Kuba startete neue Kampagne gegen Belästigung und Gewalt gegen Frauen

Motto der neuen Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen in Kuba: „Entwickle dich weiter ‒ Belästigung wirft dich zurück“ (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Die Regierung in Kuba hat unlängst eine neue Kampagne gegen sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen gestartet. Unter dem Motto „Entwickle dich weiter ‒ Belästigung wirft dich zurück“ finden Veranstaltungen und Konzerte meist junger Künstler statt. Mit Videospots in den sozialen Netzwerken und im Fernsehen soll Männern unter anderem deutlich gemacht werden, dass die Belästigung von Mädchen und Frauen auf der Straße eine Form der Gewalt ist. „Ausgehend von einem humorvollen und kontextuellen Konzept wollen wir zum Nachdenken und zur Diskussion anregen“, heißt es dazu seitens der Produzenten.

Neben Gruppen wie Toques del Rio und Frasis nehmen zahlreiche weitere kubanische Musiker an der Kampagne teil, die über die Folgen sexueller Belästigung aufklären und Männer zur Änderung ihres Verhaltens bewegen soll. Die Initiative sei auch „ein Aufruf, die eigene Denkweise gemäß den Inhalten des aktuellen Verfassungsentwurfs zu verändern, der unter anderem die gleichgeschlechtliche Ehe beinhaltet“. Dieses Thema betone den humanistischen Charakter und die Entwicklungsidee der Kubanischen Revolution, heißt es in einer Meldung des Nachrichtenportals Cubadebate.

Vor allem die Jugend soll angesprochen werden, was sich nicht zuletzt an der Auswahl der meist jungen Künstler zeigt. Ziel sei es, in Anknüpfung an die Vorgängerkampagne „Du bist mehr“ (Eres más) in den Jahren 2016 und 2017, Orte der Fortbildung und Sensibilisierung zu schaffen. Die Initiative wird vom kubanischen Oscar-Arnulfo-Romero-Zentrum, der Föderation Kubanischer Frauen, dem Zentrum für Sexualaufklärung und dem staatlichen Zentrum für Jugendstudien getragen und soll bis zum Jahr 2022 andauern.

Kuba zählt laut den Vereinten Nationen zu den Ländern mit der größten weiblichen Repräsentanz in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Institutionen. Mit einem Frauenanteil von 53,2 Prozent zählt das kubanische Parlament in dieser Hinsicht zu den weltweiten Vorreitern. Auch im Ministerrat sowie im Politbüro und Zentralkomitee der Kommunistischen Partei hat der Frauenanteil in jüngster Zeit weiter zugenommen. Gewalt gegen Frauen und Homophobie sind dennoch weiterhin gesellschaftliche Probleme auf der Insel. (A21)

Advertisements

Kubas Handynutzer gehen online

Die neuen Tarifmodell für die Mobildaten auf Kuba (Quelle: Cubadebate)

In weniger als 48 Stunden bricht im sozialistischen Kuba das Zeitalter des mobilen Internets an. Wie staatliche Medien heute bekannt gaben, werden die mehr als 5,3 Millionen Handynutzer des Landes ab dem 6. Dezember auf das neue Angebot zugreifen können. Preislich bewegen sich die kubanischen Mobildaten dabei auf international vergleichbarem Niveau.

Viele Kubaner dürften am Dienstagabend die abendliche Diskussionssendung „Mesa Redonda“ mit Spannung verfolgt haben, als Vertreter der staatlichen Telekom ETECSA den mit lange erwarteten Start der Mobildaten auf der Insel bekannt gaben. Bereits im Sommer gab es mehrere kostenlose Testläufe, in deren Folge die Infrastruktur in den vergangenen Monaten optimiert wurde. Nun ist es soweit: Am Donnerstag um 8 Uhr morgens sollen die ersten Nutzer für den Dienst freigeschaltet werden. Die Einführung erfolgt dabei in mehreren Stufen, wobei jeder einzelne per SMS des Anbieters über die Verfügbarkeit benachrichtigt wird. Bis Samstag sollen alle Handynutzer mit geeigneten Geräten dann mittels 3G im Netz surfen können.

