Fidels Limousinen wurden Taxis

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ZIL-Limousine in Havanna, heute im Dienst von Cubataxi (Quelle: BBC)

Wie die BBC berichtet, sind inzwischen in Kuba einige ältere Fahrzeuge aus dem Regierungsfuhrpark an die staatliche Firma „Cubataxi“ weitergegeben worden. Wie andere Regierungschefs hatte auch Fidel Castro während seiner Amtszeit eine Reihe von Fahrzeugen zu seiner offiziellen Verfügung, die meisten davon sowjetische Modelle vom Typ GAZ und ZIL. Die sowjetischen Autohersteller waren unter anderem für die Produktion „repräsentativer“ Fahrzeuge verantwortlich. Seit 2012 stellt ZIL wieder die Modelle für den russischen Präsidenten her.

Vor fünf Jahre wurden 14 dieser Staatskarossen, die sich großer Beliebtheit unter den sozialistischen Regierungschefs erfreuten, in den öffentlichen Taxibetrieb entlassen. Immerhin 10 von ihnen sind noch im Einsatz. Bei den Modellen handelt es sich meist um großräumige und gepanzerte Limousinen, speziell für diplomatische Anlässe. Sie kamen zum Transport ausländischer Würdenträger sowie bei Militärparaden zum Einsatz, während Fidel Castro selbst bevorzugt in einem olivgrünen Militärjeep durchs Land reiste.

Die meisten dieser Fahrzeuge wurden zwischen 1960 und 1980 hergestellt, unter ihnen befindet sich auch der ein spezieller  ZIL-111, der ein persönliches Geschenk von Nikita Chruschtschow war. Auch er kann in Kuba jetzt von jedem benutzt werden. „Wenn ich den Fahrgästen erzähle woher das Auto stammt, strecken sie auf dem Sitz hinten ihre Beine aus sagen: ‚Ich kann das nicht glauben!'“ berichtet einer der Fahrer.

Kuba reorganisiert staatliches Taxiunternehmen

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„Cubataxi“ in Havanna.

Seit heute können Selbstständige in Kuba unter Vertrag der staatlichen Taxifirma „Cubataxi“ arbeiten. Das Unternehmen wird derzeit in ganz Kuba einer Umstrukturierung unterzogen. Das neue Gesetz wurde im ersten Amtsblatt des neuen Jahres verkündet. Cubataxi ist die größte staatliche Taxigesellschaft des Landes und bietet hochwertigen Service in Peso Convertible vor allem für Touristen an, betreibt aber auch günstigere Taxis in nationaler Währung. Die neuen Regelungen basieren auf Erfahrungen eines erfolgreichen Pilotprojekts, das 2010 in Havanna begann und schrittweise auf drei weitere der landesweit 20 Filialen ausgeweitet wurde. Nun soll das Modell im ganzen Land Schule machen, womit ebenfalls die Erneuerung von 60 Prozent des Fuhrparks der Firma einhergeht.

Die neuen Regelungen sehen vor, dass Taxifahrer, die gegen CUC arbeiten, ab sofort nicht mehr direkt von Cubataxi ihren Lohn erhalten, sondern die Fahrzeuge von der Firma mieten  um dann auf eigene Rechnung mit ihnen zu arbeiten zu können. Dies ist die Konsequenz aus den Problemen des bisherigen Modells: Korruption und Betrug, Wucherpreise für Kunden sowie schlechter Service. Nicht selten kam es vor, dass der Fahrer eines CUP-Taxis sich weigerte, die Landeswährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren und stattdessen einen höheren Betrag in konvertiblen Pesos verlangte, um das Geld in die eigene Tasche zu stecken. Veruntreuung von Benzin und Ersatzteilen stellt ebenfalls ein Problem dar. Zwar gilt das neue Gesetz nur für Taxifahrer die in konvertiblen Pesos arbeiten, allerdings dürfte die stärkere Trennung der Korruption vorbeugen. Zudem dürfen nicht nur private Taxifahrer, sondern auch Mechaniker, Glaser, Reinigungskräfte, Elektriker sowie neun weitere Berufsgruppen von Cubataxi unter Vertrag genommen werden. Die Cuentapropistas haben die Möglichkeit, für monatlich 17 bis 20 Peso pro Quadratmeter Geschäftsflächen in den Niederlassungen der Firma mieten.

Die privaten Taxifahrer dürfen im Rahmen ihres Vertrags mit Cubataxi auch für andere touristische Dienstleister arbeiten. Beispielsweise können Reiseveranstalter jetzt ein unter privater Lizenz arbeitendes Taxi direkt von der Firma buchen. Auch dürfen künftige Taxifahrer mit dem eigenen Auto bei Cubataxi anheuern, insofern dieses die technischen Mindeststandards erfüllt. Für die verbliebenen staatlichen Beschäftigten (deren Verhältnis 1:10 zu den Taxifahrern betragen soll), gilt ein neues Lohnmodell: der Basislohn variiert zwischen 400 Peso für einen Mechaniker und 700 Peso für den Manager. Ab einer Planerfüllung von 70 Prozent wird schrittweise eine großzügige Prämie ausbezahlt, so dass am Ende des Monats  ein Lohn von bis zu 3700 Peso (148 CUC) das Ergebnis sein kann. Die Preise für das Mieten eines Taxis variieren zwischen 5 und 23 CUC pro Tag, je nach Alter des Fahrzeugs und Nachfrage. Benzin wird nur noch durch eine personalisierte Chipkarte ausgegeben, um Missbrauch vorzubeugen. Außerdem bietet Cubataxi allen Fahrern Reparaturdienstleistungen und Ersatzteile an, diese werden mit 10-prozentigem Aufschlag gegenüber dem Einkaufspreis abgegeben.

Mit den neuen Regelungen müssen die Fahrer jetzt mit ihrem eigenen Geld für Betankung und Wartung der Fahrzeuge sorgen, haben aber gleichzeitig die Möglichkeit, durch guten Service auf ihr Einkommen direkt Einfluss zu nehmen. Von dieser Umstrukturierung sind immerhin einige tausend Werktätige betroffen. Kuba könnte damit bald ein landesweit effizient organisiertes staatliches Taxisystem erhalten, zudem wird für Beschäftigung gesorgt: Wer ein Auto sein eigen nennt, kann potentiell bei Cubataxi unter Vertrag gehen. Das dürfte für viele einfacher sein, als sich unter kompletter Eigenregie selbstständig zu machen. In den Pilotprojekten konnten die Einnahmen pro Taxi so um den Faktor 30 gesteigert werden. Auch ist in dem Gesetz eine Kontinuität zu bisherigen Reformen zu erkennen: bereits die staatliche Telekommunikationsfirma ETECSA nimmt seit einiger Zeit Selbstständige unter Vertrag und  die Verpachtung von staatlichen Friseursalons an Cuentapropistas fällt ebenfalls in diese Kategorie. Offensichtlich scheint das Modell auch in anderen Sektoren zu funktionieren. Bis zum Ende des Jahres soll die Implementierung der Reform bei Cubataxi vollständig abgeschlossen sein.