Russischer Fahrzeughersteller erwägt Produktion in Kuba

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Kleinbus vom Typ „Diana“, der seit 2013 auf Basis einer GAZ-Karosse in Kuba hergestellt wird (Quelle: Visiondesdecuba)

Der russische Fahrzeughersteller GAZ erwägt derzeit, einen Teil seiner Produkte in Kuba oder Venezuela herzustellen, um von dort aus an ganz Lateinamerika liefern zu können. Ein Sprecher der Unternehmens erklärte neulich gegenüber der russischen Zeitung Izvestia, es sei „kurzfristig weniger wahrscheinlich“, dass man eine Niederlassung in Venezuela eröffnen werde, weshalb Kuba wieder in den Fokus rücken dürfte.

Die Firma GAZ wurde 1932 als „Gorkier Automobilwerk“ gegründet und hat ihren Sitz in Nischni Nowgorod, das bis 1990 noch Gorki hieß. GAZ ist heute der führende Hersteller kommerzieller Nutzfahrzeuge in Russland, mit einem Marktanteil von 58 Prozent bei mittelschweren Lastwagen und 50% bei Leichtlastwagen. Der Hersteller ist vor allem für seine LKWs, Busse und andere Nutzfahrzeuge bekannt, die vor allem in ehemalige Sowjetrepubliken exportiert werden.

Das steigende Interesse an ausländischen Marken innerhalb der Russischen Föderation macht GAZ jedoch zu schaffen. Im ersten Halbjahr gingen die Verkäufe in Russland um 26 Prozent zurück. Nur noch 23.400 Fahrzeuge konnten im Binnenmarkt abgesetzt werden, während bis zum Ende des Jahres 25.000 Einheiten in den Export gehen sollen. Angesichts der sinkenden Umsätze versucht GAZ durch die Expansion nach Lateinamerikas neue Exportmärkte zu erschließen.

Mit Kuba arbeitet der Hersteller schon länger zusammen. Bereits in den 1970er Jahren lieferte GAZ mehr als 15.000 Chassis vom Modell PAZ-672 nach Kuba, wo diese als Kleinbus „Girón“ bis heute häufig anzutreffen sind. 2013 begann Kuba mit der Modernisierung seiner Kleinbusflotte um die Transportsituation im interurbanen und ländlichen Raum zu verbessern. Hierzu wurde ein neuer Bus mit dem Namen „Diana“ auf Basis des PAZ-32053 Chassis entwickelt. Noch im selben Jahr wurden 210 Chassis geliefert, allein in diesem Jahr sollen über 400 Diana-Busse produziert werden.

Konkrete Details über das geplante Engagement von GAZ in Kuba sind noch nicht bekannt, jedoch gehen Beobachter davon aus, dass die Eröffnung einer Fabrikationslinie für Kleinbusse und andere Fahrzeuge in der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone bei Mariel zu den möglichen Optionen zählt. Neben GAZ hat bereits im letzten Jahr der chinesische Fahrzeughersteller Geely die Eröffnung einer Fahrzeugfabrik in Mariel in Erwägung gezogen.

Kuba im Fokus der Investoren

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New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo (3. von links) in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Voice of America)

Zahlreiche internationale Handelsdelegationen waren in den vergangenen Wochen in Kuba zu Gast. Vor allem Russland, Spanien, Großbritannien und Japan wollen die Zusammenarbeit mit der sozialistischen Insel in den kommenden Jahren massiv ausbauen – aber auch Unternehmer aus den USA möchten nicht länger außen vor bleiben. Gut ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) scheinen die ausländischen Investoren in großer Zahl nach Kuba zurückzukehren.

Delegationen aus New York und Texas zu Gast in Havanna

Ende April stattete der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, der Insel einen Besuch ab. Begleitet wurde er von 20 amerikanischen Unternehmern, darunter Vertreter von Mastercard, der Fluggesellschaft JetBlue sowie des Pharmakonzerns Pfitzer. Trotz der weiterhin bestehenden US-Blockade konnten bereits erste Geschäftsabschlüsse verkündet werden. So will das New Yorker Roswell Park Cancer Institute zusammen mit dem kubanischen Zentrum für Molekularimmonulogie (CIM) einen Impfstoff gegen Lungenkrebs entwickeln, der auch in den USA zum Einsatz kommen soll.

Die amerikanische Softwarefirma Infor schloss einen Vertrag mit dem kubanischen Informatikunternehmen Desoft ab, der den Aufbau einer Medizindatenbank zum Ziel hat. Zudem will Infor die kubanischen Universitäten mit Fortbildungskursen und neuer Software ausstatten. „Wir waren vom Stand ihrer Gesundheitstechnologie überrascht und beeindruckt“, kommentierte der Infor-Geschäftsführer, Charles Philipps, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch eine texanische Unternehmerdelegation war Ende April in Havanna zu Gast, allerdings ging es für die Südstaatler zunächst vor allem um Informationen, konkrete Verträge wurden nicht abgeschlossen. Texas exportiert jährlich Lebensmittel im Wert von ca. 25 Mio. US$ nach Kuba. Kurz nach der Rückkehr der Handelsdelegationen, genehmigten die amerikanischen Behörden zum ersten Mal seit 1959 die Aufnahme von regulären Fährverbindungen nach Kuba.

Großbritannien will Golfplatz bei Varadero errichten

Fast zeitgleich mit den Amerikanern war auch eine Geschäftsdelegation in Vertretung von 32 britischen Unternehmern in Kuba, wobei Verträge im Wert von über 400 Millionen US$ unterzeichnet wurden. „Es war eine sehr erfolgreiche Mission, ich denke es gibt gute Möglichkeiten in Kuba“, kommentierte der Leiter der Delegation, Lord Hutton. Während ihres dreitägigen Besuchs trafen die britischen Unternehmer unter anderem auf Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca, sowie den Minister für Energie und Bergbau, Alfredo Lopez.

Die britische Firma Esencia Hotels gab indes bekannt, einen Golfplatz mit zugehörigem Luxusresort in Kuba errichten zu wollen. Das Projekt soll bei Varadero, etwa 140 Kilometer östlich von Havanna, entstehen und 350 Millionen US-Dollar kosten. Allein in diesem Jahr besuchten bereits über 40.000 britische Touristen die Insel, womit das Vereinigte Königreich nach Deutschland und Frankreich an dritter Stelle des europäischen Besucheraufkommens steht.

