Wasser ist Menschenrecht

Tanklastwagen versorgen die Bevölkerung in entlegenen Gegenden sowie im Katastrophenfall (Quelle: RadioBayamo)

In Kuba hat der Hurrikan »Irma« im September nicht nur eine Schneise der Verwüstung hinterlassen – er sorgte auch für heftige Regenfälle und beendete damit eine mehrjährige Dürreperiode, die im Sommer noch zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung geführt hatte. Waren die Stauseen der Insel im Sommer nur zu weniger als 40 Prozent gefüllt, meldete das Nationale Institut für Wasserwirtschaft (INRH) Anfang November einen Stand von 77 Prozent.

Der Regen war dringend notwendig. Die Dürreperiode hatte auf Kuba bereits seit über zwei Jahren angehalten und teils drastische Einschränkungen für Bevölkerung und Landwirtschaft mit sich gebracht. So mussten im Jahr 2015 viele Menschen in Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt im Osten des Landes, durch Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden. […]

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Ein Monat nach Hurrikan „Irma“ – aktuelle Zahlen und Fakten zum Wiederaufbau

Von „Irma“ betroffene Gebiete auf Kuba (Quelle: Vereinte Nationen)

Vor einem Monat hinterließ Hurrikan „Irma“ auf Kuba eine Spur der Zerstörung. Inzwischen gibt es genaue Zahlen zum Ausmaß der Schäden und dem Stand des Wiederaufbaus in den betroffenen Gebieten. „Cuba heute“ nutzt deshalb die Gelegenheit für einen Überblick zu den wichtigsten Informationen:

Der Sturm

  • Das Sturmtief „Irma“ entstand Ende August. Es war der stärkste atlantische Hurrikan außerhalb des Golfs von Mexiko und des Karibischen Meeres seit Beginn der Aufzeichnungen des National Hurricane Centers im Jahr 1898.
  • Irma war der erste tropische Wirbelsturm, der eine andauernde Windgeschwindigkeit von 297 km/h für 37 Stunden erreicht hat.
  • Irma war der erste schwere Sturm, der Kubas Hauptstadt Havanna seit dem Jahr 2005 heimgesucht hat. Zuletzt wurde Kubas Ostküste im Jahr 2016 von Hurrikan „Matthew“ schwer getroffen, während „Sandy“ im Jahr 2012 ebenfalls durch die östlichen Provinzen um die Stadt Santiago de Cuba wütete. Der Westen des Landes war zuletzt 2008 von einem Hurrikan betroffen.

Die Schäden und Verluste

  • Im Vorfeld des Sturms wurden 1,86 Millionen der rund 11,2 Millionen Kubaner evakuiert, die meisten kamen dabei bei Familienangehörigen oder Nachbarn unter. Dennoch verloren 12 Menschen ihr Leben, sieben davon in Havanna, die übrigen in den Provinzen Matanzas, Ciego de Ávila und Camagüey. Zuletzt verloren auf Kuba bei Hurrikan „Sandy“ im Jahr 2012 elf Menschen bei einem Sturm ihr Leben. „Sandy“ galt als der schwerste Wirbelsturm auf Kuba seit 1963.
  • Fast alle Provinzen des Landes waren von „Irma“ mehr oder minder stark betroffen: Die Hauptstadt Havanna, Matanzas, Villa Clara, Cienfuegos, Sancti Spíritus, Ciego de Ávila, Camagüey, Las Tunas sowie Holguín.
  • Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass rund 3,1 Millionen Kubaner weiterhin auf Hilfe angewiesen sind.
  • Von der kubanischen Zivilverteidigung wurden 158.554 Gebäude als beschädigt gemeldet:
    • davon verloren 103.691 Teile des Dachs
    • 23.560 erlitten Beschädigungen am Dach
    • 16.646 erlitten partielle (Struktur-)Schäden
    • 14.657 wurden komplett zerstört
  • Daran gemessen waren die Beschädigungen durch Irma weniger stark als bei Ike (2008) oder Sandy (2012), jedoch deutlich stärker als bei Matthew (2016).
  • Fast im gesamten Land fielen für einige Tage der Strom und damit auch die Wasserversorgung aus. Mehrere thermoelektrische Kraftwerke wurden beschädigt, darunter auch das Kraftwerk „Antonio Guiteras“ in Matanzas, welches für 20 Prozent des nationalen Strombedarfs aufkommt. Es wurden insgesamt 3.618 Strommasten, 1.379 Transformatoren sowie 2.176 Kilometer Stromkabel in Mitleidenschaft gezogen.
  • Mehr als 246.700 Telefonleitungen sowie 1.471 Datenleitungen fielen in Folge des Sturms aus. 312 Handymasten wurden beschädigt.
  • 980 Gebäude des Gesundheitssystems sowie hunderte Schulen wurden von Irma beschädigt.
  • 537 Kilometer Straße wurden in Mitleidenschaft gezogen.
  • In der Landwirtschaft wurden insgesamt rund 95.000 Hektar Nutzfläche verwüstet, davon allein 20.000 Hektar Bananenplantagen. 466 Farmen und Kooperativen waren betroffen.
  • Im Zuckersektor wurden rund 338.000 Hektar an Anbaufläche in Mitleidenschaft gezogen. 20 Raffinerien wurden beschädigt, jedoch traten an den massiven Gebäuden hauptsächlich Dachschäden auf.

