Produktion von Laptops in Kuba nimmt an Fahrt auf

Seit Dezember letzten Jahres werden auf Kuba Laptops und Tablets montiert (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Bis Ende März dieses Jahres sind in Kuba 3.500 Laptops sowie knapp 3.600 Tablets produziert worden. Sie sind die ersten Geräte einer neuen Produktionslinie des staatlichen Elektrohersteller GEDEME, die letzten Dezember in Betrieb ging.

Technisch basieren die neuen Laptops auf aktuellen Core i5 und Core i7-Prozessoren von Intel. Die einzelnen Komponenten werden als Bausatz vom chinesischen Großkonzern Haier geliefert, der den sozialistischen Inselstaat seit vielen Jahren mit Elektronikprodukten beliefert.

Der Aufbau der ersten eigenen Fertigungseinrichtung für Laptops und Tablets im Land ist Teil der Digitalisierungsstrategie der Regierung in Havanna. Kuba plant in diesem Jahr rund 50.000 Laptops herzustellen, die vor allem in staatlichen Institutionen eingesetzt werden sollen. Die Geräte sollen dabei einer ausführlichen Qualitätsprüfung unterzogen werden und sind laut Hersteller für den Einsatz in tropischen Gebieten ausgerichtet.

Von Marcel Kunzmann. Weiterlesen auf Amerika21

Kuba eröffnet erste Computerfabrik des Landes

fabrica-laptop-pc-foto-granma-trabajadora

Seit kurzem betreibt Kuba eine neue Fabrik für Computer und Tablets in Havanna (Quelle: Icrt)

Vor wenigen Wochen wurde die erste Computerfabrik des Landes von Kubas Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel eröffnet. Sie soll in erster Linie Tablets und Laptops herstellen. Die Fabrik entstand in Zusammenarbeit zwischen der kubanischen Elektronikfirma GEDEME und dem chinesischen Großhersteller Haier, welcher auch die nötigen Teile für die Produktion liefern wird.

Hergestellt werden in der Fabrik vor allem niedrigpreisige Tablets und Laptops. Haier liefert die Bauteile aus China, welche in Kuba dann unter der eigenen Marke „GDM“ zusammengesetzt werden. Genaue Spezifikationen zu den kubanischen Laptops sind noch nicht bekannt, es sollen jedoch Intel-Prozessoren der Serien Core i3, i5 und Celeron zum Einsatz kommen. Als Betriebssystem soll die kubanische Eigenentwicklung „Nova Linux“ bzw. „Nova Droid“ dienen.

Die Fabrik verfügt über eine Kapazität von 120.000 Einheiten pro Jahr. Im nächsten Jahr sollen jedoch lediglich 50.000 Tablets und Laptops hergestellt werden, die zunächst an Regierungseinrichtungen und staatliche Unternehmen gehen. Bereits seit einigen Jahren betreibt Kuba eine kleine Elektronikindustrie mit chinesischer Hilfe. Zu deren wichtigsten Erzeugnissen gehören LED-Lampen, Induktionskocher, Solarpanele, Druckerkartuschen, TV-Geräte und Receiver.

Kuba will Schulen mit Internet ausstatten

preuniversitario

Bis Ende 2016 sollen zunächst Gymnasien sowie pädagogische und politechnische Schulen Kubas mit Internet versorgt werden (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Bis zum Jahr 2018 sollen alle kubanischen Schulen über einen eigenen Internetzugang verfügen. Bereits Mitte nächsten Jahres sollen nach Angaben des Bildungsministeriums über 26.000 Lehrer von ihrem Arbeitsplatz aus Zugang zum weltweiten Netz erhalten.

Die Umsetzung des Vorhabens wird dabei in mehreren Etappen erfolgen und ist Teil der neuen Internetpolitik der kubanischen Regierung. Bis Ende 2016 sollen zunächst alle Gymnasien sowie die pädagogischen und politechnischen Schulen des Landes mit Internet versorgt werden, im Jahr 2017 werden Mittelschulen, Kindertagesstätten und Sonderschulen folgen. Bis 2018 sollen den Plänen zufolge auch die über 6.800 Grundschulen des Landes am Netz hängen.

Laut dem Leiter der Informatikabteilung des Bildungsministeriums, Fernando Ortega Cabrera, soll der Internetzugang den Lehrern vor allem bei der Unterrichtsvorbereitung und Fortbildung helfen. Die Schüler sollen im Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken geschult werden. Neue Portale im kubanischen Intranet sollen für eine stärkere Einbindung digitaler Lerninhalte in kubanischen Schulen sorgen. Die in Kuba entwickelte Linux-Distribution Nova wird auf diesem Weg ebenfalls Einzug in die Schulen des Landes halten.