Kuba als neues Zentrum für russische Technik in Amerika

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Treffen der russisch-kubanischen Geschäftsdelegation am 23. April in Kazan (Quelle: Progreso Weekly)

In Kazan, der Hauptstadt der russischen Republik Tatarstan, trafen am 23. April Vertreter von Russland und Kuba zusammen, um die gemeinsame Entwicklungsstrategie bis 2020 zu besprechen. Russland will sich unter anderem bei der Modernisierung der kubanischen Streitkräfte einbringen und die Insel mit Ansat-Leichthubschraubern versorgen. Der Hersteller Kazan Helicopters will in Kuba zudem ein Servicezentrum für den Export nach Lateinamerika errichten.

Die russischen Vertreter bestätigten, Kuba weiterhin mit Kamaz-LKWs sowie Baufahrzeugen und Zügen zu versorgen, wobei auch in diesem Bereich die sozialistische Insel zu einer Service- und Distributionszentrale für den amerikanischen Kontinent ausgebaut werden soll. Kuba wiederum plant den Export von pharmazeutischen Produkten in die Russische Föderation. Neben der weiteren Zusammenarbeit beim Transportsektor, der Industrie und der Energieversorgung wurde auch die Eröffnung einer GLONASS-Bodenstation in Kuba besprochen.

Nach Angaben des kubanischen Wirtschaftsministeriums benötigt Kuba jährlich mindestens 2 Milliarden US$ an ausländischen Direktinvestitionen, um die Wirtschaftsreformen umzusetzen und das geplante Wachstumsziel von 5 bis 7 Prozent pro Jahr zu erreichen. Insbesondere der Sonderwirtschaftszone von Mariel kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Nach unbestätigten Angaben aus Ministeriumskreisen stehen dort bereits über 100 Projekte kurz vor der Umsetzung.

CEPAL-Chefin lobt Investitionspolitik Kubas

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Bárcenas und Díaz-Canel im Gespräch (Quelle: Granma)

Santiago de Chile/Havanna. Die Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika, CEPAL, hat die Investitionspolitik Kubas als vorbildlich eingestuft. Kuba öffne sich ausländischen Investitionen, schütze zugleich aber für das Land wichtige Bereiche und Arbeitsplätze, sagte die Exekutivsekretärin des Gremiums, Alicia Bárcena.

Die UNO-Vertreterin wurde in Havanna vom Ersten Vizepräsidenten, Miguel Díaz-Canel, empfangen. Bárcena und Díaz-Canel besprachen bei dem Treffen Chancen und Herausforderungen der regionalen Wirtschaftsentwicklung, hieß es in kubanischen Medien. Die CEPAL-Chefin sagte dem sozialistischen Kuba jede notwendige Hilfe bei den derzeitigen Versuchen zu, das wirtschaftliche Modell des Landes zu modernisieren.

Bárcena verwies darauf, dass Kuba bei seiner Reformpolitik die wirtschaftliche Lage in der gesamten Karibik und in Mittelamerika im Auge behalten müsse. Schließlich stünden die Länder dieser Region in Konkurrenz um ausländische Investitionen, fügte sie bei einer Wirtschaftskonferenz in Havanna hinzu. Vor allem in der Karibik sei für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent des regionalen Bruttoinlandsproduktes zu erwarten. Diese Prognose liege über dem Ein-Prozent-Wachstum, das für Lateinamerika erwartet wird. Angesichts der Lage in der Karibik liege die Herausforderung darin, eine länderübergreifende Strategie gegenüber ausländischen Investoren zu entwickeln, um schädliche Konkurrenz zu vermeiden.

Es spräche nichts dagegen, dass jede Volkswirtschaft die eigenen Ressourcen zur Entwicklung der gesamten Region beitrage, etwa in den Bereichen des Tourismus und des Seetransports. Dies seien Gebiete, die es aufgrund der natürlichen Bedingungen der Region zu erschließen gelte.

„Ich glaube, dass die Sonderentwicklungszone in Mariel (nahe Havanna) ein Beispiel ist“, so Bárcena. Die bisher langen Transportrouten beim Export lateinamerikanischer Produkte in andere Kontinente könnte durch den kubanischen Handelshafen erheblich verringert werden, sagte sie.

von Christian Kliver / Amerika21

Spanien will wirtschaftliche Präsenz in Kuba ausbauen

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Hoher Besuch aus Übersee: Der spanische Handelssekretär Jaime García-Legaz (mitte), begleitet vom Vizepräsident der spanischen Geschäftsorganisationen, Joaquim Gay Montella (rechts) und Modesto Piñeiro (links), stellvertretender Vorsitzender der spanischen Handelskammer (Quelle: EFE)

Eine Delegation aus 45 spanischen Unternehmern ist vergangenen Dienstag in Havanna eingetroffen, um sich über neue Investitionsmöglichkeiten in Kuba zu informieren. Angeführt wurde die Gruppe vom spanischen Staatssekretär für Handel, Jaime García-Legaz. Während Spaniens Wirtschaftsministerium vor kurzem neue Kredite für Geschäfte mit der Insel genehmigt hat, bekundeten die Unternehmer vor Ort ihr Interesse an den vorgestellten Investitionsprojekten. Spanien will an der „vordersten Front der Veränderungen“ in Kuba stehen, sagte García-Legaz am Dienstag.

Kubas wichtigster Handelspartner in Europa

„Spanische Firmen wollen die Insel im aktuellen Veränderungsprozess begleiten und Nutzen aus den neuen Möglichkeiten ziehen, die sich in Kuba eröffnen“, sagte der Staatssekretär gegenüber den Medien und fügte hinzu: „Spanien hat die kubanische Regierung über sein Interesse informiert, die bilateralen Beziehungen auf eine breitere Basis zu stellen.“ Die ehemalige Kolonialmacht ist nach Venezuela und China heute Kubas drittwichtigster Handelspartner. Mehr als 200 spanische Firmen sind derzeit auf der Insel präsent, während der Warenaustausch zwischen beiden Ländern im letzten Jahr bei über einer Milliarde Euro lag – 38% des gesamten Handelsvolumens zwischen Kuba und der EU.

Spanien hat mit dem jüngsten Arbeitstreffen in Havanna sein Interesse an einer Vertiefung dieser Geschäftsbeziehungen bekäftigt. Zu den Teilnehmern der Delegation zählten unter anderem der Vizepräsident der spanischen Geschäftsorganisationen (CEOE), Joaquim Gay Montella sowie Modesto Piñeiro, stellvertretender Vorsitzender der spanischen Handelskammer. Delegationsleiter Jaime García-Legaz war seit dem Besuch von Außenminister José Manuel García-Margallo vergangenen November der höchstrangige spanische Regierungsgast auf der Insel. Verganges Jahr hatte Spanien bereits angekündigt, seine Beziehungen zu Kuba „normalisieren“ zu wollen.

