Kubanische Ärzte kehren aus Westafrika zurück

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Kubanische Ärzte am Flughafen in Freetown/Sierra Leone kurz vor ihrem Rückflug nach Kuba (Quelle: Telesurtv.net)

Freetown/Matanzas, Kuba. Am Montag dieser Woche sind 151 Mitglieder einer staatlichen Einsatzgruppe kubanischer Ärzte nach einem Hilfseinsatz in Westafrika in ihr Heimatland zurückgekehrt. Die in der „Brigade Henry Reeve“ zusammengeschlossenen Fachärzte mit Spezialisierung auf Katastrophenschutz und Epidemiologie hatten dort in den vergangenen sechs Monaten bei der Bekämpfung des Ebola-Virus geholfen.

Noch vor Abflug aus Sierra Leones Hauptstadt Freetown wurde ihre Arbeit von verschiedenen Seiten gewürdigt. Liberias Außenminister Augustine Kpehe Ngafuan betonte, dass den Kubanern das Risiko ihrer Arbeit sehr wohl bewusst gewesen sei. Allerdings würden sie sich als die „Brüder von der anderen Seite des Ozeans“ verstehen, um in dieser Rolle solidarische Hilfe zu leisten. Auch Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma dankte dem kubanischen Volk für dessen Unterstützung auf sein Hilfeersuchen. Er habe gewusst, dass Kuba sein Land nicht im Stich lassen würde. Das kubanische Volk sei sich seiner afrikanischen Wurzeln bewusst, so Koroma weiter. Sein Land werde diese Leistung nie vergessen. Auch nach Abzug des Großteils des medizinischen Personals verbleiben weitere 66 Ärzte und Krankenschwestern in Sierra Leone, die erst zum 1. April nach Kuba zurückkehren werden.

Zuletzt hatte sich im Einsatzgebiet ein erheblicher Rückgang an Neuinfizierungen und Todesfällen abgezeichnet. In Liberia wurde seit 22 Tagen keine Neuinfizierung bestätigt. Dennoch sei die Epidemie noch nicht vorüber, hieß es von Behördenseite. Über 24.000 Menschen sind laut Aussagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Westafrika betroffen, die offiziellen Todeszahlen liegen bei über 10.000. Auch daher sei es ein Zeichen der „Professionalität des medizinischen Personals aus Kuba“, so Maurice Calderon, Vizekoodinatior für auswärtige medizinische Teams der WHO in Sierra Leone, dass sich lediglich ein kubanischer Arzt während der sechs Monate infiziert hat. Dr. Félix Báez Sarria, der in Sierra Leone gearbeitet hatte, wurde bereits erfolgreich behandelt und kehrte nach seiner Genesung zurück, um im Kampf gegen den Virus vor Ort weiterzuarbeiten. Dies sei eine „erneute Demonstration der Leistung der kubanischen Mediziner“, die ihm aus anderen Teilen der Welt bekannt sei, so Calderon weiter. Diese zeichne sich durch „hohes Engagement, gute Leistungen und Achtung vor den Menschenrechten der Kranken“ aus.

Kuba ist dafür bekannt, ein Drittel seines medizinischen Personals in andere Länder zu entsenden. Derzeit befinden sich unter anderem 4.000 Mediziner in über 30 Ländern Afrikas um gegen Krankheiten wie Ebola und Malaria zu kämpfen. Der Malaria waren seit Oktober auch zwei Kubaner zum Opfer gefallen, die zum Einsatz gegen die Ebola-Epidemie nach Westafrika gekommen waren. Daher gedachten die Rückkehrer am Montag auch ihren verstorbenen Kollegen, dem Krankenpfleger Reinaldo Villafranca, der in Sierra Leone gearbeitet hatte und Jorge Juan Guerra Rodríguez, Mitglied des Ebola-Vorausteams in Guinea.

von Julia Ziegler / Amerika21

Die Abwanderung von Fachkräften aus Kuba

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Hunderte kubanische Ärzte werden für den Kampf gegen Ebola ausgebildet (Quelle: El Nuevo Herald)