Zusätzlich zum Internetausbau ist die Erneuerung der technischen Ausstattung der Schulen geplant. Statt durch VHS-Kassetten sollen Filme und Lehrmaterialien an den Schulen künftig über USB-Sticks auf den Fernsehern wiedergegeben werden. Der Computerbestand wird ebenfalls ausgetauscht. Derzeit entfällt in Kuba ein Computer auf 30 Schüler, allerdings gelten 80 Prozent der Rechner als veraltet. Sie sollen in den kommenden Jahren durch eine größere Anzahl Tablets ersetzt werden, so dass sich dann nur noch neun Schüler ein Gerät teilen werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 teilten sich in Deutschland durchschnittlich elf Schüler einen Rechner.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Das Internet in Kuba – Ausbau ohne Eile?

jorge-legra_foro-debate-cubadebate1

Vertreter der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft „ETECSA“ bei Cubadebate (Quelle: Cubadebate)

Im Januar 2013 hat in Kuba das Unterseekabel „ALBA-1“ aus Venezuela seinen Dienst aufgenommen um die Insel mit dem weltweiten Netz zu verbinden, die langsamen Satellitenverbindungen sollten fortan schrittweise abgelöst werden. Wenige Monate später eröffnete die staatliche Telekommunikationsgesellschaft ETECSA über 100 neue Internetcafés und kündigte eine Ausdehnung des Netzzugangs an. Anderthalb Jahre danach scheint der Ausbau ins Stocken geraten zu sein. Im Rahmen eines Diskussionsforums des kubanischen Onlinemagazins „Cubadebate„, gaben Vertreter der Firma jüngst Details über die kubanische Netzinfrastruktur bekannt und erklärten ihre Pläne für das Jahr 2015.

Staatseinrichtungen genießen Priorität

Seit den 2000er Jahren investiert Kuba verstärkt in den Ausbau seiner IT-Infrastruktur, so dass bis zum Jahr 2004 sämtliche Kommunen des Landes an das kubanische Intranet angeschlossen werden konnten. Der Zugang zum weltweiten Netz verlief dagegen lange Zeit wie durch ein Nadelöhr: Alle Satellitenverbindungen der Insel verfügten im Jahr 2010 zusammen über gerade einmal 379 Mbps Downloadkapazität und 209 Mbps für den Upload. Der öffentliche Internetzugang war auf einige Hotels beschränkt, die Kosten lagen bei nicht weniger als 6 CUC pro Stunde.

Mit der Inbetriebnahme des ersten Unterseekabels „ALBA-1“, wurde Kuba im Januar 2013 erstmals über eine Leitung mit dem Internet verbunden, das US-Embargo hatte den Anschluss an die bestehenden Unterseekabel bisher verhindert. Die Kapazitäten des Landes haben sich seitdem auf einen Schlag um 350 Prozent für den Download und 700 Prozent für Uploads erhöht. Im April 2013 wurden 118 neue Zugangspunkte und der nationale eMailservice „Nauta“ geschaffen. Bis Ende 2014 unterhielt ETECSA insgesamt 155 Internetcafés mit 573 Computerarbeitsplätzen. Sie sind in allen Provinzen des Landes zu finden, der Preis von 4,50 CUC pro Stunde bleibt allerdings für die meisten Kubaner unerschwinglich.

Nach Angaben von ETECSA wurden zusätzlich etwa 4.000 neue Zugangspunkte pro Jahr in öffentlichen Einrichtungen wie Kliniken, Universitäten und Unternehmen geschaffen – die Priorität liegt seit der Inbetriebnahme des Kabels weiterhin beim staatlichen Sektor. Die meisten Kubaner mit Internetzugang können über solche Einrichtungen auf das Netz zugreifen, da dort der Zugang kostenlos ist. Nur 46.694 Kubaner haben hingegen einen permanenten Nutzeraccount bei den Nauta-Internetcafés. Bei den günstigeren eMail-Dienstleistungen sind es etwa 521.000.

89F76B58-70D7-495D-AB4B-1CDF1B94D71D_cx0_cy18_cw0_mw1024_s_n_r1

Mittlerweile gibt es 155 staatliche Internetcafés in Kuba (Quelle: Martí Noticias)

Die Rolle des Intranets

Schätzungsweise 60 Prozent des gesamten innerkubanischen Datenverkehrs entfällt auf das Intranet, zu dem zahlreiche Institutionen und Unternehmen Zugang haben. In den Internetcafés kostet der Zugang 0,60 CUC pro Stunde. In den letzten Jahren hat sich das Angebot stark erweitert, mittlerweile verfügt das kubanische Intranet über eine eigene Enzyklopädie, eine Suchmaschine sowie ein soziales Netzwerk mit immerhin 35.000 Nutzern. Genau wie im weltweiten Netz werden hier Filme, Musik und andere Dateien zum Download angeboten, auch eine Plattform für private Blogs existiert bereits.