Als Teil des zweitägigen Besuchs stand neben einer Besichtigung der neuen Sonderwirtschaftszone von Mariel auch die Teilnahme an einem von der kubanischen Handelskammer organisierten Geschäftsforum auf dem Programm. Dort stellten die Kubaner ihre aktualisierten Gesetze über ausländische Direktinvestitionen vor, die von den Gästen positiv aufgenommen wurden. Kuba habe eine offenere rechtliche Grundlage mit einer ganzen Reihe neuer Möglichkeiten geschaffen, kommentierte García-Legaz. „Das heißt nicht, dass sich alles schlagartig von null auf hundert entwickelt hat, aber es stimmt dass sie Dinge wie Firmen mit 100 Prozent spanischem Kapital erlauben“, sagte der Staatssekretär.

Neben Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca waren zahlreiche hochrangige kubanische Regierungsvertreter auf dem Geschäftstreffen anwesend, darunter Zentralbankchef Ernesto Medina. Die Kubaner stellten auf dem Forum einige der neuen Investitionsmöglichkeiten vor, insbesondere die Tourismusindustrie stieß auf das Interesse der Gäste. Die Mehrzahl der spanischen Joint-Ventures arbeitet im Tourismussektor. Die Hotelketten Mélia und Iberostar betreiben über 90 Prozent der Hotels auf der Insel in den Kategorien zwischen vier und fünf Sternen. Kuba plant die verfügbaren Übernachtungskapazitäten bis 2020 um gut ein Drittel aufzustocken und sucht hierfür ausländische Partner.

Streichung von US-Terrorliste bringt Erleichterungen

Auch Sektoren wie Transport, Infrastruktur, Telekommunikation und erneuerbare Energien weckten das Interesse der Unternehmer. Spanien will seine Präsenz in Kuba nicht nur ausbauen, sondern auch diversifizieren. García-Legaz gab noch während seines Besuchs auf der Insel zwei neue Investitionsvorhaben auf Kuba bekannt: Ein Projekt zur Errichtung einer Bierfabrik und ein weiteres Projekt zur Errichtung einer Fabrik für Baumaterialien und sanitäre Anlagen. Deborah Vives vom kubanischen Außenhandelsministerium erklärte indes, dass angesichts des großen Investitionsbedarfs in Kuba auch kleinere und mittelständische Unternehmen gefragt seien. In der Vergangenheit hat man sich in Havanna verstärkt auf Deals mit Großkonzernen konzentriert.

Bislang stellt neben dem Handelsembargo auch die Nennung Kubas in der US-Terrorliste eine Belastung für die Geschäftsbeziehungen der Insel dar. Nach der Ankündigung von US-Präsident Obama, Kuba von der Liste streichen zu wollen, stellte das spanische Wirtschaftsministerium bessere Rahmenbedingungen für Projekte mit der Insel in Aussicht. Neben öffentlichen Fonds wollen auch private spanische Banken einfacher Kredite an Unternehmen vergeben, die in Kuba investieren. Die Insel schuldet dem spanischen Kreditinstitut CESCE etwa 2,3 Milliarden Euro, weshalb dieses seit dem Jahr 2000 keine Investitionen mehr gedeckt hat. Im Zuge der fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem Pariser und dem Londoner Club, Kubas wichtigste Gläubiger, sollen allerdings wieder neue Mittel freigegeben werden.

Nach der angekündigten Streichung des Landes von der US-Terrorliste hat die „Banco de España“ ihre Sanktionen gegen Kuba ebenfalls aufgehoben. Der Zugang zu internationalen Krediten dürfte für das Land in Zukunft einfacher werden, wovon nicht nur spanische Investoren profitieren werden. Kuba wiederum hat einigen spanischen Unternehmen, die dem Land auch in schlechten Zeiten die Treue gehalten haben, Kompensationsmittel für Teile der verhängten US-Sanktionen angeboten. Die kubanische Regierung habe damit unterstrichen, „dass sie Firmen, die hier in schwierigen Jahren gearbeitet haben, nicht vergessen werden“, sagte García-Legaz über den Schritt.

Fazit

Der jüngste Besuch der spanischen Unternehmerdelegation war für Kuba eines der wichtigsten Geschäftstreffen der letzten Jahre. Die spanischen Firmen zeigten sich optimistisch gegenüber den Investitionsbedingungen in Kuba und planen ihre Präsenz auf der Insel zu verstärken, um weiterhin an der Spitze der ausländischen Partner zu stehen. Auch die spanische Regierung unterstützt diesen Schritt, indem sie den Unternehmen mit neuen Krediten entgegenkommt. Zusammen mit den kubanischen Partnern werde man laut García-Legaz bereits „in den kommenden Monaten“ neue Projekte ins Rollen bringen. Spanien will damit eine neue Etappe der „kontinuierlichen und intensiven“ Beziehungen mit dem sozialistischen Inselstaat einleiten.

Kuba genehmigt erstes Projekt in Mariel

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Containerterminal in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Traveltradecaribbean)

Havanna. Eine mexikanische Firma wird als erstes ausländisches Unternehmen in der kubanischen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) investieren. Dies verkündete das mexikanische Außenministerium am vergangenen Samstag in einer Pressemitteilung.

Die Firma Richmeat plant, eine Fabrik zur Verarbeitung und Verpackung von Fleischwaren in Kuba zu errichten, gab das Ministerium bekannt. Das Unternehmen sei „die erste Firma von internationalem Rang, die die Genehmigung für ein Investment in Mariel erhalten hat“, hieß es in der Erklärung weiter.

Die Sonderwirtschaftszone Mariel liegt in der westlichen Provinz Artemisa und erstreckt sich über eine Fläche von 466 Quadratkilometern. Sie wurde zusammen mit einem modernen Containerterminal im Januar 2014 eröffnet. Vergangenen Sommer wurde der Hafen an das kubanische Schienennetz angeschlossen. Derzeit laufen weitere Arbeiten zur Errichtung von Lager- und Kühlhäusern auf dem Gelände.

