Über 350.000 Kubaner erhielten Kredite vom Staat

Kubas Banken haben in den vergangenen Jahren Kleinkredite im Wert von 3,2 Mrd. Peso an die Bevölkerung ausgegeben, was einer Summe von 129 Millionen US$ entspricht. Im Interview mit der kubanischen Tageszeitung Granma erklärte der Vizepräsident der kubanischen Zentralbank, Francisco Mayobre, das seit Beginn des Programms Ende 2011 Kleinkredite an über 378.000 Personen für verschiedene Zwecke ausgegeben wurden. Den größten Anteil hatten Kredite für Baumaßnahmen, die 63 Prozent aller vergebenen Darlehen ausmachten.

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Francisco Mayobre, Vizepräsident der kubanischen Zentralbank (Quelle: Granma)

Mit den Mikrokrediten will Kuba vor allem private Bautätigkeiten beschleunigen und Hurrikanopfern gezielte Hilfe zukommen lassen. Bis August 2013 wurden umgerechnet 60 Millionen Dollar ausgegeben, diese Zahl wurde nun mehr als verdoppelt. 1,1 Mrd. Peso (ca. 4 Millionen US$) wurden Kleinbauern zu Verfügung gestellt. Eine Summe von umgerechnet 400.000 US$ kam dem Erwerb von energiesparenden Haushaltsgeräten zu Gute, die ebenfalls durch das Programm gefördert werden. Bereits während der „Energierevolution“ im Jahr 2005 wurden Energiesparlampen und neue Kühlschränke über Kredite an die Bevölkerung gebracht.

Durch die gestiegene Nachfrage nach Bankdienstleistungen bilden sich jedoch immer größere Schlangen vor den Dienststellen, was zu erheblichen Wartezeiten führen kann. Um dem Problem entgegenzuwirken wurden die Öffnungszeiten der meisten Fillialen bis in die frühen Abendstunden verlängert und die Eröffnung neuer Geschäftsstellen in Erwägung gezogen.

Ein weiterer Schritt um Qualität und Verfügbarkeit des Bankwesens zu erhöhen, ist die Errichtung neuer Bankautomaten und die Ausgabe von Magnetkarten. Dadurch sollen beispielsweise Rentner ihre Pension über die Geldautomaten beziehen können. Viele Kubaner könnten sich dann den Gang in die überlasteten Büros sparen. Auf lange Sicht ist auch das bargeldlose Bezahlen in den Läden des Landes vorgesehen. Heute gibt es in Kuba lediglich 581 Geldautomaten, davon befinden sich 396 in Havanna. Für 2015 plant die Zentralbank den Bestand um 30 Prozent zu vergrößern und 175 neue Automaten aufzustellen. Außerdem sollen 2,4 Millionen Geldkarten in Umlauf gebracht werden.

Allerdings gibt es auch Probleme: Die Privatunternehmen beklagen sich über mangelnden Zugang zu Krediten und Bankkonten. „Wir haben Umfragen durchgeführt und festgestellt, dass viele Selbstständige Bedenken und Probleme mit der Arbeit der Bank haben“, sagte Mayobre. Ihre Vorschläge seien im vergangenen Jahr teilweise umgesetzt wurden, als die Kreditvergabe erleichtert und zusätzliche Sicherheiten akzeptiert wurden. Dennoch wurden bis heute weniger als 100 Kleinkredite an Privatunternehmen vergeben.

Kubas staatlicher Bankensektor steht derzeit vor der Herausforderung, sich rasch dem wachsenden Bedarf an professionellen Bankdienstleistungen anzupassen und gleichzeitig die anstehende Währungsreform zu bewältigen. Die Ausgabe von Kleinkrediten nahm in den letzten Jahren rasch an Fahrt auf und könnte bald zu einer wichtigen Stütze des neuen Privatsektors werden. Um dem gerecht zu werden, kündigte Mayobre die Reduzierung der Zinssätze und die Erleichterung von Kontoeröffnungen an.

