Kubas Präsident auf diplomatischer Tour durch Europa und Asien

Bei seiner knapp zweiwöchigen Auslandsreise besuchte Díaz-Canel als erster kubanischer Staatschef seit 1986 wieder Nordkorea (Quelle: Twitter)

Paris/Moskau/Pjöngjang/Shanghai. Auf seiner dritten Auslandsreise seit dem Amtsantritt im April dieses Jahres besucht Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel derzeit einige der wichtigsten Verbündeten seines Landes. Bei der kurzen Visite in Frankreich zu Beginn der Reise wurde er vom dortigen Premierminister Edouard Philippe empfangen. Anschließend führte ihn sein Weg nach Moskau, wo er auf Präsident Wladimir Putin traf. Am vergangenen Sonntag brach Díaz-Canel dann zu einem mehrtägigen Besuch nach Pjöngjang auf, von wo er am Dienstag weiter in die Volksrepublik China reiste.

Frankreichs Premier empfing den kubanischen Präsidenten vergangenen Mittwoch zu einem diplomatischen Mittagessen. Dabei bekräftigte Philippe „den Wunsch Frankreichs, den kubanischen Transitionsprozess zu begleiten“, wie die Nachrichtenagentur AFP meldete. Trotz der fortdauernden US-Blockade sind derzeit etwa 30 französische Unternehmen auf der sozialistischen Insel aktiv. Die Eröffnung des Büros der französischen Sprach- und Kulturvereinigung „Alliance Française“ markierte zuletzt einen weiteren Schritt zu den heutigen „guten Beziehungen“, welche Kuba mit dem europäischen Land pflegt.

Nach einem kurzen Treffen mit der Generaldirektorin der Unesco, Audrey Azoulay, ging es für Díaz-Canel bereits am Donnerstag weiter nach Moskau. Im Kreml wurde er von Präsident Wladimir Putin empfangen, der seinen Staatsbesuch auf Kuba vor vier Jahren als „wichtigen Meilenstein“ in der Entwicklung der bilateralen Beziehungen bezeichnete. Díaz-Canel überbrachte „freundschaftliche Grüße“ des KP-Generalsekretärs und ehemaligen Präsidenten Raúl Castro und hob die zweistelligen Wachstumsraten des bilateralen Wirtschaftsaustauschs zwischen beiden Ländern hervor. Moskau und Havanna würden „Freundschaft, gegenseitige Hilfe und Unterstützung vereinen“, betonte Putin.

Kubas Präsident vor dem Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz (Quelle: Twitter)

Russland will seine Wirtschaftsbeziehungen mit der Insel massiv ausbauen. Bereits im Vorfeld des Besuchs wurden hierzu Absichtserklärungen in Höhe von 250 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Vor allem bei der Erneuerung des Transportsektors will Russland der Insel zur Seite stehen, unter anderem durch die Erneuerung von Schienen, der Lieferung neuer Dieselloks und Waggons sowie durch den Verkauf neuer Automobile der Marke „Lada“. Durch die russischen Investitionen im Transportsektor soll sich der Güterverkehr auf der Schiene in Kuba bis 2030 verdoppeln. Auch auf anderen Gebieten wurde die Kooperation ausgedehnt. So gewährte Russland Kuba einen Kredit in Höhe von 43 Millionen US-Dollar zur Modernisierung seiner Streitkräfte, die heute überwiegend mit sowjetischer Technik arbeiten.

Auf einem Wirtschaftsforum mit russischen Unternehmern in Anwesenheit von Premier Dimitri Medwedew wurden weitere Verträge diskutiert. Zu den geladenen Gästen zählte unter anderem eine Delegation der Unternehmensgruppen GAZ und KAMAZ sowie des Softwareherstellers Kaspersky. Kuba interessiert sich neben Telekommunikations- und Sicherheitstechnik auch für russische Batterien und Aufzüge, heißt es in einem Bericht des Nachrichtenportals Cubadebate. Auch die Stationierung einer Bodenstation für das russische Satellitensystem Glonass war offenbar im Gespräch. Präsident Putin hob die Bedeutung der russischen Ölliferungen für die „energetische Souveränität“ Kubas hervor und betonte, dass sein Land an der Seite Kubas im Rahmen der Modernisierung seiner Wirtschaft stehe.