Im vergangenen Jahr informierten die kubanischen Behörden, dass 23 verschiedene Projektvorschläge überprüft würden, die meisten davon aus Spanien, Frankreich, Italien, Brasilien, Russland und China. Bisher wurde jedoch noch keines der anderen Projekte genehmigt.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Russland und Kuba diskutieren gemeinsame Projekte

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Ricardo Cabrisas (rechts) und Russlands Vizeaußenminister Wassili Nebensja vergangene Woche in Havanna (Quelle: Escambray)

Havanna. Russland und Kuba haben bei einem Treffen von Regierungsvertretern in der kubanischen Hauptstadt die Umsetzung gemeinsamer Investitionsvorhaben und den Stand der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern besprochen. An der Zusammenkunft vergangene Woche nahmen Kubas Außenminister Bruno Rodríguez, der Vizepräsident des Staatsrates, Ricardo Cabrisas, und der russische Vizeaußenminister Wassili Nebensja teil. Darüber hinaus fanden mehrere Treffen von Experten der Außen- und Handelsministerien beider Länder statt.

Nach dem Besuch von Präsident Wladimir Putin in Kuba im vergangenen Sommer plant Russland, in den kommenden Jahren wichtige Industrieprojekte in Kuba auf den Weg zu bringen. Zu den besprochenen Vorhaben zählt unter anderem die Errichtung eines Kraftwerks zur Stromerzeugung in der Sonderwirtschaftszone von Mariel, mit einer Kapazität von 800 Megawatt. Auch die Erneuerung eines Stahlwerks in Havanna sowie die Beteiligung des russischen Energiekonzerns Sarubeschneft bei Offshore-Ölbohrungen wurde erörtert.

Die russischen Vertreter beglückwünschten die Kubaner zu ihrem „diplomatischen Erfolg“ bei den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Die Wiederherstellung der Beziehungen mit den USA stelle einen „politischen Sieg des kubanischen Volkes“ dar, allerdings könne dies nur der Beginn eines langen Weges sein. Die Gäste betonten ebenfalls den „exzellenten Stand“ der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und Russland und bekräftigten den beiderseitigen Willen zur Umsetzung der Projekte, die beim Besuch Putins besprochen wurden.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kubas Parlament trifft sich zu historischer Sitzung

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Elían González und die „Miami Five“ zu Gast auf der Schlußtagung des kubanischen Parlaments (Quelle: lainformacion)

„Wir gehen ins 57. Jahr der Revolution und mit einem Volk wie diesem kann das 570. Jahr der Revolution erreicht werden … Es lebe Fidel! Vaterland oder Tod!“ schloß Kubas Präsident Raúl Castro seine Rede am Ende der Sitzung des kubanischen Parlaments am 22. Dezember in Havanna. Die mehrtägige Tagung wurde dabei bereits am 17. Dezember durch die überraschende Rückkehr der verbliebenen „Miami Five“ unterbrochen.

Der besondere Charakter der Parlamentssitzung wurde auch durch die Anwesenheit der „Fünf Helden“ und Elián González unterstrichen. Dennoch gab es gerade in diesen stürmischen Zeiten viel zu tun für die kubanischen Abgeordneten. Die Umsetzung der 2011 begonnenen Reformen soll im nächsten Jahr deutlich an Fahrt aufnehmen. Für nächstes Jahr wird mit einem Wirtschaftswachstum von vier Prozent gerechnet, zahlreiche Reformen und der Haushalt für 2015 wurden vom Parlament analysiert.

Trotz allem Optimismus fügte Raúl in seiner Rede hinzu: „Wir werden uns weiterhin mit den  Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise und der US-amerikanischen Blockade auseinandersetzen müssen, die weiterbestehen und unleugbare Hindernisse für die Entwicklung unserer Wirtschaft mit sich bringen.“ Der Erfolg der Sonderwirtschaftszone von Mariel und die Umsetzung der geplanten Investitionen dürften die entscheidenden Voraussetzungen für das Gelingen des Vorhabens werden.

Wirtschaftsperformance 2014 und Umsetzung der Reformen

  • 2014 wuchs die kubanische Wirtschaft um 1,3 Prozent (geplant: 2,2 Prozent). Die Staatseinnahmen wuchsen um sieben Prozent mehr als geplant, die Ausgaben um 6 Prozent. Das Haushaltsdefizit betrug 3,4 Mrd. US$ (4,1 Prozent des BIP). Die Steuereinnahmen aus dem Privatsektor stiegen um 29 Prozent an im Vergleich zum Vorjahr, auf insgesamt 2,84 Mrd. US$.
  • Mit Blick auf die internationalen Beziehungen war das Jahr 2014 für Kuba von zahlreichen Durchbrüchen geprägt. Beginnend mit dem CELAC-Gipfel in Havanna am Anfang des Jahres, über die Staatsbesuche der Präsidenten Russlands und Chinas im Sommer bis zur Neuausrichtung der Beziehungen mit den USA und der Rückkehr der Miami Five gab es zahlreiche diplomatische Erfolge zu vermelden.
  • Derzeit gibt es 476.000 Cuentapropistas in Kuba sowie 329 Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft. Die Gründung von 169 weiteren Kooperativen wurde bereits bestätigt, während sich hunderte mehr in der Planungsphase befinden.
  • Die Bildungskommission setzte sich mit der Qualität der Hochschulbildung in Kuba auseinander, nachdem in diesem Jahr ein Skandal um gefälschte Zulassungsprüfungen das Vertrauen in die Institutionen erschüttert hat.
  • Der freie Verkauf von Flüssiggas, der bereits in ausgewählten Provinzen auf experimenteller Basis seit einigen Jahren läuft, wird 2015 auf die Provinzen Artemisa, Mayabeque, Matanzas, Camagüey und Holguín und später auf den Rest des Landes ausgedehnt werden.
  • Probleme gibt es bei der Verfügbarkeit von diversen Produkten wie Ersatzteilen für Elektrokocher, TV-Receiver und Sojajoghurt. Außerdem wurde der hohe Preis für das Flüssiggas von der Bevölkerung kritisiert. Die zuständige Ministerin erklärte, dass dafür vor allem die finanziellen Engpässe der Unternehmen im ersten Halbjahr 2014 verantwortlich gewesen seien.
  • Im Transportsektor haben die 13 neuen Kooperativen in diesem Sektor zu einer leichten Verbesserung der Situation beigetragen. 15 weitere sind in der Evaluationsphase. Allerdings sind die Fahrtpreise mit 5 CUP teilweise deutlich höher als gesetzlich festgelegt, was zu Unzufriedenheit geführt hat. Um die Transportsituation zu verbessern, sollen 2015 weitere 310 Kleinbusse vom Typ „Diana“ gefertigt werden und vermehrt Preiskontrollen durch staatliche Inspektoren durchgeführt werden.
  • Die Entwicklung der kubanischen Gebirgsregionen im Rahmen des „Plan Turquino“ bereitet derzeit Probleme. Die Schließung einiger Staatseinrichtungen (u.a. Schulen) in den Gebirgsregionen sowie die anhaltenden Transportprobleme haben eine kleine Landflucht ausgelöst, was auch zum Zusammenbruch der Kaffeproduktion in der Region (Provinz Guantánamo) beitrug. Probleme wie anhaltend hohe Düngerpreise, die Schließung kleinerer Lokale und Restaurants sowie die instabile Stromversorgung medizinischer Einrichtungen haben nach Berichten einzelner Abgeordneter die Situation verschärft. Eine konkrete Lösung war auf der Sitzung indes noch nicht in Sicht.
  • Die Ausgabe des neuen Personalausweises macht den Angaben des zuständigen Ministers zu Folge Fortschritte. Bisher wurden 43.000 neue Ausweise ausgegeben, ab Januar soll das neue Dokument auch in den westlichen Provinzen Artemisa,  Mayabeque und Pínar del Río erhältlich sein, bevor seine Verfügbarkeit schrittweise auf den Rest des Landes ausgedehnt wird.
  • Die Qualität der Trinkwasserversorgung stand ebenfalls auf der Agenda der Abgeordneten. 14.426 Trinkwasserquellen in Kuba sind heute mit Bakterien kontaminiert, wobei davon 2.258 direkte Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität haben. Für die kommenden Jahre ist ein umfangreiches Investitionsprogramm zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und Kanalisation vorgesehen, um negative Folgen wie den Choleraausbruch 2012 zu vermeiden.
  • Nachdem in diesem Jahr zahlreiche Altenheime saniert wurden, soll in den kommenden Jahren den Kinderkrippen verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Auch das Netz der Campingplätze für den innerkubanischen Tourismus soll um 15 neue Installationen erweitert werden.

