Díaz-Canel: Kuba „inmitten noch nie dagewesener Wirtschaftsschlacht“

Miguel Díaz-Canel am Donnerstag in Guantánamo (Quelle: Bohemia.cu)

Das sozialistische Kuba durchläuft derzeit ökonomisch schwierige Zeiten. Aufgrund der „angespannten finanziellen Situation“, welche durch die jüngste Verschärfung der US-Blockade weiter befeuert wurde, „befindet sich Kuba heute inmitten einer noch nie zuvor dagewesenen Wirtschaftsschlacht“, sagte Präsident Miguel Díaz-Canel am Donnerstag bei einer Visite in Guantánamo.

Entwicklung der Wirtschaft als Hauptaufgabe

Kuba hat nicht erst seit kurzem mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Vor allem der rapide Einbruch des Handels mit Venezuela macht der Insel wirtschaftlich zu schaffen. KP-Generalsekretär Raúl Castro mahnte bereits im Sommer 2016 vor wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Díaz-Canel machte nun in drastischen Worten klar, dass auch 2018 kein leichtes für Kubas Wirtschaft war. Eine beispiellose „Wirtschaftsschlacht“ stehe bevor. „Sie hat zum Ziel, dass die Entwicklung bei den Privathaushalten ankommt, als Fortschritt im Rahmen jener Veränderungen, die das Volk vom kubanischen Staat erwartet.“ Díaz-Canel mahnte zu einer „sorgsamen Planung, die nicht von bürokratischen Methoden behindert wird.“ Der nächste Volkswirtschaftsplan für das Jahr 2019 werde in diesem Kontext einige Neuerungen enthalten, die unter Beibehaltung der Sozialfonds auch den Staatshaushalt schlanker machen sollen.

„Der wirtschaftliche Kampf ist heute nach wie vor die Hauptaufgabe“, bekräftigte Díaz-Canel auch auf der jüngsten Sitzung des kubanischen Ministerrats am Freitag. Dort wurde Bilanz über die Wirtschaftsperformance in diesem Jahr gezogen. Laut dem Bericht in der Tageszeitung „Granma“ konnte das selbst gesteckte BIP-Wachstumsziel von zwei Prozent nicht erreicht werden. Nach einer leichten Rezession im Jahr 2016 hatte Kubas Wirtschaft im letzten Jahr mit einer schwachen Wachstumsraten von rund 1,5 Prozent zu kämpfen. Laut kubanischen Ökonomen benötigt das Land ein Wachstum von 4 bis 5 Prozent pro Jahr, um sich entwickeln zu können. Während von kubanischer Seite noch keine Schätzung  für dieses Jahr veröffentlicht wurde, geht die CEPAL von einem Wachstum von rund einem Prozent aus.

Wirtschaftsminister Alejandro Gill nannte Telekommunikation, Handel, herstellende Industrie, Gesundheit und soziales als jene Sektoren mit den stärksten Wachstumsraten in diesem Jahr. Zuckerindustrie, Landwirtschaft, Baugewerbe und Bergbau blieben hinter den Erwartungen zurück. Auch 2018 habe der Staat eine „angespannte Finanzlage“ zu verkraften gehabt, vor allem aufgrund zurückgehender Exporte und einem starken Einbruch bei den Dienstleistungen. Neben dem Tourismus wird hierzu auch der Export von medizinischen und anderen Dienstleistungen in Drittländer gezählt.

Schwierige externe Situation, abermals Krise bei den Taxifahrern

Erst vor wenigen Wochen sah sich Kuba gezwungen seine mehr als 9.000 Ärzte und Pflegekräfte aus Brasilien abzuziehen. Auch die Handelsbilanz war in jüngster Zeit zunehmend defizitär, seit 2015 haben sich die kubanischen Warenexporte praktisch halbiert. Mit dazu beigetragen hat neben der andauernden Krise bei Kubas ehemals wichtigstem Handelspartner Venezuela auch die zunehmende Verschärfung der US-Blockade, welche nicht nur die Reisemöglichkeiten der US-Bürger einschränkt, sondern auch Direktinvestitionen und Handelsverträge mit Drittländern erschwert.

Auch auf dem kubanischen Binnenmarkt findet derzeit eine „Wirtschaftsschlacht“ (batalla económica) statt. Aufgrund zurückgehender Importe hat sich die Versorgungslage in den letzten Monaten vielerorts verschlechtert. Die anstehende Neuregulierung des Privatsektors, die ab dem 7. Dezember in Kraft treten wird, hat Hamsterkäufe zur Folge, welche das Angebot in den Läden weiter ausdünnen. Offenbar besteht große Konfusion über die genaue Umsetzung der neuen Regeln. Darüber hinaus haben die Taxifahrer der Hauptstadt Havanna für diesen Tag einen unbefristeten Streik angekündigt. Das staatliche Angebot, subventionierten Treibstoff gegen die Garantie fester Fahrpreise und Routen zu erhalten, scheint einigen offenbar nicht zu genügen. Der Staat versucht der Situation mit verstärkter Polizeipräsenz und Inspektoren Einhalt zu gebieten, gleichzeitig dürfte die Busflotte wieder mit Reserven aufgestockt werden. Es ist nicht der erste Konflikt zwischen Havannas privaten Taxifahrern und den Behörden.

