Aktuelle Trends

trendsAktuelle Entwicklungen und Volkswirtschaftsdaten
(Stand: Juli 2019)

Globale Indikatoren

 

2015 2016 2017 2018 2019
BIP (in Mrd. US$) 87,1 91,3 96,8 97,9 100 (Prognose)
BIP-Wachstum 4,5 % 0,5 % 1,8 % 1,2 % 1,5 % (Plan)
Investitionen
(% zum Vorjahr)
25,5 10,2 23,9 15,4 20,5 (Plan)
Arbeitsproduktivität
(% zum Vorjahr)
13,3 7,6 8,7
Sozialausgaben
(% des BIP)
30,2 27,9 27,5
Bruttoanlage-
investitionen

(% des BIP)
9,4 9,6 10,3

Hinweise zu den Indikatoren weiter unten: Die Arbeitsproduktivität errechnet sich aus BIP je Erwerbstätigen, zu laufenden Preisen. Der Investitionsindikator bezieht sich in % auf die Gesamtinvestitionen des Landes im jeweiligen Jahr. Sämtliche Zahlen stützen sich auf die aktuelle Ausgabe des statistischen Jahrbuchs ONE.

Sektoren
(nach Anteil am BIP)

Dienstleistung

Der Export von medizinischen und anderen Dienstleistungen an Drittländer ist seit Mitte der 2000er Jahre Kubas wichtigste Devisenquelle. Derzeit arbeiten etwa 50.000 kubanische Mediziner in über 60 Ländern, darunter etwa 20.000 in Venezuela. Zwischen 2015 und 2018 waren zudem rund 11.000 Ärzte in Brasilien tätig. Die angespannte Situation in Venezuela sowie der Regierungswechsel in Brasilien haben in den letzten Jahren jedoch zu spürbaren Einbußen bei dieser vitalen Säule der kubanischen Wirtschaft geführt. Zuletz betrugen die Einnahmen aus dem Export medizinischer Dienstleistungen (2018) allein 6,39 Mrd. US$, während insgesamt in diesem Jahr 11,28 Mrd. US-Dollar exportiert wurden.

Tendenz:

2011 2012 2013 2014 2015
Einnahmen (in Mrd. US$) 8,26 8,61 9,16 9,17 10,67
Veränderung zum Vorjahr -6,6 % 4,2 % 6,4 % 0,1 % 16,4 %
% der Staatseinnahmen 18,3 17,6 19,5 19,4 21,3

Die Angaben berechnen sich aus dem Gesamtexport nach ONE 5.3 abzüglich des reinen Warenexports nach ONE 8.5.

Tourismus

Nach dem Dienstleistungsexport ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle für Kuba. Im vergangenen Jahr zählte Kuba 4,7 Millionen Besucher, geringfügig mehr als noch 2017. In den Jahren nach der teilweisen Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA (ab 2014) bis zum Beginn der Trump-Administration erlebte das Land einen regelrechten Tourismusboom aus den Vereinigten Staaten. In Folge der erneuten Verschärfungen der Reisebestimmungen für US-Bürger ist es mit dem sprunghaften Wachstum jedoch vorerst vorbei. Dennoch bleibt der Fremdenverkehr auf Kuba einer der dynamischsten Sektoren der Wirtschaft, in den kräftig investiert wird. Zahlreiche neue Luxushotels und Golfprojekte sollen in den kommenden Jahren vor allem den hochpreisigen Tourismus weiter ankurbeln. Bis zum Jahr 2030 soll sich die Bettenkapazität der kubanischen Hotels auf rund 100.000 verdoppeln.

Tendenz:

2014 2015 2016 2017 2018
Anzahl der Besucher (in Mio.) 3,01 3,54 4,01 4,65 4,71
Veränderung zum Vorjahr 5,4 % 17,6 % 13,3 % 15,6 % 1,3 %
Bruttoeinnahmen
(in Mrd. US$)
2,54 2,82 3,07 3,30
Einnahmen pro Tourist (US$) 844 797 765 700
Besucherstatistik 2014 (Januar bis Dezember)

Anzahl der Besucher nach Monaten, 2016 bis Februar 2019 (Quelle: ONE).


Bergbau / Nickel

Nickel ist Kubas wichtigstes Exportgut. Im Jahr 2008 produzierte das Land noch über 84.000 Tonnen des seltenen Metalls, damals machten die Nickelexporte knapp 40% aller Exportgüter aus. Durch fallende Weltmarktpreise befindet sich der Sektor seit Mitte 2014 in der Krise. Seitdem gehen sowohl die Produktion als auch die Einnahmen deutlich zurück. Derzeit sind rund 21.800 Beschäftigte im kubanischen Bergbausektor tätig. Die Wartung und Erweiterung der bestehenden Anlagen ist indes weitgehend pausiert, jedoch ist eine Trendwende bei steigenden Rohstoffpreisen absehbar. Nickel ist ein wichtiger Rohstoff für die Batterieherstellung, womit der kubanische Bergbau mit Blick auf die Zunahme der weltweiten E-Mobilität in Zukunft eine größere Rolle spielen könnte. Neben Nickel werden derzeit verstärkt Blei und Zink im Rahmen einer 2017 neu erschlossenen Mine in der Provinz Pinar del Río gefördert. Dort werden jedes Jahr rund 24.000 Tonnen der beiden Mineralien zu Tage gefördert.