Die Reiseziele auf der Auslandsreise Díaz-Canels (Quelle: Granma)

Am Sonntag brach Díaz-Canel dann in die „vier sozialistischen Staaten Asiens“ auf, wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtete. Seine erste Visite machte er in Pjöngjang, wo er vom nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-Un begrüßt wurde. Mehr als eine Millionen Bewohner der Hauptstadt bildeten ein Jubelspalier beim feierlichen Empfang in dem asiatischen Land. Díaz-Canel erinnerte an den Besuch Che Guevaras im Jahr 1960, bei dem dieser von Staatsgründer Kim Il-Sung empfangen wurde und betonte die Unterstützung Kubas für den laufenden Dialog auf der koreanischen Halbinsel. Die „exzellenten bilateralen Beziehungen“, welche „auf gegenseitigem Respekt und Bewunderung basieren“, sollten weiter ausgebaut werden, erklärte
der kubanische Staatschef. Es war der erste Nordkorea-Besuch eines kubanischen Staatsoberhaupts seit Fidel Castros Reise im Jahr 1986.

Am Dienstag traf Díaz-Canel schließlich in der Volksrepublik China ein, wo er zunächst die erste chinesische Importmesse in Shanghai besuchte. „Für Kuba ist das eine Möglichkeit, unser Potential als Handelspartner zu zeigen“, sagte er am Rande der Messe. China ist seit einigen Jahren Kubas wichtigster Handelspartner, darüber hinaus pflegen beide Kommunistischen Parteien einen engen politischen Austausch. Neben dem Abschluss zahlreicher Wirtschaftsabkommen ist in den nächsten Tagen unter anderem ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping und Premierminister Li Keqiang geplant. Díaz-Canels bisher längste Auslandsreise wird bis Montag dauern. Nach dem Aufenthalt in China stehen noch Besuche in Laos und Vietnam an. (A21)

FIHAV 2018: Außenhandelskammer eröffnet Büro in Havanna

Eröffnung des Büros der Deutschen Außenhandelskammer in Havanna am Rande der FIHAV (Quelle: M.W.)

Vergangenen Freitag ist in Kubas Hauptstadt die 36. Internationale Handelsmesse (FIHAV) zu Ende gegangen. Hauptziel der Regierung bei dem jährlich stattfindenden Ereignis ist es, Investoren und Handelspartner zu gewinnen. Mehr als 3.000 Gäste und Aussteller waren vom 29. Oktober bis 2. November zugegen, als das aktuelle Investitionsportfolio vorgestellt wurde. Kubas jüngste Wunschliste umfasst aktuell 525 Projekte im Gesamtvolumen von umgerechnet 11,6 Milliarden US-Dollar (10,2 Milliarden Euro). »Auch wenn sie noch unter dem notwendigen Niveau sind, steigen die ausländischen Investitionen auf Kuba stetig an«, äußerte sich Handelsminister Rodrigo Malmierca optimistisch. Seit Oktober 2017 habe das Land Partner für mehr als 40 neue Projekte mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden Dollar gewinnen können.

Zu den herausragenden zählte Malmierca die Gründung der Innovative Immunotherapy Alliance S. A., dem ersten kubanischen Joint Venture mit einem US-Unternehmen in jüngster Zeit. Beteiligt sind das kubanische Zentrum für Immunologie (CIM) und das New Yorker Roswell Park Comprehensive Cancer Center. Die Firma wird sich in der Sonderwirtschaftszone Mariel (ZEDM), 45 Kilometer westlich von Havanna, ansiedeln. Geschäftszweck ist die Erforschung und Vermarktung neuer Krebsmedikamente. Möglich wurde dies nur dank einiger Ausnahmeregelungen in den US-Blockadegesetzen. Abgesehen davon ging die Anzahl der US-Firmenvertreter auf der Messe stark zurück. »Es ist nicht Kuba, welches US-Unternehmen diskriminiert, sondern es sind die Gesetze der USA«, kommentierte Malmierca.


Aktuelle Zahlen zu ausländischen Direktinvestitionen auf Kuba:

  • Kuba plant, jedes Jahr zwischen 2 und 2,5 Mrd. US-Dollar an ausländischen Investitionen (FDI) zu gewinnen, um ein BIP-Wachstum von 4 bis 5 Prozent zu induzieren. Dies wird als notwendig erachtet, um eine langfristige Wachstumsdynamik zu erzeugen, die zu einer spürbaren Verbesserung des Lebensstandards führt.