Übersetzung eines Editorials aus der New York Times vom 17. November 2014. Deutsche Übersetzung durch Klaus Lehmann / Amerika21

US-Außenminister John Kerry und die US-amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, haben den Beitrag kubanischer Ärzte gelobt, die in Westafrika Ebola-Patienten betreuen. Die Zentren zur Kontrolle und Vorbeugung von Krankheiten, eine US-Bundesbehörde, entsandte kürzliche einen Funktionär zu einem von der kubanischen Regierung in Havanna organisierten Treffen, um den Kampf gegen die Epidemie zu koordinieren. In Afrika arbeiteten die kubanischen Ärzte in Einrichtungen, die von den Vereinigten Staaten errichtet worden waren. Das Virus hatte den unerwarteten Effekt einem unnötigerweise vergifteten Verhältnis gesunden Menschverstand einzuimpfen.

Trotzdem könnten die Ärzte, die in Westafrika arbeiten, heute einfach ihre Verpflichtungen hinter sich lassen, sich ein Taxi zur nächstgelegenen US-Botschaft nehmen, um mittels eines Programms, das bereits tausende von Desertionen ermöglicht hat, einen Migrationsstatus zu beantragen. Wird ihnen dieser gewährt, können sie in ein paar Wochen in die Vereinigten Staaten einreisen, um in wenigen Jahren zu US-Bürgern zu werden.

Es gibt viele verurteilungswürdige Aspekte der fehlgeschlagenen politischen Strategien der Vereinigten Staaten in Bezug auf Kuba und das seit Jahrzehnten gegen die Insel verhängte Embargo. Aber das Programm, das medizinisches Personal während offizieller Einsätze im Ausland zur Abwanderung anstiftet, ist besonders schwer zu rechtfertigen. Während des kürzlich zu Ende gegangenen Fiskaljahres hat mit 1.278 medizinischen Fachkräften eine Rekordzahl die Einwanderungsgenehmigung erhalten.

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Anzahl der kubanischen Ärzte, die während einer Auslandsmission in die USA eingebürgert wurden (Quelle: The New York Times)

Es unvereinbar, dass die Vereinigten Staaten die Beiträge der von der Regierung zur Hilfe bei Krisen in der Welt entsandten kubanischen Ärzte würdigt, wie zum Beispiel anlässlich des Erdbebens in Haiti im Jahre 2010 geschehen, während sie zugleich versuchen, den Staat zu destabilisieren, in dem sie Desertionen fördern.

Das US-amerikanische Einwanderungssystem muss den verwundbarsten Flüchtlingen und Verfolgten der Welt Vorrang einräumen, darf sich jedoch nicht dazu benutzen lassen, die Abwerbung von Fachkräften aus einem gegnerischen Land zu verstärken, insbesondere dann, wenn die Verbesserung der Beziehung zwischen den Ländern ein gangbares und vernünftiges Ziel ist.

Das von der Regierung aufgelegte Programm startete im August 2006, als Emilio González, ein strikt gegen die Regierung der Insel opponierender Exilkubaner, an der Spitze der Einwanderungs- und Ausländerbehörde der Vereinigten Staaten stand. González beschrieb die Arbeitsbedingungen der Ärzte als „staatlich sanktionierten Menschenhandel“. Zu jener Zeit betrieb die Bush-Administration auf allen Ebenen Sabotage gegen die kubanische Regierung. Die Erleichterung der Abwerbung von Ärzten, die an Auslandsmissionen teilnehmen, stellt eine Gelegenheit dar, das diplomatische Hauptwerkzeug der Insel zu attackieren und die Regierung der Castros zu demütigen.

Kuba nutzt schon seit vielen Jahren seine Medizinerbrigaden als Haupteinnahmequelle und Überzeugungsmacht. Die Insel besitzt eine der höchsten Pro-Kopf-Raten von Ärzten in der Welt und vergibt jedes Jahr Stipendien für Studiengänge im Gesundheitsbereich an hunderte ausländische Studenten. Darunter waren auch schon einige US-Amerikaner. Zahlen der kubanischen Regierung zufolge sind über 440.000 der insgesamt elf Millionen Einwohner des Landes im Gesundheitssektor beschäftigt.