Der Plan für 2015

  • Im nächsten Jahr soll die kubanische Wirtschaft um mindestens 4 Prozent wachsen. Der Plan konzentriert sich vor allem darauf, vorhandene Effizienzreserven maximal auszunutzen und die industrielle Basis des Landes zu erneuern. Die Sozialsysteme werden auf einem ähnlichen Niveau wie 2014 gehalten (53 Prozent der Staatsausgaben allein für Bildung und Gesundheit). Der Durchschnittslohn soll nächstes Jahr um 7,5 Prozent zulegen (von 553 auf 585 CUP), die Arbeitsproduktivität um 7,9 Prozent.
  • Die geplanten Staatsausgaben werden um 10 Prozent auf 54,85 Mrd. US$ steigen, die Einnahmen um 6 Prozent auf 48,99 Mrd. US$. Es wird mit einem Haushaltsdefizit von 5,56 Mrd. US$ gerechnet (6,2 Prozent des BIP). Dies wird größtenteils über die Ausgabe von Staatsanleihen finanziert, die die kubanischen Banken zu einer Zinsrate von 2,5 Prozent kaufen und die 20 Jahre gültig bleiben werden.
  • Die Investitionen in die Volkswirtschaft sollen im nächsten Jahr um 29 Prozent auf insgesamt 7,16 Mrd. US$ steigen, davon werden allein 3 Mrd. US$ in den staatlichen Bausektor investiert, der in den letzten Jahren vernachlässigt wurde.
  • Die nicht-budgetierten Einnahmen sollen 2015 um 16 Prozent steigen. Sie werden vor allem für Export- und Preissubventionen eingesetzt.
  • Erstmals soll 2015 eine 2-prozentige Steuer auf Großmarktverkäufe sowie eine 4-prozentige Steuer auf Einzelhandelstransaktionen umgesetzt werden. Dadurch verspricht man sich Mehreinnahmen in Höhe von zwei Mrd. Peso (in beiden Währungen). Eine lokale Entwicklungssteuer, die bisher nur in einigen ausgewählten Municipios erprobt wurde, soll ab 2015 auf das gesamte Land ausgedehnt werden. Damit erhalten die Kommunen eine eigene Finanzierungsquelle für lokale Projekte (Dezentralisierung). Resultate sind allerdings erst 2016 zu erwarten.
  • Vor allem die herstellende Industrie, der Bausektor, Handel, Tourismus, Land- und Forstwirtschaft sollen im nächsten Jahr zulegen. Deshalb sollen deutlich mehr Rohstoffe zur industriellen Weiterverarbeitung und weniger Fertiggüter importiert werden. Die Devisenzuteilungen für die herstellende Industrie sollen 2015 Jahr etwas gelockert werden, um die Importkapazitäten zu erhöhen.
  • Die Lebensmittelimporte sollen 2015 leicht steigen auf 2,19 Mrd. US$, wobei die Importe von Reis, Bohnen und Mais aufgrund gestigener Produktion zurückgefahren werden können. Es sollen dabei nicht nur mehr Lebensmittel, sondern vor allem auch Saatgut und Inputgüter für die Landwirtschaft importiert werden.
  • Die Erarbeitung des langfristigen Entwicklungsprogramms bis 2030 macht Wirtschaftsminister Marino Murillo zu Folge Fortschritte. 2014 wurden die wichtigsten Grundlagen definiert und einige Teilbereiche wie Energie und Wasserversorgung bis 2030 geplant. Bis Ende nächsten Jahres soll dann der vollständige Perspektivplan 2016 – 2030 fertig sein.
  • Die Reform der Staatsunternehmen soll im nächsten Jahr deutlich an Fahrt aufnehmen. Bisher unterstehen die meisten kubanischen Betriebe direkt bestimmten Ministerien. In den kommenden Jahren sollen sie schrittweise den zentralen Unternehmensaufsichten (OSDE) untergeordnet werden, wobei diese keineswegs als „Mini-Ministerien“ agieren sollen. Eine OSDE ist mehr als eine Art staatliche Muttergesellschaft oder Holding zu verstehen, die alle Betriebe einer Branche koordiniert. Die zentrale Rolle wird das Unternehmen (Empresa) einnehmen, welches autonom Basiseinheiten und Filialen (Unidad Empresarial de Base) gründen darf. Die Unternehmen können des weiteren 50 Prozent ihrer Nettogewinne behalten und Überschüsse frei vermarkten. Während die Lohnsysteme früher von den Ministerien zentral festgelegt wurden, werden diese künftig auf der Unternehmensebene individuell entwickelt. Die Regierung wird künftig über einen „Regierungsrat“ auf die OSDEs Einfluss nehmen können, wobei Murillo betont: „Dieser Rat ist die Vertretung der Regierung vor den Unternehmen, nicht umgekehrt.“ Unternehmen, die Verluste einfahren, werden ab 2015 keine Prämien mehr an ihre Angestellten ausbezahlen können.
  • Auch die Unternehmensreform erfolgt schrittweise. Hierzu werden 2015 zunächst weitere staatliche Holdings (OSDE) im Agrarsektor gegründet, die die staatlichen Landwirtschaftsbetriebe verwalten werden. Die staatliche Abnahmegesellschaft Acopio, welche oftmals für Bürokratie und niedrige Ankaufpreise kritisiert wird, soll durch die Gründung der „Unternehmensgruppe Landwirtschaft“ abgelöst werden (Grupo Empresarial Agrícola). Über 100 unrentable Landwirtschaftsbetriebe wurden geschlossen.
  • Die hohen Preise landwirtschaftlicher Produkte wurden ebenfalls von den Abgeordneten analysiert. Seit Januar 2014 arbeiten die Agrarmärkte in den drei Provinzen Havanna, Artemisa und Mayabeque auf Basis von Angebot und Nachfrage, was zu einem anstieg der Produktvielfalt- und Qualität, aber auch zu deutlichen Preissteigerungen geführt hat. Spekulation, die Anwesenheit von Zwischenhändlern, niedrige Anreize für die Produzenten und die Knappheit von Inputgütern wurden dabei als wichtigste Ursachen benannt. Insgesamt arbeiten heute 493 Agrarmärkte auf Basis von Angebot und Nachfrage.
  • In den kommenden Jahren sollen über 12.000 gastronomische- und Serviceeinrichtungen durch nicht-staatliche Formen verwaltet werden. Bestehende Betriebe werden an Kooperativen oder Privatunternehmen verpachtet. Darunter fast alle staatlichen Restaurants und Reperaturdienstleister. Bisher ist dieser Prozess in 3.570 Einrichtungen (27 Prozent) abgeschlossen.

