Kubas Wirtschaft wächst um mehr als 4 Prozent

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Sitzung des Ministerrats am 19. Juni in Havanna (Quelle: Granma)

Vergangenen Freitag traf Kubas Ministerrat in Havanna zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen, um die Wirtschaftsperformance für das erste Halbjahr 2015 zu analysieren. Das für dieses Jahr geplante BIP-Wachstum von vier Prozent wurde bereits im ersten Halbjahr erreicht. „Kubanische Wirtschaft wächst erwartungsgemäß“, titelte die Granma. Damit wurden zum ersten Mal seit Beginn der aktuellen Wirtschaftsreformen im Jahr 2011 die selbst gesteckten Wachstumsziele erreicht – und könnten bis zum Ende des Jahres sogar noch übertroffen werden.

Allgemeine Wirtschaftsperformance

  • Das BIP-Wachstum wird bis zum Ende des 1. Halbjahres um „etwas mehr“ als 4 Prozent wachsen, sagte Wirtschaftsminister Marino Murillo auf der Sitzung. Vergangenes Jahr legte das BIP bis zu diesem Zeitpunkt um lediglich 0,6 Prozent zu, 2013 um 2,3 Prozent.
  • Im Vergleich zu 2014 wuchsen sämtliche Wirtschaftsbereiche, wobei die größten Wachstumsraten in der Zucker- und der verarbeitenden Industrie, dem Bauwesen und dem Handel zu verzeichnen waren. Während die Zuckerproduktion in dieser Saison um 18 Prozent zulegte, stiegen die Touristenankünfte um 15 Prozent. Der landwirtschaftliche Output stieg im ersten Quartal des Jahres um 13 Prozent.
  • Probleme gab es hingegen vor allem in den Sektoren Verkehr, Lagerwirtschaft und Kommunikation.
  • Die Arbeitsproduktivität legte verganges Jahr um 5,3 Prozent zu, dieses Jahr ist ein Zuwachs von 7,9 Prozent geplant.
  • Der Investitionsplan konzentriert sich wie in den Vorjahren hauptsächlich auf die zweite Jahreshälfte, es wird mit einer Erfüllung von 92,3 Prozent bis zum Ende des Jahres gerechnet.
  • Das Haushaltsdefizit wird in diesem Jahr mit 4,2 Prozent des BIP etwas geringer ausfallen als ursprünglich geplant (6,2 Prozent des BIP).
  • Der Plan für das Wohnungsbauprogramm schreitet ebenfalls gut voran. Auf eigene Initiative sollen bis zum Ende des Jahres 17.000 neue Wohnungen entstehen, 5.301 mehr als noch 2014. Zu den staatlichen Bauvorhaben wurden keine Zahlen genannt.
  • Obwohl die Handelsbilanz eine positive Entwicklung aufweist, gibt es laut Wirtschaftsminister Marino Murillo noch immer Probleme bei der Außenfinanzierung.
  • Der Plan für 2016 wird folgende Schwerpunkte setzen: Erneuerung und Ausbau der Infrastruktur, Erweiterung der Kapazitäten im Bauwesen und Transportsektor, Bereitstellung von Ressourcen für Forschung und Entwicklung, Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Steigerung der Exporte und Ersatz von Importen.

Probleme und Defizite

  • Bemängelt wurden die Versorgungsengpässe bei einigen Importprodukten, darunter Käse, Hähnchen, Würstchen, Hackfleisch und Wurst, da deren nationale Produktion sowie deren Einfuhr nicht erfüllt werden. Um das Defizit zu decken, werden im laufenden Jahr zusätzliche 40 Millionen Dollar für den Import dieser Waren bereitgestellt.
  • Problematisch sind ebenfalls Ausfallzeiten durch die lange Lagerung von Containern, die Schäden in Höhe von 2,1 Millionen US$ verursacht haben. Als Ursachen wurden hierfür benannt: die ausgebliebene Umsetzung der für 2014 und 2015 geplanten Investitionen, das Fehlen von Ersatzteilen und Aggregaten, Probleme in den Reparaturwerkstätten, anhaltende organisatorische Probleme sowie eine ungenügende technische Verfügbarkeit im Eisenbahn- und Fahrzeugpark. Eine umfassende Überprüfung der Logistikbranche des Landes wurde angeordnet.

Kontrolle des Ministeriums für Binnenhandel

  • Bereits auf vergangenen Sitzungen des Ministerrats wurden Probleme beim Ministerium für Binnenhandel diskutiert, die sich in Form von Korruption und anhaltenden Lieferengpässen zeigen. Aus diesem Grund veranlasste der Rechnungshof die Überprüfung von 288 Einheiten dieses Ministeriums (80% der Gesamtzahl).
  • Der Ergebnisbericht der Audits wurde auf der Ministerratssitzung durch die Vorsitzende des Rechnungshofs, Gladys Bejerano, präsentiert. Dabei wurde die Nichteinhaltung der internen Kontrollmechanismen, ein mangelhaft durchgesetztes Sanktionsregime sowie unzureichende Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption, Diebstahl und anderen Vergehen festgestellt.
  • Die zuständige Ministerin, Mary Blanca Ortega Barredo, wird aus diesem Grund für jedes einzelne der ermittelten Problemfelder einen Maßnahmenkatalog erarbeiten, um den Ursachen auf den Grund zu gehen und in diesem Kontext entsprechende Fortbildungsmaßnahmen für das Personal veranlassen.

Epidemiologische Situation des Landes

  • Seit den Cholera-Fällen im Jahr 2012 rückte die medizinische Vorsorge und allgemeine Hygiene wieder stärker in den Fokus der kubanischen Politik. Die epodemiologische Situation des Landes hat sich nach einem Bericht auf der Sitzung gegenüber dem Vorjahr verbessert. Die Häufigkeit von Durchfallerkrankungen ging um 28,7 Prozent zurück, während 87,9% weniger Fälle von Denguefieber gemeldet wurden als noch 2014.
  • Dennoch sollen entsprechende Maßnahmen zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten weiter ausgedehnt werden, wozu unter anderem verstärkte sanitäre Kontrollen in öffentlichen Einrichtungen und bei der Wasserversorgung zählen.
  • Derzeit wird der Verkauf von Hypochlorite in den Apotheken des Landes vorbereitet.

Kuba fährt beste Zuckerernte seit 11 Jahren ein

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Kubas Zuckerindustrie wird seit einigen Jahren wieder modernisiert (Quelle: Granma)

Kubas Zuckerindustrie hat in diesem Jahr 1,9 Millionen Tonnen Rohrzucker produziert, 18 Prozent mehr als noch in der letzten Saison 2013/14. Dies meldete gestern die Tageszeitung „Granma“. Obwohl das Ziel von 2 Millionen Tonnen nicht erreicht wurde, markiert die diesjährige Ernte das beste Ergebnis seit dem Jahr 2004. Nachdem die Produktion im Jahr 2010 mit 1,1 Millionen Tonnen den historischen Tiefstand seit dem Jahr 1905 erreichte, begann sich Kubas Zuckerindustrie in den letzten Jahren wieder langsam zu erholen.