Kuba verfügt über ein Fünftel der weltweiten Nickelvorkommen, die durch zwei Minen in der östlichen Provinz Holguín erschlossen werden:

  • „Pedro Soto Alba“: Seit 1994 Joint-Venture mit dem kanadischen Konzern „Sherritt Inc.“, jährliche Kapazität von 38.000 Tonnen bei Produktionskosten von 5.000 bis 7.000 US$ pro Tonne.
  • „Ernesto Che Guevara“: Wurde 1986 mit sowjetischer Technologie errichtet, jährliche Kapazität liegt bei 30.000 Tonnen bei Produktionskosten von 12.000 US$ pro Tonne. Wurde in den vergangenen Jahren überholt, womit die Produktionskosten um rund 20 Prozent gesenkt werden konnten.

Tendenz:

2013 2014 2015 2016 2017
Nickelproduktion (in Tonnen) 47.489 44.538 53.254 52.496 50.000
Bergbauexporte
(in Mrd. US$)
0,71 0,74 0,52 0,46 0,62
– Veränderung zum Vorjahr -29,7% 4,2 % -29,7% -11,5% 34,8 %
Investitionen (in %) 4,0 5,2 4,7 4,6 3,6

Zucker

Der kubanische Zuckersektor befindet sich seit Jahren in einer akuten Krise: mangelnde Organisation, Unterkapitalisierung und schlechte Witterungsbedingungen machen der einst stolzen Industrie noch immer zu schaffen, die in den 1980er Jahren mit Produktionsziffern von über 8 Millionen Tonnen aufwarten konnte.
Trotz des organisatorischen Neustarts, welcher mit der Auflösung des Zuckerministeriums und der Gründung der staatlichen Holding „Azcuba“ im Jahr 2011 erfolgte, konnten die Erträge nur langsam wieder gesteigert werden. Mittelfristig will Kuba zwischen 2 und 3 Millionen Tonnen Rohrzucker pro Jahr produzieren.

Dabei gab es zuletzt wieder deutliche Rückschläge. Aufgrund von Ernteausfällen durch mehrwöchige Starkregenfälle und die Zerstörungen durch Hurrikan „Irma“ brach die Ernte in der Saison 2017/18 um fast 40 Prozent ein. Das Ergebnis betrug rund 1,10 Millionen Tonnen.  Für die laufende Saison wird jedoch wieder mit einer deutlichen Erholung gerechnet. Derzeit sind rund 50.400 Kubaner in der Zuckerindustrie beschäftigt, 1,2 Prozent aller Erwerbstätigen. Bei der erneuerbaren Stromgewinnung mit Biogas soll der Zuckersektor künftig eine wichtige Rolle einnehmen, hierfür wurden in den letzten Jahren entsprechende Projekte auch für ausländische Investoren ausgeschrieben. 

Tendenz:

2014 2015 2016 2017 2018
Zuckerernte (in Mio. Tonnen) 1,64 1,74 1,69 1,80 1,10
Veränderung zum Vorjahr 7,2 % 5,9 % -2,7% 6,5 % -38,8%
Produktionsindex (1989 = 100) 22,3 23,6 23,4% 22,8%
Investitionen (in %) 2,7 3,4 3,1 3,1
Exporte (in Mio. US$) 416 436 360 478

Industrie

Die kubanische Industrie kommt vor allem für die Herstellung von Nahrungsmitteln, Baumaterialien und die Weiterverarbeitung von Rohstoffen auf, aber auch Hightech-Branchen wie die Herstellung von Medikamenten und Softwareprodukten sind Teil des Spektrums staatlicher Industriebetriebe auf Kuba. Anfang der 1990er Jahre erlebte die Industrieproduktion in Folge der Sonderperiode einen jähen Einbruch, der bis heute trotz kontinuierlicher Erholung nicht vollständig ausgestanden ist. Größtes Problem ist die Ineffizienz und fehlende Investitionen in die staatlichen Betriebe.
Die aktuell laufende Unternehmensreform will mit mehr Dezentralisierung und neuen Anreizsystemen zu einer Modernisierung der Wirtschaft beitragen. Kubas Regierung plant, mit der gezielten Verzahnung der vorhanden Produktion und dem Aufbau neuer Betriebe unter Einsatz von ausländischen Investitionen neue Wertschöpfungsketten zu schaffen, so dass Kubas Industrie künftig wieder stärker die heimische Nachfrage decken kann und einen größeren Anteil am Exportsektor ausmacht. Bis die Reformen vollends greifen, dürfte es allerdings noch etwas dauern.
Siehe: Investitionen
Tendenz:

2013 2014 2015 2016 2017
Produktion (1989 = 100) 55,0 55,5 62,1 68,7 67,6
– ohne Zuckerindustrie 62,3 62,6 70,4 78,5 78,8
Beschäftigte
(in % aller Erwerbstätigen)
8,1 9,5 7,9 8,1 8,0
Anteil am BIP (in %) 15 14,4 14,2 13,2 12,7
Investitionen (in %) 3,3 2,7 3,4 3,1 3,1