Kuba plant 4 Prozent Wachstum für 2015

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Kubas Ministerrat traf am 28. November zu seiner regulären Sitzung zusammen (Quelle: Granma)

Kubas Ministerrat hielt vergangenen Freitag seine reguläre Sitzung vor dem nächsten Zusammentreffen des kubanischen Parlaments am 19. Dezember ab. Bei dem Meeting wurde die Wirtschaftsperformance des laufenden Jahres sowie die anstehenden Reformen für 2015 besprochen, die Parteizeitung „Granma“ berichtete ausführlich. Im kommenden Jahr rechnet die Regierung mit einem Wirtschaftswachstum von mindestens vier Prozent.

Wachstum durch Investitionen

Für 2014 wird allerdings voraussichtlich ein Wirtschaftswachstum von nur 1,3 Prozent erreicht. Ursprünglich sollte die kubanische Wirtschaft in diesem Jahr um 2,2 Prozent zulegen, im Juni korrigierte die Regierung ihre Prognose auf 1,4 Prozent. Vor allem die Zuckerindustrie und die herstellende Industrie seien für die schlechte Performance verantwortlich. „Im nächsten Jahr wird die kubanische Wirtschaft trotz des Embargos, den externen Finanzschwierigkeiten und der internationalen Situation weiter voranschreiten“, sagte Kubas Wirtschaftsminister Marino Murillo auf der Sitzung.

„Für 2015 wird mir einem BIP-Wachstum von etwas über vier Prozent gerechnet, mit welchem die vorangegangenen moderaten Wachstumsraten und die Entschleunigung des Wachstums in den letzten Jahren umgekehrt werden“, sagte Murillo. Vor allem die herstellende Industrie, der Bausektor, Handel, Landwirtschaft, sowie Vieh- und Forstwirtschaft sollen im kommenden Jahr zulegen. Um das Ziel zu erreichen will der Staat im kommenden Jahr 7,16 Mrd. US$ in die Wirtschaft investieren, 29 Prozent mehr als noch 2014. Die Sozialausgaben sollen auf dem Vorjahresniveau gehalten werden.

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Wirtschaftsperformance Kubas seit 2011 mit Plan für 2015 (Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von ONE, AEC 2013)

Es wird 2015 mit einem Wachstum der Marktzirkulation in beiden Währungen gerechnet, die Lebensmittelimporte sollen auf 2,19 Mrd. US$ steigen (+ 6,6 Prozent), wobei die Importe von Reis, Bohnen und Mais aufgrund gestigener Produktion zurückgefahren werden können. Dafür sollen mehr Sojamehl sowie Kartoffel- und Weizensamen eingeführt werden. Die Nominallöhne konnten 2014 um 9,1 Prozent zulegen, vor allem aufgrund der großflächigen Lohnerhöhungen im Gesundheitssektor und beim Sport.

Im kommenden Jahr soll der Staatsanteil bei den Beschäftigten um 2,6 Prozent zurückgehen, der Privatsektor um 7,4 Prozent zulegen. Dies soll vor allem durch die Verpachtung staatlicher Restaurants an Selbstständige und Kooperativen erreicht werden. Von den 498 Kooperativen, deren Gründung letztes Jahr vom Ministerrat gebilligt wurde, sind bisher 329 aktiv. Bis Anfang 2015 sollen 300 weitere Vorschläge geprüft werden, womit sich die Zahl der Genossenschaften außerhalb der Landwirtschaft bis zum Ende nächsten Jahres langsam an die Tausend annähern dürfte.

Steuerpolitik und Unternehmensreform

Kuba wird das Jahr 2014 voraussichtlich mit einem Haushaltsdefizit von 3,4 Mrd. US$ beenden, etwas weniger als geplant. Der kommende Staatshaushalt sieht Mehreinnahmen von 6 Prozent, bei einer Ausgabensteigerung von 10 Prozent vor, das geplante Haushaltsdefizit liegt bei 5,6 Mrd. US$. Damit dem Fiskus in Zukunft weniger Einnahmen verloren gehen, wurde eine Reihe von Maßnahmen beschlossen um gegen Steuerbetrug und illegale Tätigkeiten vorzugehen.

Zu den fiskalpolitischen Neuerungen gehört die Einführung einer 2-prozentigen Steuer auf alle Großmarkttransaktionen, die Förderung von Steuervergünstigungen bei fristgerechter Entrichtung sowie die Einführung einer lokalen Entwicklungssteuer in allen Kommunen des Landes. Die Unternehmensreform soll intensivert werden, bis dato konnte laut Murillo bereits eine signifikante Reduzierung der Unternehmensschulden beim Staat erreicht werden. Leistungsorientiertere Löhne dürften nun ebenfalls langsam Einzug halten.