In den 1980er Jahren produzierte Kuba jährlich noch bis zu 8 Millionen Tonnen Zucker. Nach Auflösung der Sowjetunion läutete die Sonderperiode in Kuba den langsamen Niedergang des einst stolzen Zuckersektors ein. Ergebnisse von 3 bis 4 Millionen Tonnen waren die Folge. Im Jahr 2002 drehte der kubanische Staat dem Zuckersektor endgültig die Mittel zu, 71 der 156 Zuckermühlen mussten schließen. Bedingt durch niedrige Weltmarktpreise sah sich die Regierung damals zu Einsparungen gezwungen, Deviseneinnahmen sollten stattdessen verstärkt durch Bergbau und Tourismus erwirtschaftet werden. Von 2005 bis 2011 pendelten sich die Ergebnisse bei mageren 1,1 bis 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr ein.

Nach Auflösung des Zuckerministeriums nahm im Jahr 2011 die staatliche Holding Azcuba dessen Platz ein. Seitdem versucht Kubas Regierung Wege zu finden, um die veraltete Industrie zu erneuern. Vergangenes Jahr produzierte Kuba 1,6 Millionen Tonnen Zucker, wobei nur ein Zuwachs von etwa vier Prozent gegenüber 2013 erreicht werden konnte. Anhaltende Regenfälle sowie die unzureichende Organisation wurden damals als Grund für das schlechte Ergebnis genannt.

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Zuckerproduktion Kubas, 1985 – 2011 (Quelle: The Cuban Economy)

Im Jahr 2012 wurde mit der Fabrik „5 de Septiembre“ in Cienfuegos die erste kubanische Zuckermühle mit Hilfe brasilianischer Technik modernisiert. Verwaltet wird das Joint-Venture von der Firma Odebrecht, die auch für den Bau der Hafenanlagen in Mariel verantwortlich ist. Investitionen in neue Technik sowie ein neues Lohnsystem haben seit der Gründung von Azcuba für eine langsame Wiederbelegung des Sektors gesorgt. Dennoch sind weiterhin große Investitionen notwendig, um das langfristige Produktionsziel von 3 bis 4 Millionen Tonnen pro Jahr zu erreichen.

Azcuba gab 2011 begannt, bis zum Jahr 2015 etwa 2,4 Millionen Tonnen Zucker produzieren zu wollen. Obwohl dieses Ziel bisher nicht realisiert wurde, gelang es der Firma (mit Ausnahme des letzten Jahres) mindestens zweistellige Zuwachsraten zu generieren. Auch in den nächsten Jahren soll die Zuckerproduktion zwischen 15 und 20 Prozent pro Jahr zulegen. Kubas Bevölkerung verbraucht pro Jahr zwischen 600.000 und 700.000 Tonnen Zucker. Weitere 400.000 Tonnen gehen im Rahmen eines Sonderabkommens nach China, der Rest wird auf dem Weltmarkt verkauft.

Ehrgeizige Zuckersaison 2014/15 steht bevor

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Der Einsatz von Düngemitteln für die Zuckerernte wird in diesem Jahr verdoppelt (Quelle: Granma)

In wenigen Tagen beginnt in Kuba die Zuckerrohrernte für die Saison 2014/15, auch  „Zafra“ genannt. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen in den Mühlen des Landes, um die ehrgeizigen Ziele erfüllen zu können. Im kommenden Jahr plant Kuba zwei Millionen Tonnen Rohzucker zu produzieren, eine Steigerung von 23 Prozent gegenüber der letzten Saison. Experten der staatlichen Zuckerholding AZCUBA erklärten jüngst in der Parteizeitung Granma die Ziele für die kommende Ernte.

Um das maue Ergebnis dieses Jahres zu übertreffen, wurden umfangreiche Investitionen in Wartung und Erneuerung der Zuckermühlen vorgenommen, von denen 44 noch in den kommenden Wochen ihren Betrieb aufnehmen werden. Bis Januar sollen acht weitere folgen. Zu den wichtigsten Investitionen zählt der Import von 200 modernen Zuckererntern aus Brasilien, die im Unterschied zu den vorherrschenden sowjetischen KTP-Modellen im 24 Stunden-Betrieb eingesetzt werden können.

Mehr Düngemittel für bessere Qualität

Ebenfalls neu ist der umfangreiche Einsatz natürlicher und chemischer Düngemittel, die  durch Flugzeuge auf einer Fläche von 140.000 Hektar verteilt werden, doppelt so groß wie in der vorangegangenen Ernte. Dadurch soll sich der Zuckergehalt im Rohr erhöhen, was der Qualität zu Gute kommt und die Nettoausbeute der Mühlen steigert. In der vergangenen Saison war der Saccharoseanteil bei 10,92 Prozent, weniger als noch im Jahr zuvor. Starke Regenfälle haben die Quantität und Qualität der Ernte stark beeinträchtigt.

Durch die gesunkene Qualität des Zuckerrohrs konnte der Rohzuckerertrag in diesem Jahr um lediglich 4 Prozent Prozent zulegen, er lag bei 1,67 Millionen Tonnen. Durch den Einsatz der Düngemittel, der zwei Millionen US$ kostet, verspricht man sich Mehreinnahmen von 10 Millionen US$. Die pro-Hektar Erträge sollen 2015 bei mindestens 43 Tonnen Zuckerrohr liegen. Zusätzlich zum Zucker will Kuba 1,3 Millionen Hektoliter Ethanol und 225 Millionen Tonnen Tierfutter als Nebenprodukte herstellen. Außerdem sollen die Zuckermühlen 125 Gigawatt Strom erzeugen.

Doch nicht nur bei den Investitionen sind Fortschritte zu verzeichnen, auch die Kader- und Lohnpolitik konnte sich weiter konsolidieren, was die Arbeitskräfteschwankungen im Sektor zu dämpfen vermochte. Zu den Neuerungen gehört die Einführung eines verbesserten Entlohnungssystems für die Produzenten. Bisher wurden diese nach Tonnen bezahlt, in der jetzigen Saison wird es erstmals Prämien für hohen Saccharoseanteil im angelieferten Zuckerrohr geben.

Nach oben korrigierte Ziele für 2015

Die Wiederbelebung des kubanischen Zuckersektors geht also weiter. Der Zuwachs von 23 Prozent ist das anspruchvollste Wachstumsziel der letzten Jahre – und eine deutliche Korrektur nach oben. Noch im Oktober war von einem Zuwachs von lediglich 12 Prozent die Rede, was 1,88 Millionen Tonnen ergeben hätte. Warum auf einmal zwei Millionen Tonnen vorgesehen sind, wurde nicht kommentiert. Manches deutet jedoch darauf hin, dass die Trendwende gelingen könnte.

Kubas Zuckerindustrie gibt sich derzeit ungewohnt optimistisch: „Für diese Kampagne gibt es deutlich bessere subjektive und objektive Bedingungen als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt“, sagte Pérez Omar, Spezialist der AZCUBA-Gruppe. In den letzten Wochen berichteten die kubanischen Medien verstärkt über Investitionen in den Zuckersektor, dem Thema wird deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als im vergangenen Jahr.

Denn wenn die zwei Millionen Marke geknackt wird, wäre dies nicht zuletzt auch ein  symbolischer Etappensieg, um die mageren, von Unterfinanzierung und Improvisation geprägten Jahre der letzten Dekade endgültig hinter sich zu lassen. In den 1980er Jahren produzierte Kuba noch über acht Millionen Tonnen Rohzucker und war wichtigster Lieferant des sozialistischen Lagers. Die pro-Hektar Erträge lagen damals bei 60 Tonnen. Heute liegt die Zuckerindustrie auf dem Produktionsindex bei 21 Prozent vom Stand des Jahres 1989.