  • Seit Oktober 2017 wurden 40 neue Projekte im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar auf den Weg gebracht, das Land nähert sich damit erstmals langsam der eigenen Zielmarke.

  • 2018 wurden allein in der ZED Mariel 10 neue Projekte mit einem Volumen von 474 Mio. US-Dollar angesiedelt.

  • Insgesamt konnte Kuba seit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes über ausländische Direktinvestitionen im Jahr 2014 (in- und außerhalb Mariels) 134 Projekte im Wert von 5,5 Mrd. US-Dollar gewinnen.

  • Seit Inbetriebnahme der Sonderwirtschaftszone im selben Jahr haben sich dort 41 Nutzer aus 19 verschiedenen Ländern angesiedelt. Es wurden 1,6 Mrd. US-Dollar investiert. 

  • Der aktuelle Investitionskatalog umfasst 525 Projekte im Wert von insg. 11,6 Mrd. US-Dollar, 69 Projekte mehr als in der Vorjahresausgabe.  Es kann zusammen mit dem neuen Katalog der exportierbaren Produkte auf der Seite der Handelskammer eingesehen werden. Zudem wurden weitere Informationen über das Angebot der kubanischen Exporte zusammengetragen.


Seit Eröffnung der Sonderwirtschaftszone nahe dem Containerhafen Mariel im Jahr 2014 konnten dafür 41 neue Projekte mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Dollar vereinbart werden. In diesem Jahr kamen zehn neue mit einer Investitionssumme von 474 Millionen US-Dollar hinzu. So will die vietnamesische Thai Binh Group 2019 eine Fertigungsstätte für Sanitär- und Hygieneartikel eröffnen. Das kubanisch-spanische Joint Venture TGT Caribe errichtet eine Fabrik für Käse und Milchprodukte. Auch Multis wie Nestlé und Unilever haben in Mariel Fuß gefasst. Während viele der Anlagen zunächst für den Binnenmarkt produzieren, soll die Kapazität perspektivisch für den Export erweitert werden. Das würde neue, stabile Einnahmequellen für Kuba erschließen.

Auch die Bundesrepublik versucht mittlerweile auf Kuba Fuß zu fassen. Nach der diplomatischen Entspannung im Rahmen des neuen Abkommens mit der EU, könnte sich die Handelssituation zwischen Deutschland und Kuba perspektivisch Verbessern. Als eine der ersten Firmen in jüngerer Zeit hat der deutsche Orthopädie-Spezialist OttoBock inzwischen einen Deal mit Kuba abgeschlossen. Während die Firma ihre Prothesen und entsprechende Maschinen an Kuba liefert, werden die Techniker vor Ort im Umgang mit der Ausrüstung geschult. Darüber hinaus wurde im Rahmen der Messe auch das „Büro zur Förderung von Handel und Investitionen in Kuba“ der Deutschen Außenhandelskammer eröffnet.

Denn das Land sucht noch viele weitere Partner. Denn trotz der 1,5 Milliarden Dollar derartiger Neuinvestitionen 2017 konnte das gesteckte Ziel von zwei- bis zweieinhalb Milliarden bisher nicht erreicht werden. Diese Summe wird als notwendig angesehen, um ein dynamisches Wachstum der Wirtschaft zu induzieren, das für die Lösung der strukturellen Probleme des Landes als unabdingbar gilt. „Wir können nicht länger ‚auf Messers Schneide‘ balancieren“, drückte es einst Raúl Castro vor wenigen Jahren aus. Nach einer leichten Rezession 2016 wuchs Kubas Wirtschaft 2017 um lediglich 1,6 Prozent. In diesem Jahr wird mit einem noch schwächeren Plus gerechnet. Im Kontext der anstehenden Währungs- und Lohnreform, die 2019 das gesamte Preisgefüge neu regeln soll, sind dies keine guten Zahlen.

Windeln, welche ab nächstem Jahr von der vietnamesischen Unilever-Niederlassung „Thai Binh Group“ in Mariel gefertigt werden (Quelle: M.W.)