Zwei Jahre nach dem Sturm

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Zwei Jahre nach dem Hurrikan „Sandy“ kommt der Aufbau in Kubas Osten gut voran (Quelle: Granma)

In der Nacht des 25. Oktober 2012 peitschte der Hurrikan „Sandy“ auf Kubas Ostküste mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 km/h ein. Die Stromversorgung von Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt des Landes mit über 500.000 Einwohnern, kam vollständig zum Erliegen. Bäume wurden entwurzelt, Ernten vernichtet und zahlreiche Gebäude total zerstört. Die schwersten Schäden richtete der Tropensturm in den östlichen Provinzen Santiago de Cuba, Guantánamo und Holguín an.

Jedes zweite Wohnhaus betroffen

Mittlerweile hat sich der Tag der Katastrophe zum zweiten Mal gejährt. Grund genug für Kubas größte Tageszeitung „Granma“, einen Statusbericht über die Aufbauarbeiten zu geben. In diesem werden die Schäden auf 4,7 Mrd. US$ beziffert, wobei 55 Prozent der Summe auf den Wohnbereich entfallen und knapp 30 Prozent Schäden in der Landwirtschaft ausmachen.

Insgesamt wurden 171.380 Wohnungen von „Sandy“ beschädigt, genau die Hälfte aller Wohneinheiten der betroffenen Provinzen. Die meisten davon (48 Prozent) haben lediglich Teile des Dachs verloren, während bei knapp einem Drittel das komplette Dach beschädigt wurde. Über 22.000 Wohnhäuser wurden teilweise zerstört (13 Prozent), während es 15.889 Totalverluste gab.

Unterschiedliche Fortschritte

Mittlerweile konnten 95.545 oder 56% der Fälle gelöst werden. Jeder zweite, dessen Dach teilweise zerstört wurde, konnte dieses mittlerweile wieder instand setzen. Von den komplett zerstörten Dächern sind mittlerweile sogar 73 Prozent erneuert worden. Probleme gibt es allerdings beim Neubau: Nur 11 Prozent der vollständig zerstörten Wohnhäuser wurden bisher ersetzt.

Bei den staatlichen Gebäuden sieht es dagegen besser aus. Bis heute wurden unter anderem 1.000 Schulen und über 400 beschädigte medizinische Einrichtungen instand gesetzt. Insgesamt funktionieren heute 83 Prozent aller von „Sandy“ beschädigten Staatseinrichtungen wieder. Angesichts der ökonomischen Engpässe des Landes ist diese Quote für den Zeitraum von 24 Monaten durchaus gut.

Wohnungsbauprogramm bis 2025

Im kommenden Jahr feiert die Stadt Santiago de Cuba ihr 500. Jubiläum. Aus diesem Grund sollen zahlreiche öffentliche Einrichtungen und Parks wieder in altem Glanz erstrahlen, in Zusammenhang mit dem Wiederaufbau eine „urbane Neuordnung“ erreicht werden. Allein in diesem Jahr sind deshalb über 2.600 neue Wohngebäude geplant, denen bis 2025 weitere 29.400 folgen sollen. Im neuen Stadtentwicklungsplan ist mit der Bebauung auch die Schließung bestehender Lücken in den Außenbezirken vorgesehen. Zum Einsatz kommen dabei auch sogenannte „Petrocasas“ aus Venezuela.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden bisher über 461 Millionen Peso (ca. 18,4 Mio US$) an Bankkrediten zum Erwerb von Baumaterialien an die Bevölkerung ausgegeben, hinzu kamen weitere 5 Millionen US$ an direkten Subventionen. Bis alle Probleme gelöst werden, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. Noch immer sind zahlreiche Hurrikanopfer in notdürftigen Unterkünften untergebracht oder konnten ihr Haus nur provisorisch reparieren. Das bisherige Tempo des Wiederaufbaus scheint jedoch den Möglichkeiten des Landes angemessen zu sein.