Mittelfristig will man bescheidener bleiben, auch aufgrund der gesunkenen weltweiten Nachfrage. In einigen Jahren soll sich die Zuckerproduktion Kubas zwischen 3 und 4 Millionen Tonnen pro Jahr einpendeln, bei pro-Hektar erträgen von 52 Tonnen Zuckerrohr. Um den veralteten Maschinenpark zu modernisieren, sollen auch Direktinvestitionen zum Einsatz kommen. Im aktuellen Investitionskatalog, der vergangene Woche auf der FIHAV veröffentlicht wurde, sind vier Zuckermühlen zur Verwaltung durch ausländische Investoren ausgeschrieben.

Kuba plant Investitionen in Zuckerindustrie

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Kubas Zuckerindustrie hat großen Investitionsbedarf (Quelle: Granmeses)

In diesen Wochen laufen in Kuba bereits die Vorbereitungen auf die kommende Zuckersaison, die im November beginnt. Das moderate Ergebnis der letzten Saison soll dabei durch bessere Vorbereitung und größere Investitionen gesteigert werden. Zuletzt produzierte Kuba 1,67 Millionen Tonnen Rohzucker, und erreichte nur eine Steigerung von 4 Prozent statt der geplanten 18 Prozent. Im nächsten Jahr will Kuba Zuckerrohr für mindestens 1,85 Millionen Tonnen ernten.

Pedro Perez, Investitionsdirekter der staatlichen Holding Azcuba versicherte gegenüber der Nachrichtenagentur Prensa Latina, dass umfangreiche Maßnahmen wie die Modernisierung der Destillerien und der Bau neuer Fabriken zur Herstellung von Zuckerderivaten und Tierfutter geplant sind. In den letzten Jahren wurden bereits 100 neue Erntemaschinen und LKWs aus Brasilien importiert. Die Erprobung eines neuen Zuckerrohrernters, der in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurde, wird in der kommenden Saison fortgesetzt.

Um die bestehende Ausrüstung am laufen zu halten, wurden zusätzliche Ersatzteile für die zahlreichen sowjetischen KTP-Ernter, ZIL- und Kamaz-Lastwagen importiert. Neue Bewässerungssysteme für die Pflanzen befinden sich ebenfalls in der Planung, auch der Ausbau der Lagerhäuser und die Errichtung neuer Tanks ist vorgesehen. Über die genaue Summe der Investitionen machte Perez jedoch keine Angaben. In Zukunft soll der Zuckersektor einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung der kubanischen Exporte und zur Energieversorgung des Landes leisten.

Im letzten Jahr exportierte Kuba Zucker im Wert von 463 Millionen US$ und hat sich seitdem vom historischen Tief 2009 erholt, als nur knapp eine Millionen Tonnen geerntet werden konnten und die Exporte bei 226 Millionen US$ lagen. Kubas Plan zur Wiederbelebung der Zuckerindustrie ist langfristig angelegt. Bis 2016 plant das Land, die Rohzuckererträge auf wieder deutlich über 2 Millionen Tonnen zu bringen. Im nächsten Jahr sollen die Erträge auf 43,9 Tonnen pro Hektar steigen und zwei zusätzliche Zuckermühlen ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Kuba präsentiert Energieplan bis 2030

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Funktionäre des kubanischen Energie- und Landwirtschaftsministeriums sowie der staatlichen Zuckergesellschaft AZCUBA waren federführend an der Erarbeitung des Programms beteiligt (Quelle: Cubadebate).

Die Zukunft der Stromerzeugung in Kuba verspricht vielfältig und grün zu werden, das hat die Regierung des Landes schon mehr als einmal bekräftigt. Vergangene Woche wurde nun erstmals ein detaillerter Plan vorgestellt, der den systematischen Ausbau erneuerbarer Energien auf der Insel skizziert. Er ist zugleich der erste fertige Teil des Perspektivplans 2030, mit dem die Vision einer „wohlhabenden und nachhaltigen sozialistischen Gesellschaft“ beschrieben werden soll.

Die Förderung von Offshore-Ölvorkommen wurde von den kubanischen Planern dabei fürs erste zurückgestellt – aus mangelndem Interesse ausländischer Investoren, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Die 20 Millionen Barrel Rohöl, die vor der kubanischen Nordküste vermutet werden, sind nach Informationen aus Branchenkreisen derzeit nicht gewinnbringend zu fördern. Stattdessen konzentriert man sich auf den Ausbau und die Erneuerung bestehender Anlagen an Land, die Schweröl von niedriger Qualität herstellen und die Hälfte des heimischen Bedarfs zur Energieerzeugung decken.

Um aber auch bei steigendem Verbrauch nachhaltigen und günstigen Strom erzeugen zu können, muss das Land schrittweise weg von den fossilen Brennstoffen. 2012 wurde deshalb eine Expertenkomission mit der Erarbeitung eines Plans über die langfristige Entwicklung der kubanischen Energiematrix beauftragt. Die Ergebnisse der von Bau- und Industrieminister Ramiro Valdés geleiteten Gruppe, wurden am 12. August im kubanischen Fernsehen zur besten Sendezeit in der Sendung „Mesa Redonda“ vorgestellt.

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Abb. 1: Kubanischer Strommix heute: 48 Prozent stammt aus Schwerölkraftwerken, dezentrale Generatoren (Diesel oder Benzin) machen 18,5 Prozent aus. Bis auf Biomasse spielen erneuerbare Energien eine kaum messbare Rolle (Quelle: Cubadebate).

Derzeit bezieht Kuba nur 4,6 Prozent der erzeugten Elektrizität aus erneuerbaren Quellen, den Löwenanteil (48 Prozent) bei der Energieerzeugung machen stationäre Schwerölkraftwerke aus, die neben Erdgasturbinen und lokalen Benzingeneratoren die wichtigste Rolle im kubanischen Energiemix spielen (Abb. 1). Obwohl gut die Hälfte des in den Schwerölkraftwerken verbrannten Materials aus eigener Produktion gedeckt werden kann, bringt diese Form der Stromerzeugung für Kuba eine große Abhängigkeit von Importprodukten, hohe Kosten und eine verhältnismäßig starke Umweltverschmutzung mit sich.

Die niedrige Effizienz der großen Kraftwerke und die Verteilungsverluste in den veralteten Netzen machen der kubanischen Energiewirtschaft dabei zusätzlich zu schaffen. Eine Kilowattstunde Strom kostet den kubanischen Staat derzeit 21,1 US-Cent. Private Verbraucher kommen dabei nur für etwa 20 Prozent der Selbstkosten auf.