Havanna bezieht subventioniertes Erdöl aus Venezuela und erhält von verschiedenen Ländern Geld als Entlohnung für geleistete medizinische Versorgung. Im laufenden Jahr rechnet die Regierung, der staatlichen Tageszeitung Granma zufolge, mit Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar für die medizinische Tätigkeit ihres Personals im Ausland. Die große Mehrheit derjenigen, die im Moment im Einsatz sind (insgesamt etwa 46.000) arbeitet in Lateinamerika und der Karibik. Etwa 4.000 von ihnen sind auf 32 afrikanische Länder verteilt.

Die medizinischen Fachkräfte erhalten, wie die Mehrheit der Kubaner, geringe Gehälter. In diesem Jahr hat die Regierung die Löhne der Gesundheitsarbeiter erhöht. Ärzte verdienen jetzt etwa 60 US-Dollar und Krankenpflegekräfte 40 US-Dollar im Monat. Die Zuweisungen im Ausland stellen eine Gelegenheit dar, substanziell mehr zu verdienen. Die Ärzte, die zurzeit in Brasilien arbeiten, verdienen zum Beispiel etwa 1.200 US-Dollar monatlich.

Die 256 medizinischen Fachkräfte, die die Ebolapatienten in Westafrika betreuen, erhalten tägliche Zuweisungen von etwa 240 Dollar von Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). José Luis Di Fabio, der Leiter der WHO-Mission in Havanna sagte, dass die Ärzte und Pflegekräfte in Afrika aus eigener Entscheidung dorthin gereist seien. „Es handelt sich um Freiwillige“, sagte er während eines Interviews: „Es gab einige, die ihre Zusage zurückgezogen haben und das war kein Problem.“

Einige Ärzte, die desertiert sind, sagen, dass die Auslandszuweisungen eine stillschweigende Zwangskomponente enthielten und haben sich darüber beklagt, dass die kubanische Regierung den größten Teil des Geldes, den ihre Dienstleistungen erbringen, abkassiere. Trotzdem sagt das US-Außenministerium in seinem jüngsten Bericht über Menschenhandel, dass der vorgebliche Zwang gegenüber kubanischen Medizinfachkräften „keine einheitliche Politik der Regierung wiederzuspiegeln scheint“. Auch wenn dies so sein mag, könnte Havanna sein Personal im Ausland in großzügigerer Weise entlohnen, wo doch die Gesundheitsbrigaden weiterhin eine wichtige Einnahmequelle bilden werden.

Im vergangenen Jahr flexibilisierte die kubanische Regierung die Ausreisebeschränkungen, indem sie für die Mehrheit ihrer Staatsbürger, einschließlich der Dissidenten, eine freie Aus- und Einreise autorisierte. Auch die Ärzte, die in der Vergangenheit strengeren Restriktionen unterlagen, können heute ohne größere Probleme reisen. Die Vereinigten Staaten halten jedes Jahr 20.000 Einwanderungsvisa für Kubaner von der Insel bereit. Außerdem erhalten diejenigen, denen es gelingt auf irregulären Wegen einzureisen, automatisch die legale Aufenthaltgenehmigung.

Die kubanische Regierung betrachtet das Abwerbungsprogramm für Ärzte als Symbol der Doppelzüngigkeit seitens der Vereinigten Staaten. Es behindert die Fähigkeit Kubas, wenn es darauf ankommt, im Fall von internationalen Krisen seinen Beitrag zu leisten und bewirkt in Richtung der Schaffung einer offeneren oder demokratischeren Gesellschaft rein gar nichts. Solange diese unstimmige Politik beibehalten wird, wir es weiterhin schwierig sein, ein gesünderes Verhältnis zwischen beiden Nationen zu etablieren.

Genau wie für eine wachsende Zahl von Kubanern wird für viele medizinische Fachkräfte weiterhin die Möglichkeit von Interesse bleiben, auf der Suche nach verbesserten Möglichkeiten in die Vereinigte Staaten zu emigrieren und sie haben sicher auch das Recht, dies zu tun. Aber sie während Auslandsmissionen dazu aufzufordern – das geht zu weit.


