Kubas „alte Garde“ stärkt Díaz-Canel den Rücken

Der Daumen zeigt nach oben: Miguel Díaz-Canel, Raúl Castro, Ramiro Valdés und Machado Ventura (von links) am 26. Juli in Bayamo (Quelle: Cubadebate)

Der 26. Juli ist ein besonderer Tag auf Kuba. Der gescheiterte Angriff auf die Moncada-Kaserne 1953 in der östlichen Metropole Santiago markiert den Beginn der kubanischen Revolution, welche am 1. Januar 1959 das Ende der Batista-Dikatur einläutete. Traditionell gehört dieses Datum deshalb den Veteranen der Revolution. Doch nicht in diesem Jahr. 

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Mehr als 5.000 Lehrer kehren in den Schuldienst zurück

Mehr als 5.000 Lehrer und Unidozenten werden ab Herbst auf Kuba in die Klassen zurückkehren (Quelle: Cubahora/Cubadebate)

Wie Kubas Bildungsministerin Ena Velázquez bekannt gab, werden die Gehaltslisten des Bildungswesens nach den Sommerferien aufgestockt: mehr als 5.000 Lehrer und Unidozenten wollen in Folge der jüngsten Lohnerhöhung im Staatswesen wieder an die Tafeln zurückkehren. Damit steigt die Anzahl der Lehrkräfte im Vergleich zum vergangenen Halbjahr um zwei Prozent, womit 94 Prozent aller verfügbaren Stellen besetzt werden können.

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Lohnreform verdoppelt die Gehälter in Kubas Staatssektor

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel im Gespräch mit Arbeitern im Staatssektor (Quelle: Granma)

Die lang ersehnte Neuigkeit erreichte die Kubaner gestern mit Vorankündigung: um 20 Uhr sollen in den Abendnachrichten Details zu „neuen Wirtschaftsmaßnahmen und der Lohnerhöhung im Staatssektor“ bekannt gegeben werden, kündigte Präsident Díaz-Canel am Freitagnachmittag auf Twitter an. Und die Nachricht ließ in der Tat aufhorchen: So soll sich der Durchschnittslohn der kubanischen Staatsangestellten auf 1.067 Pesos (ca. 40 Euro) erhöhen, was praktisch einer Verdopplung gleichkommt. Auch mehr als 1,2 Millionen Rentner werden von den neuen Maßnahmen profitieren, welche ab Juli in Kraft treten.

Wie Wirtschaftsminister Alejandro Gil erklärte, soll mit der Lohnreform „eine bessere Antwort auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft“ gegeben werden. „Es ist noch nicht die endgültige Lohnerhöhung, die wir haben werden, aber gemessen an den Umständen in denen wir uns befinden, ist sie durchaus signifikant“, sagte Präsident Díaz-Canel über die Reform, welche den rund 2,75 Millionen Kubanerinnen und Kubaner zu Gute kommt, die direkt für den Staat arbeiten – also Lehrer, Universitätsdozenten, Verwaltungs- und Kommunalangestellte, und Rentner, deren Einkommen schon seit Jahren hinter denen der staatlichen Industrie hinterherhinken. So lag der Durchschnittslohn von Lehrern und Kommunalangestellten zuletzt 2017 bei rund 530 Pesos (ca. 19 Euro). Ein Industriearbeiter hat hingegen im Schnitt gut 1.200 Pesos (ca. 50 Euro) verdient. Die Rente beträgt auf Kuba in der Regel 60 Prozent des letzten Gehalts.

Während sich die Löhne in der Industrie in den letzten Jahren im Zuge der Unternehmensreform durch die Entwicklung betrieblicher Lohnfonds deutlich verbessert haben, waren die Gehaltszuwächse im direkt aus dem Haushalt bezahlten Staatsapparat deutlich schmaler. Einzige Ausnahme bildet das Gesundheitswesen, welches 2014 einen kräftigen Gehaltsschub erhielt. Mit der jüngsten Lohnreform soll diese Lücke zwischen den Sektoren deutlich verkleinert werden. So wird der Mindestlohn im Staatssektor auf 400 Pesos angehoben, während der Durchschnittslohn der 1,47 Millionen Staatsangestellten auf 1.067 Pesos (ca. 40 Euro), und damit auf das Niveau der Industrie ansteigen soll. Ebenfalls profitieren werden 1,28 Millionen Rentner, deren Pension weniger als 500 Pesos beträgt deren Rente aufgestockt werden soll.

Zur Finanzierung dieser Maßnahmen werden im Staatshaushalt 7,7 Milliarden Pesos (ca. 282 Millionen Euro) bereitgestellt. Um die Nachhaltigkeit der Lohn- und Rentenentwicklung garantieren zu können, wird zusammen mit der Reform das im Jahr 2013 zunächst für den Privatsektor etablierte Steuer- und Sozialabgabesystem auf die Staatsangestellten ausgedehnt: so werden künftig für Löhne bis 500 Pesos Sätze von 2,5 Prozent, für Löhne darüber 5 Prozent fällig, erklärte Finanzministerin Meisi Bolaños Weiss. Wie die Tageszeitung „Granma“ berichtet, wird die Lohnreform von Maßnahmen zur Förderung „einer Kultur des Sparens, der Diversifizierung der Exporte, der Substituierung von Importen und zur Kontrolle der Inflation“ sowie weiteren neuen Policys flankiert. Die Details dieser Reformen sollen in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Erst vor wenigen Wochen gab Kubas Wirtschaftsminister Alejandro Gil bekannt, dass Kubas Planwirtschaft im kommenden Jahr stärker dezentralisiert werden soll.