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Abb. 2: Derzeitige und geplante Kosten pro Megawattstunde in US$ (Quelle: Cubadebate)

Um die Versorgungssicherheit mit Strom nachhaltig zu garantieren, wurde beschlossen die 2005 begonnene „Energierevolution“ in ein langfristiges Projekt umzuwandeln und folgende Ziele für das Jahr 2030 formuliert:

  • Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 24 Prozent bei einer Steigerung der Stromproduktion von 18.000 GW/h auf 30.000 GW/h pro Jahr bis 2030.
  • Keine prozentuale Erhöhung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zur Energieerzeugung
  • Kostensenkung der Stromerzeugung
  • Reduzierung der Umweltbelastung (CO2 pro erzeugter Kilowattstunde)

Um diese Ziele zu erreichen, so wird vorgerechnet, sind Investitionen in Höhe von 3,7 Milliarden US$ von Nöten. Diese sollen durch Kredite befreundeter Regierungen und ausländische Privatinvestoren erbracht werden. Kernstück ist der Aufbau eines breit gefächerten Energiemixes erneuerbarer Träger, der sich aus folgenden Quellen zusammensetzen soll:

Biomasse

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Abb. 3: Karte der geplanten Biomasseanlagen (Quelle: Cubadebate)

Die Stromerzeugung durch Biomasse macht mit 3,5 Prozent derzeit den stärksten Einzelanteil bei den erneuerbaren Energien in Kuba aus. Dies kommt nicht von ungefähr, denn die Zuckerindustrie liefert als Nebenprodukt die notwendige Bagasse. Für Kuba ist Biomasse daher eine praktikable und günstige Option, deren Anteil bis 2030 auf 14 Prozent ausgedehnt werden soll. Hierfür sollen entsprechende Anlagen in 19 Zuckermühlen des Landes installiert werden, die 755.000 kW pro Jahr erzeugen sollen. Die notwendigen Investitionen werden auf 1,29 Mrd. US$ beziffert, mit einer Amortisationsdauer von 6 bis 8 Jahren. Bereits in den kommenden Jahren werden die ersten drei Zuckeranlagen aufgerüstet, um dann 140.000 kW Strom pro Jahr erzeugen zu können. Eine kleinere Anlage, zur Gaserzeugung aus den Nebenprodukten des Reisanbaus, wird derzeit mit deutscher Hilfe in der Provinz Sancti Spíritus installiert.

Windenergie

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Abb. 4: Karte der geplanten Windparks (Quelle: Cubadebate)

Derzeit gibt es in Kuba vier Windparks, die jährlich mit 11.700 kW zur Stromerzeugung beitragen, was 0,1% des Gesamtanteils ausmacht. Die Anlagen befinden sich vor allem im Norden und Osten der Insel, den Gebieten mit dem größten Potential für diese Energieform. In Zukunft sollen 633.000 kW durch 13 Windanlagen an verschiedenen Orten der Insel erzeugt werden. Derzeit wird in der Provinz Las Tunas ein erster Windpark mit einer Kapazität von 51.000 kW errichtet. Bis 2030 soll der Anteil der Windenergie 5,4 Prozent betragen. Dafür sind Investitionen in Höhe von 1,12 Mrd. US$ notwendig, die sich nach 4 bis 6 Jahren amortisiert haben.

Solarenergie

Bereits 2005 wurde im Rahmen der Energierevolution mit der Errichtung dezentraler Solaranlagen in entlegenen Gebieten begonnen. In den letzten zwei Jahren wurden die ersten acht Solarkraftwerke auf der Insel errichtet, die derzeit zu Spitzenzeiten 12.000 kW erzeugen. Kuba bietet ein gutes Potential für Sonnenenergie, welches auf der gesamten Landesfläche gleichmäßig bei 5 kW/h pro Quadratmeter und Tag liegt (in Deutschland schwankt dieser Wert zwischen 1 und 3). Noch vor Ende März 2015 werden weitere Anlagen mit insgesamt 10.000 kW folgen. Bis 2030 soll dann die installierte Leistung der kubanischen Solarkraftwerke auf 700.000 kW erhöht werden, etwa 3,5 Prozent des gesamten Strommixes. In der Provinz Pinar del Río steht Kubas einzige Fabrik für Solarpaneele, die weiter ausgebaut werden soll. Die notwendigen Investitionen für den Ausbau der Solarenergie betragen insgesamt 1 Milliarde US$, sie sollen sich innerhalb von 11 bis 13 Jahren amortisieren.

Wasserkraft

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Abb. 5: Ausbau der Wasserkraftwerke bis 2030 (Quelle: Cubadebate)

Heute gibt es in Kuba 147 Wasserkraftanlagen, von denen die meisten zur kommunalen oder privaten Stromerzeugung genutzt werden. Sie versorgen über 8.400 Wohnhäuser mit Elektrizität, allerdings sind lediglich 30 von ihnen als Einspeiser im staatlichen Stromnetz registriert. In den kommenden Jahren soll eine Leistung von 100.000 kW durch Wasserkraft abgedeckt werden, etwa 1 Prozent des erzeugten Stroms (heute: 43.000 kW, 0,7 Prozent). Dafür sind Investitionen in Höhe von 110.000 US$ notwendig, die sich nach 4 bis 6 Jahren amortisiert haben werden. Die heimische Industrie kann auch bei der Entwicklung dieser Energiequelle helfen, da sie in der Lage ist, Turbinen mit einer Kapazität von bis zu 325 kW im Land zu fertigen.

Energieeffizienz

Nicht nur durch die Erzeugung zusätzlichen Stroms, sondern auch durch die Steigerung der Energieeffizienz sollen die Ziele des Perspektivplans bis 2030 erreicht werden. Bereits in den vergangenen Jahren wurden über 4,4 Millionen veraltete Haushaltsgeräte (davon 2,6 Millionen Kühlschränke) durch sparsamere und modernere Modelle ausgetauscht. Mehr als 9,4 Millionen Glühbirnen wurden durch Leuchtstoffröhren ersetzt.

In Zukunft sollen verstärkt LEDs für die öffentliche Beleuchtung und in Privathaushalten zum Einsatz kommen. Die Verbreitung von elektrischen Induktionsherden wird staatlicherseits gefördert, ebenso wie der Aufbau von privaten Solaranlagen zur Wassererwärmung und Stromerzeugung. Im gewerblichen Sektor soll mit der Modernisierung von Verteilstationen und der Einführung energieeffizienter Produktionsprozesse zusätzlich Strom eingespart werden.

Fazit

Ziel ist es, durch die Kombination all dieser Maßnahmen bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien auf insgesamt 24 Prozent zu steigern, wobei der Anteil der Schwerölkraftwerke um 16 Prozent zurückgehen soll. Kuba setzt dabei bewusst nicht nur auf eine Technologie, sondern versucht durch die Kombination verschiedener Arten der Stromerzeugung seine Energiematrix zu diversifizieren. Der Nutzung von Biomasse dürfte dabei eine Schlüsselrolle zukommen, da diese gleichzeitig an die weitere Entwicklung der Zuckerindustrie gekoppelt ist und für Kuba eine naheliegende Lösung darstellt.

Insgesamt sollen in den kommenden 16 Jahren gut 2,1 Gigawatt an regenerativen Energien installiert werden, die sich das Land 172 US$ pro installiertem Kilowatt kosten lässt. Dafür sollen die Kosten bei der Energieerzeung für den Staat von derzeit 0,21 US$ pro Kilowattstunde auf unter 0,18 US$ bis zum Jahr 2020 fallen. Mit zusätzlichen Anreizen zum Erwerb energieeffizienter Haushaltegeräte dürfte sich der Hunger nach elektrischer Energie zumindest etwas bremsen lassen, dennoch wird die absolute Stromerzeugung in diesem Zeitraum laut Plan um 40 Prozent gesteigert.

Mit diesem Vorhaben macht Kuba einen großen Schritt nach vorn in Richtung einer nachhaltigen Stromwirtschaft und beweist dabei gleichzeitig seine Kontinuität als „Leuchtturm der Nachhaltigkeit“ im lateinamerikanischen Umfeld. Zwar ist ein Anteil von 24 Prozent erneuerbaren Energien noch immer verhältnismäßig gering – er liegt etwa auf dem deutschen Niveau dieser Tage – dennoch scheint das Ziel im Rahmen von Kubas wirtschaftlichen Möglichkeiten absolut angemessen und realistisch.

