Putin besucht Kuba am 11. Juli

putin-and-fidel-december2000

Fidel Castro und Wladimir Putin bei dessen letzten Besuch in Havanna, Dezember 2000 (Quelle: Progreso Weekly).

Moskau, 8. Juli (RIA Novosti). Russlands Präsident Wladimir Putin reist vom 11. bis 16. Juli durch mehrere lateinamerikanische Länder, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

Neben seinen Besuchen in Kuba und Argentinien nimmt der russische Staatschef am 6. BRICS-Gipfel im brasilianischen Fortaleza teil. Im Beisein Putins findet in Rio de Janeiro die feierliche Übergabe des Austragungsrechts für die nächste Fußball-WM in Russland statt.

Auf Einladung des kubanischen Staatschefs Raul Castro besucht Putin zunächst den Inselstaat. Ein Treffen mit Revolutionsführer Fidel Castro wurde bereits angekündigt. Der 87-jährige Commandante hat sich lange Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit sehen lassen, weshalb sein Treffen mit Putin weltweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Die russische Staatsduma (Parlamentsunterhaus) hatte vor Beginn der Sommerferien ein Regierungsabkommen mit Kuba ratifiziert, demzufolge 90 Prozent der kubanischen Schulden aus der Sowjetzeit erlassen werden. Es handelt sich um 31,7 Milliarden Dollar von insgesamt 35,2 Milliarden Dollar. Der Rest von 3,5 Milliarden soll in 20 Raten über eine Laufzeit von zehn Jahren abbezahlt werden.

Laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow werden zehn Prozent der Schulden in die kubanische Wirtschaft reinvestiert. „Wir erwägen ein Projekt zum Bau eines internationalen Frachthubs unter Teilnahme Russlands und anderer Länder auf Kuba“, so Lawrow. In dem 45 Kilometer von Havanna entfernten Hafen Mariel soll eine Sonderwirtschaftszone inklusive Frachtterminal für den internationalen Schiffsverkehr entstehen.

Mit dem Schuldenerlass ist zudem der Weg für russische Kredite frei gemacht worden. Zuvor hatte das russische Finanzministerium mehrmals versprochene Kredite für Kuba „eingefroren“, bis die Schuldenfrage gelöst wird.

Russland verspricht Kuba eine umfangreiche Zusammenarbeit. Die russische Delegation bringt Entwürfe für Abkommen in den Bereichen Energie, Verkehr, zivile Luftfahrt, Raumfahrt und Gesundheitswesen mit.

Die russischen Energieunternehmen Rosneft und Zarubezhneft haben bereits Verträge zur Erschließung von Lagerstätten an der Küste unterzeichnet.

Die US-Medien sehen darin ein Instrument der Außenpolitik Russlands. Angesichts der westlichen Sanktionen entwickelt Russland Energieprojekte in den Schwellenländern.

Die Kooperation im Energiebereich wird auch bei den Gesprächen zwischen Putin und Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ein Thema sein. Buenos Aires hat Moskau zur Teilnahme an Ausschreibungen zum Bau von zehn Wasserkraftwerken und einem Atomkraftwerk eingeladen.

Wie es aus dem russischen Außenministerium heißt, werden in Buenos Aires ein  nachbearbeitetes Abkommen über die Kooperation bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie, drei zwischenstaatliche Abkommen über gegenseitige rechtliche Hilfe bei Strafverfahren und Auslieferung von Kriminellen sowie ein Abkommen im Bereich Massenkommunikation unterzeichnet.

Am 13. Juli schaut sich Putin das WM-Finale in Rio de Janeiro an und nimmt an der feierlichen Übergabe des Austragungsrechts für die nächste WM in Russland teil.

Am 14. Juli kommt Putin zu Gesprächen mit Präsidentin Dilma Rousseff und Wirtschaftsvertretern in die Hauptstadt Brasilia. Vor anderthalb Jahren hatten beide vereinbart, den Handelsumsatz  zwischen den Ländern auf zehn Milliarden Dollar zu erhöhen. Doch weil der tatsächliche Umsatz nicht über 6,5 Milliarden Dollar liegt, will man die Meinungen über die Probleme und Aussichten der Kooperation austauschen. Es sollen Dokumente im Handels-, Investitions- und humanitären Bereichen unterzeichnet werden.

Am 15. Juli reist Putin zum BRICS-Treffen nach Fortaleza. Bei dem Gipfel sollen mehrere Dokumente unterzeichnet werden – über die Gründung eines Währungsreservenpools und der BRICS-Entwicklungsbank zur Finanzierung gemeinsamer Infrastrukturprojekte.

Ursprünglich veröffentlicht auf RIA Novosti. Hervorhebungen durch Autor.

Putins letzter Besuch in Kuba (2000).

Kuba und der Fußball

Wer dieser Tage durch Havanna spaziert, wird sich mancherorts wie in einer Diplomatenstadt vorkommen: Überall hängen bunte Flaggen aus aller Welt von den Balkonen, kleine Fähnchen zieren die Motorhaube von manchem Auto. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist auch an Kuba nicht spurlos vorübergezogen und die Spiele im nicht allzu weit entfernten Brasilien werden von vielen Kubanern mit Spannung verfolgt – und das, obwohl eigentlich Baseball der kubanische Nationalsport Nummer eins ist.

