Mariel zieht hunderte Investoren an

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Der Hafen von Mariel hat inzwischen den alten Hafen von Havanna als wichtigsten Containerport des Landes abgelöst (Quelle: ACN)

Die Entwicklung in Kubas neuer Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) scheint langsam an Fahrt aufzunehmen. Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins „Cuba Standard“ wurden bereits 120 Projekte genehmigt, wobei insgesamt über 300 Anfragen von ausländischen Unternehmen eingegangen sind. Anfang März wurde bekannt, dass die mexikanische Firma Richmeat als erstes Unternehmen in der Sonderwirtschaftszone Fuß fassen wird.

Von offizieller Seite hält man sich in Kuba stark bedeckt über neue Investitionsprojekte. Seit der Eröffnung der Sonderwirtschaftszone samt zugehörigem Containerport im Januar 2014 wurde es ruhig um das Megaprojekt. „Die genehmigten Projekte befinden sich in der Phase der Geschäftsanmeldung und werden bekannt gegeben, sobald sie auf dem Standort gegründet wurden“, sagte jüngst die Direktorin der Sonderwirtschaftszone, Ana Teresa Igarza, gegenüber der Nachrichtenagentur „Prensa Latina“.

Unter der Bedingung der Anonymität gaben kubanische Funktionäre jedoch einige Details bekannt. Viele der Interessierten Firmen kommen demnach aus Europa, China, Südkorea und Vietnam. Zu den herausragendsten Projekten, die nach Angaben von „Cuba Standard“ bereits genehmigt wurden, zählt eine Autofabrik des chinesischen Herstellers Geely sowie ein Joint-Venture mit einer chinesischen Toyota-Tochter. Auch der südkoreanische Konzern Hyundai plant offenbar eine Fabrik in Mariel zu errichten.

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Der Transport- und Logistikbereich im Bau (Quelle: ZEDM)

Die bisher genehmigten Projekte hätten eine Investitionssumme von insgesamt einer Milliarde US-Dollar. Dabei seien auch 30 Projekte wegen ihres zu geringen Umfangs abgelehnt worden, Mariel soll vor allem eine Anlaufstelle für große internationale Unternehmen werden. Mit Sicherheit bestätigt sind bisher lediglich drei Projekte: Eine Firma zur Herstellung von orthopädischen Prothesen durch das deutsche Unternehmen Otto Bock, ein Unternehmen zur Fabrikation von Waschmitteln und Windeln durch die vietnamesische Thai Binh Investment Trading Corp. sowie die Eingangs erwähnte Fleischverarbeitungsanlage des mexikanischen Unternehmens Richmeat S.A.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Sonderwirtschaftszone vor über einem Jahr war zunächst lediglich die Basisinfrastruktur rund um den Hafen fertiggestellt. Vergangenen Sommer wurde die Zugverbindung nach Havanna eingeweiht, diese wird aktuell um ein Verladeterminal für Container ergänzt. Der Logistik- und Lagerbereich soll noch in diesem Sommer fertiggestellt werden. Dabei hat der Hafen von Mariel mittlerweile die Funktionen des alten Hafens von Havanna übernommen und arbeitet derzeit mit einer Kapazität von 250.000 Containern pro Jahr (TEU). Die Umstellung erfolgte ab Sommer 2014.

Mit der derzeitigen Tiefe von über 13 Metern kann die Bucht bereits Containerschiffe der Panamax-Generation aufnehmen. Bis zur Eröffnung des Panama-Kanals im Juni 2016 soll der maximale Tiefgang auf 18 Meter erhöht werden, so dass auch die weltweit größten Containerschiffe der Post-Panamax Generation in Mariel andocken können. Die Verladekapazität des Hafens soll dann schrittweise auf über 820.000 TEU gesteigert werden. Bei entsprechender Nachfrage wird mit einer Verdopplung des Piers auf 2,4 Kilometer Länge gerechnet. In diesem Fall könnte der Hafen bis zu 3 Millionen TEU abfertigen.

