Ein Jahr nach Tod: Kuba und viele Staaten gedenken Fidel Castros

Zentrale Gedenkveranstaltung am 25. November auf den Treppen der Universität Havannas (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Ein Jahr nach dem Tod des Revolutionsführers Fidel Castro gedenken die Kubaner ihres ehemaligen Staatschefs. Am gestrigen Samstag veranstaltete der Jugendverband der Kommunistischen Partei (UJC) auf den Treppen der Universität von Havanna, wo Castro einst studierte, die zentrale Gedenkveranstaltung. Auch andernorts wird das Wirken Fidel Castros in Erinnerung gerufen.

So stiftete die Universidad Nacional Autónoma (UNAN) in Nicaragua kurz vor dem Jahrestag einen Ehrendoktor an Castro für dessen „großen Beitrag zur Menschheit und der Geschichte als Vorkämpfer der Revolution in Lateinamerika“. Zahlreiche Solidaritätsorganisationen in der ganzen Welt werden am Samstag Veranstaltungen zu Ehren Castros ausrichten.

Auf Kuba findet in verschiedenen Institutionen ein umfangreiches Programm statt. Der Künstler Raúl Torres hat dazu seinen Beitrag geliefert. Das Lied „Cabalgando con Fidel“, welches in den Tagen nach seinem Tod vergangenen November zur inoffiziellen Trauerhymne für den verstorbenen Guerillakämpfer wurde, stammt aus seiner Feder. Ein Jahr nach Castros Tod hat Torres mit „Laureles y Olivos“ (Lorbeeren und Oliven) nun ein weiteres Lied zu seinen Ehren veröffentlicht. Torres erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal Cubadebate seine Zuneigung für Castro: „Ich bezeichne mich mit großem Stolz als Fidelista!“

Aus Argentinien kam indes vergangene Woche die Replika der markanten Mütze des „Comandante en Jefe“ nach Kuba. Mitglieder der Organisation der Kubaner in Argentinien haben die 30 Kilogramm schwere Skulptur zusammen mit der dortigen Kuba-Solidaritätsbewegung geschaffen. Sie soll im nächsten Jahr bei der Parade zum 1. Mai zu sehen sein. In Südafrika wurde vergangenen Monat sogar eine Statue Fidel Castros enthüllt, entgegen dem expliziten Wunsch des Verstorbenen, den dieser in seinem Testament niedergelegt hatte.

Das kubanische Nationalballett kündigte an, vom 23. bis zum 26. November ein spezielles Programm zu Ehren des Verstorbenen anzubieten. Hierzu zählt unter anderem die Aufführung des romantischen Stücks „La Bayadère“ mit Musik von Léon Minkus, das 1877 im St. Petersburger Bolschoi-Theater uraufgeführt wurde. Die Veranstaltungen sollen im frisch restaurierten Nationaltheater „Alicia Alonso“ in Havanna stattfinden. Die Parteihochschule „Nico López“ führte eine Konferenz zum Studium des Gedankenguts Fidel Castros durch. Das Zentrum für internationale Beziehungen veranstaltete einen ähnlich gelagerten Workshop, an dem auch der Liedermacher Silvio Ródriguez einen Beitrag lieferte. „Fidel Castros Gedanken waren noch nie so notwendig wie heute“, kommentierte der Leiter der Nationalbibliothek in seinem Redebeitrag auf der Veranstaltung.

Das Gedenken an Fidel Castro reicht bis nach Washington, wo verschiedene Forscher und Solidaritätsgruppen vergangene Woche eine Podiumsdiskussion abhielten. Der puertoricanische Befreiungskämpfer Oscar López Rivera, der seit mehreren Tagen auf Einladung der kubanischen Regierung auf der Insel zu Gast ist, zollte dem verstorbenen Revolutionär bereits am Dienstag an dessen Grab in Santiago de Cuba Tribut. „Ich glaube Fidel gab mir die Kraft, diesen Kampf zu führen“, sagte Rivera. Er war im Mai dieses Jahres nach 36 Jahren Gefangenschaft freigelassen worden.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

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Universität von Havanna richtet Lehrstuhl zum Studium der Ideen Fidel Castros ein