Kubanischer Fußball – eine lange Geschichte

Die Geburtsstunde des kubanischen Fußballs lässt sich bis auf das Jahr 1912 zurückdatieren, als die erste kubanische Fußballliga das Licht der Welt erblickte.
Erst am 16. März 1930 absolvierte jedoch eine kubanische Mannschaft ein Spiel auf internationaler Ebene und gewann aus dem Stand 3:1 gegen Jamaika, nur vier Tage später folgte das 7:1 gegen Honduras. Im Jahr 1938 war Kuba dann zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft qualifiziert – als Nachrückkandidat für andere Länder aus der Region, die nicht erschienen waren. Dennoch schlug sich die Mannschaft recht ordentlich bis ins Viertelfinale durch und landete so auf dem siebten Platz nach einem Spiel gegen Rumänien.

500px-FA_Cuba

Logo des kubanischen Fußballverbands ASOC (Quelle: Commons)

Die folgenden Dekaden stellen den Tiefpunkt des kubanischen Fußballs dar, die meisten internationalen Spiele haben die Kubaner verloren, und erst 1966 nahm das Land wieder an den WM-Qualifikationsrunden teil. Mit Trainern aus Ungarn und Nordkorea versuchte man damals, sich wieder schrittweise auf Weltniveau heranzuarbeiten. Im Jahr 1982 erfolgte dann der Durchbruch, als sich die kubanische Mannschaft bis in die letzte Qualifikationsrunde vorkämpfte. Nur zwei Punkte haben dem Land damals zur  WM-Teilnahme gefehlt. 1996, 1999 und 2005 erreichte Kuba jeweils den zweiten Platz in der Karibikmeisterschaft.

Bei der WM 2006 scheiterte das Team frühzeitig am späteren Teilnehmer Costa Rica. Obwohl die Spiele unentschieden ausgingen, konnte sich Costa Rica aufgrund der größeren Anzahl von Auswärtstoren für die zweite Runde durchsetzen. Ab Januar 2008 sollte der deutsche Reinhold Franz, ehemals Trainer von Eintracht Frankfurt, den Kubanern zur WM-Qualifikation verhelfen. Noch im Oktober des selben Jahres räumte er bereits seinen Posten, als sich zwei Spieler nach einer Partie in den USA abgesetzt hatten. 2010 und 2014 schied Kuba als Gruppenletzter in der dritten Qualifikationsrunde aus, die letzten Gruppengegner waren Panama, Kanada und Honduras. Mit dem 1:0 im Finale gegen Trinidad und Tobago gelang es den Kubanern 2012 immerhin, die Fußball-Karibikmeisterschaft erstmals für sich zu entscheiden.

Obwohl sich der kubanische Fußball in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert hat, reichen die bestehenden Anstrengungen noch nicht für internationale Erfolge aus. Kuba liegt in der Fifa-Weltrangliste derzeit auf Platz 95, zwischen Palästina und Georgien. Grund hierfür sind vor allem die geringe staatliche Förderung und die daraus resultierenden knappen Mittel, die einer Professionalisierung des Fußballs im Wege stehen. Kubanische Sportfunktionäre konzentrieren sich vor allem auf olympische Disziplinen und Baseball, bei dem Kuba regelmäßig die vordersten Weltranglistenplätze belegt.

Public Viewing im Kino

Dennoch beginnt sich die traditionelle Fokussierung auf den Baseball langsam zugunsten des Fußballs zu verschieben. Die junge Generation in Kuba ist heute vertraut mit internationalen Stars wie Messi und Ronaldo, durch den Tourismus hat das Land in den letzten Jahren viele kulturelle Impulse erfahren. Seit 1990 strahlt das kubanische Fernsehen alle Spiele der Fifa-WMs live aus, das erste „Public Viewing“ erlebte Kuba im Jahr 1998: Damals übertrug das Zentrum für Biotechnologie und Genetik in Havanna die Spiele im betriebseigenen Kino – während der Arbeitszeit.

mundial-en-el-yara-10-580x386

Public Viewing im Kino „Yara“, Havanna (Quelle: Havana Times)

Bei der vergangenen WM in Südafrika wurde mit der Idee begonnen, die Kinos des Landes während des Turniers in Public Viewing Arenen zu verwandeln. Auch in diesen Tagen treffen sich die fußballbegeisterten der Hauptstadt wieder im „Cine Yara“ und anderen Räumlichkeiten, um die Spiele auf der großen Leinwand in Echtzeit zu verfolgen. Da die kubanische Mannschaft nicht beteiligt ist, teilen sich die Fans auf verschiedene Länder auf. Zu den Favoriten zählen Brasilien, Argentinien und Deutschland, aber auch holländische und französische Fahnen sind in den Straßen Havannas zu sehen.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr das Turnier in jüngster Zeit, als sich sogar Fidel Castro in Bezug auf die WM zu Wort meldete. In einem Brief an seinen Freund Diego Maradona outete er sich als Fan der argentinischen Nationalmannschaft: „Nichts kann Maradona und Messi stürzen“, schreibt er an den ehemaligen Weltmeister, der seine Entzugskuren auf Kuba verbrachte. Inzwischen ist die Begeisterung für den Fußball in Kuba so groß wie nie zuvor, Touristen und Verwandte bringen Fahnen und Vuvuzuelas ins Land, private Bars und staatliche Kinos haben sich voll auf die WM eingestellt. Ob dies allerdings langfristig zu einem Trendwechsel reicht, der die kubanischen Sporttalente vom Baseball zum Fußball lockt? Es muss sich erst noch zeigen, ob die Insel das Zeug zum Aufsteiger für die kommenden Weltmeisterschaften hat. Das letzte Länderspiel gegen Indonesien, im März dieses Jahres, endete für die Kubaner immerhin 1:0.