Grund für die problematische Bilanz dürfte vor allem der Rückgang der Exporte von medizinischen Dienstleistungen sein, einst die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Noch vor wenigen Jahren waren mehr als 50.000 kubanische Ärzte im Ausland tätig, davon allein 30.000 in Venezuela. Heute sind es lediglich 11.300, verteilt auf 23 Länder. Nicht wenige davon arbeiten in Brasilien, dessen rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro jüngst mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen drohte. Auch der Tourismus konnte 2018 kaum zulegen, was für die Devisenbilanz des Landes ein weiteres kritisches Jahr bedeutet.

Ausländisches Kapital soll im Rahmen der langfristigen Entwicklungsstrategie 2030 helfen, eine Reihe von Sektoren zu entwickeln. Neben Landwirtschaft und Tourismus zählen hierzu auch Industrie, Lebensmittelherstellung, Bergbau und erneuerbare Energien. Ein großer Solarpark mit 300.000 Paneelen soll ab kommendem Jahr die saubere Stromversorgung auf der Insel signifikant erhöhen. Die notwendigen Kosten in Höhe von 90 Millionen US-Dollar sollen von einem ausländischen Partner finanziert werden. Doch Kuba will deutlich mehr. Konkret umfasst das neue Portfolio unter anderem Vorschläge zur Gründung von Fabriken für die Herstellung von Stromkabeln, Gebäudeaufzügen, LED-Leuchtmitteln, Speiseeis, Glas- und Aluminiumverpackungen, Klimaanlagen und Baumaterialien. Im Rahmen von gleich mehreren Projekte können sich Firmen an der Modernisierung des Transportwesens beteiligen. Auch der Aufbau eines nationalen Recyclingsystems im Wert von 700 Mio. US-Dollar sowie die Gründung eines Pay-TV-Senders steht zur Ausschreibung.

Künftig will Kuba den auch Export seiner medizinischen Dienstleistungen wieder erhöhen. Mobile Krankenhäuser auf dem neuesten Stand der Technik können von interessierten Partnern künftig als Komplettpaket gebucht werden. Sie könnten in kürzester Zeit zum Einsatzort gebracht werden und funktionieren auch in entlegenen Gebieten. Als mögliche Einsatzzwecke kommen unter anderem »Epidemien, Migrationskrisen und Naturkatastrophen« in Frage, wie die Leiterin der Medizinexportfirma SME, Milladys Orraca, während der Messe erklärte.


Aktuelle Projekte in Mariel (Auswahl):

  • TGT Caribe S.A.: am 23. November 2017 genehmigtes Projekt mit 100 Prozent ausländischem Kapital zur Herstellung von Käse und Milchprodukten.
  • Innovative Immunotherapy Alliance, S.A.: am 4. Oktober 2018 genehmigtes Projekt zwischen dem kubanischen CIM und dem US-amerikanischen Roswell Park Center zur Erforschung und Vermarktung von Krebsmedikamenten.
  • Thai Binh Global Investment: am 1. März 2016 genehmigte Fabrik mit 100 Prozent ausländischem Kapital zur Herstellung von Windeln, Binden und anderen Hygieneartikeln mit einer Anfangskapazität von 30.000 Einheiten pro Jahr.
  • Suchel TBV.: kubanisch-vietnamesisches Joint-Venture zur Herstellung von Waschmittel(pulver). Bestätigt am 14. August 2018.
  • Nescor S.A.: Joint-Venture mit Nestlé zur Errichtung einer Fabrik für Kaffee und Kekse, genehmigt 2017.
  • Vidrios Mariel S.A.: kubanisch-italienisches Joint-Venture zur Herstellung von Glasflaschen. Vol.: 90 Mio US-Dollar, könnte 70 Prozent des Glasfalschenbedarfs auf Kuba decken.
  • Vimariel S.A.: 100 Prozent ausländisches Kapital (Vietnam) der „Viglacera“, Infrastrukturentwicklung.
  • Resa Caribe S.A.: 100 Prozent ausländisches Kapital (Spanien), Gerüstverleih und Wartung.
  • China Communications Constructions Company Ltd.: 100 Prozent ausländisches Kapital (VR China); Logistik und Infrastrukturentwicklung.