Kubas Wirtschaft zeigt leichte Erholung

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Nickelmine in Moa: Wartungsinvestitionen lassen dieses Jahr den Output schrumpfen (Quelle: Penultimosdias)

Bereits auf der Tagung des Ministerrats im Juli wurde klar, dass 2014 kein gutes Jahr für die kubanische Wirtschaft werden würde. Nun hat die kubanische Statistikbehörde ONE  jüngst neue Zahlen zur kubanischen Konjunktur veröffentlicht. Bei den Investitionen, einer Achillesverse der kubanischen Wirtschaft, wurde im ersten Halbjahr ein Rückgang von 1,8 Prozent im Vergleich zu 2013 gemeldet. In den ersten sechs Monaten lag das BIP-Wachstum bei nur um 0,6 Prozent, für das gesamte Jahr rechnet man mit einem Plus von 1,4 Prozent.

Insgesamt wurden bis Juni 1,9 Milliarden US$ in die Volkswirtschaft investiert, davon mehr als 62 Prozent in Konstruktion und Wartung und 20 Prozent in Ausrüstungen. Die größten Zuwächse gab es dabei im Bausektor. Dort wurden im ersten Halbjahr 49 Prozent mehr investiert als im Vorjahreszeitraum. Doch auch im Bergbau (+37 Prozent), im Bereich der öffentlichen Verwaltung und sozialen Sicherheit (+31 Prozent) und beim Handel (+25 Prozent) gab es deutliche Investitionsschübe. Bei Finanzvermittlungen (-72 Prozent), in der Zuckerindustrie (-50 Prozent) und im Transportsektor (-49 Prozent) gingen die Mittelzuweisungen allerdings deutlich zurück.

Knapp die Hälfte der Investitionen erfolgten dabei in der Hauptstadt Havanna, wo auch viele Unternehmen des Landes ihren Sitz haben. Am stärksten stiegen die Investitionen jedoch auf der Insel der Jugend (+39 Prozent) und Matanzas (+22 Prozent) an, während sie in Ciego de Ávila (-59 Prozent) und Mayabeque (-42 Prozent) stark zurückgingen. Als Außreiser sticht in der Statistik die Provinz Artemisa hervor, in die bereits in diesem Jahr 230 Millionen US$ investiert wurden (Havanna: 934 Mio. US$). Dort wird gerade die Sonderwirtschaftszone von Mariel ausgebaut.

Der Transportsektor ist ein wichtiger Indikator für den Status der kubanischen Wirtschaft, auch hier lieferte ONE neue Zahlen. So wurden im ersten Halbjahr 2014 nur 3.000 Personen mehr transportiert als noch im letzten Jahr, ein Zuwachs von 0,3 Prozent. Während es bei den öffentlichen Bussen einen leichten Anstieg von 3,6 Prozent gab, schrumpften im ersten Halbjahr fast alle anderen Transportarten. Auch wurden 0,4 Prozent weniger Fracht transportiert als im Vorjahreszeitraum, was auf eine stagnierende Ökonomie hindeutet.

Der Bausektor schwächelt in Kuba ebenfalls. Der Wert der bis Juni errichteten Gebäude lag zwar 4,9 Prozent über dem Vorjahresergebnis, allerdings gingen die staatlich initiierten Bauten um 25 Prozent zurück. Mittlerweile werden 63 Prozent der Wohnungen von Privatleuten errichtet, und nur knapp 37 Prozent vom Staat. Vor wenigen Jahren war dieses Verhältnis noch umgekehrt. Bis Juni wurden in Kuba 10.063 Wohnungen errichtet, knapp 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch wurden 8,5 Prozent weniger Baumaterialien produziert als 2013.

Die herstellende Industrie der Insel sendet ebenfalls gemischte Signale. Die Produktion von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak stieg im ersten Halbjahr um 3 Prozent, während die Produktion langlebiger Haushaltsgeräte um 29 Prozent zurückging. Auch die Herstellung von Bussen und Fahrrädern ging zurück, während es bei den „anderen Konsumgütern“ (darunter Bücher, Zeitungen und Waschmittel) einen Zuwachs von 8 Prozent gab.

