Díaz-Canel fordert Erneuerung der Medien

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Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel und UPEC-Präsident Antonio Moltó (rechts) (Quelle: Cubahora)

Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel setzte sich erneut für die Reformierung der kubanischen Medienlandschaft ein. Auf dem II. Treffen junger Journalisten, welches vergangene Woche in Havanna stattfand, forderte der 56-jährige Stellvertreter Raúl Castros, führende Stellen der kubanischen Medien mit jungen Nachwuchskräften zu besetzen. Er forderte die Journalisten dazu auf „mutiger“ zu agieren und neue Kommunikationsstrategien zu entwickeln.

Bei dem zweitägigen Treffen ging es um die Lage der kubanischen Medienlandschaft und deren aktuelle Herausforderungen. Mehr als 70 junge Journalisten aus allen Provinzen des Landes nahmen an der Tagung Teil, die von der journalistischen Berufsvereinigung UPEC im Zentrum für internationalen Journalismus in Havanna veranstaltet wurde. Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel war als Gast anwesend und analysierte auf dem Plenum die aktuellen Probleme der kubanischen Medien.

Auf dem IX. Kongress der „Union de Periodistas de Cuba„, der 2013 stattfand, wurde die Einführung eines neuen Pressegesetzes gefordert, welches Kubas Journalisten mehr Handlungsspielraum geben soll. Bisher weigern sich viele staatliche Stellen ausreichend Informationen an die Presse zu geben. Die Delegierten kritisierten schon damals jene als „secretismo“ (Geheimniskrämerei) betitelte Praxis. „Es gibt nur zwei Wege die wir gehen können: Entweder wir lösen das Problem zusammen und ein für alle Mal, oder die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft der kubanischen Medien wird einfach verschwinden“, sagte Díaz-Canel auf dem Kongress 2013.

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70 junge Journalistinnen und Journalisten machten Vorschläge zur Verbesserung der Medienarbeit in Kuba (Quelle: Juventud Rebelde)

Rund vier Jahre später sieht die Situation noch immer ernüchternd aus. „Obwohl der politische Wille vorhanden ist, hat sich dieses Gesetz verzögert, denn die Konkretisierung ist kompliziert und hat verschiedene Ebenen der Diskussion durchlaufen“, sagte Díaz-Canel letzte Woche gegenüber den Teilnehmern. Während das Gesetz noch in der Mache ist, müsse man möglichst viele Dinge innerhalb des bestehenden rechtlichen Rahmens ändern was derzeit bereits in einigen Provinzen geschehe, so Díaz-Canel.

Die Medien müssten ihre eigene Kommunikationsagenda entwickeln und gemeinsam diskutieren, forderte das Politbüromitglied. Hierzu müssten digitale Räume besser genutzt werden, auch um „subversiven Strategien“ der USA entgegenzuwirken. Junge Journalisten müssten hierfür in führenden Positionen die notwendigen Änderungen bei den Medien mitgestalten. Im Zuge der Digitalisierung des Fernsehbetriebs sollen neue Kanäle mit ansprechenden Programminhalten geschaffen werden.

Bei der Tagung wurde von den Teilnehmern eine 50 Punkte umfassende Liste gestaltet, die Vorschläge zur Verbesserung der kubanischen Medien liefert. Darin wurde unter anderem bessere Entlohnung, mehr Informationen über den rechtlichen Rahmen, bessere Aus- und Fortbildung, technische Modernisierung und die „Schaffung von mehr Räumen für Debatten über die öffentliche Agenda“ gefordert.

Internationale Buchmesse in Havanna eröffnet

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Kanada ist das Gastland der 26. Ausgabe der Buchmesse von Havanna (Quelle: Granma)

Havanna. Bis zum 19. Februar steht die Festung San Carlos de La Cabaña in der kubanischen Hauptstadt wieder ganz im Zeichen des Buches. Bereits zum 26. Mal eröffnete am Donnerstag die internationale Buchmesse in Havanna. Das Motto lautet: „Lesen heißt wachsen“.

Die Messe mit Autoren, Verlegern und Lektoren aus 46 Ländern wurde im Beisein von Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel, Kulturminister Abel Prieto und des Präsidenten der Nationalversammlung, Esteban Lazo, feierlich eingeweiht. Im Mittelpunkt des traditionellen Literaturtreffens stehen in diesem Jahr der langjährige kubanische Erziehungs- und Kultusminister Armando Hart sowie das Ehrengastland Kanada mit mehr als 30 Autoren und 18 Verlagshäusern.

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Das Recht, Fehler zu machen

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Bauernmarkt in Havanna (Quelle: miscelaneasdecuba)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf die kubanische Nationalhymne folgte das Feuerwerk. „¡Viva el Año 58 de la Revolución!“ rief der Ansager genau um Mitternacht durch den altehrwürdigen Parque Céspedes, dem Zentrum Santiago de Cubas. Zunächst brach das achtundfünfzigste Jahr der Revolution an, erst dann realisierten wir dass sich dieser Teil der Welt nun ebenfalls im Jahr 2016 befand. Obwohl auf jedem offiziellen Dokument und jeder Zeitung neben der gregorianischen Jahreszahl auch das Revolutionsjahr angegeben wird, hat mich die unerschütterliche Präsenz der kubanischen Zeitrechnung kurz überrascht.

Neujahr in Santiago de Cuba

Der Rum floss, begleitet von Musik, Ausgelassenheit und guter Stimmung. Die Menschen auf dem Platz umarmten sich und bald gingen die politischen Slogans des Ansagers in mir vertraute Kategorien von Neujahrswünschen über. Im Vestibül des nahegelegenen Hotels tranken die Touristen auf ihre Gesundheit während wir im Park den klaren Rum aus Plastikbechern stürzten. Was würde die Zeitenwende jener Insel bringen, auf der ich noch gut die Hälfte des eben angebrochenen Jahres zubringen sollte?

Bereits einige Tage zuvor war klar, dass das Jahr 58 der Revolution kein leichtes werden würde. Als sich Kubas Parlament in den letzten Dezembertagen traf, wurde als BIP-Wachstumsziel 2 Prozent genannt, die Hälfte des erreichten Wertes von 2015. Ein chinesischer Freund bezeichnete das bereits als Rezession. Und dabei sollte Kubas Wirtschaft doch mindestens 5 bis 7 Prozent pro Jahr zulegen damit der lang anhaltende Zirkel aus niedriger Produktivität, die zu niedrigen Löhnen führt, durchbrochen wird. Die Liste der Gründe für das geringe Wachstum ist kurz, plausibel und frustrierend zugleich: schwierige außenpolitische Umstände (die Krise in Venezuela), fallende Weltmarktpreise und ungünstige klimatische Bedingungen werden den Planern dieses Jahr wieder einmal einen Strich durch die Rechnung machen.

Auf die Dürre folgte im Januar der Dauerregen, was neben der Zuckerrohr auch die Tabakernte in ernste Schwierigkeiten gebracht hat. Glück im Unglück: Aufgrund der lächerlich niedrigen Weltmarktpreise dürfte dies kaum negative Auswirkungen auf die Staatseinnahmen haben. Genauso verhält es sich mit dem Nickel. Während Kuba über die drittgrößten Nickelvorkommen der Welt verfügt, liegt der Preis mit ca. 9.000 US$ pro Tonne schon seit Monaten deutlich unter den hiesigen Produktionskosten. Die klassischen Exportwaren schreiben rote Zahlen, was bleibt sind Dienstleistung und Tourismus.