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft gilt als das Rückgrad der kubanischen Wirtschaft. Sie erlebte in den 1990er Jahren eine schwere Krise, die durch akuten Mangel an Düngemittel und Treibstoffen geprägt war. In der Folgezeit wurden staatliche Farmen an Kooperativen verpachtet und auf nachhaltige Anbaumethoden umgestellt. Dennoch ist die Produktion ungenügend und die Produktivität gering. Kuba muss heute rund 60% der benötigten Lebensmittel importieren, wobei davon etwa zwei Drittel auch im Land selbst produziert werden könnten. Von den 6,3 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden lediglich 2,7 Millionen kultiviert. Hinzu kommen immer wieder Naturereignisse wie Hurrikane und ausgedehnte Dürreperioden, welche der kubanischen Landwirtschaft immer wieder Probleme bereiten. Im Herbst 2017 vernichtete Hurrikan „Irma“ einen Großteil der Kakaoanbaufläche des Landes, auch die Zuckerindustrie hatte unter den Folgen zu leiden. Trotz der tendenziellen Erholung in den letzten Jahren, sind die Resultate in diesem Sektor bisher noch durchwachsen. Nachfolgend die Ergebnisse der wichtigsten Anbauprodukte in den letzten Jahren:
Tendenz:

Produktionsvolumen 2013 2014 2015 2016 2017
Knollen & Wurzelgemüse
(folgende: in Mio. Tonnen)
2,24 2,51 2,63 2,86 2,84
Gemüse 2,41 2,49 2,42 2,38 2,48
Reis 0,67 0,58 0,42 0,51 0,40
Bohnen 0,13 0,14 0,12 0,14 0,13
Tabak
(folgende: in 1.000 Tonnen)
24,0 19,8 24,5 19,7 30,8
Zitrusfrüchte 166,9 96,8 115,4 119,5 98,8
Kakao 4,3 4,2 4,1 4,2 2,5
Milch
(in 1.000 Liter)
589,1 588,1 493,9 612,8 536,4

Quelle: ONE 2017, Kap. 9

Diverse Reformen, wie die Verpachtung von brachliegenden Flächen an Kleinbauern, sowie die Etablierung von Produktionsketten und größere Autonomie für Kooperativen, sollen die Lebensmittelproduktion ankurbeln. Seit dem 1. Juni 2015 bezahlt die staatliche Abnahmegeselschaft Acopio höhere Ankaufpreise für landwirtschaftliche Produkte. Der Staat zahlt seitdem bis zu 200 Prozent mehr für bestimmte Produkte wie Reis, Kaffee, Milch, Fleisch und Kakao. In den letzten Jahren sind vor allem Themen wie der direkte Verkauf an den Tourismussektor sowie die Nutzung von ausländischen Investitionen für die Landwirtschaft auf die Reformagenda gerückt.

2013 2014 2015 2016 2017
Beschäftigte
(in % aller Erwerbstätigen)
18,6 18,2 15,3 17,8 17,5
Anteil am BIP (in %) 3,8 3,8 3,7 3,8 3,7
Investitionen (in %) 8,0 5,7 8,0 7,5 5,2
Lebensmittelimporte (in Mrd. US$) 1,85 1,92 1,80 1,78 1,82
Subventionierte Verkäufe
(in Pesos pro Person)
1.015 992 987 890 922

Privatsektor

Seit Beginn der Wirtschaftsreformen im Jahr 2011 beginnt der Privatsektor eine gewisse Rolle in der kubanischen Volkswirtschaft zu spielen. Die rund 600.000 selbstständig Beschäftigten machen heute rund 13 Prozent aller Erwerbstätigen auf Kuba aus. Sie sind vor allem in den Sektdoren Gastronomie, Transport, Dienstleistung und Tourismus (Zimmervermietung) tätig. Darüber hinaus existieren seit einigen Jahren rund 500 Kooperativen außerhalb der Landwirtschaft (CNoA), welche aktuell noch in experimenteller Form in Sektoren wie Transport, Baugewerbe und herstellende Industrie tätig sind. Der Anteil der Beschäftigten im Privatsektor sowie deren Anteil an den Steuereinnahmen steigt seit Jahren kontinuierlich.
Tendenz:

2014 2015 2016 2017 2018
Arbeiter auf eigene Rechnung
(„Cuentapropistas“, in 1.000)
483,4 499 540,8 583,2 591
– Anteil aller Beschäftigten: 9,73 % 10,6 % 11,7 % 13,2 %
Agrargenossenschaften
(Mitglieder in 1.000)
608,6 523,6 435,4 458,3
– Anteil aller Beschäftigten: 12,3 % 11,1 % 9,5 % 10,2 %
Mitglieder in Kooperativen
(Nicht-Agrar, in 1.000)
5,5 7,7 11,3 18,6
– Anteil aller Beschäftigten: 0,11 % 0,16 % 0,25 % 0,42 %

 

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