Die Regierung will zudem auch in anderen Bereichen neue Anreize für Investoren setzen, damit sich diese trotz US-Blockade beteiligen können. Noch immer stellt der schwierige Zugang zu Krediten und Kubas Ausschluss von den internationalen Finanzmärkten aufgrund der 1961 verhängten und seitdem mehrfach verschärften Handelsblockade der USA eines der größten Entwicklungshindernisse für das sozialistische Land dar. Was jedoch im eigenen Handlungsspielraum liegt, soll rasch verbessert werden, so Malmierca.

Hierzu gehört vor allem der Abbau von Bürokratie. Statt mehrerer langwieriger Behördengänge sollen künftig einheitliche Genehmigungsprozesse für Beschleunigung sorgen. Zudem kommt Kuba den Investoren weiter entgegen: Projekte mit 100 Prozent ausländischem Kapital sind zwar lediglich in der Sonderwirtschaftszone vorgesehen. Dort aber wird bereits mehr als jedes zweite Vorhaben in dieser Form realisiert. Präsident Miguel Díaz-Canel hatte ausländische Investitionen am 18. Juni in Havanna als eine »Priorität für das Land« bezeichnet. Dabei müssten auch Risiken eingegangen werden, um neue Einnahmen zu erschließen. Auf diesem Weg sollen nicht zuletzt produktive und gut bezahlte Arbeitsplätze für die eigene, gut ausgebildete Bevölkerung geschaffen werden. »Auch Kuba will Herr seines eigenen Schicksals werden«, sagte Díaz-Canel im September vor der UN-Vollversammlung. (MK, jungeWelt)

Infos:

Neues Joint-Venture soll 70 Prozent des Glasflaschenbedarfs auf Kuba decken

Derzeit sind 37 Unternehmen in der 2014 gegründeten Sonderwirtschaftszone westlich von Havanna genehmigt (Quelle: Radio Reloj)

Vergangenen Mittwoch hat das kubanisch-italienische Joint-Venture „Vidrios Mariel S.A.“ grünes Licht zur Errichtung einer neuen Glasfabrik in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) bekommen. Die neue Anlage könnte nach ihrer Fertigstellung bis zu 70 Prozent des landesweiten Bedarfs an Glasflaschen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie des Landes produzieren.

Die neue Fabrik, welche mit einer Investitionssumme von 90 Millionen Euro errichtet werden soll, könnte damit künftig einen entscheidenden Beitrag für die Glasproduktion auf Kuba liefern. Bisher müssen Glasverpackungen für Getränke, Konserven und andere Lebensmittel auf der Insel häufig importiert werden, was zusätzliche Kosten für die Devisenbilanz des Landes bedeutet. Wenn die neue Fabrik in zwei Jahren ihren Betrieb aufnimmt, könnte ein Großteil des Bedarfs in der 2014 eröffneten Sonderwirtschaftszone westlich von Havanna produziert werden.

Das Joint-Venture zwischen der italienischen „Nelson Servizis.r.l“ und der kubanischen Kapitalgesellschaft „Quimi SA“ hat zunächst eine Betriebserlaubnis für 20 Jahre. Quimi SA gehört zur staatlichen Unternehmensgruppe der kubanischen Chemieindustrie und fungiert bereits als Partner für vier andere Joint-Ventures. Die neue Glasproduktion soll neben der Belieferung der kubanischen Industrie und des staatlichen Großhandels auch für den Export produzieren.

Kuba lädt zur Handelsmesse im Oktober

Kuba will im Oktober die diesjährige Edition seines Investitionsportolios vorstellen (Quelle: Cubadebate)

Auch in diesem Jahr lädt Kuba wieder ausländische Unternehmer und Firmenvertreter zur Handelsmesse (FIHAV), deren 36. Ausgabe vom 29. Oktober bis zum 2. November in Havanna stattfinden wird. Dabei soll auch die aktualisierte Fassung des Portfolios für ausländische Direktinvestitionen vorgestellt werden, wie das zuständige Ministerium in einer Pressekonferenz bekannt gab. Die Sonderwirtschaftszone von Mariel wird darin eine noch zentralere Rolle als bisher spielen.

