nur wenige Besucher den extrem günstigen ÖPNV (eine Fahrt kostet umgerechnet rund 10 Cent). Doch auch die Habaneros selbst sind angesichts der jüngsten Änderungen am Linienplan sowie den neuen Angeboten aus dem Kooperativen Sektor manchmal überfragt, welcher Bus oder welches Sammeltaxi gerade das richtige ist. Abhilfe schafft hier die App Habana Trans. Ob mit dem staatlichen Bus oder dem quietschgelben „Taxi-Rutero“: Die App kennt alle ÖPNV-Verbindungen in der kubanischen Hauptstadt und wird dabei laufend aktualisiert. Diese können auf Wunsch einzeln oder komplett auf einer interaktiven Karte visualisiert werden, womit man einen flexiblen Linienplan in der Tasche hat. Besonders praktisch: die Navigationsfunktion ermittelt die nächste Haltestelle am aktuellen Standort und schlägt dann die entsprechenden Linien vor. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht, weshalb die App auch nicht mit (theoretisch!) minutengenauer Ankunftszeit aufwarten kann wie ihre europäischen Pendants – aber zu wissen wo die nächste Haltestelle ist, welche Linie man nehmen muss und wie das Fahrzeug aussieht, ist eine erhebliche Erleichterung, um in Havanna von A nach B zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

Infos & Download:

Bajanda

Uber auf kubanisch! Erst seit wenigen Wochen am Start, kann man mit dem neuen Dienst Bajanda bequem mit dem Taxi durch die Stadt reisen. Dabei kann man sich entweder Orten lassen oder den Startpunkt manuell auf der Karte markieren. Anschließend gibt man sein Ziel ein und innerhalb von wenigen Minuten vermittelt die App einen Fahrer, der auch kleine Gruppen zum vorher festgelegten Preis abholt und befördert. Obwohl erst seit kurzem verfügbar, haben sich bereits ausreichend viele Fahrer registriert, so dass die Taxivermittlung in der Regel innerhalb von wenigen Minuten funktioniert. Gute Neuigkeiten also für jene, die irgendwo im Regen stehen, oder auf dem Heimweg mitten in der Nacht keine Lust auf Verhandlungen mit dem nächstbesten Fahrer haben. Bezahlt wird immer in Cash, wobei perspektivisch auch bargeldlose Bezahlmethoden eingeführt werden sollen. Jeder Fahrer verfügt über eine spezifische Nummer, so dass Verwechslungen ausgeschlossen werden. Optimiert für den kubanischen Markt, soll „Bajanda“ den Entwicklern zu Folge äußerst sparsam mit dem Datenvolumen des Nutzers umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

Infos & Download:

Sube

Nach ganz ähnlichem Prinzip wie „Bajanda“ funktioniert die Konkurrenz-App Sube. Die Mitfahrgelegenheiten sind grundsätzlich in ganz Kuba möglich, allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Havanna. Nach kurzer Registrierung ist man binnen weniger Minuten unterwegs. Anders als bei Bajanda gibt es hier allerdings keine Festpreise, sondern die Fahrer machen eigene Preisvorschläge, die man auch ablehnen kann. Zudem verfügt „Sube“ über eine weitere Sicherheitsfunktion: um die Fahrt zu verifizieren, kann der Kunde jederzeit den QR-Code des Fahrers scannen. Sowohl „Sube“ als auch „Bajanda“ scheinen momentan bereits zuverlässig zu funktionieren, allerdings läuft die Vermittlung bei „Bajanda“ manchmal einen Tick schneller. Da beide Apps im Moment noch recht neu sind, kann wohl nur die Zeit zeigen, womit man letzten Endes besser fährt.

Infos & Download:

Viajando

Für die meisten Besucher uninteressant, für Kubaner und Ausländer mit Aufenthaltstitel jedoch von großem Interesse: die Bus-App Viajando, welche vor wenigen Tagen als Beta-Version erschienen ist. Die offizielle App der staatlichen Fernbuslinie „Astro“ ermöglicht derzeit nur das finden von Verbindungen und die Anzeige der verfügbaren Plätze. In Zukunft sollen jedoch auch Reservierungen und Ticketkauf bequem per App von überall aus möglich sein. Die Zeit des Schlangestehens und Nummern-ziehens bei  Busreisen könnte also für die Kubaner schon bald vorbei sein. Touristen müssen für die Bus-Reservierungen vorerst jedoch weiterhin mit der Homepage der Buslinie „Víazul“ vorlieb nehmen, wo Fahrkarten nach Registrierung reserviert werden können.