Auch wenn die Preise im Verhältnis zu den Einkommen noch immer relativ hoch sind, fielen sie zur Überraschung mancher niedriger als erwartet aus. Das günstigste Angebot startet mit 7 CUC (ca. 6€) für ein Datenvolumen von 600 Megabyte. Für 10 CUC erhält der Nutzer 1 GB an Mobildaten. 2,5 GB sind für 20 CUC, 4 GB für 30 CUC verfügbar. Jedes der Datenpakete lässt sich bequem vom Handy aus buchen und ist für 30 Tage gültig. Voraussetzung ist ein geeignetes Endgerät, welches das 900 Mhz-Frequenzband unterstützt. Nach der automatischen Benachrichtigung per SMS kann über den USSD-Code *133#1 ein entsprechender Datenplan ausgewählt werden, der vom regulären Handysaldo abgebucht wird, wie die zuständige Mitarbeiterin Tania Velázquez Rodríguez in der Sendung erklärte.

Jedes der Angebote umfasst zusätzlich zum gebuchten Internetvolumen auch 300 Megabyte an Daten für das kubanische Intranet, also alle Seiten die auf „.cu“ enden. Wer ohne ein Datenpaket surfen möchte, zahlt statt wie bisher 1 CUC nur noch 0,1 CUC pro Megabyte, die nationalen Seiten sind mit 2 Centavos (CUC) pro MB bepreist. Auch beim eMail-Dienst „Correo Nauta“ gibt es Neuerungen. Das Standardpostfach umfasst heute 50 Megabyte und wird für 1 CUC pro Monat angeboten.

Derzeit gibt es auf Kuba rund 5,3 Millionen Handynutzer. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebt in Gebieten mit 3G-Empfang, während das LTE-Netz (welches über die Angebote ebenfalls genutzt werden kann) bereits in einigen Metropolregionen ausgebaut wird. Nach dem Ausbau von öffentlichen WiFi-Hotspots, von denen mittlerweile über 1200 im Land existieren, sowie den mehr als 60.000 Hausanschlüssen, ist das mobile Internet nun als weitere Form des Internetzugriffs auf der Insel hinzugekommen. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel machte die Digitalisierung des Landes zu einer Priorität seiner Regierung. Das Internet sei ein „Recht aller“, mahnte er in den vergangenen Jahren immer wieder, der Zugang dazu müsse „erschwinglicher und verfügbarer“ gemacht werden.

Neue Apps aus Havanna sollen Digitalisierung des Landes vorantreiben

Webportal des neuen Instant-Messenger „toDus“ (Quelle: todus.cu)

Havannas Informatikuniversität UCI hat Anfang des Monats neue Softwareanwendungen vorgestellt, mit denen eigene Antworten auf die Digitalagenda des Landes gegeben werden sollen. Neben der neu entwickelten Suchmaschine „RedCuba“ speziell für kubanische Inhalte ist darunter auch ein eigens für die Insel entwickelter Messenger und Appstore.

toDus“ kann für Kubaner künftig das Teilen von Inhalten und Nachrichten mit Freunden und Familien deutlich vereinfachen. Der von der UCI entwickelte Messenger wird sich im Rahmen spezieller Nutzungspläne der Mobildaten optimal verwenden lassen, so die Entwickler. Die bisher gebräuchlichen Messenger wie Facebook, WhatsApp und imo haben häufig einen wenig optimierten Datenverbrauch. Mit der Streamingplattform „Picta“ hingegen soll auf Kuba erstmals eine zentrale heimische Plattform für audiovisuelle Inhalte geschaffen werden. Auch die Programme der Fernsehsender sollen bald über den Dienst angeboten werden. Mit dem weiteren Ausbau des Digitalfernsehens, der auch interaktive Inhalte mit sich bringt, soll der Streamingdienst dann bis in die Wohnzimmer der Insel gelangen.

Kubanischer Streamingdienst „Picta“ (Quelle: Cubadebate)

Mit „RedCuba“ existiert inzwischen eine Suchmaschine, die auf die Suche nach Inhalten des kubanischen Intranets spezialisiert ist. Damit soll neben der günstigen Recherche über das Intranet auch der Zugang zu Bürgerportalen der Gemeinden erleichtert werden. Um künftig alle heimisch entwickelten Apps unter einem zertifizierten Dach zu bündeln, soll mit der Plattform „Apklis“ ein kubanischer Appstore aufgebaut werden, der Zugriff auf alle kubanischen Apps ermöglicht.