Seit der Eröffnung im Jahr 2014 konnte die ZEDM, wie die zum neuen Hafen gehörige Industriezone genannt wird, 37 neue Projekte im Wert von rund 1,3 Mrd. US-Dollar gewinnen. Zudem wird die vietnamesische „Thai Binh Group“ als erster Konzessionär noch in diesem Jahr mit der Errichtung eines neuen Industrieparks beginnen. Wie die zuständige Ministerin Déborah Rivas betonte, sollen die jüngsten Reformen auf dem Gebiet künftig zu mehr Dynamik bei den ausländischen Direktinvestitionen beitragen.

Kubas Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass zur Erreichung eines langfristigen Wirtschaftswachstums Investitionen von jährlich rund 2 bis 3 Mrd. US-Dollar notwendig sind. Vom Tourismussektor bis zur Biotechnologie sind inzwischen in fast allen Wirtschaftssektoren zahlreiche Projekte für ausländische Investoren ausgeschrieben. Diese werden in einem jährlich aktualisierten Portfolio („Cartera de Oportunidades„) zusammengefasst. Interessierte Unternehmer können sich noch bis zum 26. Oktober auf der Website der Messe anmelden.

Weniger Bürokratie bei Auslandsinvestitionen

Kubas 2014 eröffnete Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) soll günstige Bedingungen für ausländische Investoren bieten (Quelle: Cubadebate)

Mit einer Ergänzung des vor vier Jahren beschlossenen Gesetzes über ausländische Direktinvestitionen („Ley 118“) will Kuba die bürokratischen Hemmnisse für Investoren weiter abbauen und den Genehmigungsprozess beschleunigen. Kubas neuer Präsident Miguel Díaz-Canel forderte zuletzt „mehr Mut und Kreativität“ bei der Umsetzung neuer Projekte mit ausländischem Kapital. Das Land bleibt derzeit noch immer hinter dem selbst gesteckten Ziel von 2 Mrd. US-Dollar an neuen Direktinvestitionen pro Jahr zurück, welche für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum notwendig sind.

Mit der Ergänzung des kubanischen Gesetzes über Auslandsinvestitionen sollen die bestehenden Normen überarbeitet werden. Wichtigstes Ziel sei dabei laut dem Nachrichtenporotal Cubadebate „die Vereinfachung der Vorstellungen beim Außenhandelsministerium.“ Hierzu soll die bisherige Anforderung einer vollständigen Machbarkeitsstudie aufgegeben werden und durch eine deutlich kleinere Vorstudie ersetzt werden. Diese wird zudem internationalen Standards und nicht mehr wie bisher von Kuba selbst entwickelten Normen folgen.

„Uns ist bewusst, dass wir mit dieser Neuerung kein neues Kapital anlocken werden […], aber wir sind uns sicher, dass wir damit die Evaluierung und Bestätigung der laufenden Verfahren beschleunigen werden“, sagte Déborah Rivas Saavedra, Leiterin für ausländische Direktinvestitionen beim Außenhandelsministerium. Mit dem 72-seitigen Gesetz soll auch die Vermittlung von Arbeitskräften beschleunigt sowie neue Verfahren zur Lösung von Arbeitskonflikten umgesetzt werden. Künftig werden vor allem die Leiter der Staatsbetriebe anstelle von Ministerialfunktionären in den Verhandlungsprozess eingebunden werden, was zu einer Dezentralisierung und Beschleunigung der Genehmigungsprozesse führen soll.

Das neue Gesetz wird am 1. September in Kraft treten. Präsident Miguel Díaz-Canel kündigte bereits an, den Fortschritt bei der Genehmigung von ausländischen Investitionen ab sofort monatlich überprüfen zu wollen. Erst vor wenigen Tagen wurde mit „ViMariel S.A.“ der erste kubanisch-vietnamesische Konzessionär zur Entwicklung eines großen Industriegebiets in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) gegründet. Das neue Joint-Venture soll schneller als bisher neue Firmen auf einer 157 Hektar großen Fläche innerhalb der 2014 eröffneten Zone ansiedeln können.

