Kuba übernimmt CEPAL-Präsidentschaft

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel (links) erhält eine Medaille zum 70. Jahrestag der CEPAL-Gründung durch die Exekutivsekretärin des UN-Organs, Alicia Bárcena (Quelle: Granma)

Das sozialistische Kuba hat jüngst die Präsidentschaft der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) übernommen. Präsident Miguel Díaz-Canel übernahm den zweijährigen Vorsitz des UN-Gremiums, dessen Tagung am 8. Mai in Havanna stattfand. Ebenfalls zu Gast war UN-Generalsekretär António Guterres, der zu einem mehrtägigen Staatsbesuch auf der Insel weilte und dabei auch auf KP-Chef Raúl Castro traf.

„Wir fühlen uns geehrt in Kuba zu sein, bei diesem noblen Volk welches sein eigenes Schicksal in die Hand nimmt“, sagte Alicia Bárcena, die Exekutivsekretärin der CEPAL. Kuba sei ein wichtiger Partner in der globalen Süd-Süd-Kooperation und gleichzeitig ein Beispiel für Gleichheit und Gerechtigkeit in der Region mit der größten sozialen Ungleichheit der Erde. In ihrer Rede zur Eröffnung der 37. Tagung der Kommission verurteilte Bárcea auch die anhaltende Wirtschaftsblockade der USA gegen Kuba, deren Schaden von dem UN-Gremium auf 130 Milliarden US-Dollar geschätzt werden. Das US-Embargo habe ein „unauslöschbares Loch“ in der Wirtschaftsstruktur des Landes hinterlassen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres (vorne rechts) neben Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal in der Altstadt (Quelle: Cubadebate)

Ähnliche Töne schlug auch UN-Generalsekretär Guterres an, der vor der Tagung einen zweitägigen Staatsbesuch auf der Insel absolvierte. Die Restaurierung der Altstadt Havannas trotz der US-Blockade sei ein „Geschenk des kubanischen Volks an die Welt“, sagte der 69-jährige bei einem Rundgang mit dem Stadthistoriker Eusebio Leal. Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel würdigte in seiner Eröffnungsrede indes die Rolle der CEPAL als „Referenz des wirtschaftlichen und sozialen Wissens“ in der Region. Das 1948 gegründete Gremium, welches aus 45 Mitgliedsstaaten besteht, leiste einen progressiven Beitrag bei der Integration und Forschung zur sozialen Frage in der Region.

Díaz-Canel betonte in seiner Rede die wichtige Rolle von Informationstechnologien und Bildung für die Entwicklung. Um die Schere zwischen „denen, die haben und denen die nichts haben“ zu reduzieren sei es von fundamentaler Bedeutung den Unterschied zwischen „denen, die wissen, und denen die nicht wissen“ aufzuheben. Während der zweieinhalbjährigen Präsidentschaft des Gremiums bis 2020 will Kuba vor allem Akzente beim Thema der sozialen Gleichheit in der Region sowie der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung setzen. Derzeit arbeite man am langfristigen Entwicklungsplan der Insel bis zum Jahr 2030, der auch in die Entwicklungskonzepte der Vereinten Nationen eingebettet werde, so Díaz-Canel.

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CEPAL-Chefin lobt Investitionspolitik Kubas

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Bárcenas und Díaz-Canel im Gespräch (Quelle: Granma)

Santiago de Chile/Havanna. Die Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika, CEPAL, hat die Investitionspolitik Kubas als vorbildlich eingestuft. Kuba öffne sich ausländischen Investitionen, schütze zugleich aber für das Land wichtige Bereiche und Arbeitsplätze, sagte die Exekutivsekretärin des Gremiums, Alicia Bárcena.

Die UNO-Vertreterin wurde in Havanna vom Ersten Vizepräsidenten, Miguel Díaz-Canel, empfangen. Bárcena und Díaz-Canel besprachen bei dem Treffen Chancen und Herausforderungen der regionalen Wirtschaftsentwicklung, hieß es in kubanischen Medien. Die CEPAL-Chefin sagte dem sozialistischen Kuba jede notwendige Hilfe bei den derzeitigen Versuchen zu, das wirtschaftliche Modell des Landes zu modernisieren.

Bárcena verwies darauf, dass Kuba bei seiner Reformpolitik die wirtschaftliche Lage in der gesamten Karibik und in Mittelamerika im Auge behalten müsse. Schließlich stünden die Länder dieser Region in Konkurrenz um ausländische Investitionen, fügte sie bei einer Wirtschaftskonferenz in Havanna hinzu. Vor allem in der Karibik sei für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent des regionalen Bruttoinlandsproduktes zu erwarten. Diese Prognose liege über dem Ein-Prozent-Wachstum, das für Lateinamerika erwartet wird. Angesichts der Lage in der Karibik liege die Herausforderung darin, eine länderübergreifende Strategie gegenüber ausländischen Investoren zu entwickeln, um schädliche Konkurrenz zu vermeiden.

Es spräche nichts dagegen, dass jede Volkswirtschaft die eigenen Ressourcen zur Entwicklung der gesamten Region beitrage, etwa in den Bereichen des Tourismus und des Seetransports. Dies seien Gebiete, die es aufgrund der natürlichen Bedingungen der Region zu erschließen gelte.

„Ich glaube, dass die Sonderentwicklungszone in Mariel (nahe Havanna) ein Beispiel ist“, so Bárcena. Die bisher langen Transportrouten beim Export lateinamerikanischer Produkte in andere Kontinente könnte durch den kubanischen Handelshafen erheblich verringert werden, sagte sie.

von Christian Kliver / Amerika21