Kuba arbeitet derzeit am Ausbau des Internetzugangs mittels mobilem Datennetz. Nach mehreren Testläufen im Sommer soll das Angebot zeitnah an den Start gehen. Mit „Nauta hogar“ sind seit letztem Jahr auch private Heimanschlüsse in rund einem Viertel der Haushalte möglich. Im Rahmen der Digitalisierung verspricht sich die Regierung auch künftig Behördengänge durch die Einführung digitaler Verwaltung und Bürgerportalen im Netz deutlich vereinfachen zu können. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel kündigte mehrfach an, die Digitalisierung des Landes und die Verbesserung der Internetversorgung zu einer Priorität seiner Regierung machen zu wollen.

Havannas Revolutionsplatz – bald ohne Kabel, aber mit LEDs

Im Bau: Der Revolutionsplatz in Havanna soll bald in neuem Licht erstrahlen (Quelle: Cubadebate)

Havannas Revolutionsplatz erstrahlt schon bald in neuem Licht. Bis zum 30. Dezember soll das gesamte Beleuchtungssystem des historischen Platzes der kubanischen Hauptstadt ausgetauscht sein. Zum Einsatz kommt moderne LED-Technik, welche auch die Portraits von Camilo und Che künftig auf energieeffiziente Weise beleuchten wird. Die augenfälligen Kabel und Trafomasten sollen hingegen alle unter die Erde verschwinden.

Mit der umfassenden Sanierung, welche mit Blick auf den 500. Jahrestag Havannas im Dezember 2019 in Angriff genommen wird, soll der Revolutionsplatz schon bald „internationalen Standards“ genügen. Von den bisher auf dem Platz eingesetzten Natriumdampflampen sollen 75 Prozent wiederverwendet werden. Sie sollen künftig in 26 Gegenden mit wenig oder noch gar keiner Stadtbeleuchtung verbaut werden. An der Auswahl der Orte war eine Expertenkommission der technischen Universität Havannas (CUJAE) beteiligt.

Der Revolutionsplatz wurde noch unter Diktator Batista in Auftrag gegeben und  im Jahr 1959 fertiggestellt. Der ursprünglich „Plaza Cívica“ getaufte Platz ist mit einer Fläche von 72.000 Quadratmetern einer der größten Aufmarschplätze der Welt. Im Juli 1961 wurde er in „Plaza de la Revolución José Martí“ umbenannt. Er war im Laufe der Geschichte die Kulisse für zahlreiche der legendären Massenversammlungen Fidel Castros und dient darüber hinaus auch als Veranstaltungsort für die traditionelle Maikundgebung sowie sporadisch stattfindende Militärparaden.

Kuba fördert Internetversorgung im ländlichen Raum

Bisher nutzen rund 51.000 Kubaner einen Internetanschluss in den eigenen vier Wänden (Quelle: ACN / Cubadebate)

Kubas staatlicher Telefonversorger ETECSA kündigte jüngst ein neues Tarifmodell für Internetnutzer in ländlichen Gegenden an. Für 5 CUC pro Monat können Kunden in ausgewählten Landgemeinden ab sofort das 30-Stunden-Paket des Anbieters mit einer Geschwindigkeit von 512 Kbps buchen. Mit dem Angebot soll eine preiswerte Grundversorgung in entlegeneren Gebieten geschaffen werden, wo aufgrund fehlender Infrastruktur noch keine schnellen Verbindungen möglich sind.

Seit letztem Herbst läuft auf Kuba der Ausbau von privaten Internetanschlüssen im Rahmen des Angebots „Nauta hogar„. Bisher haben über 51.000 Kubaner einen entsprechenden Vertrag bei ETECSA. Internet „en casa“ ist heute noch längst nicht in allen Orten des Landes verfügbar, wird jedoch stetig ausgebaut. Derzeit kann in rund einem Drittel der Wohngebiete auf der Insel ein Heimanschluss gebucht werden. Bisher wird das Angebot vor allem in den urbanen Zentren des Landes in Anspruch genommen. Die Preise zwischen 15 CUC (1024/256 kbps) und 70 CUC (4096/512 kbps) sind jedoch für viele noch immer zu hoch.