Ministerrat diskutiert Schlüsselthemen der Wirtschaft

Kubas Ministerrat tagt unter Díaz-Canel an einem runden Tisch (Quelle: Granma)

Kurz bevor Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel zu seiner mehrtägigen Visite nach Santiago de Cuba aufbrach, traf sich Anfang der Woche der kubanische Ministerrat, um einige zentrale Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die aktuelle Situation im ersten Halbjahr zu analysieren. Neben dem verstärkten Kampf gegen die Korruption ging es dabei auch um Themen wie ausländische Investitionen sowie den Stand der Exporte. Zwei Schlüsselthemen, über die der Präsident nun in monatlich aktualisierten Depeschen auf dem Laufen gehalten werden will.

Die erste umfassendere Ministerratssitzung unter Kubas neuem Präsidenten ging vor wenigen Tagen zu Ende. Anders als früher finden die Sitzungen des Ministerrats heute nicht mehr in Form eines Podiums statt, sondern an einem runden Tisch mit Monitoren. Díaz-Canel bevorzugt offenbar eine modernere Sitzordnung in einem etwas größeren Raum für die Tagungen des höchsten Exekutivorgans des Landes. Der Ort ist jedoch der selbe geblieben: Kubas Revolutionspalast, der auch als Sitz des Zentralkomitees der regierenden PCC dient.

Kubas Wirtschaft konnte laut Sitzungsbericht im ersten Halbjahr 2018 eine „akzeptable“ Leistung erbringen, wobei keine Zahlen zum Wachstum genannt wurden. Probleme gab es demnach bei der Verfügbarkeit von Devisen, ausgefallene Exporteinnahmen sowie die schwierigen klimatische Bedingungen (Hurrikan „Irma“, der im letzten Jahr viele Landstriche verwüstete sowie die schweren Regenfälle im Mai). Aufgrund dessen könnte die Zuckerrohrernte abermals auf einen historischen Tiefstand fallen. Laut Reuters-Berichten wird das Endergebnis wohl kaum über 1,1 Millionen-Tonnen Marke an Rohrzucker kommen, was eine der schlechtesten Saisons seit über 10 Jahren wäre.

Leichte Verbesserungen gab es hingegen im Bausektor, beim Binnenhandel sowie in der Landwirtschaft, wo das Ende der langjährigen Dürre neben der Milchproduktion auch den Anbau von Obst und Gemüse vereinfacht. Trotz eines leichten Abschwungs im Tourismus-Sektor konnte dieses Jahr bereits die Marke von zwei Millionen Besuchern geknackt werden, insgesamt erwartet Kuba 2018 fünf Millionen Gäste, ein leichtes Plus gegenüber 2017. Díaz-Canel rief dazu auf, sich nun vor allem auf strategische Investitionen zu konzentrieren, die unmittelbar positive wirtschaftliche Folgen haben:

  • die Verbindung der Staudämme untereinander, was neben der Bevölkerung auch wichtig für die Wasserversorgung der Landwirtschaft ist
  • Investitionen in den Tourismus-Sektor, welche die Staatseinnahmen in kurzer Zeit steigern können
  • Investitionen in die Lebensmittelindustrie, welche Importe überflüssig machen und den Binnenmarkt stärken

Finanzministerin Lina Pedraza Rodríguez stellte indes ihren Abschlussbericht zum Jahr 2017 vor. Demnach kamen 86 Prozent der Einnahmen aus dem Staatssektor, während der nicht-staatliche Sektor rund 11 Prozent zum Haushalt beitrug. 29 Prozent der Staatsausgaben flossen in den Bereich Gesundheit, 22 Prozent ins Bildungswesen und 16 Prozent in den Bereich soziale Absicherung. Díaz-Canel forderte bei dieser Gelegenheit dazu auf, verstärkt über die hohen Sozialausgaben des kubanischen Staats in den Medien zu informieren.

Die Sitzung fand Anfang der Woche in Havannas Revolutionspalast statt (Quelle: Cubadebate)

Probleme gibt es hingegen weiterhin bei den übermäßig hohen Zahlungen, die im Rahmen bestimmter staatlicher Bauprojekte geleistet wurden und die auf Fälle von Korruption hinweisen. Gleichzeitig konnten einige Ausgaben nicht realisiert werden, da es an Baukapazitäten fehlte. Díaz-Canel forderte eine Stärkung der Finanzaufsicht. Der nationale Rechnungshof soll sich verstärkt der Kontrolle derartiger Fälle annehmen.