Einen tieferen Einblick in das kubanische Programm der Ärzteausbildung liefert der TED-Talk der amerikanischen Journalistin Gail Reed.

ALBA-Länder koordinieren Kampf gegen Ebola

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ALBA-Gipfel zu Ebola: Venezuelas Präsident Nicolás Maduro (Rechts) plädierte auch für ein baldiges Treffen der größeren Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) (Quelle: junge Welt)

Havanna. Bei einem Sondergipfel der Regierungschefs des linksgerichteten Staatenbündnisses Bolivarische Allianz für Amerika (ALBA) in Kubas Hauptstadt Havanna haben die Teilnehmer am Montag einen gemeinsamen Plan zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie ausgearbeitet. Der jüngste Ausbruch der Krankheit hat bisher schon mehr als 4.500 Opfer gefordert, die meisten davon in den westafrikanischen Staaten Sierra Leone, Guinea und Liberia.

„Ich bin davon überzeugt, dass diese Bedrohung, wenn sie nicht mittels einer sofortigen internationalen Antwort in Westafrika gestoppt wird, zu einer der schwersten Pandemien in der menschlichten Geschichte werden könnte“, sagte Kubas Präsident Raúl Castro auf dem Gipfel. Er bekräftigte den Willen zur Zusammenarbeit seines Landes in der Sache mit allen Ländern, inklusive der USA, die bis heute eine Blockade aus Zeiten des Kalten Krieges gegen die sozialistische Insel aufrecht erhalten.

Die Delegierten, darunter Gesundheitsminister und -Experten, kritisierten die bisherigen Reaktionen der Weltgemeinschaft als ungenügend und erarbeiteten einen eigenen Aktionsplan, der neben der Bekämpfung der Epidemie vor Ort auch Präventionsmaßnahmen vorsieht. Bisher blieben Lateinamerika und die Karibik von der gefährlichen Infektionskrankheit verschont.

Der Vertreter der Vereinten Nationen auf der Tagung, David Navarro, hob derweil Kubas Engagement in dem Krisengebiet hervor, das er als „Zeichen von Solidarität und Brüderlichkeit der ersten Güte“ bezeichnete.

Bei dem Treffen waren unter anderem die Präsidenten von Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Haiti anwesend. Andere ALBA-Mitglieder sowie UNO und Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickten offizielle Vertreter.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

UNO und WHO danken Kuba für Ärzte im Kampf gegen Ebola in Afrika

Havanna. Die kubanische Regierung wird zur Unterstützung des Kampfes gegen die Ebola-Epidemie 165 Ärzte nach Westafrika entsenden. Dies gab der Gesundheitsminister Kubas, Roberto Morales Ojeda, am Freitag bekannt. Im Rahmen einer Pressekonferenz in der Zentrale der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf sagte Morales Ojeda, dass die ersten Mediziner den Plänen zufolge Anfang Oktober in Sierra Leone eintreffen werden.

In Westafrika sind offiziellen Zahlen zufolge in einer der schlimmsten Epidemien bereits 2.300 Menschen gestorben. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Die Epidemie betrifft Liberia, Sierra Leone und Guinea, seit im März die ersten Fälle aktenkundig geworden waren. Auch Nigeria und Senegal haben erste Kranke gemeldet.

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WHO-Chefin Chan und Kubas Gesundheitsminister Morales (Quelle: WHO)

Das kubanische Engagement ist weltweit bei Fachorganisationen und in Medien auf ein großes Echo gestoßen. Medien wie Forbes, Reuters oder die BBC berichteten ausführlich über die Initiative. Die Entsendung von Ärzten in Länder des Südens hat in Kuba Tradition. In Haiti etwa sind seit Jahren hunderte Mediziner aus Kuba aktiv.

Das langfristige Engagement wurde von Experten als effizienter anerkannt als die kurzfristige Katastrophenhilfe westlicher Staaten.