Mit der Lohnreform läutet Kubas Regierung einen ersten, aber bedeutsamen Schritt hin zur spürbaren Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung im Rahmen des 2011 gestarteten Reformprozesses ein. Damit soll nicht zuletzt die „umgekehrte Lohnpyramide“, wonach die Einkommen mit steigender Verantwortung sinken, korrigiert werden. So verdient ein Universitätsprofessor ab Juli 1.700 Pesos (vorher ca. 500), das Einstiegsgehalt eines Journalisten hat sich von 385 auf 1.100 Pesos erhöht und liegt ebenfalls über dem neuen Durchschnitt. Gleichzeitig ist die Maßnahme eine wichtige Voraussetzung für die anstehende Währungsreform, welche das System der Doppelwährung in den kommenden Jahren überwinden und die Devisenwährung CUC abschaffen soll. Möglich wurde der Schritt trotz der schwierigen externen Situation im Kontext der jüngsten Verschärfung der US-Blockade vor allem aufgrund der schrittweisen Reform der staatlichen Industrie in den letzten Jahren, welche ab 2020 weiter vertieft werden soll.

Löhne stiegen vergangenes Jahr um 23 Prozent

Salario

Vergangenes Jahr stiegen die Nominallöhne in Kuba auf 584 Pesos (Quelle: Radio Rebelde)

Die Kubaner erlebten 2014 eine überdurchschnittliche Lohnerhöhung. Nach aktuellen Informationen der Statistikbehörde ONE betrug der Durchschnittslohn auf der Insel im letzten Jahr 584 Pesos (ca. 22 Euro). Damit legten die Nominallöhne im Vergleich zu 2013 um durchschnittlich 23,5 Prozent zu. Die stärksten Lohnerhöhungen gab es im Gesundheitswesen (+61%), im Handel (+45%), im Bergbau (+44%) sowie in den Sektoren  Landwirtschaft (+32%) und Industrie (+26 %).

Seit 2008 sind die Löhne in Kuba um 41 Prozent gestiegen, allerdings betrug der Lohnzuwachs bis 2013 lediglich zwischen einem und fünf Prozent pro Jahr. Mit der laufenden Unternehmensreform versucht Kubas Regierung seit vergangenem Jahr den Staatsbetrieben größere Autonomie zu gewähren. Diese dürfen nun bei soliden Finanzen zusätzliche Prämien an ihre Angestellten ausbezahlen, wobei die Reform noch nicht vollständig implementiert ist. Ein wichtiger Grund für den großen Lohnzuwachs im vergangenen Jahr dürften auch die Lohnerhöhungen für die über 400.000 Mitarbeiter des kubanischen Gesundheitssystems gewesen sein. Während die Löhne in Bereichen wie Kultur, Sport und Bildung weitgehend konstant blieben, ging der Durchschnittslohn im Tourismussektor von 465 Pesos auf 377 Pesos zurück.

Die höchsten Löhne bezahlt der Staat in Kuba den Arbeitern in der Zuckerindustrie, sie erhalten durchschnittlich 963 Pesos oder 35 Euro pro Monat. Darauf folgen Minenarbeiter (819 Pesos) und Mitarbeiter des Gesundheitswesens (712 Pesos). Damit sind die kubanischen Ärzte und Krankenschwestern im letzten Jahr von der zweituntersten Lohngruppe auf den viertobersten Platz aufgestiegen. Der Durchschnittslohn unterscheidet sich in Kuba ebenfalls von Provinz zu Provinz. Während die höchsten Löhne heute in der Provinz Pinar del Río (645 Pesos) bezahlt werden, sind die Löhne auf der Insel der Jugend landesweit am niedrigsten (530 Pesos).

Trotz des überdurchschnittlichen Zuwachses sind die Reallöhne in Kuba noch immer nicht ausreichend zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Präsident Raúl Castro hat mehrmals bekräftigt, dass die Steigerung der Reallöhne zu den wichtigsten Aufgaben der Wirtschaftspolitik seiner Regierung gehört. Abzüglich Inflation und Teuerung beträgt die Kaufkraft der kubanischen Löhne heute 467 Pesos oder 17 Euro. Die Reallöhne haben seit 2008 um lediglich 12,5 Prozent zugelegt, durchschnittlich knapp zwei Prozent pro Jahr. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass die gut 500.000 Arbeiter des Privatsektors nicht in der Statistik berücksichtigt werden. Die Zahlen beziehen sich lediglich auf Löhne, die von Staatsunternehmen ausbezahlt werden.