Die Universität von Havanna (UH) wurde 1728 gegründet und gilt im Berich der Geistes- und Sozialwissenschaften als bedeutendste Universität des Landes (Quelle: Commons)

Die Universität von Havanna, Kubas älteste und anerkannteste Hochschule, kündigte vergangene Woche die Eröffnung eines neuen Lehrstuhls an, der sich dem „Studium des Denkens Fidel Castros“ widmen soll. Rund ein halbes Jahr nach dem Tod des langjährigen Staatschefs und Revolutionsführers, soll dessen ideologisches Erbe mit diesem Schritt erstmals systematisch erfasst und erforscht werden.

Die eremitierte Historikerin Francisca López soll den Lehrstuhl besetzen (Quelle: Cubadiario)

Die Ehrenprofessur („Cátedra Honorífica“) soll dabei von der emeritierten Historikerin Francisca López übernommen werden, die sich bereits mit dem Studium des Werks von José Martí als Leiterin der Cátedra Martí einen Namen gemacht hat.

Bei der Veranstaltung zur Verkündigung der Gründung des Lehrstuhls waren neben dem Rektor der Universität von Havanna auch der Leiter des ICAP und „Held der Republik“ Fernando González anwesend, der im Rahmen einer von Fidel Castro initiierten Kampagne vor wenigen Jahren aus der Haft in den USA entlassen wurde.

Die „Messe der Nationen“ in Havanna

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Der Vietnamesische Stand auf der „Feria de las naciones“ auf dem Gelände der Universität von Havanna (eigene Aufnahme)

Am heutigen Donnerstag fand auf dem Campus der Universität von Havanna die jüngste Ausgabe der »Feria de las naciones«, (dt. Messe der Nationen) statt. Zahlreiche ausländische Studierende stellten auf dem Unigelände die Kultur ihres Landes vor. Von Angola bis Palästina waren die unterschiedlichsten Länder vertreten. Neben lokalen Gerichten wurden dabei auch Musikeinlagen und Tänze zum besten gegeben.

Obwohl nur etwa 30 Syrer derzeit in Kuba studieren, gelang es den syrischen Studenten einen gut besuchten Stand aufzubauen – was sicher auch an der öffentlichen Shisha lag, die gerade bei den Kubanern großes Interesse hervorrief. Vietnam und Angola zogen mit lokalen Trachten und Musik die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich, während Ecuador mit hervorragendem Karten- und Infomaterial die Werbetrommel für den Tourismus rührte.
Gegenüber stellten sich die verschiedenen Fakultäten der Universität in einem Koch- und Backwettbewerb vor. Auch ein Atomium aus Teigbällchen war unter den zahlreichen kreativen Ideen der kubanischen Studenten.

Auffallend war, dass europäische Länder auf der Messe praktisch nicht vertreten waren. Kuba beherbergt derzeit etwa 18.000 ausländische Studierende, wobei die meisten aus afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Entwicklungsländern stammen für die Kuba kostenlose Studienplätze bereithält. Sie verbringen oft ihre gesamte Studienzeit in Kuba und erleben daher die jährliche Messe nicht zum ersten Mal, während die meisten europäischen und nordamerikanischen Studenten nur einige Monate im Land bleiben und naturgemäß deutlich schlechter vernetzt sind.

Die »Messe der Nationen« war für mich (und sicher auch für viele Kubaner) eine hervorragende Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern und mit Kommilitonen aus fast allen Kontinenten ins Gespräch zu kommen. Leider bin ich einer vergleichbaren Veranstaltung in Deutschland noch nicht begegnet, bei der sich Studenten aus den verschiedensten Ländern auf gleicher Ebene austauschen und die Kultur ihrer Länder mit selbst gestalteten Ständen vorstellen. Nachfolgend einige fotographische Impressionen, die einen Eindruck von der Messe geben sollen.

Semesterbeginn an der Universität von Havanna

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Seminarraum der Universität von Havanna

Nachdem die ersten bürokratischen Hürden genommen sind, beginnt sich mein Studium an der Universität von Havanna langsam zu entwickeln. An dieser Stelle möchte ich die noch frischen Eindrücke nutzen, um einen ersten Vergleich zwischen einem Seminar in Kuba und in Deutschland zu geben.