In den nächsten Jahren könnte sich Mariel zu einem bedeutenden Logistikzentrum für die gesamte Region entwickeln. Dass ausländische Investoren – auch im Zuge der Wiederannäherung an die USA – verstärkt auf die Sonderwirtschaftszone schauen, bestätigt der Ökonom Pavel Vidal in einem Bericht des „Cuba Standard“. Die Mehrzahl der ausländischen Investitionsvorschläge würden sich auf die Sonderwirtschaftszone von Mariel und den kubanischen Tourismussektor konzentrieren. Von 106 befragten Unternehmern die in Kuba aktiv sind, erwarten 61 Prozent noch in diesem Jahr eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen auf der Insel. Viele der geplanten Projekte werden jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte an den Start gehen. Das entscheidende Jahr für Mariel wird deshalb wohl 2016 heißen.

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Kubas wichtigste Handelsmesse soll Investoren anlocken

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Die FIHAV in Havanna ist die nach eigenen Angaben größte Handelsmesse der Karibik (Quelle: cubacontemporanea)

Am kommenden 2. November beginnt in Havanna die einwöchige „Feria Internacional de La Habana“ (FIHAV 2014), Kubas wichtigste Handelsmesse. In diesem Jahr wird die Ausstellung unter dem Motto „Ausländische Investitionen“ stehen. Es wird mit mehr als 2.000 ausländischen Unternehmern aus über 60 Ländern gerechnet, die bei der Vorstellung des neuen Investitionsgesetzes auf der Messe zu Gast sein werden. Auch eine Führung durch die Sonderwirtschaftszone in Mariel ist geplant.

Die FIHAV findet seit 1982 in jährlichem Turnus statt und dient vor allem als Forum zum Austausch und Kontaktpflege mit ausländischen Geschäftspartnern. Allen voran geht dabei Spanien, das fünf der 25 Pavillons gemietet hat. Italien und Brasilien haben ihre Ausstellungsfläche gegenüber dem letzten Jahr vergrößert. Zu den wichtigsten Teilnehmern zählen neben den genannten Venezuela, China, Kanada, Panamá, Russland, Mexiko, Chile, Deutschland, Frankreich und Südkorea. Insgesamt stehen 18.500 Quadratmeter für die Austeller zu Verfügung, zu denen auch kubanische Firmen gehören.

Neues Investitionsgesetz im Mittelpunkt

Mehr als 360 kubanische Firmen werden auf über 170 Ständen die wichtigsten Exportprodukte und Dienstleistungen der Insel vorstellen. Ganz im Zentrum steht dabei das neue „Gesetz 118“ über ausländische Direktinvestitionen, welches vergangenen Juni in Kraft getreten ist. Mit ihm verknüpft ist die Vorstellung eines aktualisierten Investitionskatalogs, der interessierten Unternehmern mögliche Investitionsobjekte in Kuba vorstellt. Im Unterschied zu früheren Ausgaben sind nun auch Machbarkeitsstudien durchgeführt worden, die den Interessenten eine bessere Risikoeinschätzung der Investitionen ermöglichen sollen.

Zu den wichtigsten Neuerungen des Gesetzes zählt die Halbierung der Gewinnsteuer sowie die Abschaffung der 25-prozentigen Lohnsteuer. Neue Investitionsvorschläge müssen jetzt binnen 60 Tagen beantwortet werden. Xulio Fontecha, ein spanischer Unternehmer der seit über 20 Jahren Geschäfte mit Kuba macht, berichtet gegenüber dem Portal „OnCuba“ von den subtilen Veränderungen der letzten Jahre. Die Bürokratie sei spürbar zurückgegangen und die kubanischen Partner agierten entscheidungsfreudiger als früher. Von der Messe würden er und seine Kollegen vor allem die Wiederbelebung eines engeren Kontakts mit den Kubanern erwarten.