Lebensmittelkrise in Havanna

Dann die steigenden Preise auf den Bauernmärkten. Zurück in Havanna bildete dies das ständige Gesprächsthema in der Stadt. Da die Libreta nicht für den ganzen Monat reicht, muss sich jeder Kubaner von seinem Lohn Nahrungsmittel auf den Märkten hinzukaufen. Die meisten Kubaner geben über 75 Prozent ihres Gehalts für Lebensmittel aus. Genau aus diesem Grund sind schon geringe Preisschwankungen ein Politikum, denn sie stellen eine Gefahr für die soziale Stabilität dar.

Seit Beginn der Landwirtschaftsreformen im Jahr 2013 dürfen im Rahmen eines Pilotprojekts die Landwirte der Hauptstadt sowie der angrenzenden Provinzen Artemisa und Mayabeque den Großteil ihrer Produktion frei vermarkten. Das ehemals mächtige staatliche Abnahmemonopol in Form der Firma „Acopio“ wurde sogar landesweit aufgelöst und übrig blieben lediglich einige Verträge zur Versorgung von Krankenhäusern, Kindertagesstätten und anderen Staatseinrichtungen. Statt ehemals 80 kaufte der kubanische Staat weniger als 50 Prozent der Ernten ein. Angebot und Nachfrage begannen den Preis zu bestimmen, sollten die Bauern zu mehr Produktion motivieren und die hohen Nahrungsmittelimporte endlich überflüssig machen. Gleichzeitig begann das wachsende private Kleingewerbe verstärkt die Nachfrage zu stimulieren, was sich in tatsächlichen Produktionszuwächsen niederschlug. Doch schon bald machten sich die destruktiven Kräfte des Marktes bemerkbar: Zwischenhändler kauften die Produkte und lieferten sie mit bis zu 300 Prozent Aufschlag an die Verkaufsstände ab, die ihrerseits wiederum ebenfalls einen Teil des Kuchens abhaben wollten.

Das Ergebnis: Während die Bauern noch immer ohne gutes Saatgut und ausreichend Dünger auskommen müssen, die Produktionsbedingungen nahezu unverändert blieben, stiegen die Preise für den Endverbraucher immer mehr – durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr seit 2012, die Inflation nicht eingerechnet. Zum Jahreswechsel 2015/16 begann das Problem der Lebensmittelpreise immer krassere Züge anzunehmen. Manche Produkte waren in Havanna auf einmal nicht mehr erhältlich. Zuerst hieß es man warte auf die Erneuerung der Verträge. Doch dann sagte man, dass die Zwischenhändler begannen sämtliche Lebensmittel zu horten um diese bis zum Eintreffen des Nachschubs zu astronomischen Preisen zu verkaufen. Den Preisen konnte man während der ersten Januartage beim Anstieg praktisch zuschauen. Ein halbes Pfund Zwiebeln konnte heute 9, morgen 12 und übermorgen schon 15 Pesos kosten. Die Reformer hatten sich verkalkuliert. Zentralisierte Produktion bei dezentralisierter Distribution musste unweigerlich zu Spekulation und steigenden Preisen führen.

Eine Lösung wurde gefunden

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Sitzung des kubanischen Parlaments im Dezember 2015 (Quelle: Escambray)

Raúl Castro forderte auf der Parlamentssitzung, dass „eine Lösung gefunden werden muss“ und Anfang Januar zog die Regierung tatsächlich die Notbremse: Innerhalb weniger Tage wurden für viele Produkte Preisobergrenzen eingeführt, längst geschlossene staatliche Märkte wieder eröffnet und in jedem der 105 Verwaltungsbezirke der Hauptstadt die staatliche Lebensmittelverteilung wiederhergestellt. Inspektoren patrouillierten auf den Märkten und die fliegenden Straßenhändler verschwanden praktisch über Nacht aus dem Stadtbild. Der Staat begann wieder im großen Stil Nahrungsmittel aufzukaufen und zu festen Preisen an die Bevölkerung abzugeben. Auf den übrigen „freien Märkten“ darf ein halbes Pfund Zwiebeln heute nicht mehr als 6 Pesos kosten. Die Stimmen der mobilen Händler verstummten und ich wurde Zeuge einer kleinen „revolutionären Offensive“. Man sprach nicht zu unrecht von einer Zäsur, vom ersten zurückdrängen des Marktes zugunsten des Staates unter Raúl Castro. In der Bevölkerung stießen die Maßnahmen auf ein geteiltes, überwiegend positives Echo: Während einige die zurückgegangene Vielfalt bemängelten, lobten viele die neue Preisstabilität.

Doch das Einkaufen auf den Märkten ist nun nicht gerade einfacher geworden, die Qualität der Produkte hat merklich nachgelassen. Statt roter Tomaten finde ich beispielsweise immer häufiger grüne zum „selber reifen lassen“. Das was es gibt ist nun allerdings für die meisten Kubaner wieder erschwinglich. Lieber schlechte Tomaten für alle als gute Tomaten für wenige. Ich für meinen Teil vermisse den Schrei des Straßenhändlers nicht. Mit welchem Recht, fragte ich mich immer, preist dieser seine überteuerten Produkte in ohrenbetäubender Lautstärke an? Jene Produkte, die ohnehin nur von privaten Restaurantbesitzern und Vermietern gekauft werden. Die ganze Straße hört seine Rufe, doch nur das reichste Viertel kann folgen während die geduldigen Massen wortlos ihren Weg zum staatlichen Markt antreten.

Jetzt soll diskutiert werden wie es weitergeht. In jeder Provinz werden seit kurzem Meetings abgehalten um über die Nutzung der Landflächen zu diskutieren, die seit 2008 an Kleinbauern verpachtet werden. Immerhin über 1,4 von 6 Millionen Hektar. Die Steuern für Landwirte wurden bereits gelockert, während die staatlichen Ankaufpreise weiter erhöht werden sollen. Die Produzenten stimulieren, aber den Verkauf unter Kontrolle behalten scheint die Devise zu sein. Ist das Experiment gescheitert? Vielleicht nicht. War es in dieser Konstellation von Anfang an zum Scheitern verurteilt? Vielleicht ja. Das Experiment wird weitergehen, doch in jedem Fall ist es zu früh, endgültige Schlüsse zu ziehen. Was auch immer bei den nun laufenden Versammlungen herauskommen mag, eines ist sicher: Das Thema Landwirtschaft und Lebensmittel wird uns noch lange über den für April angesetzten Parteitag hinaus beschäftigen.

Geheimniskrämerei und Medienpolitik

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Nicht alles erfährt man in Kuba aus der Zeitung (Quelle: ElToque)

Apropos Parteitag. Neulich wurde gemeldet, dass erst ca. 20 Prozent der 2011 beschlossenen Reformen umgesetzt wurden. So, als wollte die staatliche Presse sich noch einmal kurz vor dem nächsten Parteitag selbst auf die Füße treten. Natürlich wurde die Meldung gleich von der Opposition und den ausländischen Medien ausgeschlachtet. Nun sagt diese Quantifizierung überhaupt nichts aus. Wären unter den 20 Prozent die wichtigsten Reformen (z.B. die Währungsreform, die Reform der Staatsunternehmen, etc.) so könnte man die übrigen 80 Prozent getrost als ergänzendes Beiwerk nach und nach verabschieden. Tatsächlich ist es aber ein Problem, dass sich die Kernpunkte der Wirtschaftsaktualisierungen gerade im embryonalen Experimentierstadium befinden – 4 Monate vor dem nächsten Parteitag, auf dem eigentlich Ergebnisse zu liefern wären. Stattdessen stehen wir vor den Scherben einer einst vielversprechenden Landwirtschaftspolitik, warten verzweifelt auf Investoren in Mariel (es sind gerade 8) und spekulieren regelmäßig, wann die Regierung endlich den CUC abschaffen wird. Neulich haben wir erfahren, dass die Zahl der Cuentapropistas zurückgeht. Statt über 500.000 sind es nun 496.000. Nach fünf Jahren des stetigen Wachstums scheint ein gewisser Sättigungsgrad erreicht zu sein. Warum und wieso, was als nächstes passieren wird, wurde uns allerdings nicht gesagt.