Das ökologische Potential der Insel ist damit jedoch noch lange nicht ausgeschöpft. Gerade im Bereich der Landwirtschaft werden sich auch in Zukunft vielfältige neue technologische Ansätze ergeben, deren Nutzung noch in den Sternen steht. Die kubanische Energierevolution bis 2030 ist mit veranschlagten Kosten von 3,7 Mrd. US$ zwar verhältnisweise günstig, dennoch muss das Land nun aktiv nach ausländischen Kooperationspartnern suchen, um die formulierten Ziele zu erreichen. Die laufenden und bereits realisierten Projekte auf diesem Gebiet lassen immerhin keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Unterfangens aufkommen.

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Abb. 6: Geplanter kubanischer Strommix 2030 (Quelle: Cubadebate)
Schweröl: 32 Prozent
andere fossile Brennstoffe: 21 Prozent
Biomasse: 14 Prozent
dezentrale Benzin- und Dieselgeneratoren: 10 Prozent
Gas-Begleitstoffe: 8 Prozent
Windenergie: 6 Prozent
Erdgas: 5 Prozent
Solarenergie: 3 Prozent
Wasserkraft: 1 Prozent

Ministerrat fühlt Kubas Wirtschaft auf den Puls

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Sitzung des kubanischen Ministerrats am 21. Juni 2014 (Quelle: Granma)

Am vergangenen Samstag traf sich der kubanische Ministerrat zu seiner turnusmäßigen Sitzung, um die Ergebnisse der kubanischen Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2014 zu besprechen, sowie über den aktuellen Umsetzungsstatus der 2011 verabschiedeten Leitlinien zu informieren. Am 5. Juli wird sich dann das kubanische Parlament zu seiner regulären Sommersitzung treffen, um die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zu diskutieren und in Gesetzesform zu gießen. Die wichtigsten Informationen der Ministerratssitzung werden im folgenden zusammengefasst:

Allgemeine Wirtschaftsperformance

  • Das BIP-Wachstum betrug im ersten Halbjahr 2014 lediglich 0,6 Prozent (2013: 2,3 Prozent). Abermals werden daher die ohnehin niedrig gesteckten Erwartungen von 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum für das Jahr 2014 nicht erreicht. Stattdessen rechnet man jetzt mit einem Plus von 1,4 Prozent. Dafür benötigt es allerdings eine weitaus größere Dynamik im zweiten Halbjahr, da die kubanische Wirtschaft traditionell in den ersten sechs Monaten des Jahres am stärksten zulegt.
  • Als Gründe für das enttäuschende Ergebnis nannte Wirtschaftsminister Adel Izquierdo Rodríguez: „geplante externe Einnahmen konnten nicht erreicht werden, ungünstige Wetterbedingungen und die interne Schwäche unserer Wirtschaft„. Konkreter wurde es nicht mehr, was sich hinter den ersten beiden Gründen verbirgt kann daher nur vermutet werden. Mit dem ersten Punkt könnte womöglich auf fallende venezolanische Subventionen angespielt werden, denn die gestiegenen Touristenzahlen sowie der hohe Nickelpreis hätten der kubanischen Volkswirtschaft eigentlich gut tun müssen. Mit den ungünstigen Wetterbedingungen sind wahrscheinlich die Regenfälle gemeint die dazu beitrugen, dass die diesjährige Zuckerernte nur um 4 statt wie geplant um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen konnte.
  • Der Investitionsplan für dieses Jahr wurde bisher etwa zur Hälfte erreicht, man rechnet mit einer Erfüllung von 95 Prozent bis zum Ende des Jahres – hauptsächlich aufgrund von Mängeln bei der fristgerechten Lieferung von Inputgütern, dem Mangel an Arbeitskräften sowie Defiziten bei der Vereinbarung und Durchführung externer Finanzierungen. Die Folge sind sporadische Versorgungsengpässe von Importgütern.
  • Als die Sektoren mit dem größten Wachstum nannte Rodríguez den Transportsektor, Lagerung und Kommunikation, Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft, die Zuckerindustrie sowie Hotels und Restaurants (Tourismus). Die größten Defizite gab es hingegen bei der herstellenden Industrie – und scheinbar nur dort. Die restlichen Bereiche der Wirtschaft blieben dem Minister zu Folge auf einem ähnlichen Niveau wie 2013.
  • Die geplanten Staatseinnahmen weisen für das erste Halbjahr einen Überschuss von 1,3 Prozent auf, Hauptsächlich aufgrund von Mehreinnahmen bei der Gewinn- und Einkommenssteuer. Die geplanten Staatsausgaben wurden jedoch um 2,2 Prozent unterschritten, vor allem aufgrund der ineffizienten heimischen Produktion, was Investitionen verhindert und zu steigenden Importkosten führt.
  • Einen positiven Trend gab es bei der Herstellung, dem Konsum, dem Import und Export von Energieträgern. Auch der Transportplan wurde bisher übererfüllt, mit positiver Tendenz für den Rest des Jahres.