Hoher Besuch aus Spanien

Spanien hält die größten Anteile der ausländischen Investitionen im Tourismussektor der Insel und ist Kubas drittwichtigster Importpartner. Derzeit gibt es 44 Joint-Venture Verträge mit spanischen Unternehmen, die Vereinigung spanischer Unternehmer in Kuba (AEEC) zählt inzwischen über 200 Mitglieder. Einen wichtigen Impuls könnte der Besuch des spanischen Staatssekretärs für Handel, Jaime García-Legaz geben. „Dieser politische Besuch ist sehr wichtig, um Beziehungen zu stärken. Etwas, das in den letzten Jahren gefehlt hat“, kommentierte Fontecha.

Der Handelssekretär wäre der erste hochrangige Regierungsgast aus Spanien seit vier Jahren. Noch bis zum Ende des Jahres soll ihm der offizielle Antrittsbesuch des spanischen Außenministers José Manuel García-Margallo folgen. Bereits im April war der französische Außenminister Laurent Fabius auf der Insel zu Gast. Durch die Aufnahme von Verhandlungen mit der EU zur Ablösung des seit 1996 gültigen „Gemeinsamen Standpunkts“ durch ein neues Abkommen, scheint das Interesse europäischer Investoren an Kuba in jüngster Zeit gewachsen zu sein.

Tourismus als Zugpferd des Aufschwungs

Das Land benötigt dringend neue Mittel um die Wirtschaft zu beleben, die in diesem Jahr um lediglich 1,4 Prozent wachsen soll. Neben dem Tourismus werden vor allem in der Industrie, der Biotechnologie und in der Landwirtschaft ausländische Investoren gesucht. Wirtschaftsminister Marino Murillo gab vor wenigen Monaten bekannt, dass Kuba jährlich zwischen 2 und 2,5 Milliarden US$ an Direktinvestitionen benötigt um sich entwickeln zu können, worunter Wachstumsraten von 5 bis 7 Prozent verstanden werden. Ein wichtiger Pfeiler zur Erreichung dieses Ziels ist der Tourismussektor, der in diesem Jahr einen Besucherzuwachs von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum vorweisen konnte.

Kuba plant jährlich über 3 Millionen ausländische Besucher zu empfangen. Bis 2017 soll die Hotelkapazität des Landes um 14.000 neue Zimmer erweitert werden. Die Errichtung mehrerer Golfplätze sowie der Bau eines Hafens für Kreuzfahrtschiffe in Cienfuegos, zählen zu den größten geplanten Investitionen der nächsten Jahre. Eine wichtige Neuregelung für den Sektor wurde noch vor wenigen Tagen bekannt gegeben. Ausländische Unternehmen können sich jetzt am Bau und an der Wartung von Hotels beteiligen und ihre eigenen Bauarbeiter beschäftigen. Bisher war diese Aufgabe kubanischen Unternehmen vorbehalten.

Möglicher Neubeginn mit der EU

In diesem Jahr ist das Interesse an der wichtigsten Handelsmesse des sozialistischen Landes besonders groß. Da der Platz in den Hallen auf dem „EXPOCUBA“-Messegelände in Havanna nicht ausreicht, müssen sogar einige Stände im freien untergebracht werden. Auch deutsche Delegationen werden anreisen, doch andere waren schneller. Das Orthopädie-Unternehmen „Otto Bock“ hat bereits von der neuen Investitionsgesetzgebung profitiert und wird 3,5 Millionen Euro in eine kubanische Prothesenfabrik investieren. Auch drei neue Partner im Tourismussektor konnte das Land bereits im Vorfeld gewinnen.

Langsam aber sicher gehen ausländische Firmen wieder auf Tuchfühlung mit Kuba. Die neue Gesetzgebung und die Schuldenabkommen der letzten Jahre haben einen verbesserten Rahmen für Geschäfte mit der Insel geschaffen. Aber auch die neue Entschlossenheit der Kubaner bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern dürfte sich bald in Unternehmerkreisen herumsprechen. Mit der FIHAV 2014 bietet sich Kuba in Kürze eine herausragende Möglichkeit, seine Potentiale vorzustellen und informelle Kontakte zu knüpfen. Der hochrangige Besuch aus Spanien signalisiert ein steigendes Interesse auch aus der EU. Für Kubas Wirtschaftsplaner, die im kommenden Jahr handfeste Erfolge sehen wollen, dürften das gute Zeichen sein.