Diese Geheimniskrämerei macht mir zu schaffen. Es ist einfacher aus dem Ausland über Kuba zu schreiben als innerhalb des Landes. Ohne Internet sind wir nicht nur uninformiert was außerhalb Kubas vorgeht, wir wissen nicht einmal was um uns herum passiert. Selbst wenn wir regelmäßig die Zeitung lesen so müssen wir den kondensierten Kaffeesatz von wortkargen Versammlungsberichten als Interpretationsrichtschnur für die nächsten Schritte der Regierung verwenden. Mein chinesischer Freund bezeichnete einst die „responsiveness“, das schnelle und unmittelbare reagieren des Staates, als die Schlüsselfunktion für den Erfolg der KP Chinas. Wie viel Ärger könnte sich der kubanische Staat ersparen, würde er ein gut organisiertes Büro für Öffentlichkeitsarbeit unterhalten, das die Bürger über die Minister und deren Pläne informiert und Versäumnisse zeitnah einräumt! Stattdessen sickert hier alles nur tröpfchenweise durch und die wildesten Gerüchte zirkulieren auf der Straße, weil niemand weiß, was gerade vor sich geht.

Wie kann es sein, dass vier Monate vor dem nächsten Parteitag niemand über die geplanten Inhalte Bescheid weiß? Und wie kann es sein, dass ich von den Preisobergrenzen aus einer Reuters-Meldung erfahren habe, bloß weil ich an jenem Tag nicht die Regionalzeitung von Havanna kaufte? Mit einer gekonnten medialen Inszenierung hätte sich der Staat als Beschützer der sozial schwächsten präsentieren und das Verständnis der Bevölkerung für die Maßnahmen sicherstellen können. Doch Raúl ist nicht Fidel, das ist seine Stärke und sein Problem zugleich. Eine Lektion lässt sich festhalten: Ohne charismatischen Führer, der seine Politik in Reden erklärt, braucht es neue, institutionalisierte Kommunikationskanäle zwischen Regierung und Volk. Schweigsamkeit ist keine Lösung.

Löcher in der Wirtschaftsblockade

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten. Die Vereinigten Staaten haben endlich eine substantielle Lockerung des Embargos vorgenommen die über reine Symbolpolitik hinausgeht. Nun kann, zumindest theoretisch, auch an kubanische Staatsunternehmen exportiert werden. Theoretisch, denn jede Lizenz wird einzeln genehmigt und die Warenbandbreite ist noch immer begrenzt. Dennoch: Es dürfen nun auch Kredite ausgegeben werden, was das ganze für Kuba interessant macht. Nach dem Besuch der US-Handelssekretärin Pfizer im Herbst vergangenen Jahres dürfte der Obama-Administration klar geworden sein, dass ihre bisherigen Maßnahmen in einem Land mit staatlichem Außenhandelsmonopol scheitern müssen. Handel mit dem Privatsektor, der aber nicht über staatliche Importunternehmen laufen darf – wozu das ganze? Hatten sie ernsthaft erwartet, die Kubaner würden ihr staatliches Handelssystem aufgeben, bloß damit einige Cafeterías in Havanna neue Toaster bekommen? Man könnte meinen, die USA hätten noch nie mit einem sozialistischen Staat zu tun gehabt, so unbeholfen wie sie ihre Gesetze konstruierten. Nun haben sie zwar ihre missratene Initiative korrigiert, wie fremd ihre Denkweise der kubanischen ist dürfte ihnen jedoch bis heute nicht klar sein.

Dass auch andere Gesellschaftsmodelle „heilige Prinzipien“ haben scheint für viele US-Politiker noch immer eine schwer verdauliche Realität zu sein. Genauso wenig wie die USA ihre Medienlandschaft verstaatlichen werden, wird Kuba unter Raúl Castro die großen Staatsunternehmen privatisieren. Manchmal gewinne ich den Eindruck, die USA schätzen Raúl als grauhaarigen Claudillo ein, dem allein am eigenen Machterhalt gelegen ist. Doch die Realität lässt sich nicht in einfache Schablonen pressen. Aus jeder Rede Raúl Castros schreit unmissverständlich eine Mission hervor: „Ich bin hier, um diesen Sozialismus ins 21. Jahrhundert zu tragen, ihn zu retten, zu verbessern – nicht um ihn abzuschaffen.“ Den Kern der Raúl’schen Reformen kann sich jeder halbwegs gebildete Analyst anhand der Beispiele in Ungarn, Jugoslawien oder dem NÖS der DDR erschließen.

„Bevor die Amis kommen!“

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Symbol für den Tourismus: Oldtimer in Althavanna (Quelle: Fotoflair)

Stattdessen gackern die ausländischen Medien wie Hühner um ein Ei herum, das schon lange gelegt wurde. „Schnell noch nach Kuba, bevor die Amis kommen!“, steht den deutschen Touristen auf der Stirn geschrieben. „Schnell noch nach Kuba, bevor der große Ausverkauf beginnt!“, schreiben die Wirtschaftsblätter. „Jetzt oder nie, bevor McDonald’s und Starbucks sich breitmachen!“, höre ich die Nordamerikaner rufen. Das alles liest oder hört man im Prinzip schon seit Raúls Amtsantritt im Jahr 2006. Zehn Jahre später heißt das Habana Libre noch immer nicht Hilton und gerade eben konnte man auf den Bauernmärkten den Siegeszug der staatlich regulierten Zwiebel verfolgen während sich die Medien langsam auf den 90. Geburtstag Fidel Castros einstimmen.

Der Gipfelpunkt dieser „Schnell noch nach Kuba“-Haltung äußert sich in einem paradoxen Zynismus, der sich mir schon ein paarmal offenbart hat. Wenn ich beispielsweise mit unverständlichem Kopfschütteln belegt werde, während ich mit glänzenden Augen von der Eröffnung neuer WiFi-Hotspots berichte. Oder wenn ich mich über die neuen chinesischen Busse freue, die den Transport verbessern und mit ihren roten LED-Anzeigen gefallen, während mir mein gegenüber fassungslos erwidert: „Aber dann sieht man ja bald weniger Oldtimer.“ Wenn es nach der Meinung mancher Touristen geht, hat Kuba für immer in den 1960er Jahren zu bleiben. Alles moderne wird – freilich nur im Urlaub – mit Argwohn und Verachtung bedacht, das vermeintlich „einfache Leben“ romantisiert und verklärt. Keiner dieser Menschen hat offenbar erfahren wie es ist einen halben Tag in einem Büro ohne Strom zu warten oder in den Straßen vergeblich nach roten Tomaten zu suchen.

Ein Land im 21. Jahrhundert

Wenn es nach den Plänen von Volk und Regierung gehen würde wären die Straßen hier voll mit modernen chinesischen Kleinwagen, die jungen Familien würden aus der Altstadt ausziehen und endlich neue Plattenbausiedlungen bevölkern. Auch der ärmste Kubaner würde sich mit WhatsApp auf einem Huawei-Smartphone verständigen während er sich genüsslich eine Telenovela auf dem heimischen HD-Fernseher reinzieht. Die Horrorvorstellung jedes deutschen Touristen, der auf Kuba heute noch die in der Heimat verloren gegangene Vormoderne anzutreffen glaubt. Auch mir gefallen die Chevys, Buicks und Fords, doch wer sich ernsthaft für dieses Land und seine Menschen interessiert kann den Tag nicht abwarten an dem diese fahrenden Untoten endlich ihre letzte Ruhe in einem Museum finden.