Ein typischer Seminarraum

Die Kurse an kubanischen Hochschulen ähneln in vielerlei Hinsicht den Seminaren an deutschen Universitäten, wobei sich die Räumlichkeiten unterscheiden: kubanische Seminarräume glänzen durch die Abwesenheit von Overhead-Projektoren und Beamern, was durch die Persönlichkeit des Dozenten wett gemacht werden muss. Mein Geschichtskurs beispielsweise besteht aus 30 Teilnehmern. Wir verteilen uns auf 24, etwa anderthalb Meter lange Holzpulte, die für je zwei Personen ausgelegt sind. Während der Stunde ist trinken erlaubt, allerdings warnt ein Schild: »Eis essen verboten«. Mangels Klimaanlage benutzen die meisten hier Fächer, um sich kühlenden Wind zuzuführen. An der Vorderseite des Raumes ziert eine etwa vier Meter lange Tafel die Wand, welche in der Regel trocken gewischt wird. Auf einer kleinen Erhebung steht das Pult des Dozenten, der hier – wie auch viele meiner Kommilitonen – meist weiblich ist. Zu Beginn der Stunde erheben sich alle Studenten und wünschen dem Dozenten im Gleichklang einen guten Tag, was mich an meine Schulzeit erinnert. Dafür entfällt das in Deutschland übliche Tischgeklopfe zum Ende der Stunde. Die Stunden dauern genau gleich lang wie bei uns: 90 Minuten. Manchmal gibt es eine fünfminütige Pause dazwischen, die von vielen zum rauchen benutzt wird. Rauchen darf man auf dem Campus nämlich fast überall und in der Pause muss man lediglich einen Meter vor den Seminarraum setzen um sich der Nikotinsucht genüsslich hinzugeben.

Der Unterrichtsstil

Der Vortragsstil wechselt scheinbar je nach Wochentag zwischen Vorlesungs- und Seminarstil. Einmal durften wir uns einen langen Vortrag unserer Dozentin anhören (bei dem jedoch Rückfragen und kurze Diskussionen möglich waren), an einem anderen Tag hatten wir einen 46-Seitigen Text vorzubereiten der anschließend diskutiert wurde. Wortmeldungen sind hier eigentlich immer möglich. Die Dozenten scheuen keine Diskussion und sind überaus engagiert und hilfsbereit. Und das nicht gegenüber den wenigen Ausländern in meinen Kursen. Beeindruckend fand ich, dass die Dozenten praktisch ohne Manuskript eine ganze Vorlesung halten können. Insbesondere meine Geschichtsdozentin scheint wirklich alles auswendig zu können. Wortmeldungen werden entweder per Handzeichen angemeldet oder einfach hereingerufen, wobei das nie sonderlich störend auf mich gewirkt hat. Sehr häufig wiederholt der Dozent etwas aus früheren Stunden bekanntes und die ganze Klasse kann scheinbar nicht anders als das nachfolgende Wort, welches von allen bereits antizipiert wurde, gemeinsam mit dem Dozenten laut vorzusprechen. Auch mit Folgefragen wie: »Sachverhalt X verhält sich so und so… ja oder nein? dann verhält sich Sachverhalt Y aber so und so, ja oder nein?« wird häufig ein Thema logisch deduziert. Bei Verständnisproblemen greifen die Dozenten gerne zur Kreide und pinseln lustige Skizzen an die Tafel – der Humor kommt nicht zu kurz: Meine Dozentin in Politische Ökonomie des Kapitalismus hat uns heute beispielsweise das Marx’sche Wertgesetz mit Hilfe einer Handtasche und eines Regenschirms illustriert, was für einige heitere Momente gesorgt hat. Überhaupt ist die Atmosphäre hier sehr familiär und erinnert mich an meine Zeit an der Oberstufe: Man kennt sich von Anfang an. Der Schein der Anonymität auf dem Campus trügt, jeder Einzelne ist wichtig.