Eines der interessantesten Projekte ist das Medizinportal „Infomed“, das seit 1992 aktuelle Informationen, Schulungen und weitere Dienstleistungen (z.B. eMail-Adressen) für Angehörige des Gesundheitswesens anbietet. Die 170.000 Nutzer haben Zugriff auf Datenbanken und Materialien von etwa 2.000 anderen Institutionen, welche ebenfalls mit dem Netzwerk verbunden sind. Hierzu zählen beispielsweise die Archive von Fachzeitschriften oder die Datenbanken von Bibliotheken und Forschungseinrichtungen.

Auch der kubanische Kultursektor ist gut mit dem Intranet vernetzt. Über 600 Seiten bieten Medien, Zeitschriften, Bücher und vieles mehr für Künstler und Kunstinteressierte zum Download an, etwa 200 Bibliotheken sind mit dem Netzwerk verbunden und bieten öffentliche Zugangspunkte. Von den 445 Kulturinstitutionen haben allerdings nur 118 eine Verbindung zum Internet. Beim Ausbau der Netzinfrastruktur werden in Kuba Institutionen und kollektive Zugangsmöglichkeiten bevorzugt. Die Einrichtung von Privatanschlüssen wurde zwar mehrfach angekündigt, jedoch immer wieder verschoben.

So haben heute in Kuba nur wenige Personengruppen die Möglichkeit einen privaten Internetanschluss zu beantragen, wenn sie diesen von Berufs wegen benötigen. Hierzu zählen vor allem Ärzte, Künstler und Journalisten. ETECSA gab in der jüngsten Diskussionsrunde erstmals Zahlen zu diesen Zugängen bekannt: Rund 71.000 Ärzte haben von zu Hause aus mindestens Zugang zum kubanischen Intranet. Etwa 2.600 Künstler haben einen privaten Netzanschluss, allerdings nur 221 mit Internetzugang. Offiziell nutzen 26 Prozent der Kubaner das Internet, davon der Großteil jedoch vermutlich eher sporadisch oder auf dem Arbeitsplatz bzw. Campus.

Kubas Regierung hat in der Vergangenheit ihre Bereitschaft zum Internetausbau bekräftigt, die Umsetzung kam dabei jedoch nur schleppend voran. Begründet wurde dies vor allem mit den knappen Devisen bei gleichzeitig hohen Kosten für die Erneuerung der Infrastruktur. Trotz der üppigen Preise für den Zugang zu den staatlichen Internetcafés hat sich im letzten Jahr wenig geändert, weshalb der politische Wille zu einer umfassenden Ausweitung des Internetzugangs in jüngster Zeit immer wieder in Frage gestellt wurde. Doch wie sehen die Pläne für 2015 aus?

Über 130 neue Internetcafés geplant

Die französische Zeitschrift „L’Express“ meldete vor kurzem, dass die kubanische Telekom mit dem französischen Anbieter „Orange“ vergangenen Sommer einen Vertrag über Mitarbeiterschulungen abgeschlossen hat, um den Internetausbau auf der Insel voranzutreiben. ETECSA selbst hüllt sich darüber in Schweigen, jedoch scheint ein wenig Bewegung in den Prozess zu kommen. In diesem Jahr sollen 136 neue Internetcafés mit 538 Zugangspunkten eröffnet werden – was praktisch eine Verdoppelung des bestehenden Angebots bedeutet.

Hierzu werden einige der bereits vorhandenen „Jugendcomputerclubs“ (JCC) mit Internetzugang ausgerüstet. Landesweit gibt es über 600 dieser Einrichtungen, sie wurden 1987 auf Initiative Fidel Castros ins Leben gerufen und bieten kostenlosen Zugang zum Intranet sowie PC-Kurse an. In den kommenden Jahren könnten insgesamt 291 JCCs mit Internet versorgt werden und so über 1.000 neue Zugangspunkte schaffen, die Investitionskosten dürften sich dabei in Grenzen halten. Zu den Preisen für die neuen Angebote wurde indes noch nichts bekannt.

Um die Zuverlässigkeit des Netzes auch bei steigender Nachfrage zu gewährleisten, plant ETECSA die Server- und Rechenzentren des Landes auszubauen. Im vergangenen Jahr kam es nach der Eröffnung des mobilen eMailzugangs zu anhaltenden Pannen bei der Verbindungsstabilität. Bis zum Februar 2014 verfügte die Firma nur über eine einzige Serverfarm mit einer Kapazität von 15 Terrabyte, sie wurde inzwischen um eine weitere mit 100 TB ergänzt. In diesem Jahr soll die Kapazität auf 500 TB erweitert werden.