Kuba hat das Recht, sich zu entwickeln und dabei Fehler zu machen. Dass dabei Versäumnisse entstehen, das alte und das neue noch nicht recht zueinanderpassen wollen, ist unweigerliche Folge eines jeglichen Veränderungsprozesses. Worauf es ankommt, ist die eigenen Fehler zu erkennen, zu benennen und zu korrigieren.

Kuba für friedliche Nutzung des Cyberspace

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Aktivisten für Netzneutralität – die Debatte um einen freien und friedlichen Cyberspace wird nun auch von Kuba geführt (Quelle: Flickr)

New York/Havanna. Kuba will sich international dafür einsetzen, dass der Cyberspace kein Ort der Militarisierung und Aggressionen gegen souveräne Länder wird. Der kubanische Vizeminister für Kommunikation, Jorge Luis Perdomo, warnte Mitte Dezember in der UNO-Vollversammlung vor dem Missbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologie.

„Kuba ist sehr besorgt über die verdeckte und illegale Verwendung durch Individuen, Organisationen und Staaten, die, um internationale Konflikte hervorzurufen, die Informationssysteme anderer Länder benutzen, um in Drittländer einzudringen“, sagte der Minister.

Die Informationstechnologie könne zwar eine wichtige Rolle im Entwicklungsbereich und im Kampf gegen Armut spielen. Dennoch dürfe das Potenzial zur Gefährdung von Frieden und der Sicherheit nicht außer Acht gelassen werden, meinte Perdomo, der den Willen Kubas betonte, die Zusammenarbeit gegen diese neuen Bedrohungen zu fördern.

Zehn Jahre nach den Weltgipfeln zur Informationsgesellschaft in Genf (2003) und Tunis (2005) hatten sich Mitte Dezember Vertreter der UN-Mitgliedsstaaten in New York versammelt, um Wege zur Verringerung der digitalen Spaltung, vor allem zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, aber auch zwischen Arm und Reich, zwischen Geschlechtern sowie zwischen Generationen zu diskutieren.

Bei dem Treffen im Rahmen der UN-Generalversammlung verschafften sich die Delegierten auch einen Überblick über die Fortschritte auf diesem Gebiet. Viele der 2003/2005 dazu getroffenen Vereinbarungen sind demnach bis heute nicht umgesetzt worden, hieß es in einem Beitrag der Station Radio Cubana. Die Delegierten haben vereinbart, 2025 wieder zusammenzukommen, um die bis dahin erfolgten Schritte auszuwerten.

von Michael Wögerer / Amerika21

Kubas Filmtheater in der Krise

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Das Cine Yara ist das populärste Kino in Kubas Hauptstadt Havanna (Quelle: Granma)

Havanna genoss lange Zeit internationales Ansehen für seine abwechslungsreiche Kinolandschaft. Von den 159 Kinos, über welche Kubas Hauptstadt einst verfügte, sind heute jedoch gerade einmal 13 übrig geblieben. Die steigende Nachfrage nach neuen Filmen wird auf der Insel heute meist über die wöchentlich zirkulierenden USB-Sticks gedeckt, während die Kinos zunehmend verwaisen. „Jeden Tag sehen wir mehr Kino, aber nicht im Kino“, schrieb jüngst die Tageszeitung „Granma„. Doch wie ist es um die Situation der kubanischen Filmtheater eigentlich bestellt?

Von der Blüte zum Verfall

Nach dem Sieg der Revolution übernahm das neu gegründete „Instituto Cubano del Arte e Industria Cinema­tográ­ficos (ICAIC)“ die Kinos des Landes. Mit Beginn der 1960er Jahre erlebte der kubanische Film eine neue Blüte. Produktionen wie „Der Tod eines Bürokraten“ (1966) oder „Erinnerungen an die Unterentwicklung“ (1968) begeisterten das Publikum. Über 250 neue Kinos wurden damals errichtet, vor allem in den bisher wenig entwickelten Provinzen Zentral- und Ostkubas. Staatliche Subventionen führten zu festen Preisen auf niedrigem Niveau, das Kino wurde auf einen Schlag für jedermann zugänglich.

In Folge der Sonderperiode konnten ab 1990 jedoch kaum mehr Reparaturen an den Kinos durchgeführt werden, die knappen Mittel wurden für den Erhalt der Sozialsysteme benötigt. So kam es, dass Gemeinden, die noch in den 1980er Jahren über drei oder vier Filmtheater verfügten, heute lediglich auf eine solche Einrichtung zurückgreifen können. Insgesamt gab es im Jahr 2013 in Kuba 265 Kinos für 35mm und 28 Kinos für 16mm sowie 408 Videosäle mit DVD-Playern. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 verfügte das Land noch über insgesamt 1.223 Filmtheater und 223 Videosäle. Die Sonderperiode hat zu einem Massensterben in der kubanischen Kinolandschaft geführt.

Kinonotstand in Havanna

Besonders schlimm traf es die einstige Kino-Hauptstadt Havanna. Von den einst 159 Filmtheatern blieben nach der Sonderperiode noch 13 übrig, wobei heute 8 von ihnen laut „Granma“ technische oder bauliche Mängel aufweisen. Der Rest wurde mittlerweile in Kulturzentren umgewandelt. Für Wartungsarbeiten erhalten die Kinos der Hauptstadt dieses Jahr ein Budget von insgesamt 313.100 Pesos, was etwa 12.500 US$ entspricht. „Das ist nicht viel, um ein Kino instandzuhalten“, sagte Danae Moros, Direktorin der Filmtheater von Havanna, gegenüber der Tageszeitung.

Aus diesem Grund wurden in Havanna auch Arbeiter aus dem Privatsektor unter Vertrag genommen, um die Kinos Alameda (Municipio Diez de Octubre), Continental (San Miguel del Padrón), City Hall (Cerro) und Cinecite (San Rafael) kostengünstig in Schuss zu halten. Außerdem wird seit letztem Jahr an der umfassenden Sanierung des Kinos „Payret“ (gegenüber dem Kapitol) gearbeitet. Da es sich um ein Gebäude von historischer Bausubstanz handelt, wurden allein für das Payret 732.000 US$ zu Verfügung gestellt. Bis Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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Derzeit wird das Cine Payret umfassend saniert (Quelle: Granma)

Die anderen Lichtspieltheater profitieren davon jedoch wenig. Durch die minimalen Mittelzuweisungen müssen sie oftmals mit unpassender Technik zurechtkommen. So verfügen viele nicht einmal mehr über einen funktionierenden 35mm-Projektor, sondern müssen auf DVD-Player und anderes Equipment aus dem Amateurbereich zurückgreifen. Seit der letzten Auflage des Festivals des Lateinamerikanischen Films, das größte Filmfestival des Landes welches jedes Jahr im Dezember in Havanna stattfindet, wurden jedoch immerhin die Kinos Chaplin und Yara mit digitalen Projektoren ausgestattet.

Hilfe aus dem Privatsektor unerwünscht

Doch auch in anderen Provinzen sieht die Lage für die Kinos mitunter düster aus. Bedingt durch die niedrigen Eintrittspreise (zwischen 2 und 5 Pesos pro Vorstellung) können die meisten Filmtheater kaum kostendeckend betrieben werden. Die zugewiesenen Budgets reichen daher nicht aus um teure Ersatzteile zu importieren, die in Folge des US-Embargos oftmals schwer erhältlich sind. Noch immer arbeiten in vielen kubanischen Kinos amerikanische Projektoren und Klimaanlagen aus den 1950er Jahren, die wenn überhaupt nur mit Mühe am laufen gehalten werden können.