Mit dem jetzigen Schritt sollen auch ländliche Gegenden stärker in den Fokus des Internetversorgers rücken, wobei auch die „sozialen und ökonomischen Bedingungen der Regionen“ stärker berücksichtigt werden, wie es in einem Statement von ETECSA heißt. Neben dem reduzierten Preis von 5 CUC im Monat entfallen in diesen Gegenden auch die Einrichtungsgebühren und der Router kann über einen Zeitraum von 12 Monaten abbezahlt werden. Bisher kann das Angebot in 18 ländlichen Gemeinden in 8 verschiedenen Provinzen genutzt werden. Die maximale Geschwindigkeit beträgt dort 512 kbps im Download bzw. 256 kbps im Upload. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel bekräftigte in der Vergangenheit wiederholt, dass das Internet „ein Recht aller“ sei, welches erschwinglicher und verfügbarer gemacht werden müsse. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur des Landes zählt zu den Prioritäten der neuen Regierung.

Kubas Präsident eröffnet Twitter-Account

Twitter-Profil des kubanischen Präsidenten (Quelle: Twitter)

Díaz-Canel am twittern (Quelle: Juventud Rebelde)

Miguel Díaz-Canel ist seit heute offiziell auf Twitter vertreten. Unter dem Account @DiazCanelB twittert der 59-jährige ab sofort über seine Aufgaben als Präsident Kubas. Auf dem letzten Kongress des kubanischen Journalistenverbands UPEC im vergangenen Juli, bei dem es vor allem  um Digitalisierung und eine neue Kommunikationspolitik ging, versprach Díaz-Canel bis Ende des Jahres auf dem sozialen Netzwerk aktiv zu werden.

Auf seinem Twitter-Profil stellt sich der neue an Kubas Spitze als „Präsident des Staats- und Ministerrats der Republik Kuba. Den martianischen Ideen von Fidel und Raúl verpflichtet“ vor. Der erste Tweet Díaz-Canels galt einer Veranstaltung zum 150. Jahrestag des Unabhängigkeitskriegs in La Demajagua, bei der auch PCC-Generalsekretär Raúl Castro anwesend war.

Neues Dekret zur Kultur in Kuba sorgt international für Diskussion

Das Dekret 349 legt Verstöße in kulturpolitischen Angelegenheiten und bei der Erbringung von künstlerischen Dienstleistungen fest (Quelle: Dunia Álvarez Palacios, Granma)

Havanna. Mit einem neuen Gesetz will Kubas Regierung den Kunstbetrieb des Landes reorganisieren. Das Dekret 349, das im Dezember in Kraft treten wird, löst die bisherigen Regularien von 1997 ab. Es sieht unter anderem vor, dass künstlerische Darbietungen im öffentlichen Raum künftig nur mit einem Vertrag beim Kulturministerium erfolgen dürfen, das zunächst die Genehmigung erteilen muss. Damit will die Regierung unter anderem verhindern, dass Auftritte am Fiskus vorbei organisiert werden und führt zugleich Sanktionen gegen die Verbreitung von diskriminierenden Inhalten ein.

Mit der Neuregelung sollen „Qualität und ethische Werte“ bei öffentlichen Darbietungen sichergestellt werden, erklärte das Zentralorgan der regierenden Kommunistischen Partei, die Tageszeitung Granma. Das Gesetz definiere darüber hinaus „die anzuwendenden Mittel bei Verstößen gegen die Regularien.“ Dazu zählen laut dem Gesetzestext unter anderem die Verwendung audiovisueller Medien, welche gewalttätige oder pornographische Inhalte, Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, körperlicher Einschränkung sowie sexistische, obszöne oder vulgäre Sprache propagieren. Die unangemessene Verwendung patriotischer Symbole oder das Fehlen eines Vertragsabschlusses mit dem Ministerium gehören ebenfalls zu den sanktionierten Praktiken für Künstler.

In einem ausführlichen Artikel wurden in der Zeitung die Details des Gesetzes erklärt, wozu auch der Sanktionskatalog zählt. Darin wird zwischen „schweren“ und „sehr schweren“ Verstößen unterschieden, wobei das Fehlen einer Genehmigung bzw. Vertrags mit dem Kulturministerium in letztere Kategorie fällt. Zu den lediglich „schweren“ zählen unter anderem „jegliche Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen, welche die normale Entwicklung unserer Gesellschaft auf kulturellem Gebiet regeln.“ Die im Gesetz festgelegten Konsequenzen reichen jeweils von einer Geldstrafe von bis zu 2.000 kubanischen Pesos (etwa 70 Euro) bis zur Beschlagnahmung von Instrumenten und anderen Gegenständen durch Kontrollinspektoren, welche die Einhaltung der Verträge überprüfen und Kunstdarbietungen auch vor Ort beenden dürfen.