USB-Sticks statt Internet

Die Seminardiskussionen laufen in Kuba anders ab als in Deutschland. Ich habe den Eindruck, dass die Studenten wesentlich überlegtere und längere Wortbeiträge beisteuern, von denen viele erst einmal unkommentiert bleiben. Insgesamt, so scheint mir, wird das Lesen der Seminartexte in Kuba deutlich ernster genommen als in Deutschland. Dabei haben die Kubaner eine sehr kreative Lösung entwickelt, mit der sich die Texte in digitaler Form auch ohne Internet verteilen lassen: Am Ende der Stunde werden USB-Sticks eingesammelt, die vom Dozenten dann mit den entsprechenden Inhalten für die nächsten Sitzungen bespielt werden. Die Texte sind allerdings keine Scans im PDF-Format wie bei uns, sondern Word-Dokumente. Mir scheint, dass irgendjemand einmal sehr viel tippen musste.

Auf inhaltlicher Ebene stehen die kubanischen Seminare in marxistischer Tradition, verstehen es jedoch, die marxistische Philosophie als etwas lebendiges und ganz und gar selbstverständliches zu vermitteln. Dabei darf auch hinterfragt und kritisch diskutiert werden. Interessant sind die zahlreichen Querverbindungen, die immer wieder zwischen dem humanistischen Denken José Martís und der marxistischen Philosophie gezogen werden. Für detailliertere Urteile zum Inhalt würde ich mich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt zu weit aus dem Fenster lehnen.

Insgesamt wurde ich von meinen hohen Erwartungen an das kubanische Bildungssystem bisher nicht enttäuscht. Trotz der Abwesenheit von PowerPoint und Folien schaffen es die Dozenten hier allein Kraft ihrer Persönlichkeit eine angenehme und erkenntnisreiche Stunde zu bieten. Wie denn auch nicht? Schließlich gibt es die universitäre Bildung schon weitaus länger als jene technischen Mittel, die bei uns oft genug nicht sinnvoll genutzt werden. Dennoch würde ein verstärkter Medieneinsatz (nicht nur) ausländischen Studierenden das Leben leichter machen. Großartig finde ich den geringen Klassenteiler bei angemessener Raumgröße: Das macht Mikrofone obsolet und bietet jedem genug Raum für Nachfragen und Diskussionen. Überfüllte Hörsäle und Seminare, die aus allen Nähten platzen, musste ich hier bisher noch nicht erleben.


Anbei einige Videos von der Inaugurationszeremonie zum Semesterbeginn:

ETECSA schafft neue WiFi-Netze und senkt die Preise

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In vielen kubanischen Städten werden derzeit WiFi-Netze eingerichtet (Quelle: Cartasdesdecuba)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA installiert derzeit im ganzen Land neue WiFi-Netze mit öffentlichem Internetzugang. Der Preis für eine Stunde Internet wurde für die drahtlosen Netze auf 2,25 CUC halbiert. Neben der Hauptstadt Havanna profitieren  vor allem kleinere Städte in Zentral- und Ostkuba von dem günstigeren Internetzugang. Doch auch die vier größten Hochschulen des Landes sollen noch in diesem Jahr über einen besseren Zugang zum weltweite Netz verfügen.

Ende letzten Jahres kündigte die Telefongesellschaft an, den Ausbau von WiFi-Netzen auf der Insel massiv beschleunigen zu wollen. Den Anfang machte dabei die Touristenhochburg Trinidad, wo seit April dieses Jahres eine 2 Mbps-Leitung den Parque Céspedes mit drahtlosem Internet versorgt. Derzeit werden vergleichbare Angebote in den Städten San José de las Lajas, Güines, Sancti Spíritus, Camagüey, Baracoa und Guantánamo eingerichtet. Sie sollen innerhalb der nächsten Wochen ihren Dienst aufnehmen.

Entsprechende Antennen werden ebenso in der belebten Avenida 23 („La Rampa“) in Havanna installiert, so dass in der Nähe der Uferpromenade Malecón das drahtlose surfen im Netz schon bald möglich sein sollte. Nach Informationen von „Martí Noticias“ wurde der übliche Preis von 4,50 CUC pro Stunde bei den WiFi-Netzen offenbar dauerhaft auf 2,25 CUC reduziert. Noch im Jahr 2013 lag der Preis für eine Stunde Internetzugang landesweit bei mindestens 6 CUC, was etwa einem Drittel des durchschnittlichen Monatslohns entsprach.