Beschädigte Gebäude durch Hurrikane auf Kuba seit 2007. „Irma“ im Vergleich (Quelle: ONE 2.40)

Der Wiederaufbau

  • Noch immer erhalten 11.689 Personen direkte staatliche Unterstützung in Form von subventionieren Lebensmitteln.
  • Neben zahlreichen befreundeten Ländern wie Venezuela, Ecuador, China und Russland erhält Kuba auch Hilfe von den Vereinten Nationen. Mit insgesamt 55,8 Mio. US-Dollar wollen diese den Wiederaufbau unterstützen, davon sollen allein 23 Mio US-Dollar in den Wiederaufbau von Wohngebäuden und öffentlichen Einrichtungen fließen. Nach einem entsprechenden Dekret des Minisiteriums für Finanzen und Preise müssen jegliche Spenden ohne Aufpreis an die Betroffenen weitergegeben werden. Kosten für Transport und Logistik können über den Staatshaushalt geltend gemacht werden.
  • Die Wiederherstellung der beschädigten Straßen und Gebäude dürfte das Land noch viele Monate in Anspruch nehmen und erfordert große Investitionen. Um die Reparatur der Wohngebäude zu beschleunigen, hat Kubas Regierung ein Subventionsprogramm beschlossen, welches betroffenen Familien die Finanzierung von 50 Prozent der Kosten für Baumaterialien und Konsumgüter durch den Staatshaushalt ermöglicht. Andere Optionen wie günstige zinslose Kredite zur Finanzierung der anderen Hälfte stehen ebenfalls zu Verfügung. In den betroffenen Gebieten wurden 900 Verkaufsstellen eröffnet.
  • Inzwischen gibt es laut offiziellen Angaben in 99,9 Prozent der Gebäude wieder Strom und 99 Prozent des Wassernetzes ist wieder in Betrieb. In den Provinzen Villa Clara, Sancti Spíritus, Ciego de Ávila und Camagüey gibt es noch Beeinträchtigungen, doch auch dort ist man durchschnittlich bei 98 Prozent in der Wiederherstellung des Stromnetzes.
  • Am 29. September ging das 330 MW Kraftwerk „Antonio Guiteras“ als letzter und wichtigster der betroffenen Stromerzeuger wieder ans Netz, zunächst jedoch mit einigen Startschwierigkeiten und mit nur 70 Prozent seiner Leistung. Der vollständige Neubau der Kühlanlage wird sich noch einige Wochen hinziehen.
  • Inzwischen wurden etwa 95,3 Prozent der beschädigten Telefon- und Datenleitungen repariert, das Handynetz ist weitgehend wiederhergestellt und auch die Internet Hotspots funktionieren wieder.
  • Von den 980 beschädigten Gesundheitseinrichtungen wurde bisher rund jede Dritte (289) wieder aufgebaut.
  • Rund drei Viertel der beschädigten Bauernhöfe und Kooperativen sind inzwischen repariert worden, von den 95.000 Hektar der betroffenen landwirtschaftlichen Nutzfläche wurden bereits 35.000 Hektar wieder bestellt, hauptsächlich mit schnell wachsenden Gemüsepflanzen, um die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln in kürzest möglicher Zeit wieder zu verbessern.
  • 53 Prozent der beschädigten Zuckerrohr-Felder wurden inzwischen wieder bepflanzt, die restlichen weisen geringere Beschädigungsgrade zwischen 3 und 20 Prozent der Pflanzen auf.
  • Fast alle der beschädigten Hotels erlitten nur leichte Schäden, die Infrastruktur im Badeort Varadero funktioniert fast wieder in alter Frische. Die Strände in Varadero erlitten kaum Schäden und hatten bereits wenige Tage nach „Irma“ wieder geöffnet, ebenso der Großteil der Unterkünfte. Die spanische Hotelgruppe „Meliá“ will bis zum 15. Oktober ihre Einrichtungen auf Cayo Coco, Cayo Santa María und Cayo Guillermo wieder eröffnen. Bis zum 15. November sollen alle übrigen Hotels sowie der Flughafen auf der nördlichen Inselkette „Jardines del Rey“ folgen.