Auf Kuba stieß das Gesetz und die damit verbundenen Sanktionen nicht nur auf Zustimmung. Die oppositionelle Künstlerin Yanelys Núñez protestierte vor dem Kapitol in der Hauptstadt gegen das Gesetz, indem sie sich mit Kot beschmierte. Die Aktion, welche von zahlreichen Oppositionsmedien als „spontane Demonstration“ aufgegriffen wurde, reiht sich dabei in eine Reihe von Protesten ein. Núñez, die bereits 2016 von der New York Times als „sehr aktive Dissidentin“ gelobt wurde, gab zum Thema „Kunstfreiheit“ zuletzt Anfang September ein Interview mit dem argentinischen Onlineportal Infobae Cultura in den Räumen des rechtskonservativen Thinkthank „Zentrum für die Öffnung und Entwicklung Lateinamerikas“ (Centro para la Apertura y el Desarrollo de América Latina)“ in Buenos Aires. Andere kubanische Künstler hielten am Kapitol Schilder mit „No 349“ in die Kameras und übergaben Medienvertretern einen mehrseitigen Protestbrief gegen das Dekret, den sie dem Parlament, dem Kulturministerium und der Staatsanwaltschaft vorgelegt hatten. Andere warnten in den sozialen Medien vor einer „Kriminalisierung der Künstler“ und dem Verlust von künstlerischen Freiräumen. Von exilkubanischen Medien wurde das Gesetz erwartungsgemäß scharf kritisiert. Beim Dekret 349 handle es sich um eine „systematische Vorzensur“, erklärte die in den USA lebende Rechtsanwältin Laritza Diversent, die verschiedene Dissidentengruppen auf Kuba berät. Amnesty International mischte sich in die Debatte ein und kritisierte das Gesetz als „zu vage und weit gefasst.“ Deutschsprachige Medien titelten, ohne auf die Details der neuen Regularien einzugehen: „Kunstfreiheit in Kuba eingeschränkt – Zurück in die grauen Jahre“ (Taz), „Kuba dreht die Uhr zurück – ein neues Gesetz soll die Kunstfreiheit massiv beschneiden“ (Neue Züricher Zeitung), „Kuba: Künstler wehren sich gegen Zensur“ (Deutsche Welle).

Unterdessen verteidigten auf Kuba verschiedene Künstler das neue Gesetz in den Medien. Der Dichter und Schriftsteller Antonio Rodríguez Salvador erklärte, das Dekret 349 entspreche vielen Bedürfnissen der Künstler, indem es „Ordnung in das komplexe Gebiet der kommerziellen Kunstdienstleistungen“ bringe. Verträge können künftig nicht mehr am Ministerium vorbei geschlossen werden, womit diesem bisher wichtige Einnahmen entgingen.

„Die künstlerische und schriftstellerische Freiheit ist nicht Gegenstand des Dekrets“, schrieb der Autor und Kunstkritiker Pedro de la Hoz in einem Kommentar in der Granma. „Die Freiheit des künstlerischen Schaffens steht außer Frage, sie zählt zu den den unverhandelbaren Grundprinzipien der Kulturpolitik der Revolution.“ Das Gesetz richte sich lediglich gegen Formen rassistischer, homophober und anderer diskriminierender Inhalte einer „vulgären Kultur“, welche die Erniedrigung von Menschen zur Schau stelle, so de la Hoz. Sobald eine Kunstdarbietung in einem Nachtklub, einem Theater oder andernorts im öffentlichen Raum stattfinde, sei sie Gegenstand der Kulturpolitik des Staates. „Es kann nicht zwei, drei, hundert verschiedene Kulturpolitiken geben, sondern eine einzige, die offen, weit gefasst und inklusiv ist – aber kohärent umgesetzt wird, im staatlichen, wie im nicht-staatlichen Sektor“, so de la Hoz.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21