Kuba erhöht Löhne für 440.000 Arbeiter des Gesundheitswesens

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Sitzung des kubanischen Ministerrats, unter Vorsitz von Präsident Raúl Castro, am 21. März 2014, (Quelle: „Cubadebate„).

Der kubanische Ministerrat hat heute eine großflächige Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens beschlossen, meldete die Granma. Der Monatslohn für bestimmte Berufsgruppen erhöht sich teilweise um über 100 Prozent, zugleich wird ein neues Lohnsystem für den Sektor geschaffen. Die Maßnahmen werden ab dem 1. Juni dieses Jahres in Kraft treten. Derzeit arbeiten 440.000 Personen im kubanischen Gesundheitswesen, wobei 50.000 Fachkräfte gegen Bezahlung im Ausland eingesetzt werden.

Die Umsetzung der Lohnsteigerung fußt auf den vom VI. Parteitag beschlossenen „Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Marino Murillo, der für ihre Umsetzung verantwortliche Ökonom im Politbüro, erklärte auf der Sitzung, dass dies ein erster Schritt bei der graduellen Steigerung der Löhne sei. Dabei betonte er, dass von der Lohnerhöhung besonders Ärzte profitieren würden, deren Lohn durchschnittlich um 890 bis 970 Peso (ca. 35 bis 38 US$) aufgestockt wurde (siehe Tabelle). Den geringsten Anstieg gab es bei einfachen Krankenschwestern, die ab Juni immerhin 275 Peso (ca. 11 US$) mehr in der Tasche haben werden. Das Einstiegsgehalt für einen Arzt wird von 425 auf 1100 Peso steigen, von 17 auf 44 US$. Spezialisierten Ärzten, mit mehreren Jahren Berufspraxis, werden künftig statt 500 bis 600 Peso (ca. 20 bis 24 US$) zwischen 1400 und 1600 Peso (ca. 56 bis 64 US$) monatlich ausbezahlt.

Gleichzeitig wurde die Anzahl der Gehaltsgruppen vereinfacht und eine Reihe von Bonuszahlungen gestrichen. Stattdessen wird künftig die Nachtarbeitszeit mit doppeltem Stundenlohn vergütet, das betrifft neben den Ärzten auch die Magenspezialisten, Krankenschwestern, Techniker und andere Arbeiter des Gesundheitswesens. Auch ihre Kollegen im Ausland werden von den Maßnahmen profitieren. Bisher wanderten 80 Prozent der 4.100 US$, die Brasilien für einen kubanischen Arzt bezahlt, direkt an den Staat. Während die kubanischen Ärzte im Ausland monatlich etwa 350 US$ erhalten, werden weitere 500 US$ auf Konton in Kuba für ihre Familie aufbewahrt. Trotz dieses Systems nutzten viele Kubaner die Möglichkeit, sich in die Gastländer abzusetzen, wobei keine genauen Zahlen über das Ausmaß der Fluchtbewegung bekannt sind. Deshalb soll der Monatslohn für kubanische Ärzte im Ausland nun auf 1.200 US$ steigen, wobei das Geld wohl direkt ausbezahlt wird.

Dabei kann sich Kuba die Lohnerhöhungen derzeit gut leisten. Neben einem steigendem Nickelpreis gelten auch die kräftigen Deviseneinnahmen aus dem Tourismus und dem Ärzteexport als positive Indikatoren für 2014. Die 50.000 kubanischen Ärzte, welche in 66 verschiedenen Ländern im Einsatz sind, machen 64 Prozent der Einnahmen aus dem kubanischen Dienstleistungssektor aus, erklärte Murillo. Für die 30.000 Ärzte in Venezuela erhält Kuba 92.000 Barrels Öl pro Jahr, mit einem Wert von jährlich 3,2 Milliarden US$.
Insgesamt rechnet die kubanische Regierung dieses Jahr mit Einnahmen von 8,2 Milliarden US$ aus den Ärztemissionen.

In Kuba selbst wird derweil das Gesundheitswesen umstrukturiert, zwischen 2010 und 2013 reduzierte sich die Zahl der Angestellten im Gesundheitsseektor um 109.000, was für den Staat Einsparungen von jährlich etwa 23,5 Millionen US$ bedeutet. Verteilt man diese Summe auf alle Angestellten die in dem Sektor heute arbeiten, erhält man die Zahl von 5 US$ pro Monat. Man kann also feststellen, dass nicht nur die Einsparungen weitergegeben wurden, sondern der Staat zusätzliche Mittel für die Lohnerhöhungen bereitgestellt hat. Trotz des Stellenabbaus soll Murillo zu Folge die Qualität des Gesundheitswesens erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden. Derzeit investiert das Land zusätzliche Mittel in die Restaurierung seiner Altenheime.

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Tabelle: Ausgewählte Beispiele für die Lohnerhöhungen. Linke Spalte: derzeitiger Lohn, mittlere Spalte: neuer Lohn ab 1. Juni, rechte Spalte: Differenz. 25 Peso Nacional = 1 CUC = 1 US$ (Quelle: „Cubadebate„).