Infos & Download:

Fazit

Die App-Entwicklung auf Kuba nimmt an Fahrt auf. Mit neuen Anwendungen für Smartphones versucht sowohl der Staat als auch der Privatsektor die Digitalisierung für mehr Komfort und Transparenz zu nutzen. Der Transportsektor, welcher jeden Tag Millionen Kubaner und Touristen auf der Insel bewegt, spielt hier eine wichtige Rolle. Häufig sind Preise und die genauen Linien nicht sofort ersichtlich. Der Zugang über Handy-Apps kann hier sowohl für Kubaner als auch für Touristen eine echte Erleichterung darstellen.

Seit dem Start des mobilen Internets auf Kuba im Dezember 2018 befindet sich App-Entwicklung der Insel auf der Überholspur. Während „Habana Trans“ bereits auf einige Jahre Entwicklungszeit zurückblicken kann (was man der App deutlich anmerkt), sind die drei anderen Anwendungen erst wenige Wochen alt und müssen sich im Alltag erst noch bewähren. Doch schon jetzt scheinen die Apps gut zu funktionieren, zudem erscheinen für alle der getesteten Anwendungen regelmäßige Updates.

Kuba wird digital. Fast zwei Millionen Kubaner haben sich innerhalb der ersten 12 Wochen für das mobile Internet angemeldet, Tendenz stark steigend. In Havanna und Varadero werden neue 4G-Masten installiert. Durch die späten Investitionen können alte Standards übersprungen werden, Kuba setzt beim Aufbau seiner Netze auf modernste Technik des chinesischen Herstellers Huawei. Wie viele andere Entwicklungsländer könnte die Insel damit rasch wieder den Anschluss an die Digitalinfrastruktur gewinnen und schon bald so manch europäisches Land hinter sich lassen. Die Apps auf Kuba, soviel ist sicher, stehen gerade erst am Anfang.

Neues Abkommen zwischen ETECSA und Google in der Mache

Googles Vorführraum im Atelier des kubanischen Künstlers „kcho“ wurde im Jahr 2016 eröffnet und markiert den Beginn der offiziellen Zusammenarbeit zwischen dem US-Konzern und der Insel (Quelle: Commons)

Kubas Telefonanbieter ETECSA unterzeichnete jüngst eine neue Absichtserklärung über weitere Zusammenarbeit zur Verbesserung des Internetzugangs auf Kuba. Demnach wird derzeit über ein sogenanntes „Peering“-Abkommen verhandelt, welches die Infrastruktur des kubanischen Anbieter direkt mit Google verbinden würde, der bisherige Umweg über Drittanbieter entfiele damit.

Dies soll die Latenzzeiten und Surfgeschwindigkeit von Internetnutzern auf Kuba verbessern. Laut Bericht der Tageszeitung „Granma“ arbeiten derzeit Experten beider Firmen an der Evaluierung der notwendigen Aufrüstungen bei der technischen Infrastruktur. Seit 2016 ist Google mit einem eigenen Technologiezentrum in den Hallen des Künstlers „kcho“ in Havanna aktiv. Zuletzt nahm Google im Jahr 2017 seine Cache-Server in Betrieb, die zum Zwischenspeichern von Daten dienen, was Dienste wie YouTube oder Gmail für Kubaner beschleunigen soll.

Nach letzten Angaben von ETECSA zeigte die Nutzung der Cache-Server „positive Resultate“, weshalb die Kooperation mit Google vertieft werden soll. Die Einrichtung der Server sowie das jetzt verhandelte Peering-Agreement gehören zu den Standard-Dienstleistungen, welche Google in den meisten Ländern der Welt kostenlos unterhält, um den Internetzugang zu beschleunigen.