Auch aktuell lobt die WHO-Direktorin Margaret Chan Kubas Einsatz, der nach ihren Worten für Sierra Leone „eine wichtige Unterstützung“ bedeutet. „Wenn wir gegen Ebola in den Krieg ziehen wollen, dann brauchen wir Ressourcen dafür“, sagte sie. „Kuba ist weltweit dafür bekannt, dass es herausragende Ärzte und Pflegekräfte ausbildet und anderen Staaten generös auf dem Weg zum Fortschritt beisteht“, so Chan weiter.

Nach kubanischen Angaben werden der Delegation Ärzte, Pflegekräfte, Epidemiologen, Spezialisten in Seuchenkontrolle, Intensivmediziner und Sozialarbeiter angehören.

Neben der WHO-Chefin sprach auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon Kuba seinen Dank aus. „Der Generalsekretär möchte die von der kubanischen Regierung bekanntgegebene Initiative, kurzfristig 165 Ärzte zum Kampf gegen Ebola nach Sierra Leone zu entsenden, aufs Herzlichste begrüßen“, heißt es in der online veröffentlichten Note.

von Harald Neuber / Amerika21

Kuba arbeitet enger mit der WHO zusammen

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Kuba leitet erstmals die Weltgesundheitsversammlung WHO.

Genf/Havanna. Erstmals hat Kuba die Weltgesundheitsversammlung (WHA), das Hauptorgan der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in Genf geleitet. Die umfangreiche Tagesordnung beinhaltete unter anderem Themen wie die Umsetzung internationaler Gesundheitsrichtlinien, den Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgungsstrukturen sowie Strategien zur Bekämpfung von Tuberkulose und Hepatitis.

Ziel seines Landes sei es gewesen, so Kubas Gesundheitsminister Roberto Morales Ojeda, möglichst konsensfähige Resolutionen zu formulieren, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, in den 194 Mitgliedsstaaten umgesetzt zu werden. Besondere Beachtung in der Debatte fanden chronische Krankheiten, eine der Haupttodesursachen in Kuba. Hierbei verwies Ojeda auf das seit den sechziger Jahren entwickelte Gesundheitssystem, welches eine medizinische Versorgung in allen Landesteilen erlaubt und damit beispielhaft für andere Staaten sei.

Auch in der Debatte um die Herausforderung einer alternden Gesellschaft für das Gesundheitssystem betonte er die Erfolge der Gesundheitspolitik seines Landes. Einer Studie zufolge wird der Anteil der über 60-jährigen im Jahr 2030 in Kuba 30 Prozent betragen. Dies stelle neue Anforderungen an das Gesundheitssystem, denen das Land nun begegnen will.

Gegenüber der staatlichen Tageszeitung Granma, dem Zentralorgan der regierenden Kommunistischen Partei Kubas, betonte er zudem die Möglichkeiten, die sich durch das kubanische Engagement in der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation ergeben, der lateinamerikanischen Regionalorganisation der WHO. Das medizinische Personal, das Kuba in unterschiedliche Länder entsendet, könne dafür sorgen, dass entsprechende Vorgaben der WHO eingehalten und umgesetzt werden.

Seit 1995 ist Kuba Mitglied der 1948 gegründeten Weltgesundheitsorganisation. Diese versucht durch Impfungen Pandemien einzudämmen. Seit der Ausrottung der Pocken Anfang der achtziger Jahre widmet sich die WHO verstärkt dem Kampf gegen Kinderlähmung. Gemeinsam mit der WHO könne Kuba einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitspolitik in der „Gruppe von Polio-Nationen“ leisten, in denen es zuletzt wiederholt zu Ausbrüchen kam, so Ojeda.

Erfolge kubanischer Arbeit konnten bereits Länder Afrikas wie Nigeria, Angola oder Ghana berichten. Dort engagiert sich die kubanische Organisation „Labiofam“ gegen Malaria. Durch diese Arbeit konnte nach Expertenangaben nicht nur die Infektionsrate der durch Moskitos übertragbaren Krankheit reduziert werden, auch Ansteckungsrate mit Denguefieber habe gesenkt werden können.