Im November 2013 hat Kubas Regierung zahlreiche private 3D-Kinos geschlossen, die in den Monaten zuvor wie Pilze aus den Boden gesprossen waren, um die Lücken des staatlichen Angebots zu füllen. Sie operierten meist unter einer Lizenz als Café oder Restaurant, da gewerbliche Filmvorführungen für den Privatsektor nicht erlaubt sind. Die Schließungswelle löste einen Aufschrei der Empörung unter dem oftmals jungen Publikum aus, weshalb die Regierung kurze Zeit später eine Überprüfung dieser Politik ankündigte.

Seitdem wurde es jedoch still um das Thema. Noch immer bleiben private Lichtspieltheater in Kuba verboten, während das staatliche Angebot zusehends verkümmert. Moderne 3D-Projektoren sind derzeit nur in zwei kubanischen Kinos installiert, während die meisten Kubaner den Filmkonsum inzwischen weitgehend auf den Fernseher im heimischen Wohnzimmer verlagert haben. Für Kubas Filmtheater ist die Sonderperiode der 1990er Jahre noch immer nicht ausgestanden – und ein Ende dieser Situation ist derzeit nicht in Sicht.

Kuba startet neue Zeitschrift für Kleinanzeigen

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Vorläufiges Cover der neuen Zeitschrift „Ofertas“ (Quelle: Cubadebate)

Kubas Presselandschaft wird in den kommenden Wochen Zuwachs erhalten. Die Zeitschrift „Ofertas“ soll ab Mai den kubanischen Anzeigenmarkt beleben und den neuen Wirtschaftsakteuren des Landes eine Plattform für Kleinanzeigen und Stellenauschreibungen bieten. Mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren in Farbe will die landesweit erscheinende Zeitschrift dem Privatsektor und den neuen Kooperativen für einen Preis von 3 Peso auch mit Informationen und Rechtsberatung zur Seite stehen.

Die Gründung der Zeitschrift wurde am Montag auf einer Pressekonferenz der Nachrichtenagentur Agencia Cubana de Noticias (ACN) bekannt gegeben. Die ACN wird als Herausgeber des Blattes fungieren, das vorerst auf monatlicher Basis erscheinen soll. „Wir bieten einen sicheren Platz für Kleinanzeigen, sowohl für natürliche als auch juristische Personen, in einer Printausgabe und einer digitalen Version, und zudem die Möglichkeit Produkte und Dienstleistungen auf attraktive Weise und mit konkurrenzfähigen Preisen anzubieten“, sagte Edda Diz, Direktorin der ACN, auf der Pressekonferenz.

Rechtsberatung und Kleinanzeigen – nicht nur für den Privatsektor

In der Zeitschrift sollen auf insgesamt 16 Seiten Themen aufgegriffen werden, die dem Privatsektor unter den Nägeln brennen: Wie bereite ich ein Geschäft vor? Welche Gesetze muss ich beachten, welche Steuern sind wann und wo zu entrichten? Neben der Rechtsberatung sollen auch andere Wirtschaftsangelegenheiten und unternehmerische Fragen behandelt werden. Die letzten acht Seiten der Publikation sind für Kleinanzeigen reserviert, an denen sich der Staatssektor ausdrücklich beteiligen darf.

In den Kleinanzeigen können vom Computerverkauf bis hin zu Miet- und Reparaturservices die verschiedensten Produkte und Dienstleistungen inseriert werden. Auch der An- und Verkauf von Immobilien und Fahrzeugen kann angeboten werden, zudem gibt es eine Rubrik für Stellenausschreibungen. Die Inserate werden in täglich aktualisierter Form auf der Website der Zeitschrift (www.ofertas.cu) veröffentlicht. Die Seite soll in den kommenden Wochen ans Netz gehen und wird auch vom kubanischen Intranet aus erreichbar sein – ein großer Vorteil gegenüber der bereits etablierten Konkurrenz.

Im Geist der Zeitschrift „Opina“…

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Internetportal von „Ofertas“ (Quelle: Cubadebate)

Denn die Vermarktung über Kleinanzeigen ist im sozialistischen Kuba keineswegs neu. Bereits 1979 startete mit „Opina“ eine ähnliche Zeitschrift, die sich in den 1980er Jahren großer Beliebtheit erfreute. Im Zuge der Sonderperiode wurde sie jedoch Anfang der 1990er Jahre eingestellt. Mittlerweile hat sich die Website Revolico.com mit über 520.000 Inseraten als wichtigste Plattform für den digitalen Kleinanzeigenmarkt in Kuba etabliert. Revolico operiert jedoch außerhalb des rechtlichen Rahmens und kann daher nur über Umwege von Kuba aus erreicht werden.

Im Unterschied zu Revolico kosten die Inserate in „Ofertas“ allerdings Geld. Eine Zeile mit 30 Zeichen ist für 0,85 CUC zu haben, ab 10 Zeilen kostet jede weitere 1 CUC. Für größere Anzeigen hat die Redaktion spezielle Angebote vorbereitet, so kostet eine komplette Seite 450 CUC pro Ausgabe, eine Achtelseite kann für 56 CUC gebucht werden. Je nachdem für wie viele Ausgaben in Folge die Anzeige geschaltet werden soll, gibt es Preisnachlässe von bis zu 20 Prozent. Auch zwei Werbebanner auf der Website stehen für Anzeigenkunden bereit.

Mit der neuen Zeitschrift plant Kuba „den Geist der Zeitschrift Opina wieder aufzunehmen“, heißt es in der offiziellen Ankündigung. Tatsächlich war dieser Schritt längst überfällig. Für die knapp 500.000 Beschäftigten des Privatsektors könnte das neue Blatt rasch zu einer wichtigen Werbeplattform werden, die auch Menschen ohne Internetzugang landesweit erreicht. Die Vorteile gegenüber Revolico und vergleichbaren Angeboten liegen auf der Hand: vollständige Rechtssicherheit der Inserate, Erreichbarkeit aus dem kubanischen Intranet, günstige landesweite Printausgabe mit festem Redaktionssitz sowie acht Seiten mit journalistischen Inhalten und Rechtsberatung speziell für die neuen Wirtschaftsakteure.

Fazit

Erfolg und Misserfolg von „Ofertas“ wird wesentlich von der Qualität und Aktualität der  Kleinanzeigen abhängen, deren Angebote konkurrenzfähig und erschwinglich sein sollen. Die gebotene Rechtssicherheit (offizieller Leitspruch: „Der sichere Weg für Kleinanzeigen in Kuba“) könnte sich neben der Erreichbarkeit aus dem Intranet bald als das entscheidende Alleinstellungsmerkmal des Magazins erweisen. Auf diese Weise könnte „Ofertas“ dazu beitragen, einen Teil des kubanischen Grauzonenmarkts in geregelte Bahnen zu befördern, so dass Angebot und Nachfrage schon bald einfacher zueinander finden.


Offizielles Video zur Pressekonferenz am 6. April:

Die Freilassung der „Miami Five“ – Reaktionen aus Kuba

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Kubanische Studenten feiern die Rückkehr aller „Miami Five“ (Quelle: ACN)

Die Freilassung der restlichen drei kubanischen Geheimdienstagenten, die seit 1998 in den USA inhaftiert waren, löste einen wahren Sturm in Kubas Medienlandschaft aus. „Wie von Fidel im Juni 2001 versprochen, als er sagte: Sie werden zurückkehren!, sind heute Gerardo, Ramón und Antonio in unserer Heimat eingetroffen“, sagte Präsident Raúl Castro am Mittwoch in seiner Rede an die Nation.