Kuba will deutschen Pflegenotstand bekämpfen

Kuba könne Pflegekräfte „wie am Fließband produzieren“, so Gesundheitsminister Spahn. Hier: Bild einer Aula mit kubanischen Ärzten (Quelle: Commons)

Im Kampf gegen den Pflegenotstand im deutschen Gesundheitswesen geht die Bundesregierung neue Wege. Wie aus Berichten des Ministeriums hervorgeht, sollen noch bis Ende des Jahres mehr als 20.000 kubanische Pflegekräfte und Ärzte in deutschen Krankenhäusern eingesetzt werden. Die Maßnahme ist Teil des erweiterten „Sofortprogramms Pflege“ von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

„So wie es derzeit aussieht, bekommen wir das Problem nicht mehr ohne externe Hilfe in den Griff“, räumte Spahn laut Medienberichten ein. Nach Angaben der Bundesregierung fehlen derzeit mehr als 25.000 Fachkräfte im Pflegebereich, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht von weitaus höheren Zahlen aus. Trotz des im Januar angelaufenen Sofortprogramms könne der Pflegenotstand nicht mehr aus eigener Kraft gestemmt werden, wie aus einer internen Untersuchung des Ministeriums hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpo zugespielt wurde.

„Aufgrund der schwierigen Situation haben wir uns für den drastischen Schritt entschlossen, und die kubanische Regierung um Hilfe gebeten“, so Spahn. Kuba verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme des Kontinents und könne in mehreren Spezialhochschulen „gut ausgebildetes medizinisches Personal quasi wie am Fließband produzieren.“ Dies sei genau das, was man suche. Zudem verfüge das sozialistische Land über langjährige Erfahrung bei Auslandsmissionen seiner Fachkräfte. Derzeit sind mehrere zehntausend kubanische Ärzte und Pflegekräfte in über 50 verschiedenen Ländern im Einsatz.

Für die Finanzierung der „Leasing-Kräfte“ sowie die notwendigen Deutschkurse sei gesorgt. „Wir haben gerade nochmals 90 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln vom Haushaltsausschuss bekommen“, sagte Spahn gegenüber der „Rheinischen Post“. Damit sei es möglich, die angestrebte Zahl von 20.000 neuen kubanischen Fachkräften noch in diesem Jahr zu erreichen. Die Verträge sind zunächst für drei Jahre angelegt, können jedoch über diesen Zeitraum hinaus verlängert werden.

In Havanna kommt die Nachricht gut an. Kuba ist schon seit längerem auf der Suche nach neuen Kunden für sein Medizin-Exportprogramm. „Wir haben uns die Situation in Deutschland genau angeschaut und bereits alle Vorbereitungen in die Wege geleitet, da wir hier tatsächlich von einer humanitären Krise sprechen“, kommentierte Gesundheitsminister José Ángel Portal Miranda. Mehrere kubanische Expertenteams evaluierten im Vorfeld der Verhandlungen die Situation in den hiesigen Krankenhäusern. „Unsere Leute waren in Angola, Brasilien, Saudi-Arabien… aber so übel wie in Deutschland sah es bisher nirgends aus. Als wir vor 30 Jahren in Ost-Berlin zu Gast waren funktionierte alles noch ganz gut. Man fragt sich, wie man ein Gesundheitssystem so vor die Wand fahren kann“, kommentierte ein Mitarbeiter des Stabs, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Bedenken gibt es allerdings in Bezug auf das gesellschaftliche Klima. „Übergriffe auf kubanisches Medizinpersonal sind leider keine Seltenheit“, erklärte Miranda. „Ob angesichts des zunehmenden Rassismus in Deutschland die Sicherheit unserer Leute gewährleistet werden kann, muss sich erst noch zeigen.“ Sollte es zu vermehrten Zwischenfällen kommen, behalte man sich die Option vor, den Vertrag nicht zu verlängern. In diesem Fall könnte Kuba jedoch die humanitäre Hilfsbrigade „Henry Reeve“ auch ohne Bezahlung entsenden. Diese sei für Extremsituationen entsprechend ausgebildet. „Die Lage ist derart ernst, dass wir die Deutschen jetzt auf keinen Fall im Stich lassen dürfen“, so Miranda.

Update vom 2. April: Bei dem Artikel handelt es sich natürlich um einen Aprilscherz. Dabei ist das Thema gar nicht so abwegig: Tatsächlich werden derzeit Gespräche mit verschiedenen Ländern geführt, um den gezielten Einsatz ausländischer Pflegekräfte in Deutschland zu prüfen, darunter auch mit Kuba. Ob und in welchem Umfang dabei Vereinbarungen mit dem kubanischen Gesundheitsministerium getroffen werden, ist derzeit völlig unklar.