Umsetzung der Leitlinien

  • Über den aktuellen Status bei der Implementierung der 2011 beschlossenen Leitlinien gab Marino Murillo, Chef der zuständigen Kommission, einen Überblick: „Es kann ein stetiger Zuwachs beobachtet werden, allerdings werden derzeit die qualitativ anspruchsvollsten und entscheidendsten Leitlinien umgesetzt„. Obwohl es partielle Verzögerungen gab, liegt die Umsetzung insgesamt in ihrem Zeitplan.
  • Fortschritte gibt es bei der Erarbeitung des langfristigen Perspektivplans bis 2030, sein Grundgerüst und die Methodik seiner weiteren Erarbeitung wurden bereits bestätigt. Es sollen konkret messbare Indikatoren zum Einsatz kommen, wesentliche Projekte und die Quellen ihrer Finanzierung definiert werden. Ziel ist, einen „nachhaltigen und wohlhabenden Sozialismus“ zu schaffen.
  • Die Umsetzung der Währungsreform liegt im Zeitplan, die wichtigsten Schritte im ersten Halbjahr war vor allem die Schulung des zuständigen Personals. Murillo betonte allerdings: „Die Währungsreform selbst wird nicht alle Probleme der Volkswirtschaft beseitigen, sondern vielmehr ein unverzichtbarer Bestandteil des Prozesses zur Umsetzung der restlichen Vorhaben sein, die auf die Erhöhung der Effizienz und der Arbeitsproduktivität zielen, neben der Perfektionierung der Mechanismen zur Verteilung des erzeugten Reichtums.
  • Das neue Steuergesetz wurde im Jahr 2013 eingeführt, 18 der 25 neuen Steuern sind bereits umgesetzt. 2013 machten die Steuereinnahmen 37% des BIPs aus, wobei 66% der laufenden Ausgaben auf soziale und kulturelle Zwecke entfielen. 124 Unternehmen fuhren im letzten Jahr Verluste ein.
  • Das Kreditprogramm macht Murillo zu Folge deutliche Fortschritte. Bis Ende April wurden 272.332 Kredite im Wert von insgesamt 2,48 Mrd. Peso (ca. 100 Mio. US$) ausgegeben. Zum Vergleich: Bis Juni 2013 waren es 145.000 Kredite im Wert von 36 Mio. US$.
  • Die Reform des Systems der Provinzverwaltung, welche seit 2011 in den neu geschaffenen Provinzen Artemisa und Mayabeque erprobt wird, läuft soweit nach Plan, allerdings wurden bei der Evaluation einige Defizite festgestellt, weshalb das Experiment bis Dezember 2016 verlängert wird.
  • Die Reform zur Trennung von Staats- und Betriebsfunktionen läuft ebenfalls weiter. Die erste Gruppe von 20 staatlichen Einheiten hat die Umstellung bereits hinter sich.
  • Murillo berichtet auch von der Entwicklung der neuen Unternehmensgruppe der biotechnologischen und pharmazeutischen Industrie: „Die Integration ist eine Stärkung der Entwicklung und Effizienz der Industrie“. Die 2012 entstandene Unternehmensgruppe BioCubaFarma stellt derzeit 66 Prozent der im Land benötigten Medizin her und erfüllte ihren Exportplan im vergangenen Jahr. Es wurden 50 neue Medikamente entwickelt, wovon sich bereits 20 in der Produktion befinden.
  • Von den 498 Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft, deren Gründung im April 2013 beschlossen wurde, haben sich bis Ende Mai 2014 bereits 249 konstituiert.
  • Zum selben Stichtag zählte das Land 467.000 Beschäftigte im Privatsektor (Cuentapropistas).
  • Zur experimentellen Bildung von Großmärkten für die Landwirtschaft in den Provinzen Havanna, Artemisa und Mayabeque seit Januar 2014 sagte Murillo: „Die ersten fünf Monate dieses Experimente waren charakterisiert von der Arbeit zur Reorganisierung und Erneuerung des Einzelhandelsnetzes und dem Aufbau eines Großhandelsnetzes.“ Obwohl ein leichter Anstieg der Produktqualität und Vielfalt festgestellt werden konnte, bereiteten die Preiserhöhungen dem Endverbraucher sorgen. Diese sind auf Spekulationsgeschäfte und die ungenügende heimische Produktion zurückzuführen.
  • Der experimentelle Verkauf von Flüssiggas zu unsubventionierten Preisen, der im Januar 2013 auf der Insel der Jugend begann und Mitte 2013 auf die Provinzen Havanna und Santiago de Cuba ausgedehnt wurde, läuft reibungslos.

Geplante Gesetze

  • Ein wichtiges Thema beim Vorschlag neuer Gesetzesvorhaben war das kubanische Energiesystem. Der Anteil erneuerbarer Energien am kubanischen Strommix beträgt derzeit lediglich 4,3 Prozent. „Es ist dringend notwendig, die Energieeffizienz zu erhöhen und schrittweise erneuerbare Energieträger einzuführen, um die Struktur der kubanischen Energiematrix zu verändern. Dadurch wird die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen ebenso wie die Energiekosten reduziert und es entsteht weniger Umweltverschmutzung„, erklärte Murillo. Ein kubanischer Durchschnittshaushalt verbraucht derzeit 180 KW/h Strom pro Monat und zahlt dafür 36,6 Peso (ca. 1,5 US$) während dies den Staat 220 Peso (ca. 8,8 US$) kostet. Deshalb soll ein verstärker Ausbau der erneuerbaren Energien zu einer Dezentralisierung und Kostensenkung beitragen, für die Endkunden sollen neue Anreize und Kreditmodelle zum Erwerb energieeffizienter Haushaltsgeräte geschaffen werden.
  • Der Staat wird sich in Zukunft vollständig aus dem Bereich der Gastronomie sowie der Service- und Technikdienstleistung zurückziehen. Entsprechende Einrichtungen sollen an das Personal verpachtet werden und auf Basis von Angebot und Nachfrage arbeiten, wobei die Immobilie in staatlichem Besitz verbleibt. Murillo sagte hierzu: „Einheiten, die das Programm der nicht-staatlichen Verwaltung übernommen haben, erzielten vorteilhafte Ergebnisse: die Arbeiter konnten ihre Einkommen erhöhen, Räumlichkeiten wurden wiederbelebt, die Öffnungszeiten ausgedehnt, während gleichzeitig die Preise in Übereinstimmung mit einer Zunahme von Qualität und Vielfalt des Angebots stiegen.
  • In den Provinzen Matanzas, Cienfuegos, Sancti Spíritus, Ciego de Ávila, Camagüey und Guantánamo läuft seit September 2014 eine experimentelle Hochschulreform, die  kleinere Hochschuleinrichtungen zu größeren Zentren zusammenfassen soll, um deren Qualität und die Ausnutzung der vorhandenen Räumlichkeiten zu verbessern. Ab September 2015 werden sich sechs weitere Provinzen an der Reform beteiligen, ab September 2016 kommt Havanna hinzu.

Unregelmäßigkeiten und Korruption

  • Gladys Bejerano, Vorsitzende des nationalen Rechnungshofs, gab einen Einblick über den Stand der Korruptionsbekämpfung in Kuba. Ihr zu Folge gebe es Defizite beim zeitnahen Aufspüren von Unregelmäßigkeiten, vor allem bei staatlichen Einheiten in lokaler Trägerschaft, in Läden- und gastronomischen Betrieben. Einheiten, die mit der Herstellung und dem Verkauf von Nahrungsmitteln beauftragt sind, sind dabei besonders anfällig für Korruption. Häufig kommt es zu Diebstählen des Inventars, Auffälligkeiten in den Rechnungen und überzogenen Inputanforderungen an die Planungsbehörden. Dennoch hat Bejarano zu Folge die externe Kontrolle in den letzten Jahren an Erfahrung und Professionalität gewonnen.
  • Rodrigo Malmierca Díaz, Minister für Außenhandel und Direktinvestitionen, berichtete von verzögerten Zahlungen an ausländische Frachter, verspäteten Importlieferungen und Qualitätsproblemen im Bereich des Außenhandels. Die neu verabschietete Resolution 50, die das Qualitätsmanagement im Außenhandel neu regelt, soll zur Verbesserung der Situation beitragen.

Fazit

Trotz der Fortschritte bei der Umsetzung der Leitlinien war der Grundtenor dieser Ministerratssitzung deutlich weniger optimistisch als vergangenen Sommer, als die zweite Phase der Leitlinien offiziell eingeläutet wurde. Das Wirtschaftswachstum unterschritt sogar die verhaltenen Erwartungen die für dieses Jahr angesetzt wurden, was bereits zu einigem Unmut geführt hat, der sich auch im kubanischen Internet zeigt. „Es ist ziemlich traurig, dass das was sie uns Jahr für Jahr versprechen von Sitzung zu Sitzung nicht erreicht wird“, fasste ein Kommentator auf „Cubadebate“ die Stimmung vieler Kubaner zusammen.

Die kubanische Wirtschaft befindet sich derzeit in ihrer empfindlichsten Phase seit 2011, da hinter den Kulissen mit der Währungs- und Unternehmensreform derzeit die Grundpfeiler des Wirtschaftssystems neu abgesteckt werden. Für Januar 2015 rechnen Ökonomen mit der Umstellung auf Peso Nacional in der Buchführung der staatlichen Unternehmen, was einen enormen Kraftakt für eine Volkswirtschaft bedeutet, die sich noch immer nicht vollständig von den Folgen zweier Hurrikane im Jahr 2012 erholt hat.