Kurze Zeit später waren in den sozialen Netzwerken erste Bilder zu sehen, wie Kubaner die Meldung aufnahmen. Viele saßen gespannt vor den Bildschirmen, als Raúl Castro um genau 12 Uhr Mittags zeitgleich mit Barack Obama seinem Volk die Rückkehr der drei Gefangenen und die Erneuerung der Beziehungen mit den USA verkündete. Während Castro sprach, läuteten die Kirchenglocken und pausierten Schulen in ganz Kuba ihren Unterricht. Die Abgeordneten des kubanischen Parlaments, welches derzeit in Havanna tagt, unterbrachen spontan die Sitzung.

Studenten zahlreicher kubanischer Universitäten veröffentlichten Bilder, auf denen sie mit Plakaten ihre Freude zum Ausdruck brachten. Der Hashtag „#volvieron“ – sie sind zurückgekommen – geistert derzeit durch das kubanische Internet. Die BBC hat in einer eigenen Analyse die beliebtesten kubanischen Hashtags auf Twitter dargestellt:

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Kubanische Tweets nach der Freilassung der „Miami Five“ (Quelle: BBC)

Das kubanische Nachrichtenportal „Cubadebate“ zählte bereits innerhalb weniger Stunden über hundert Kommentare unter der Rede des kubanischen Präsidenten. Zahlreiche Kommentatoren begrüßten die Freilassung der drei Kubaner ebenso wie den diplomatischen Neuanfang. Die Nachrichten scheinen große Hoffnungen bei den Kubanern hervorgerufen zu haben, die Reaktionen waren in der Mehrzahl freudig bis überschwänglich. „In allen kubanischen Haushalten knallen die Korken, das ist etwas das wir feiern müssen“ zitiert die BBC einen Tweet. „Wie ich Lust habe zu schreien, auf die Straße zu gehen und alle zu umarmen“, schrieb ein anderer Nutzer.

Das Thema der „Miami Five“ hat damit ein lang erkämpftes Happy-End gefunden. Alle Fünf sind heute wieder bei ihren Familien. Damit ist eine der größten Kampagnen der kubanischen Revolution in den letzten Dekaden gegangen. Kuba muss auf die neue Situation reagieren und die neuen Möglichkeiten im Verhältnis mit den USA gestalten lernen. Doch zunächst einmal wird die Freude überwiegen. Es wird noch dauern, bis allen Kubanern die volle Tragweite des 17. Dezembers bewusst wird. Die omnipräsenten Schilder, auf denen heute steht: „¡volverán!“ – sie werden zurückommen! – bestätigen auf den Fassaden und Plätzen des Landes tausendfach ihre Richtigkeit. Doch zugleich spricht aus ihnen die Frage: Was kommt nach mir?

Kubas Fernsehen bietet Raum für Satire

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„Noch vor zehn Jahren war so etwas undenkbar“ – Luis Silva in seiner Figur des Rentners Panfilo (Quelle: Cubahora)

Bereits seit einigen Jahren sorgt die kubanische Comedysendung „Vivir del Cuento“ (in etwa: Überleben durch Köpfchen) für Abwechslung im Programm des staatlichen Fernsehens. Jeden Montagabend nimmt der Komiker Luis Silva darin in Form des kauzigen Rentners Panfilo den kubanischen Alltag in all seinen Facetten aufs Korn. Zwar veröffentlicht Kuba keine Zahlen zu den Einschaltquoten, doch gilt die Sendung als erfolgreichste Satiresendung im kubanischen Fernsehen.

Hinter dem Erfolg des Formats steckt vor allem seine Nähe zum täglichen Leben vieler Menschen auf der Insel: In einem Sketch will Panfillo seine kaputte Wasserleitung reparieren. Als der staatliche Klemptner ankündigt, dass die Reparatur mindestens sechs Monate dauern werde, besticht ihn Panfillo mit einer Flasche Shampoo. Am nächsten Tag taucht der Klemptner wieder auf: Mit frisch gemachten Haaren und einem Haufen gestohlener Ersatzteile. Das Publikum bricht in Lachen aus.

Es sind Szenen wie diese, über die noch Tage später auf der Straße gesprochen wird, weil sie den Absurditäten des kubanischen Alltags Raum geben. „Die Leute atmen mit Vivir del cuento“ sagte Silvo in einem Interview mit den kubanischen Nachrichten. Der Komiker tritt derweil nicht nur im staatlichen Fernsehen, sondern auch auf den Theaterbühnen des Landes auf. Ein Ticket für die gut besuchten Veranstaltungen kostet 20 Pesos. „Er spricht mit Humor über die soziale Realität in unserem Land. Er versteckt nichts. Er bringt uns zum nachdenken und ich hoffe dass er auch die Regierenden in diesem Land zum nachdenken bringt“, beschreibt die Lehrerin Yahima Morales sein Programm.

Die teils derbe Kritik an der allgegenwärtigen Korruption in Kuba wird von der Regierung geduldet. Silvas Programm wird allwöchentlich im Staatsfernsehen übertragen, obwohl die Satiresendung in den letzten Jahren immer bissiger und direkter wurde. In einem neueren Beitrag bringt Panfillo seiner Schwester in Miami einen Leib kubanisches Brot mit. Als er vom Zoll kontrolliert wird, finden die US-Beamten zwar nichts verdächtiges, konnten alledings nicht glauben, dass es sich bei dem Geschenk wirklich um Brot handeln soll. „Wie soll ich diesem Kerl erklären, dass wir das Zeug tatsächlich essen?“, fragt Panfillo, bevor das Publikum in schallendes Gelächter ausbricht.

„Noch vor zehn Jahren war so etwas undenkbar. Das Fernsehen hat diese komplizierten Themen der kubanischen Gesellschaft nicht behandelt“, sagt Carlos Gonzalo, der ebenfalls als Komiker arbeitet. Doch wo liegen die Einschränkungen der kubanischen Satire? „Es gibt eine Grenze, die bei den Namen Fidel Castro und Raúl Castro beginnt“, sagte der kubanische Satiriker Alejandro Garcia der Nachrichtenagentur AP. Er fügte jedoch hinzu, dass er die beiden Revolutionäre nicht aus Angst vor der Zensur, sondern aus Respekt vor ihren Leistungen von der Satire verschone.

Die Sendung von Luis Silva bildet nur den jüngsten Höhepunkt einer Comedywelle, die gerade durch Kuba geht. Zahlreiche Entertainer, Kabaretisten und Stand-up Comedians haben in den letzten Jahren Verträge beim „Zentrum für Humorförderung“ bekommen, der zuständigen Institution beim kubanischen Kulturministerium. Ihre Auftritte finden auf den Theater- und Fernsehbühnen des Landes bisher ohne Einschränkungen statt. Ist dies der Beginn einer weiteren Welle der kulturpolitischen Liberalisierung in Kuba?

Einiges spricht dafür. So wurde jüngst der oppositionellen Bloggerin Yoani Sánchez erstmals eine offizielle Presseakreditierung für das Festival des Lateinamerikanischen Films in Havanna erteilt. Ihr alternatives Internetmedium „14yMedio“ wird von staatlicher Seite inzwischen geduldet, während der Informationsfluss innerhalb Kubas durch die Verbreitung von USB-Sticks in den letzten Jahren wahrhaftig revolutioniert wurde. Der Berater des Präsidenten Raúl Castro, Ex-Kulturminister Abel Prieto, forderte jüngst einen verstärkten Ausbau des Internetzugangs auf der Insel.