Bei der Umsetzung der 2011 beschlossenen Leitlinien gab es laut Bericht des Wirtschaftsministers eine Reihe von Fortschritten zu vermelden. Die Unternehmensreform wird ab kommendem Jahr die Beziehungen der großen staatlichen Betriebe zum Staatshaushalt verändern, sie dürfen dann 50 statt bisher 25 Prozent ihrer Nettoeinnahmen behalten. Die Reform wird schrittweise umgesetzt und soll spätestens 2016 in einem neuen Industriegesetz münden, wobei bisher keine konkreten Details zum Stand der Umsetzung bekannt wurden.

Das Kreditprogramm schreitet ebenfalls voran, bisher erhielten über 370.000 Kubaner Kredite vom Staat, die meisten für Bauvorhaben. Der Wohnungsbau soll ab Anfang kommenden Jahres entbürokratisiert werden. Um das Wohnungsdefizit zu reduzieren, soll neben staatlichen Programmen vor allem die private Bautätigkeit erleichtert und der Immobilienmarkt besser reguliert werden. Bei der Besteuerung von Immobilientransaktionen will der Staat künftig den genauen Wert besser einschätzen können.

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Haushaltsdefizit Kubas ab 2011 (Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von ONE, AEC 2013)

Keine neuen Reformen, sondern Umsetzung der Beschlüsse

Zu der brennenden Frage der Währungsreform gab es auf der Ministerratssitzung nur wenig neues. Seit Mai dieses Jahres kann in vielen Devisenläden des Landes mit kubanischen Pesos (CUP) bezahlt werden, diese Reform soll im nächsten Jahr auf weitere Bereiche ausgedehnt werden um die Rolle des Peso zu stärken. Wann der CUC jedoch vollständig aus der Zirkulation verschwinden soll, ist noch völlig unbekannt.

Insgesamt knüpfen Kubas Pläne für das kommende Jahr an bereits erarbeitete Reformen an, die bisher vor allem auf dem Papier existieren. Die Unternehmensreform, das neue Arbeitsgesetz und das Gesetz über ausländische Investitionen zählen zu den wichtigsten Gesetzestexten, die in den letzten 12 Monate gebilligt wurden. Diese Richtlinien in die Praxis umzusetzen und dabei ein Wachstum von über vier Prozent zu erreichen, wird die schwierige Aufgabe des kommenden Jahres sein. Zwischen dem Gesetz und der Praxis steht allerdings eine Phase intensiver Kaderschulung, die gerade erst begonnen hat.

Nach dem enttäuschenden Ergebnis von rund einem Prozent Wachstum im laufenden Jahr, bleibt Kubas Wirtschaftsplanern nicht mehr viel Zeit, um den Motor anzuwerfen. Die geplanten Investitionen für 2015 gehen dabei deutlich über die bisherigen Vorgaben hinaus und sollen als Impulsgeber wirken. Finanziert wird das ehrgeizige Projekt mit einem mäßigen Haushaltsdefizit von geplanten 6,8 Prozent des BIP, was angesichts der schwierigen finanziellen Situation des Landes nicht weiter überrascht.

Kuba bezahlt jedes Jahr etwa drei Milliarden US$ an Auslandsschulden, was den finanziellen Spielraum für Investitionen erheblich einschränkt. Schwankende Weltmarktpreise und eine Verschärfung der Kreditsituation setzten der exportabhängigen kubanischen Wirtschaft vor allem im ersten Halbjahr 2014 zu. Dennoch wurde der Investitionsplan in diesem Jahr zu 98 Prozent erfüllt, viele langfristige Projekte konnten vollendet werden.

Die geplante Steigerung der Investitionen um knapp ein Drittel wird im nächsten Jahr auf jeden Fall ihre Spuren hinterlassen. Raúl Castro muss liefern, denn der nächste Parteitag steht bereits 2016 an und wird die Weichen für das Jahr 2030 stellen. Der Erfolg der neuen Sonderwirtschaftszone in Mariel sowie die Situation in Venezuela dürften die entscheidenden Variablen für das langfristige Gelingen der Reformen sein. Kuba jedenfalls kann sich keine größeren Fehler mehr leisten.

Kuba plant Reifenfabrik in Mariel

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Zukünftiger Industriepark in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Computergrafik) (Quelle: Cubastandard)

Mariel, Kuba. In der kubanischen Hafenstadt Mariel sollen ab 2015 die ersten Joint-Ventures in der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone ihre Arbeit aufnehmen. Seit im November 2013 ein zuständiges Büro eröffnet wurde, das die wirtschaftlichen Kontakte koordiniert, sind dutzende Vorschläge eingetroffen, von denen sich über 30 derzeit in der Verhandlung befinden. Darunter auch die Errichtung einer Reifenfabrik, für die jetzt chinesische und russische Partner gefunden werden konnten. Dies meldete die kubanische Nachrichtenagentur ACN.

Das russische Mineralölunternehmen Tatneft mit einem jährlichen Umsatz von 18,9 Milliarden US-Dollar will zusammen mit kubanischen Partnern ein Joint-Venture in Mariel gründen. Die Investitionssumme für die neue Fabrik beträgt 223 Millionen US-Dollar. Sie soll mindestens 1,2 Millionen Reifen pro Jahr sowohl für Automobile als auch für LKWs herstellen. Auf Kuba werden jährlich etwa 800.000 Reifen benötigt. Die restliche Produktion soll in den Export gehen.

Kuba muss bereits seit zehn Jahren Reifen importieren, da die heimische Industrie den Bedarf nicht annähernd decken kann. Dies könnte sich nun kurzfristig ändern. Zusätzlich zu der Fabrik in Mariel schlägt die kubanische Seite die Modernisierung zweier Reifenfabriken in den Provinzen Havanna und Mayabeque vor, die mit Hilfe der Sowjetunion errichtet worden waren. Hier soll nach Möglichkeit auch wieder russische Technik zum Einsatz kommen, um die bestehenden Anlagen zu modernisieren.