Dennoch stellt sich die Frage, welche „geplanten externen Einnahmen“ ausblieben und ob dies eine Folge schwankender Weltmarktpreise oder zurückgehender Subventionen aus Venezuela ist. Das verhältnismäßig schlechte Ergebnis der Zuckerernte kann jedenfalls nicht allein für das Verfehlen des Wachstumsziels verantwortlich sein, da dieser Sektor heute eine verhältnismäßig geringe wirtschaftliche Bedeutung hat. Die gute Performance der Tourismus- und Nickelindustrie, mit jährlichen Deviseneinnahmen von knapp 4 Mrd. US$, hätten dieses Defizit jedenfalls locker überkompensieren müssen.

Es bleibt abzuwarten, welche neuen Maßnahmen das kubanische Parlament im kommenden Juli verabschieden wird und wie die Umsetzung des Gesetzes über ausländische Direktinvestitonen ablaufen wird, das am 27. Juni in Kraft tritt. 2014 wird in jedem Fall ein Jahr der Umstrukturierung und der Vorbereitung auf ein 2015, das deutlich besser laufen muss. Dazu fand Raúl Castro bereits am Anfang der Sitzung die richtigen Worte: „Eine gigantische Aufgabe liegt vor uns, aber wir dürfen uns weder von den Problemen überwältigen lassen noch uns vor ihnen fürchten. Wir müssen Optimisten sein, denn das war schon immer der Geist der Revolution.“

Zuckerernte leicht verbessert

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Zuckerernte in Kuba (Quelle: Granma)

Obwohl Bereits Mitte Mai die diesjährige kubanische Zuckerernte für beendet erklärt wurde, ließ die staatliche Zuckerholding Azcuba einige Mühlen bis Juni weiterlaufen, um die magere Produktionssteigerung im Vergleich zur Vorjahressaison auszugleichen. Das zunächst angegebene vorläufige Ergebnis von 1,64 Millionen Tonnen (+2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) konnte bis dato auf ein Endergebnis von 1,67 Millionen Tonnen gesteigert werden (+4,2 Prozent). Dies gab heute die größte kubanische Tageszeitung Granma bekannt.

Insgesamt wurde der Produktionsplan für diese Saison zu 88 Prozent erfüllt, was noch immer nicht den Erwartungen der Planer entspricht. Insbesondere in der östlichen Provinz Holguín liefen noch bis vor wenigen Tagen die Mühlen, um alle Reserven auszunutzen. Aufgrund der starken Regenfälle war die Ernte in diesem Frühjahr nur eingeschränkt möglich, weshalb sich die diesjährige Saison ungewöhnlich lange bis in den Sommer hinzog. In den kommenden Jahren sollen ausländische Investitionen der kubanischen Zuckerindustrie bei der dringend notwendigen Modernisierung helfen.

Kuba erntet 1,64 Millionen Tonnen Zucker

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In Kuba entwickelter Zuckerernter, der dieses Jahr erstmals zum Einsatz kam. (Quelle: Granma)

Nach vorläufigen Angaben hat Kuba in diesem Jahr 1,64 Millionen Zucker produziert. Damit wurde zwar das Ergebnis der Vorjahressaison um 2,5% übertroffen, der Plan von 1,8 Millionen Tonnen dennoch weit verfehlt. Anfang des Jahres machten starke Regenfälle der kubanischen Zuckerindustrie zu schaffen, was die Bedingungen in einigen Gebieten drastisch erschwerte. Nach der Ernte wird der Zucker in den Mühlen weiterverarbeitet, die in den letzten Wochen nach und nach den Abschluss der Saison 2013/14 verkündeten. Zu den erfolgreichsten Provinzen gehören dieses Jahr Ciego de Ávila, Cienfuegos und Santiago de Cuba, wo der Plan vollständig erfüllt werden konnte.

„Die Ernte ist nahezu unmöglich“

Kuba hat in den letzten Jahren die Anbaufläche für Zuckerrohr erweitert, zahlreiche ineffiziente Mühlen geschlossen und die Investitionen in bestehende Anlagen erhöht. Dennoch wurde das gesteckte Produktionsziel nicht annähernd erreicht. Was sind die Ursachen für das verhältnismäßig schlechte Ergebnis? Bereits Anfang des Jahres meldeten die kubanischen Medien, dass „kontinuierliche und schwere Regenfälle in beinahe allen Provinzen seit Januar die Zuckerernte beeinträchtigen“. Hinzu kämen „gewöhnliche Probleme wie verzögerte Lieferungen, Desorganisation, langsam und schlecht durchgeführte Reparaturen“.

„Heutzutage ist die Ernte eine wirkliche Odyssee. Die Mühlen brauchen größere Reparaturen, aber das kostet Millionen und Abermillionen von Dollar“, kommentierte ein Zuckerarbeiter aus der Provinz Granma gegenüber Reuters. Die kubanische Zuckerindustrie ist schon seit Jahrzehnten stark unterkapitalisiert, viele der Mühlen stammen noch aus der Zeit vor der Revolution ebenso wie Teile ihrer Ausrüstung. In den letzten Jahren konnte sich der Sektor nur langsam wieder von seiner historisch niedrigsten Ernte mit 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2010 erholen.

In dieser Saison scheinen die Witterungsbedingungen eine ausschlaggebende Rolle gespielt zu haben. „Ich kann mich an keinen feuchteren Winter erinnern, die Ernte ist nahezu unmöglich“, sagte im Januar ein Zuckerarbeiter aus Holguín. Die Regenfälle waren in den östlichen und mittleren Landesteilen dieses Jahr doppelt so stark wie üblich. In den Provinzen Las Tunas und Villa Clara wird deshalb auch mit einem besonders schlechten Ergebnis gerechnet. Im April war noch eine Ernte von 1,3 Millionen Tonnen prognostiziert worden, die erreichten 1,64 Millionen Tonnen liegen daher deutlich über den jüngsten Erwartungen.

Neue Maschinen und Investitionen aus Brasilien

Um die Produktion zu steigern, soll für die kommenden Saison nicht nur die Anbaufläche weiter ausgedehnt werden, sondern auch neue Ausrüstung zum Einsatz kommen. Ein Beispiel dafür ist ein moderner Zuckerernter, der von kubanischen Ingenieuren der Fabrik „60. Jahrestag der Oktoberrevolution“ in Holguín entwickelt wurde. Das Modell basiert auf brasilianischer Technik und wird mit chinesischer Hilfe produziert. Der Prototyp wird seit April in Las Tunas getestet, im nächsten Jahr werden die ersten vier Maschinen regulär in Dienst gestellt. Die sowjetischen Modelle aus den 1980er Jahren, die bisher noch vorwiegend zum Einsatz kommen, sollen so schrittweise abgelöst werden.

Um langfristig die notwendigen Mittel für Investitionen in neue Anlagen zu gewinnen, versucht Kuba derzeit ausländische Investoren für die Erneuerung seiner Zuckerindutrie zu finden, Brasilien hat dabei bisher das größte Interesse angemeldet. Die 1981 errichtete Zuckermühle „5. September“ in Cienfuegos wird seit 2012 von der brasilianischen Firma Odebrecht verwaltet. Bis 2017 sollen 120 Millionen US$ in die Anlage investiert werden. Die Kapazität wird von derzeit 40.000 auf 150.000 Tonnen erhöht – was der gesamten diesjährigen Ernte der Provinz entspricht. Zugehörige Biogasanlagen sollen in Zukunft mit bis zu 160 Megawatt pro Tag zur Stromversorgung der Region beitragen.