Mehr Wasser und Müllabfuhren für Havanna

Die neue Wasserleitung soll die Zeit der Tankwagen in Habana Vieja endgültig beenden (Quelle: ACN)

Mit Blick auf das anstehende 500. Stadtjubiläum im November dieses Jahres soll Kubas Hauptstadt Havanna in neuem Glanz erstrahlen. Dabei geht es nicht um Makulatur, sondern um die Lösung vieler angestauter Probleme der Stadt. So wird neben umfangreichen Arbeiten an der Wasserinfrastruktur auch die Müllentsorgung und die öffentliche Beleuchtung in Havanna verbessert.

Mehr als 91.000 Habaneros werden von der neuen Wasserleitung profitieren, welche derzeit von der Gegend um Palatino über den Prado bis hin zur Uferpromenade Malecón verlegt wird. „Die wichtigste Investition der kubanischen Wasserinfrastruktur“, nennen lokale Medien das Projekt, welches große Teile der Altstadt Havannas regelmäßigem mit Wasser versorgen soll. Noch immer bekommen rund 8.600 Anwohner in Habana Vieja ihr Wasser über Tanklaster. Dies macht wöchentlich 800 Fahrten notwendig, wie Esther García, technische Leiterin des kommunalen Unternehmens „Aguas de La Habana“, vorrechnet.

Wenn die robusten Diesel-Tanklaster bald aus der Altstadt verschwinden, wird ihnen sicher keine Träne nachgeweint. Im Gegenteil: mit der neuen Leitung soll der Wasserdruck für alle steigen. Bisher liegt das Projekt im Zeitplan, das erste Wasser soll demnach rechtzeitig zum Jubiläum Mitte November fließen. Parallel dazu werden tausende Wasseruhren installiert, sowohl bei den Staatsbetrieben, auf einzelnen Rohrabschnitten bis hin zu den Privathaushalten. Noch immer versickert fast jeder zweite Liter Trinkwasser auf Kuba im Boden, die maroden Rohre stammen teilweise aus der späten Kolonialzeit und werden derzeit mit saudischen Krediten umfangreich erneuert.

Der große Wasserverlust hat zur Folge, dass viele Haushalte in Havanna mit eingeschränkter Versorgung leben müssen. Die allermeisten erhalten nur alle zwei Tage Wasser, welches in einem Tank auf dem Dach gespeichert wird. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel gab als Ziel vor, dass künftig in Havanna jeden Tag „día del agua“ ist, das kühle Nass für die Hauptstädter rund um die Uhr verfügbar gemacht wird. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist es, den Verlust zu minimieren, worin bereits erste Erfolge erreicht wurden. „Nachdem wir 5.000 Wasseruhren im Stadtteil Díez de Octure installiert haben, ging der Verbrauch täglich um 33.000 Kubikmeter zurück. Punta Brava (La Lisa) können wir seit der Installation der Wasseruhren 24 Stunden am Tag versorgen, dort halbierte sich der Pro-Kopf Verbrauch“, erklärt Leonel Díaz Hernández, Direktor von „Aguas de La Habana.“

Die erste Charge aus 24 japanischen Müllwagen traf Anfang März in Havanna ein (Quelle: Japanische Botschaft / FB)

Neben dem Wasser ist auch die mangelhafte Müllentsorgung ein Problem in Havanna. In manchen Nachbarschaften sammeln sich regelrechte Müllberge, welche nur unregelmäßig abgeholt werden. Größtes Hindernis dabei: die fehlenden Spezialfahrzeuge der kommunalen Abfallwirtschaft. Diesem Problem soll es nun ebenfalls an den Kragen gehen. Hierzu wurden 100 Müllwägen des japanischen Herstellers „Hino“ geordert, deren erste Charge aus 24 Fahrzeugen vor wenigen Tagen in Havanna eintraf. Dabei ist klar, dass dies nur der allererste Schritt zum Aufbau eines Recyclingsystems in der Hauptstadt sein kann, welches über den Jahrestag hinaus mit Hilfe ausländischer Investoren errichtet werden soll.

Auch bei der Straßenbeleuchtung wird anlässlich des runden Jahrestags kräftig investiert. So werden derzeit alle Hauptstraßen Havannas mit moderner LED-Beleuchtung ausgestattet. Diese Investition soll nicht nur langfristig Energie und Kosten einsparen, sondern trägt auch zu einer besseren Ausleuchtung des öffentlichen Raums bei. Insgesamt sollen 12.000 Lampen ersetzt werden, rund 20 Prozent aller öffentlichen Leuchtmittel in Havanna. Zahlreiche kleinere Parks und Plätze, in denen die Ausleuchtung zu nächtlicher Stunde bestenfalls mangelhaft ist, bekommen demnächst modernes LED-Licht.