Der Verantwortliche für internationale Organisationen im Gesundheitsministerium Kubas, Antonio González, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Prensa Latina, dass Kuba „praktisch alle Milleniumsziele der UNO“ erreicht hat. Diese Ziele zur sozialen und gesundheitspolitischen Entwicklung waren auf dem Millenniumsgipfel im Jahr 2000 in New York definiert worden.

von Julia Ziegler / Amerika21

Kuba trauert um Nelson Mandela

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Nelson Mandela und Fidel Castro am 26. Juli 1991 in Matanzas, Kuba.

Havanna. Der Tod des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela wurde in der ganzen Welt mit tiefer Bestürzung aufgenommen. Der Kämpfer gegen die Apartheid starb gestern im Alter von 95 Jahren in Johannesburg.

Auch in Kuba wird um den Friedensnobelpreisträger getrauert. Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Todesnachricht wandte sich Präsident Raúl Castro an seinen südafrikanischen Amtskollegen Jacob Zuma. Mandela werde durch die Größe seines Beispiels und die Stärke seiner Überzeugung im Kampf gegen die Apartheid und für ein neues Südafrika in Erinnerung bleiben. „Wir bezeugen größten Respekt und Bewunderung, nicht nur für das was er für sein Volk geleistet hat, sondern auch für seine bewährte Freundschaft mit unserem Land“, so Castro. In Kuba wurde eine mehrtägige Staatstrauer verkündet, die mit einem offiziellem Trauertag am 8. Dezember endet.

Kuba hatte in den 1980er Jahren eine entscheidende Rolle bei der Beseitigung der Apartheid in Südafrika gespielt. Seine Militärkräfte in Angola setzten dem südafrikanischen Regime zu und der sozialistische Karibikstaat lieferte direkte materielle Unterstützung für die südafrikanische Befreiungsbewegung ANC.

Mandela, den sein erster Auslandsbesuch nach der Freilassung aus dem Gefängnis nach Kuba führte, verband eine enge Freundschaft mit Fidel Castro. Bei seiner Ansprache in Matanzas am 26. Juli 1991 sagte Mandela: „Das kubanische Volk hat einen besonderen Platz in den Herzen der Völker Afrikas. Die kubanischen Internationalisten haben einen Beitrag für die Unabhängigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit in Afrika geleistet, der wegen der Prinzipien und der Selbstlosigkeit, die ihn kennzeichnen, einmalig ist.“ Er bezeichnete die kubanische Revolution als „Quelle der Inspiration für alle freiheitsliebenden Völker“. Nach mehrmaliger Einladung Mandelas besuchte Castro schließlich im Jahr 1998 Südafrika, wo er eine Rede vor dem Parlament hielt. Der in den USA inhaftierte Kubaner Gerardo Hernández bekundete ebenfalls sein Beileid. Hernández gehört zu den „Miami Five“, die im Auftrag Havannas gewaltbereite Gruppen des kubanischen Exils heimlich überwachten. Zuvor hatte Hernández bei den kubanischen Truppen in Angola gekämpft.

Auf die besondere Beziehung Mandelas und der südafrikanischen Befreiungsbewegung zu Kuba weist auch die Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba in einer Pressemitteilung hin. Darin wendet sie sich gegen „Geschichtsfälschung und Heuchelei“ seitens der Regierungsvertreter Westeuropas und der USA. Zitiert wird Thejiwe Mtintso, die Botschafterin Südafrikas in Kuba, die im Dezember 2005 sagte: „Heute hat Südafrika viele neue Freunde. Gestern haben diese Freunde unsere Führer und Kämpfer noch Terroristen genannt und jagten uns von ihren Ländern aus und unterstützten zur gleichen Zeit das Südafrika der Apartheid. Diese gleichen Freunde wollen heute, daß wir Kuba denunzieren und es isolieren. Unsere Antwort ist sehr einfach, es ist das Blut der kubanischen Märtyrer und nicht das dieser Freunde, das tief in der afrikanischen Erde fließt und den Baum der Freiheit nährt.“

Publiziert am 06.11.2013 auf Amerika 21