Die Finanzierung der Projekte soll derweil durch chinesische Kredite abgesichert werden, die Präsident Xi Jinping bei seinem letzten Besuch in Havanna im Juli zugesichert hat. Vor wenigen Tagen hat Kuba sein neues Investitionsportfolio vorgestellt, in dem 246 Projekte mit einer Gesamtsumme von 8,7 Milliarden US-Dollar vertreten sind, darunter auch die erwähnte Reifenfabrik. Kuba plant damit jährlich mindestens zwei Milliarden US-Dollar an Investitionsmitteln zu gewinnen.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kubas Wirtschaft zeigt leichte Erholung

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Nickelmine in Moa: Wartungsinvestitionen lassen dieses Jahr den Output schrumpfen (Quelle: Penultimosdias)

Bereits auf der Tagung des Ministerrats im Juli wurde klar, dass 2014 kein gutes Jahr für die kubanische Wirtschaft werden würde. Nun hat die kubanische Statistikbehörde ONE  jüngst neue Zahlen zur kubanischen Konjunktur veröffentlicht. Bei den Investitionen, einer Achillesverse der kubanischen Wirtschaft, wurde im ersten Halbjahr ein Rückgang von 1,8 Prozent im Vergleich zu 2013 gemeldet. In den ersten sechs Monaten lag das BIP-Wachstum bei nur um 0,6 Prozent, für das gesamte Jahr rechnet man mit einem Plus von 1,4 Prozent.

Insgesamt wurden bis Juni 1,9 Milliarden US$ in die Volkswirtschaft investiert, davon mehr als 62 Prozent in Konstruktion und Wartung und 20 Prozent in Ausrüstungen. Die größten Zuwächse gab es dabei im Bausektor. Dort wurden im ersten Halbjahr 49 Prozent mehr investiert als im Vorjahreszeitraum. Doch auch im Bergbau (+37 Prozent), im Bereich der öffentlichen Verwaltung und sozialen Sicherheit (+31 Prozent) und beim Handel (+25 Prozent) gab es deutliche Investitionsschübe. Bei Finanzvermittlungen (-72 Prozent), in der Zuckerindustrie (-50 Prozent) und im Transportsektor (-49 Prozent) gingen die Mittelzuweisungen allerdings deutlich zurück.

Knapp die Hälfte der Investitionen erfolgten dabei in der Hauptstadt Havanna, wo auch viele Unternehmen des Landes ihren Sitz haben. Am stärksten stiegen die Investitionen jedoch auf der Insel der Jugend (+39 Prozent) und Matanzas (+22 Prozent) an, während sie in Ciego de Ávila (-59 Prozent) und Mayabeque (-42 Prozent) stark zurückgingen. Als Außreiser sticht in der Statistik die Provinz Artemisa hervor, in die bereits in diesem Jahr 230 Millionen US$ investiert wurden (Havanna: 934 Mio. US$). Dort wird gerade die Sonderwirtschaftszone von Mariel ausgebaut.

Der Transportsektor ist ein wichtiger Indikator für den Status der kubanischen Wirtschaft, auch hier lieferte ONE neue Zahlen. So wurden im ersten Halbjahr 2014 nur 3.000 Personen mehr transportiert als noch im letzten Jahr, ein Zuwachs von 0,3 Prozent. Während es bei den öffentlichen Bussen einen leichten Anstieg von 3,6 Prozent gab, schrumpften im ersten Halbjahr fast alle anderen Transportarten. Auch wurden 0,4 Prozent weniger Fracht transportiert als im Vorjahreszeitraum, was auf eine stagnierende Ökonomie hindeutet.

Der Bausektor schwächelt in Kuba ebenfalls. Der Wert der bis Juni errichteten Gebäude lag zwar 4,9 Prozent über dem Vorjahresergebnis, allerdings gingen die staatlich initiierten Bauten um 25 Prozent zurück. Mittlerweile werden 63 Prozent der Wohnungen von Privatleuten errichtet, und nur knapp 37 Prozent vom Staat. Vor wenigen Jahren war dieses Verhältnis noch umgekehrt. Bis Juni wurden in Kuba 10.063 Wohnungen errichtet, knapp 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch wurden 8,5 Prozent weniger Baumaterialien produziert als 2013.

Die herstellende Industrie der Insel sendet ebenfalls gemischte Signale. Die Produktion von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak stieg im ersten Halbjahr um 3 Prozent, während die Produktion langlebiger Haushaltsgeräte um 29 Prozent zurückging. Auch die Herstellung von Bussen und Fahrrädern ging zurück, während es bei den „anderen Konsumgütern“ (darunter Bücher, Zeitungen und Waschmittel) einen Zuwachs von 8 Prozent gab.

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Der von Pavel Videl entwickelte Trendindex zur kubanischen Konjunkturlage (Quelle: Cubastandard)

Trotz dieser durchwachsenen Bilanz zeigt die kubanische Wirtschaft noch keine Anzeichen einer Rezession. Ein neuer Trendindex, der vom kubanischstämmigen Ökonomen Pavel Vidal für das Portal „Cubastandard“ entwickelt wurde, zeigt deutlich eine konjunkturelle Eintrübung ab Herbst 2013. Diese ist aber nicht mit der Krise um 2009/10 zu vergleichen. Jüngst ist sogar wieder ein leicht positiver Trend zu beobachten, dennoch schätzt Vidal das Wachstum für 2014 auf insgesamt nicht mehr als 0,8 Prozent. Als Basis des Index werden die Handelsdaten von Kubas wichtigsten Außenhandelspartnern sowie Faktoren wie Zugang zu externer Finanzierung herangezogen. Diese zeigen in der Regel eine hohe Korrelation mit dem kubanischen BIP-Wachstum.

Was aber gibt dennoch Grund zu verhaltenem Optimismus? In diesem Jahr wurden viele langfristige Investitionsprojekte angegangen, deren Nutzen sich erst in einigen Jahren zeigen wird. So wird in Moa derzeit eine Nickelmine generalüberholt und in Camagüey eine Fabrik für Milchpulver errichtet. Große Sprünge sind jedoch mit der aktuellen Konjunkturlage nicht möglich. Externe Faktoren und die anhaltende Ineffizienz hätten die Lage in diesem Jahr noch zusätzlich verschlimmert, erklärte der Ministerrat vor einigen Monaten. Das Land versucht nun verstärkt auf ausländische Investitionen zu setzen, um einen Wachstumsschub zu initiieren.

Ein Lichtblick bietet da im November die „Feria de la Habana“, die nach eigenen Angaben größte Handelsmesse der Karibik. Die Ausstellung hat dieses Mal ausländische Investitionen zum Thema. Zu Beginn der Veranstaltung soll der bereits angekündigte Katalog für Investitionsobjekte veröffentlicht werden. Es werden 4.500 Aussteller auf mehr als 20.000 Quadratmetern Fläche erwartet. Dass die Messe dieses Jahr unter dem besonderen Stern der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone von Mariel stehen wird, lässt hoffen.