Die Pläne für den Rest des Jahres gehen über reine Infrastrukturmaßnahmen hinaus. Auch Polikliniken, Schulen, Brücken, Gärten und Parks der Hauptstadt werden in den kommenden Monaten eine Frischzellenkur durchlaufen. Nach dem andauernden Transportproblem werden nun auch Themen wie Wasserinfrastruktur, Müll und öffentliche Beleuchtung angegangen. Dabei zeigt sich, dass Kubas Regierung beim 500. Jubiläum in Havanna den Fokus nicht auf die oberflächliche Aufhübschungen der Touristenzentren legt. Der Jahrestag soll stattdessen vor allem zum Vorantreiben wichtiger Infrastrukturprojekte genutzt werden, welche der Stadt und ihren Einwohnern langfristig nützen.

Havanna wird 4G-Testgebiet

Ein 4G-Sendemast auf Kuba (Quelle: Cubadebate)

Kuba macht ernst beim Ausbau der Internetversorgung. Nach der Aktivierung des mobilen Internets am 6. Dezember auf 3G-Basis soll nun die nächste Generation der Mobildaten Einzug auf der Insel halten. Seit heute läuft dazu der Testbetrieb in Teilen Havannas. Neben der höheren Geschwindigkeit verspricht sich der staatliche Telefonversorger von der 4G-Einführung vor allem eine spürbare Verbesserung der Netzqualität.

Wie ETECSA-Vertreterin Yusnely Llano González gestern erklärte, wurden die Nutzer für den Testlauf automatisch auf Basis ihres Datenverbrauchs ausgewählt. Wer mehr als 2,5 Gigabyte pro Monat an Mobildaten konsumiert, zählt zu den kubanischen Vielsurfern, und bekam eine SMS-Benarichtigung über die Möglichkeit einer kostenlosen Teilnahme am Programm. Momentan gibt es das schnelle LTE-Netz lediglich entlang der Nordküste Havannas sowie im Badeort Varadero, im Laufe des Jahres soll der Ausbau weiter vorangetrieben werden.

Seit Dezember wurden auf Kuba 92 weitere Masten der dritten Generation sowie 44 neue 4G/LTE-Sendeanlagen installiert. Während das kubanische 3G-Netz auf einer Frequenz von 900 Mhz operiert und heute rund zwei Drittel der Bevölkerung abdeckt, werden die LTE-Signale auf dem 1800 Mhz-Band ausgestrahlt. Dieses wird von den meisten aktuellen Handymodellen unterstützt. Technologisch setzt Kuba beim Ausbau des Mobilfunks auf den chinesischen Hersteller Huawei, der in der Branche als Innovationsführer gilt.

Drei Monate nach Inbetriebnahme der Mobildaten haben rund zwei Millionen Kubaner von dem Angebot Gebrauch gemacht. Inzwischen steuern die meisten Kubaner über die Mobildaten das Internet an, während die 830 WiFi-Hotspots an Bedeutung verlieren. Trotz der in Relation zum Durchschnittslohn relativ hohen Preise von 10 CUC für 1 GB erfreut sich das neue Angebot reger Nachfrage. Laut ETECSA kommen jeden Tag rund 45.000 neue 3G-Kunden hinzu.

Dabei haben nicht alle das selbe Nutzungsverhalten. Wie der Anbieter bekannt gab, wurden in den ersten drei Monaten 52 Prozent des Datenverkehrs von lediglich 7 Prozent der Nutzer emittiert, was in Ballungsgebieten mit hoher Nutzerzahl stellenweise zu Leistungseinbußen geführt. Hier soll das 4G-Netz bald für Abhilfe sorgen: während die meisten Nutzer weiterhin mit 3G im weltweiten Netz unterwegs sein werden, können Vielsurfer künftig auf die Daten-Überholspur geschickt werden. Dies soll das 3G-Netz deutlich entlasten und damit zu besserer Leistung für alle führen. 

Wiederaufbau nach Tornado in Kuba schreitet voran

Rund 10.000 Personen wurden in Folge des Tornados aus den betroffenen Gebieten evakuiert, die meisten von ihnen sollen bis zum Ende des Jahres in ihre Häuser zurückkehren können (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Rund drei Wochen nach dem verheerenden Tornado, der Ende Januar mehrere Stadtteile im Süden der kubanischen Hauptstadt verwüstete und dabei sieben Todesopfer forderte, kommt der Wiederaufbau in Havanna zügig voran. Rund die Hälfte der betroffenen Familien verfügen inzwischen über Materialien zur Instandsetzung ihrer Häuser, während der Ersatz der 730 völlig zerstörten Gebäude mit staatlichen Bautrupps unter Hilfe der Nachbarprovinzen organisiert wird. „Jetzt stehen die größten Herausforderungen an“, sagte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel.