Fazit

Für die meisten Kubaner sind die angekündigten Schritte nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die für Ende 2014 geplanten Privatanschlüsse wurden auf unbestimmte Zeit verschoben, während das mobile Datennetz noch immer auf eMails beschränkt bleibt. Als der amerikanische Streaminganbieter „Netflix“ sein Angebot vor wenigen Tagen für Kuba öffnete, hoffte die „Washington Post“ damit den Druck auf die Regierung für den Netzausbau erhöhen zu können. Tatsächlich dürften die Kubaner nach den Plänen der kubanischen Telekom kaum von dem neuen Angebot proftieren, für die nächsten Jahre ist zumindest kein rascher Ausbau zu erwarten.

Denn auch mit einer Verdoppelung der Zugangsplätze bliebe das Internet für die allermeisten noch immer ein unerschwinglicher Luxus. So lange keine Änderung der Preispolitik erfolgt, wird auch in Zukunft der Netzzugang in Kuba auf den Arbeitsplatz bzw. die Universität beschränkt bleiben. Schlechte Informationspolitik und schleppende Investitionen prägen heute das Bild vieler Kubaner in Bezug auf den staatlichen Monopolisten. USB-Sticks, die für wenig Geld vollgepackt mit TV-Serien und Filmen unter der Hand kursieren, haben sich längst als Notlösung etabliert um zumindest einen Teil des Internets offline verfügbar zu machen. Vorerst dürfte daher der kubanische Volksmund mit seiner Übersetzung des Akronyms ETECSA recht behalten: „Empresa de telecomunicaciones sin apuro“ – Telekommunikationsunternehmen ohne Eile.

Kuba hat über eine Millionen Computer

Nauta

Eingang eines Nauta-Internetcafés (Quelle: Walfrido Lopez)

Vergangene Woche veröffentliche das kubanische Statistikamt ONE einen aktuellen Zwischenbericht über die Entwicklung des Informations- und Telekommunikationssektors auf der Insel. Dem Dokument zu Folge verfügte das Land am Ende des vergangenen Jahres über eine Millionen Computer, ein Zuwachs von 18 Prozent im Vergleich zu 2012. Die Zahl der Internetnutzer stieg um 1,8 Prozent an. Derzeit benutzen knapp drei Millionen Kubaner das Internet, wobei auch Nutzer des kubanischen Intranets in der Statistik mitgezählt werden.

Ein wichtiger Indikator für den Netzzugang ist auch die Anzahl der registrierten .cu-Domains. Diese stieg von 2.345 im Jahr 2012 auf nun 4.839 – ein Zuwachs von gut 52 Prozent. Durch die Eröffnung von zahlreichen neuen Internetcafés im vergangenen Sommer, sowie die Senkung des Preises von 6 CUC auf 4,50 CUC (3,40€) pro Stunde, konnte die staatliche Telefongesellschaft ETECSA zumindest einen Teil ihrer Versprechungen wahr werden lassen. Der Hunger nach Internet- und Mobilfunkverbindungen ist in Kuba derweil weiter groß.

Seit der Legalisierung der privaten Mobilfunknutzung im Jahr 2008 ist die Zahl der Handybesitzer in Kuba auf knapp 2 Millionen gestiegen, 85% der Bevölkerung lebt in Gebieten mit Netzabdeckung. Die Anzahl der Gesprächsminuten bei internationalen Telefonverbindungen hat sich seit 2012 um gut 23 Prozent erhöht. Dennoch verfügt heute nur gut jeder Dritte Kubaner über einen eigenen Festnetz- oder Mobiltelefonanschluss. Alle anderen sind auf die knapp 56.000 öffentlichen Telefonzellen des Landes angewiesen.

Die Zahlen zeigen ein beträchtliches Wachstum im kubanischen Telekommunikationssektor, wenn auch von einem extrem niedrigen Ausgangsniveau. Seit der Inbetriebnahme des Unterseekabels aus Venezuela im Januar 2013 hat sich so eine messbare Verbesserung der digitalen Informationskanäle eingestellt. Interessant ist auch, dass nach dem Besuch von Google-Chef Eric Schmidt in Kuba der Chrome-Browser auf der Insel seit neuestem offiziell erhältlich ist. Abzuwarten bleibt, ob ETECSA die Versprechung wahr machen wird, bis zum Ende des Jahres private Internetanschlüsse zu ermöglichen.