Auch der Internetzugang an den vier größten Hochschulen des Landes wird derzeit massiv erweitert. So ging vor wenigen Wochen das erste WiFi-Netz auf dem Campus der Universität von Havanna (UH) in Betrieb. Die Inbetriebnahme von drahtlosen Netzen ist des weiteren an der Universidad de Oriente (UO) in Santiago, der Informatikhochschule (UCI) sowie an der Polytechnischen Hochschule CUJAE (beide in Havanna) geplant. Kubas Hochschulminister Rodolfo Alarcón Ortiz kündigte darüber hinaus an, Forscher und Universitätsdozenten verstärkt mit Internetanschlüssen in ihren Privatwohnungen versorgen zu wollen.

Neue Studie analysiert Fortschritte in Kuba: Langsam, aber stetig

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Cover der Studie von Carmela Mesa-Lago

In einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Pittsburgh, hat der kubanischstämmige Ökonom Carmelo Mesa-Lago den Stand der Umsetzung der 2011 beschlossenen Leitlinien zur Aktualisierung des kubanischen Systems überprüft. Mesa-Lago gilt als einer der besten Kenner der kubanischen Wirtschaft. Die Studie trägt den Titel: „Institutional Changes of Cuba’s Economic-Social Reforms: State and Market Roles, Progress, Hurdles, Comparisons, Monitoring and Effects“ und versucht die Erfolge und Probleme der kubanischen Wirtschaftspolitik in den vergangenen drei Jahren zusammenzufassen.

Der Studie zu Folge entwickle sich Kuba insgesamt in eine positive Richtung, wenn auch langsam. Zu den wichtigsten Reformen gehörten dabei die Einführung von Mikrokrediten und Großmärkten in der Landwirtschaft, sowie die Verpachtung von Böden und die bessere Registrierung der Eigentumsverhältnisse bei den Wohnungen durch die Einführung von Besitzurkunden. Die größten Probleme seien nach wie vor die fehlende Preis- und Währungsreform mit einem realistischen Wechselkurs des Peso Nacional sowie das Ausbleiben einer umfassenden Reform des Bankensektors.

Die kubanischen Institutionen hätten sich dem Autor zu Folge in den letzten Jahren zwar in einen Reformprozess begeben, dennoch seien die konkreten Ergebnisse in Form von Wirtschaftswachstum noch nicht eingetreten und viele Kernprojekte stünden gerade erst am Anfang. Dies mache es schwierig, den von Raúl Castro selbst festgesetzten Zeitplan noch zu erreichen. Die Umsetzung der Lineamientos werde so auf jeden Fall bis 2018 dauern.

Erfolge sieht Mesa-Lago in der Landwirtschaft bei der Verpachtung von brachliegendem Land an Kleinbauern. Seit der Ausweitung der maximalen Fläche auf 67 Hektar im Jahr 2012 und der zunehmenden Verknüpfung mit staatlichen oder genossenschaftlichen Farmen, seien bereits erste Resultate sichtbar. Dennoch sei der unter Marktpreisen liegende Ankaufpreis des staatlichen Monopolabnehmers „Acopio“ ein negativer Anreiz für die Produzenten. Die schrittweise Auflösung von Acopio will die kubanische Regierung 2015 angehen.

Dabei schlägt der Ökonom auch konkrete Maßnahmen vor, um das Wirtschaftswachstum zu fördern: Selbstständige sollten Mesa-Lago zu Folge auch akademische Jobs ausüben dürfen und die Errichtung von mittleren Kooperativen sei von staatlicher Seite stärker fördern. Auch die Senkung der Steuern für private Unternehmer, die Ausweitung des Kreditprogramms sowie die Einrichtung von Großmärkten für den Privatsektor werden vorgeschlagen, um den derzeitigen Reformprozess zu beschleunigen.

Das 26-Seiten dicke Paper wurde für eine Reihe von Expertenworkshops der Lateinamerikainitiative des Brookings-Institut in Zusammenarbeit mit der Universität von Havanna in Auftrag gegeben und lässt sich hier als PDF (englisch) herunterladen.