Beim Thema ausländische Investitionen gab es seit 2014 einige Erfolge zu verzeichnen: die ersten 34 Projekte in der Sonderwirtschaftszone von Mariel sind derzeit genehmigt und teilweise schon in Betrieb. Sie sollen die Handelsbilanz des Landes verbessern und bei der Förderung von Exporten helfen. Erst vor wenigen Tagen meldeten kubanische Medien den Abschluss eines neuen Vertrags mit einer italienischen Firma zur Produktion von frischer Pasta auf Kuba. Díaz-Canel forderte mit Blick auf ausländische Direktinvestitionen dazu auf, „kreativer zu sein und mehr Risiken einzugehen, ohne unsere Souveränität zu gefährden.“ In Zukunft will sich der Präsident in einem monatlichen Bericht über den Stand der Exporte sowie den Status der Verhandlungen mit ausländischen Partnern informieren lassen, berichtet die „Granma„.

„Mehr Mut und Kreativität“ – Díaz-Canel setzt verstärkt auf Auslandsinvestitionen

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel (im blauen Hemd) beim Ministerrats-Meeting am 14. Juni in Havanna (Quelle: Granma)

Wenn es bereits so etwas wie ein Markenzeichen des neuen kubanischen Präsidenten gibt, dann sind das mit Sicherheit die mehrmals wöchentlich stattfindenden Arbeitsmeetings, bei denen er kritischen Themen genau auf den Zahn fühlt. Vergangenen Donnerstag ging es um ausländische Investitionen, die für den frischgebackenen Staatschef „fundamental“ für Wachstum und Entwicklung der Nation sind.

Díaz-Canel setzte sich in der Regierungssitzung, an der auch zahlreiche Minister und zuständige Fachleute teilnahmen, dafür ein, ausländische Direktinvestitionen stärker zu fördern. „Wir müssen sie mutiger und kreativer ins Auge fassen“, so Díaz-Canel. Ausländische Direktinvestitionen würden nicht nur zum Ersatz von Importen beitragen, sondern auch wichtige Ressourcen für die Entwicklung des Landes bereitstellen. Kubas Kommunisten wollen im Rahmen ihres langfristigen Perspektivplans bis zum Jahr 2030 die Industrie des Landes wiederbeleben und unabhängiger vom Weltmarkt werden.

Nachdem sich der kleine Privatsektor des Landes für diesen Zweck als ungeeignet erwiesen hat, setzt die Regierung nun verstärkt auf ausländische Investitionen zur Industrialisierung des Landes. Vor allem in der 2014 geschaffenen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) sollen in den kommenden Jahren tausende produktive Arbeitsplätze entstehen, deren Unternehmen zur Entwicklung des Landes beitragen sollen.

Wie Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca feststellte, exportiert Kuba noch viel zu wenig und in einer begrenzten Produktpalette. Die wichtigsten Exportprodukte sind derzeit Dienstleistungen (wozu auch der Tourismus zählt), Pharmaka, Nickel und Tabak. Derzeit laufen Studien, um landesweit weitere mögliche Exportprodukte zu identifizieren, welche sich erfolgreich auf dem Weltmarkt platzieren lassen. Zur Schaffung der entsprechenden Werschöpfungsketten benötige Kuba ausländisches Kapital, wie Malmierca feststellt. Obwohl es 2017 ein Plus bei den Auslandsinvestitionen gab, seien die erreichten Werte noch immer nicht ausreichend um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Kubas Wirtschaftsministerium rechnet damit, dass jährlich Auslandsinvestitionen von 2,5 bis 3 Mrd. US-Dollar nötig sind, um ein BIP-Wachstum von 4 bis 5 Prozent zu erzeugen, was jene Wachstumsspirale in Gang setzen könnte die das Land seit Jahren zu aktivieren sucht. Díaz-Canel bekräftigte indes die Aussage Raúl Castros, dass „falsche Ängste“ gegenüber ausländischen Investoren abgelegt werden sollen, die Verhandlungen müssten dringend dynamischer und schneller werden. Díaz-Canel ordnete schließlich eine umfassende Untersuchung an, um die Gründe für die oft schleppenden Genehmigungsprozesse zu ermitteln. Die Ergebnisse werden bei der nächsten Sitzung des Ministerrats vorgestellt, die in diesem Sommer stattfinden soll.