Aufräumarbeiten nach „Irma“ auf Kuba (Quelle: Cubadebate)

Die gute Nachricht

  • Allein im September fielen auf Kuba Niederschläge von durchschnittlich 256ml pro Quadratmeter, was 137 Prozent des historischen Durchschnitts für diesen Monat entspricht.
  • Die Staudämme und Wasserreservoirs des Landes konnten sich dadurch von 40 Prozent ihrer Kapazität auf einen Pegelstand von 68 Prozent erholen. Die mehrjährige Dürreperiode auf der Insel, von der rund 70 Prozent der Insel betroffen sind, erlebt dadurch eine signifikante Entspannung, was der Erholung der Landwirtschaft entgegenkommen dürfte.

Kubas Regierung beschließt Subventionsprogramm für Familien

Kubas Regierung plant den umfassenden Wiederaufbau der von „Irma“ zerstörten Gebäude (Quelle: Cubadebate)

Nachdem Hurrikan „Irma“ vor zwei Wochen über Kuba hinweggefegt war, laufen die Arbeiten zum Wiederaufbau noch immer auf Hochtouren. Mittlerweile ist die Strom-  und Wasserversorgung fast überall wiederhergestellt und die Hotels machen sich bereit für die kommende Hochsaison im November. Kubas Regierung will nun mit einem Subventionsprogramm den betroffenen Familien helfen, die zerstörten Wohnhäuser rasch wieder aufbauen zu können.

Im Rahmen des Maßnahmenkatalogs, der vor wenigen Tagen beschlossen wurde, wird der Staat die Hälfte der Kosten für die Baumaterialen der Hurrikangeschädigten übernehmen. Zudem sollen günstige Kredite vergeben werden, auch dann, wenn die betroffene Familie bereits einen Kredit abzubezahlen und keinerlei Garantien mehr zu geben hat. Die Produktion und Verteilung von Baumaterialien in den betroffenen Provinzen soll indes rasch aufgenommen werden.

Allein in Havanna hat „Irma“ rund 4.300 Gebäude beschädigt, komplett zerstört wurden in der Hauptstadt jedoch nur 157 Gebäude. Häufig wird über zerstörte Dächer berichtet, während einige Orte in den Provinzen Villa Clara, Matanzas und Ciego de Ávila schwer verwüstet wurden. Bis letzte Woche gab es noch berichte über einige tausend Personen, die aufgrund des Ausmaßes der Zerstörungen die Notunterkünfte nicht verlassen konnten.

Mit den neuen Maßnahmen will Kubas Regierung den Aufbau nun zügig in Schwung bringen. Betroffene Familien werden bereits seit dem ersten Tag der Aufräumarbeiten mit subventionierten Lebensmitteln versorgt, nun sollen bald Dächer, Zement, Stahlbeton und anderes folgen. Auch der Privatsektor soll gestützt werden: viele der betroffenen „Arbeiter auf eigene Rechnung“ können nun mit mehrmonatigen Steuererleichterungen rechnen, die ihnen helfen sollen, ihr Geschäft wieder auf die Beine zu stellen.