Als gestern in Kuba der internationale Tag der Menschenrechte gewürdigt wurde, bot das Land seinen Einwohnern mehr kulturpolitische Freiräume denn je. Die Debatten auf den Versammlungen der kubanischen Journalisten und Kulturschaffendenverbände in den vergangenen zwei Jahren beginnen bereits ihre Spuren zu hinterlassen. Wie in anderen Gebieten werden auch bei der Kulturpolitik alte Haltungen überprüft und frische Ideen vorsichtig ausgetestet. Welchen Weg Kuba letztendlich einschlagen wird, kann vielleicht in Zukunft das neue Mediengesetz zeigen, das in den kommenden Jahren erarbeitet werden soll.

Kubas Vizepräsident: weniger „Geheimniskrämerei“ in der Presse

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Miguel Díaz-Canel (links) auf dem III. Plenum des Nationalkomitees der UPEC. (Quelle: Cubadebate)

Das Nationalkomitee des kubanischen Journalistenverbandes UPEC hielt jüngst sein III. Plenum in Havanna ab. Dort war auch Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel anwesend, der sich zur Lage der kubanischen Medien äußerte. Wichtigstes Thema der Veranstaltung war die Analyse der aktuellen Probleme der kubanischen Presselandschaft. Die Erarbeitung neuer Wege für Kubas Medien wurde vom letzten Kongress der Organisation im vergangenen Sommer beschlossen.

UPEC-Präsident Antonio Molto eröffnete die Veranstaltung mit einem Zitat Fidel Castros: „Wir werden uns ohne die Presse nicht von der Sonderperiode lösen können“. Kubas Medien müssten sich auf hohem professionellen Niveau bewegen sowie „Einheit und Zuversicht in die Institutionen des Staates und der Partei“ verbreiten. Obwohl die Begleitumstände heute günstig seien, stünden große Aufgabe bevor.

Analyse des Status quo

Um die aktuellen Probleme zu analysieren wurden 140 Publikationen zu verschiedenen Themen befragt, 97% aller in Kuba erscheinenen Medien. Das Ergebnis: Nicht nur bei der wirtschaftlichen Leitung der Medien gibt es gravierende Probleme, auch beim Personalbestand und beim Erreichen der Zielgruppen hat Kubas Presse großen Nachholbedarf.

Isabel Moay, Mitglied des UPEC-Vorstands, kritisierte, dass viele Kulturdebatten die neue politische und ideologische Vorschläge erbringen, keinen Widerhall in der offiziellen Berichterstattung fänden. Auch solle über Investitionen in die Medien nachgedacht werden, damit diese ihrer Aufgabe besser gerecht werden könnten.

Andere Teilnehmer forderten eine stärkere Berücksichtigung der einzelnen Regionen in den Medien, damit diese näher an den Menschen der jeweiligen Provinz sind. Ein anderer Delegierter formulierte drastisch: „Das Leben zieht an unserer Seite vorbei und wir stecken fest“. Um die Glaubwürdigkeit der kubanischen Medien zu erhöhen, müsse ein neues Verwaltungsmodell entwickelt werden. Im Rahmen eines neuen Presserechts solle den Redakteuren mehr Autonomie gegeben werden.

Klare Worte der jungen Generation

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TV-Journalist Yosley Carrero, ebenfalls Mitglied des UPEC-Nationalkomitees (Quelle: Cubadebate)

Die jüngere Generation meldete sich ebenfalls zu Wort. Yosley Carrero, kubanischer TV-Journalist und Mitglied im UPEC-Vorstand, erklärte, dass über 50 Prozent der Journalismus-Studenten in Kuba eine Anstellung in den staatlichen Medien des Landes fänden. Viele erführen aber nach kurzer Zeit die Last der Routine und litten an Resignation. Zunehmend mehr Diskurse würden getrennt von den Medien in inoffiziellen Blogs geführt, was insbesondere für die jungen Journalisten ein Problem darstelle. Ihnen solle in Zukunft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Carrero wurde noch deutlicher: „In Kuba können wir keine perfekte öffentliche Debatte erwarten, da diese nicht exisitert. Das wäre eine Simulation.“ Das Vorstandsmitglied sprach sich gegen Denkverbote beim Entwickeln neuer Methoden zur Verbesserung der Presse aus. Auch andere Wortbeiträge gingen in diese Richtung und riefen zu einer „Änderung der Mentalität“ auf.

Miguel Díaz-Canel: „weniger Gehemniskrämerei“

Auf dem Abschlußplenum übernahm schließlich Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel das Wort: Die heimischen Medien müssten von der Bevölkerung aufgrund ihrer Qualität gegenüber jenen bevorzugt werden, „die in anderen Kanälen zirkulieren“ sagte Díaz-Canel. Damit spielte er auf die USB-Sticks an, die seit einigen Jahren unter Tolerierung des Staates im Land kursieren und die Bevölkerung mit ausländischen TV- und Medieninhalten aus dem Internet versorgen. Die dadurch entstehende Konkurrenz macht dem Staat zunehmend das Informationsmonopol streitig.

Díaz-Canel versicherte, dass die „Geheimniskrämerei“ (span.: secretismo) zurückgegangen sei. Dennoch existiere weiterhin „autosecretismo“ und die Selbstzensur. Es fehle an einer „Kultur der Kommunikation“, die noch geschaffen werden müsse. Ihn beschäftige vor allem die „Entprofessionalisierung“ einiger Journalisten, deren Prämisse Qualität sein müsse. Dennoch dürfe man sich nicht von den Klischees der ausländischen Presse leiten lassen, „wir müssen einen eigenen Vorschlag auf Basis unserer Kultur und Geschichte machen“, schloss Díaz-Canel seine Rede.

Kuba stellt auf HD-Fernsehen um

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Digitalfernseh-Testlabor des kubanischen Elektronikunternehmens Lacatel (Quelle: Cubadebate)

Im Juni 2013 nahm das kubanische Fernsehen zum ersten Mal den digitalen Testbetrieb auf. Seit Mitte des Jahres laufen bereits die ersten Übertragungen in Full-HD auf der Insel. Kuba will in den kommenden Jahren sein analoges Fernsehprogramm schrittweise auf digitalen Funkempfang umstellen. Die Erwartungen in der Bevölkerung sind groß, denn die neue Technik verspricht viele neue Möglichkeiten und könnte sich rasch durchsetzen. Hilfe bekommt das Land dabei aus China.

Technik aus Fernost

Der Prozess begann, als kubanische Experten nach einer Fachkonferenz im Jahr 2009 die Umstellung auf Digitalfernsehen empfohlen und die verschiedenen Übertragungssysteme unter die Lupe nahmen. Als der Umstieg beschlossen wurde, setzte sich als Sieger der chinesische DTMB-Standard durch. In Zusammenarbeit mit der Insel gründete China 2011 eine Arbeitsgruppe mit dem kubanischen Elektronikunternehmen Lacetel, um die schrittweise Aufrüstung der Infrastruktur zu koordinieren. Seitdem werden die Ergebnisse in jährlichen Konferenzen evaluiert.

DTMB wurde 2006 veröffentlicht wurde und gilt als technisch ausgefeilter als die europäischen und amerikanischen TV-Normen, die bereits Ende der 1990er entwickelt wurden. So soll das Signal robuster übertragen werden und über eine größere Bandbreite von bis zu 32 Mbit/s verfügen. Die Nutzung des Standards wurde Kuba ohne Zahlung von Lizenzgebühren ermöglicht, die Insel ist damit das einzige Land außerhalb Asiens, das DTMB nutzt. Dabei soll Kuba nicht nur chinesische Technik importieren, sondern mittelfristig Reciver, Fernsehgeräte und Zubehör auch selbst herstellen können. Im Juni 2013 startete ein sechsmonatiger Probelauf der neuen Technik. Hierfür wurden 45.000 Receiver für 7 Peso Nacional (ca. 0,3 US$) in dutzenden Nachbarschaften der Hauptstadt verteilt.