In diesem Jahr hat der Betrieb seinen Plan mit 41.500 Tonnen sogar vorzeitig erfüllt, die Arbeiter berichten von einer höheren Arbeitsdisziplin unter den brasilianischen Chefs. Es sei nicht mehr möglich „zu spät zu kommen, oder vorzeitig Feierabend zu machen um andere Dinge zu erledigen – etwas, das unter kubanischen Managern einfacher war“. Zu den Bedingungen des auf 15 Jahre angelegten Vertrags mit Odebrecht gehört, dass die Mühle zu 100% in kubanischem Besitz bleibt und in nationaler Währung operiert. Eine Besonderheit ist, dass in der Anlage 60% der Gewinne reinvestiert werden, während der landesweite Durchschnitt bei 16-17% liegt. Bisher ist das Projekt das einzige seiner Art in Kuba, weitere könnten allerdings bald folgen. Die kubanische Handelskammer hat bereits sieben weitere Mühlen als Investitionsobjekte ausgeschrieben, denn in wenigen Jahren soll die Zuckerernte auf über 2 Millionen Tonnen gesteigert werden.

Zuckerernte für die Saison 2012/13 beginnt

Am Samstag beginnt in Kuba die jährliche Zuckerernte, auch Zafra genannt. Bereits am Dienstag wurde die erste Zuckermühle in Matanzas in Betrieb genommen gab heute der zuständige Experte von AZCUBA, Liobel Hernandez bekannt. Dieses neugeschaffene staatliche Unternehmen koordiniert nun zum zweiten Mal seit der Auflösung des Zuckerministeriums 2011 den Ernteablauf.

Am Samstag folgt eine Mühle in der Provinz Guantánamo nach, im Dezember werden sich weitere 24 anschließen, im Januar nochmals 21 und die letzten drei Mühlen werden im Februar 2013 ihren Dienst aufnehmen. Die besten Ergebnisse werden in den Provinzen Villa Clara, Las Tunas und Holguín erwartet. Der aktuelle Plan sieht eine jährliche Produktionssteigerung um 20% vor, was nach der letzten Ernte von 1,4 Millionen Tonnen nun einem Ergebnis von 1,68 Millionen Tonnen entspräche. Da durch den Hurrikan „Sandy“ ein beträchtlicher Teil der Plantagen im Osten der Insel beschädigt oder zerstört worden sind, bleibt abzuwarten ob sich das Ziel erreichen lässt.

Bei der diesjährigen Zafra wird auch zum ersten Mal seit der Revolution wieder ausländisches Kapital beteiligt sein: Die brasilianische Firma Odebrecht wird die Zuckermühle „5. September“ in der zentral gelegenen Provinz Cienfuegos für mindestens 13 Jahre betreiben und sie während dieser Zeit schrittweise modernisieren. Mit einer Anfangsinvestition von 60 Millionen US$ soll vor allem moderne Technik und neues Equipment angeschafft werden um die Produktivität zu steigern. Dies ist auch dringend erforderlich, da bis auf 8 alle der verbliebenen 56 kubanischen Zuckermühlen vor der Revolution errichtet wurden und durch chronische Unterinvestition oftmals stark veraltet sind. Nach dem planmäßig herbeigeführten Niedergang des Zuckersektors 2002 wurden 71 der insgesamt 156 Mühlen geschlossen und 60% der Anbaufläche für andere Zwecke freigegeben.

Nun soll der Zuckersektor wieder schrittweise belebt werden. In der diesjährigen Ernte kommen 50 Mühlen zum Einsatz, ihre Zahl wird sich bis 2015 auf 56 erhöhen, für dieses Jahr wird dann auch ein Ergebnis von 2,4 Millionen Tonnen anpeilt. Theoretisch ist der kubanische Zuckersektor bereits seit 1995 für ausländisches Kapital geöffnet, der Helms-Burton Act, ein 1996 in den USA verabschiedetes Gesetz zur Verschärfung des Embargos machte den Sektor jedoch bisher für Investoren unattraktiv. Das Gesetz kriminalisiert Investitionen in ehemals US-amerikanisches Eigentum und schreckte daher potentielle Investoren ab. Die Vereinbarung mit Brasilien ist Teil eines Pilotprojekts zur Revitalisierung der Zuckerindustrie. Odebrecht selbst ist in Kuba auch in anderen Kontexten bekannt, beispielsweise übernimmt das Unternehmen den Ausbau des Hafens von Mariel.

Kubas Zuckerindustrie beginnt sich zu erholen

Zucker war in der Geschichte Kubas immer eine der wesentlichen ökonomischen Säulen des Landes, mit Ernten von über 8 Millionen Tonnen pro Jahr gehörte Kuba in den 1980ern zu den wichtigsten Zuckerproduzenten weltweit. Doch seit der Sonderperiode in den 90ern begann dieser strategische Sektor stark an seiner Bedeutung zu verlieren: Die Ernten brachen mangels Investitionen langsam ein, als Folge dessen wurden im Jahr 2002 von den 155 Zuckermühlen des Landes mehr als die Hälfte geschlossen, der Sektor verlor zusehens an Relevanz für die gesamte Volkswirtschaft und wurde durch den Tourismus ersetzt. Missmanagement, fehlende finanzielle Mittel sowie Bürokratie trugen zur langsamen Austrocknung des Sektors bei. Schließlich wurde mit einer Ernte von 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2010 der historische Tiefpunkt seit 1905 erreicht. 2011 waren noch 46 Zuckermühlen in Betrieb.

Seit einiger Zeit soll die Zuckerindustrie allerdings als zusätzliches Standbein mit Blick auf die Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells wieder revitalisiert werden. Der steigende Zuckerpreis auf dem Weltmarkt dürfte sicherlich auch ein Anreiz für diese Entscheidung gewesen sein. Ein erster Schritt dazu war im September 2011 die Auflösung des Zuckerministeriums und die anschließende Gründung der Holding Azcuba. Diese behält 65% der Einkünfte bei sich und kann Entscheidungen über Investitionsvorhaben ohne Absprache mit der Regierung treffen. Im laufenden Jahr sollen knapp 63% der Deviseneinnahmen aus dem Sektor in neue Maschinen und technologien investiert werden. 2012 wurden beispielsweise 27 neue Erntemaschinen importiert, bis zum Ende des Jahres sollen es 100 werden. Auch sollen die Investitionen von derzeit 3 auf künftig 10 Millionen US$ pro Jahr erhöht werden.

Bereits jetzt zeigen die Maßnahmen erste Erfolge: Nach einer ersten Ertragssteigerung um 16% in der letzten Ernte konnten erstmals wieder Ergebnisse um 1,4 Millionen Tonnen erzielt werden. Bis 2015 ist zudem eine jährliche Steigerung um 20% geplant, so dass dann etwa 2,4 Millionen Tonnen geerntet werden könnten. Derzeit laufen verschiedene Modernisierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der brasilianischen Firma Odebrecht, die Kuba auch beim Hafenausbau von Mariel zur Hand geht. Beispielsweise werden gerade 6 Millionen Dollar in eine Zuckerrafinerie der Provinz Camagüey investiert, deren Ausbau voranschreitet. Langfristig soll so die Zahl der Raffinerien auf 56 erhöht und Ergebnisse um die 4 Millionen Tonnen pro Jahr erzielt werden sagte der Vizepräsident von Azcuba, Wilson Morell.