Mit Hochdruck soll ebenfalls der stark beschädigte Hotel-Hotspot „Jardines del Rey“ an der kubanischen Nordküste wiederhergestellt werden. Bis zum ersten November sollen die meisten Hotels sowie der Flughafen auf Cayo Coco wieder eröffnen. Bereits jetzt haben alle Hotels der Insel wieder Strom und Wasser, schwere strukturelle Schäden wurden nicht gemeldet. Die massiv gebauten Gebäude haben vor allem unter Schäden an den Dächern zu leiden, die jedoch verhältnismäßig schnell beseitigt werden können. In Varadero empfangen inzwischen 47 von 52 Hotels wieder Touristen. Auch hier gab Tourismus-Minister Marrero die Vorgabe aus, dass bis zum 1. November alle Schäden beseitigt sein sollen.

Obwohl Hurrikan „Irma“ auf Kuba 12 Todesopfer forderte und eine Spur der Verwüstung hinterließ, sind zur Stunde bereits kubanische Helfer auf der Insel Dominica aktiv, die vom Tropentief „María“ schwer verwüstet wurde.  Für Kuba brachte die heftige Sturmsaison immerhin eine kleine Erleichterung: Während „Irma“ über die Insel hinwegzog, konnten sich die Staudämme und Wasserreservoirs wieder von 40 auf 64 Prozent ihrer Kapazität füllen. Die mehrjährige Dürreperiode auf der Insel erfährt damit eine deutliche Entspannung.

Dürre macht Kubas östlichen Provinzen zu schaffen

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Leeres Staubecken in der Sierra Maestra (Quelle: Radio Rebelde)

Das Ausbleiben von Niederschlägen hat in den letzten Monaten in Kuba zu einer landesweiten Dürre geführt. Nach Angaben des kubanischen meterologischen Instituts (INSMET) sind derzeit etwa 60 Prozent des Landes von der Wasserknappheit betroffen. Vor allem in den östlichen Provinzen Santiago de Cuba, Holguín und Guantánamo leiden tausende Einwohner und landwirtschaftliche Betriebe unter den Folgen der Trockenheit.

Nach Informationen des Instituts wurde die Dürre für den Monat März in 13 Prozent der Landesfläche als „schwerwiegend“, in 22 Prozent als „moderat“ und in 25 Prozent als „schwach“ eingestuft. Allein in Santiago de Cuba fehlen über 450 Millionen Kubikmeter Wasser, die Staubecken sind dort nur zu etwa 30 Prozent gefüllt. Dies hat dazu geführt, dass manche Haushalte bis zu 16 Tage ohne fließendes Wasser auskommen mussten.

In Holguín gingen die Regenfälle um knapp die Hälfte gegenüber dem Durchschnitt zurück, dort werden aktuell über 32.000 Personen von den Folgen der Trockenheit geplagt. In den betroffenen Provinzen wurde die Wasserversorgung insbesondere für Vielverbraucher reduziert, darunter auch staatliche Einrichtungen. Zahlreiche Familien werden über LKWs mit sauberem Trinkwasser versorgt. Zu den unmittelbaren Maßnahmen zählt auch das Bohren von Brunnen sowie die Einrichtung neuer Wasserpumpen, um die Versorgung in den urbanen Räumen stabil zu halten.

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Karte von der aktuellen Dürre im Monat März (Quelle: insmet.cu)

Um dem Phänomen der Trockenheit langfristig zu begegnen, plant Kubas Regierung die umfassende Instandhaltung der Staubecken und Erneuerung der Wasserrohre des Landes. Die veralteten Rohrsysteme stammen mancherorts noch aus der spanischen Kolonialzeit und verursachen hohe Verluste. In mehreren kubanischen Städten wird deshalb das Wassernetz komplett erneuert, darunter auch Santiago de Cuba. Allein für die Stadt Havanna erfordern die auf 14 Jahre angelegten Arbeiten Investitionen von insgesamt 750 Millionen US-Dollar. Hierfür erhielt Kuba zuletzt Ende März vom kuwaitischen Entwicklungsfond einen neuen Kredit in Höhe von 21 Millionen US-Dollar.

Als Folge der globalen Klimaerwärmung ist Kuba in jüngster Zeit immer häufiger von Dürreperioden betroffen. Zuletzt herrschte im Jahr 2011 eine landesweite Trockenheit, die damals auch die Hauptstadt Havanna zur Wasserrationierung zwang. Die Niederschlagsreichste Zeit herrscht in Kuba zwischen Mai und Oktober, während die Monate November bis April als eher trocken gelten. Der baldige Beginn der Regenzeit kann die Kubaner in den kommenden Wochen zumindest auf eine leichte Entspannung der Situation hoffen lassen.