Dieser Tage kommt Kubas Ministerrat fast täglich zusammen, um über den Fortschritt des Wiederaufbaus zu beraten. Die abendliche Fernsehsendung „Mesa Redonda“ (Runder Tisch) fand zu diesem Anlass jüngst sogar in den Räumlichkeiten des selbigen statt, wobei neben Präsident Díaz-Canel auch zahlreiche Fachminister und Vertreter der Staatsorgane anwesend waren, um über den letzten Stand der Wiederherstellungsmaßnahmen Rede und Antwort zu stehen. Nach letzten Angaben beläuft sich die Anzahl der beschädigten Gebäude auf rund 7.700, darunter 730 Totalverluste. Wie kubanische Medien berichteten, verstarb einer der noch in Behandlung befindlichen Patienten am Samstag, womit sich die Anzahl der Todesopfer auf sieben erhöhte. Die Schäden an den Gebäuden betreffen meist teilweise oder ganz zerstörte Dächer. Unter den betroffenen Gebäuden befinden sich 78 Bildungseinrichtungen, von denen bereits 49 wieder in Betrieb sind. Von den 19 beschädigten Einrichtungen des Gesundheitswesens sind inzwischen zwei Drittel wieder instandgesetzt, ähnlich verhält es sich bei den 31 betroffenen Industrieanlagen. Die größten Schäden sind im Stadtteil Diez de Octubre zu verzeichnen, wo der Sturm 4.063 Häuser beschädigte und 439 zerstörte.

Verlauf des Tornados vom 27. Januar (Quelle: INSMET)

Der Tornado der Stärke EF4 bewegte sich am Abend des 27. Januar bei Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern auf einer Strecke von 11,5 Kilometern über Havannas Stadtteile Cerro, Diez de Octubre, Regla, Guabanaboa sowie Habana del Este hinweg. Bereits wenige Tage nach dem Sturm konnte die Strom-, Wasser- und Gasinfrastruktur in den betroffenen Gebieten wiederhergestellt werden. Binnen dreier Tage wurde der Schulbetrieb wiederaufgenommen. Inzwischen sind mehr als 9.000 Schadensfälle bei den Behörden eingegangen, wovon inzwischen rund 60 Prozent bearbeitet, aber erst rund zehn Prozent gelöst werden konnten. Um schnellstmöglich neuen Wohnraum zu schaffen, plant die Regierung, leerstehende staatliche Einrichtungen in Wohngebäude umzuwidmen. „Wenn wir in diesem Tempo weiterarbeiten, können wir die Mehrzahl der Fälle bis zum Ende dieses Jahres lösen“, sagte Díaz-Canel.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag Havannas, der im November dieses Jahres begangenen wird, ist es ein erklärtes Ziel der Regierung, beim Wiederaufbau der Infrastruktur signifikante Verbesserungen zu erreichen. Dies soll nicht zuletzt in den Katastrophengebieten erfolgen: neue Glasfaserleitungen, die verlegt werden, können künftig rund 4.000 zusätzliche Haushalte mit Internet versorgen. Die alte Straßenbeleuchtung wird durch energiesparende LEDs ersetzt. Díaz-Canel forderte mehrfach, beim Wiederaufbau darauf zu achten, die Dinge „besser als vorher“ zu machen.

Während vielerorts die Normalität zurückgekehrt ist, die Straßen nach dem freiwilligen Einsatz tausender Studenten wieder passierbar sind, nimmt auch die Politik wieder Kurs auf die nächsten Aufgaben. Wie Kubas Wahlkommission (CEN) jüngst bekannt gab, sind in den vom Tornado betroffenen Gebieten sowie in den Notunterkünften „alle Bedingungen zur Umsetzung des Referendums“ gegeben, das am 24. Februar stattfindet. Mehr als acht Millionen wahlberechtigte kubanische Bürger sind aufgerufen, über die neue Verfassung des Landes abzustimmen, die im letzten Herbst im Rahmen breiter Volksaussprachen diskutiert wurde. (A21)