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Der von Pavel Videl entwickelte Trendindex zur kubanischen Konjunkturlage (Quelle: Cubastandard)

Trotz dieser durchwachsenen Bilanz zeigt die kubanische Wirtschaft noch keine Anzeichen einer Rezession. Ein neuer Trendindex, der vom kubanischstämmigen Ökonomen Pavel Vidal für das Portal „Cubastandard“ entwickelt wurde, zeigt deutlich eine konjunkturelle Eintrübung ab Herbst 2013. Diese ist aber nicht mit der Krise um 2009/10 zu vergleichen. Jüngst ist sogar wieder ein leicht positiver Trend zu beobachten, dennoch schätzt Vidal das Wachstum für 2014 auf insgesamt nicht mehr als 0,8 Prozent. Als Basis des Index werden die Handelsdaten von Kubas wichtigsten Außenhandelspartnern sowie Faktoren wie Zugang zu externer Finanzierung herangezogen. Diese zeigen in der Regel eine hohe Korrelation mit dem kubanischen BIP-Wachstum.

Was aber gibt dennoch Grund zu verhaltenem Optimismus? In diesem Jahr wurden viele langfristige Investitionsprojekte angegangen, deren Nutzen sich erst in einigen Jahren zeigen wird. So wird in Moa derzeit eine Nickelmine generalüberholt und in Camagüey eine Fabrik für Milchpulver errichtet. Große Sprünge sind jedoch mit der aktuellen Konjunkturlage nicht möglich. Externe Faktoren und die anhaltende Ineffizienz hätten die Lage in diesem Jahr noch zusätzlich verschlimmert, erklärte der Ministerrat vor einigen Monaten. Das Land versucht nun verstärkt auf ausländische Investitionen zu setzen, um einen Wachstumsschub zu initiieren.

Ein Lichtblick bietet da im November die „Feria de la Habana“, die nach eigenen Angaben größte Handelsmesse der Karibik. Die Ausstellung hat dieses Mal ausländische Investitionen zum Thema. Zu Beginn der Veranstaltung soll der bereits angekündigte Katalog für Investitionsobjekte veröffentlicht werden. Es werden 4.500 Aussteller auf mehr als 20.000 Quadratmetern Fläche erwartet. Dass die Messe dieses Jahr unter dem besonderen Stern der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone von Mariel stehen wird, lässt hoffen.

Wohnungsbau in Kuba vereinfacht

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Es gibt viel zu tun: Neben dem Wohnungsbau gehört der Erhalt der Bausubstanz zu Kubas drängendsten Problemen (Quelle: Ahora.cu)

Havanna. Kubas Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, mit denen der Wohnungsbau auf der Insel künftig vereinfacht werden soll. Mit dem Gesetz wird das Nationale Wohnungsinstitut (INV) dem Bauministerium untergeordnet und wird sich nun vorrangig mit der Durchsetzung der staatlichen Wohnungsbaupolitik befassen.

Die Verordnung soll die Anzahl der Behördengänge für private Bauvorhaben deutlich reduzieren, da die Zuständigkeiten in Zukunft besser zugeordnet sein sollen. Das Institut für urbane Planung (IPF) wird mit der Vergabe von Bauplätzen beauftragt. Seit der Sonderperiode kam es in Kuba verstärkt zu illegalen Bauten in Risikogebieten.

Die ordnungsgemäße Erteilung einer Baugenehmigung sowie die Überprüfung der gesetzlichen Standards soll nun wieder zur Normalität werden. Mit der Reform wird in Kuba erstmals das seit 1988 in Kuba gültige Wohnungsgesetz grundlegend aktualisiert. Das Gesetz wird am 5. Januar nächsten Jahres in Kraft treten.

Gleichzeitig bekräftigte INV-Funktionär Roberto Vázquez gegenüber Prensa Latina, dass dem Land jedes Jahr über 27 Millionen Dollar allein im Bausektor durch die US-Blockade verloren gingen. Die technologische Modernisierung des kubanischen Baugewerbes würde durch das Embargo stark erschwert.

von Marcel Kunzmann / Amerika21