Zeitgleich wurde der Prototyp des ersten kubanischen HD-Fernsehers vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurde. Er soll in den kommenden Monaten für 300 CUC erhältlich sein. Hergestellt wird er in einer neu eröffneten Elektronikfabrik, die ebenfalls für die Herstellung der Receiverboxen zuständig ist. Zwischen 50.000 und 100.000 solcher Empfangsgeräte sollen bis zum Ende des Jahres in Kuba gefertigt werden. Nachdem in der Provinz Camagüey die restlichen Geräte aus der chinesischen Schenkung zum Probebetrieb verteilt wurden, begann diesen Sommer der freie Verkauf im Einzelhandel.

Neue Sender und interaktive Inhalte

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Kubaner beim Kauf eines Receivers (Quelle: Juventud Rebelde)

Zusätzlich zu den fünf staatlichen Sendern können mit dem Digitalreceiver drei neue Programme empfangen werden, die nur über DTMB gesendet werden: Cubavision Internacional, ein Musiksender und ein Programm für Kinder. Außerdem ermöglicht der chinesische Standard die Übertragung interaktiver Inhalte. So wird die kubanische Nachrichtenagentur ACN ebenso wie die Onlineenzyklopädie EcuRed über den Fernseher abrufbar sein, auch eine Wetter-App befindet sich in der Mache. Die Fünf wichtigsten Radiosender des Landes sind ebenfalls mit dem Digitalfernsehen empfangbar. Derzeit sind zwei Receivermodelle erhältlich: „Soyea“ für 38 CUC und die 47-CUC teure Variante „Konka“, welche das Aufzeichnen von Sendungen sowie zeitversetztes Fernsehen ermöglicht.

Mittlerweile wurden vom kubanischen Kommunikationsministerium genaue Spezifikationen zur Zulassung eines Receivers für den heimischen Markt veröffentlicht. Neben der „Tropentauglichkeit“ gehört dazu auch das Abspielen diverser Audio- und Videoformate wie DivX und MPEG, ein USB-Anschluss sowie die Unterstützung der elektronischen Programmzeitschrift (EPG). Derzeit befinden sich verschiedene Geräte in der Prüfung, diese dürften den kubanischen Markt in den kommenden Jahren erreichen. Im nächsten Jahr sollen zunächst 200.000 Receiver produziert werden und passende Antennen das Sortiment ergänzen.

Schrittweise Digitalisierung

Die Umstellung erfolgt in mehreren Etappen. Während im Jahr 2013 das Digitalprogramm lediglich in einigen Stadtteilen Havannas und Camagüeys zu empfangen war, findet seit Januar 2014 die wohl größte Erneuerung des kubanischen Fernsehwesens seit der Sonderperiode statt. Mit der Aufstellung von 24 digitalen Sendestationen konnten bereits alle Provinzhauptstädte und damit 5 Millionen Einwohner mit Digitalempfang abgedeckt werden. Durch kontinuierlichen Ausbau sollen bis Ende 2015 bereits 52 Sendemasten funktionieren, die eine flächendeckende Versorgung sicherstellen.

Ab 2016 beginnt die sogenannte Phase der Adaption, in der die schrittweise Abschaltung des analogen Sendebetriebs bis zum Jahr 2021 erfolgt. Die Abschaltung der Analogmasten erfolgt dabei von Provinz zu Provinz und zieht sich im wesentlichen von West nach Ost, den Anfang macht die Stadt Havanna, gefolgt von den Provinzen Artemisa, Mayabeque und Pínar del Río.

Derzeit überträgt das kubanische Digitalfernsehen wie bei uns im SD-Format, das in Kuba eine Auflösung von 720×480 Pixeln hat. In Havanna senden jedoch zwei Masten probeweise in Full-HD Auflösung. Im Unterschied zum bei uns eingesetzten DVB-T-Standard können mit DTMB immerhin einige der Sender in HD-Qualität ausgestrahlt werden. In Kuba liegt der Flaschenhals heute nicht beim Sendevermögen, sondern vielmehr bei der veralteten Produktionstechnik der Sender. In den nächsten Jahren sollen deshalb neue digitale Fernsehkameras und Produktionsanlagen angeschafft werden, um in HD produzieren zu können. Den Anfang machte eine neue mobile Sendestation, die bereits diesen Sommer ein Konzert in Full-HD übertrug. Auch die Fußball-WM war bereits in einigen kubanischen Haushalten sowie in staatlichen Kinos in hoher Qualität zu sehen.

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Der Prototyp des 32-Zoll Fernsehers der in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurde (Quelle: Cubadebate)

Die neue Übertragungstechnik scheint sich dabei in Kuba großer Beliebtheit zu erfreuen, schließlich ist der Fernseher mangels Internet eines der wichtigsten Medien für Information und Unterhaltung. Seit der freie Verkauf der Receiver am 21. August landesweit begann, wanderten in den ersten Tagen mehr als 13.000 Geräte über die Ladentische der Hauptstadt. Das Sortiment der größten Kaufhäuser Havannas war binnen weniger Wochen ausverkauft. Und auch in Guantánamo haben bereits über 2.800 Familien Digitalfernsehen zu Hause, die Nachrichtenagentur ACN spricht gar von einem „Boom comercial„.

Große Akzeptanz trotz hoher Preise

Trotz kleinerer Anfangsschwierigkeiten wird der Digitalempfang von der Bevölkerung gut angenommen. Das bessere Signal kommt gerade den entlegeneren Gebieten zu Gute, die Zeiten von Bildrauschen und Artefakten sind für diese vorbei. Die Erweiterung des Programmangebots um drei zusätzliche Sender und interaktive Software sowie eine elektronische Programmzeitschrift dürfte dabei ebenfalls ein Anreiz zur Umstellung für viele Kubaner sein. Zudem soll die neue Technik Strom und Kosten sparen helfen, da weniger Sendemasten benötigt werden.

Dennoch liegt der Preis eines Receivers weit über dem durchschnittlichen Monatsgehalt eines Kubaners, das neue Fernsehen dürfte daher für viele weiterhin unerschwinglich bleiben. Von offizieller Seite heißt es, man sei sich der Problematik bewusst und will im nächsten Jahr noch günstigere Basic-Receiver auf den Markt bringen. Ob es weitere Subventionsprogramme geben wird, bevor im Jahr 2021 in Santiago und Guantánamo die Ära des kubanischen Analogfernsehens beendet wird, ist dennoch offen. Bei den aktuellen Zuwachsraten dürfte sich bis dahin jedoch längst ein Markt für Gebrauchtgeräte etabliert haben.

Nach Angaben des letzten Zensus von 2012 verfügen 97 Prozent der kubanischen Haushalte über einen Fernseher. Die Umstellung auf den Digitalbetrieb ist Teil eines weltweiten Prozesses, der die veraltete kubanische TV-Technik zwangsläufig auf den aktuellen Stand der Technik bringen wird. Kuba bleibt ein Land der Kontraste. Auch wenn heute noch jeder fünfte Fernsehbesitzer ein Schwarz-Weiß Gerät sein eigen nennt, wird in absehbarer Zeit jeder noch so entlegene Winkel der Sierra Maestra mit kostenlosem HD-Programm versorgt sein. Rundfunkgebühren wird es nämlich trotz aller Modernisierung in Kuba auch weiterhin nicht geben.