Im nächsten Jahr will Kuba seine Wirtschaft mit einem „realistischen und erfüllbaren“ Plan konsolidieren. „Wir müssen unser akademisches und wissenschaftliches Talent auf wirtschaftlichem Gebiet einsetzen und die von ihnen gemachten Vorschläge auswerten“, sagte Díaz-Canel. Im kommenden Jahr sollten noch nicht genutzte Reserven erschlossen werden, damit die Prioritätsprogramme der Regierung verfolgt und die Versorgung des Einzelhandels wieder verbessert werden könne, so Wirtschaftsminister Gill. Dabei sei es unerlässlich, die Exporte zu steigern und Importe zu ersetzen. Ein wichtiger Baustein könnte hierfür im kommenden Jahr die Inbetriebnahme des vietnamesisch-kubanischen Industriemarks „ViMariel S.A.“ in der Sonderwirtschaftszone von Mariel sein, welcher ab der zweiten Jahreshälfte 2019 die Ansiedlung von neuen Industrien beschleunigen soll. „Wir werden weiter voranschreiten, wenn wir die menschlichen Potentiale die wir haben besser nutzen“, zeigte sich Díaz-Canel optimistisch.

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Kuba beginnt Zuckerrohrernte 2018/19

Bis Dezember soll der Großteil der 52 Zuckerrohrmühlen auf Kuba für die diesjährige Saison in Betrieb gehen (Quelle: Granma)

Im November beginnt auf Kuba die alljährliche Zuckerrohrernte. Nach der historisch schlechten Ernte der aktuellen Saison plant die Insel dieses Jahr mit 1,7 Millionen Tonnen wieder mehr Zucker zu produzieren. Den Anfang machte in diesem Jahr die Provinz Guantánamo, andere Provinzen des Ostens folgten.

„Schlechte Organisation und widrige Klimabedingungen“ nannte die staatliche Holding AZCUBA als Hauptgründe für das schlechte Ergebnis in diesem Jahr. In der Saison 2017/18 fiel das Endergebnis mit 1,1 Millionen Tonnen zum ersten Mal seit 2009/10 wieder historisch niedrig aus. Aufgrund bestehender Exportverträge konnte der heimische Bedarf in diesem Jahr nicht gedeckt werden, was das Land dazu zwang, erstmals seit vielen Jahren wieder Zucker auf dem Weltmarkt zuzukaufen. Ursprünglich plante Kuba mit dem Wiederaufbau der einst prestigeträchtigen Zuckerindustrie heute Ergebnisse von zwei bis drei Millionen Tonnen zu erzielen.

Dies soll sich im kommenden Jahr ändern. Bis Ende des Monats werden 17 der 52 Zuckermühlen den Betrieb aufnehmen. Der ehrgeizige Plan sieht vor, das schwache Ergebnis vom letzten Jahr um gut 50 Prozent zu steigern. Im Dezember werden 32 weitere Mühlen die Arbeit beginnen. Präsident Díaz-Canel rief dazu auf, die diesjährige Saison „besser und effizienter“ zu gestalten. Zuckerrohr war einst das wichtigste Exportprodukt Kubas. Mit historischen Spitzenwerten von rund 8 Millionen Tonnen zählte Kuba bis Ende der 1980er Jahre zu den größten Zuckerproduzenten weltweit.

Neue Apps aus Havanna sollen Digitalisierung des Landes vorantreiben

Webportal des neuen Instant-Messenger „toDus“ (Quelle: todus.cu)

Havannas Informatikuniversität UCI hat Anfang des Monats neue Softwareanwendungen vorgestellt, mit denen eigene Antworten auf die Digitalagenda des Landes gegeben werden sollen. Neben der neu entwickelten Suchmaschine „RedCuba“ speziell für kubanische Inhalte ist darunter auch ein eigens für die Insel entwickelter Messenger und Appstore.

toDus“ kann für Kubaner künftig das Teilen von Inhalten und Nachrichten mit Freunden und Familien deutlich vereinfachen. Der von der UCI entwickelte Messenger wird sich im Rahmen spezieller Nutzungspläne der Mobildaten optimal verwenden lassen, so die Entwickler. Die bisher gebräuchlichen Messenger wie Facebook, WhatsApp und imo haben häufig einen wenig optimierten Datenverbrauch. Mit der Streamingplattform „Picta“ hingegen soll auf Kuba erstmals eine zentrale heimische Plattform für audiovisuelle Inhalte geschaffen werden. Auch die Programme der Fernsehsender sollen bald über den Dienst angeboten werden. Mit dem weiteren Ausbau des Digitalfernsehens, der auch interaktive Inhalte mit sich bringt, soll der Streamingdienst dann bis in die Wohnzimmer der Insel gelangen.

Kubanischer Streamingdienst „Picta“ (Quelle: Cubadebate)

Mit „RedCuba“ existiert inzwischen eine Suchmaschine, die auf die Suche nach Inhalten des kubanischen Intranets spezialisiert ist. Damit soll neben der günstigen Recherche über das Intranet auch der Zugang zu Bürgerportalen der Gemeinden erleichtert werden. Um künftig alle heimisch entwickelten Apps unter einem zertifizierten Dach zu bündeln, soll mit der Plattform „Apklis“ ein kubanischer Appstore aufgebaut werden, der Zugriff auf alle kubanischen Apps ermöglicht.

Kuba arbeitet derzeit am Ausbau des Internetzugangs mittels mobilem Datennetz. Nach mehreren Testläufen im Sommer soll das Angebot zeitnah an den Start gehen. Mit „Nauta hogar“ sind seit letztem Jahr auch private Heimanschlüsse in rund einem Viertel der Haushalte möglich. Im Rahmen der Digitalisierung verspricht sich die Regierung auch künftig Behördengänge durch die Einführung digitaler Verwaltung und Bürgerportalen im Netz deutlich vereinfachen zu können. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel kündigte mehrfach an, die Digitalisierung des Landes und die Verbesserung der Internetversorgung zu einer Priorität seiner Regierung machen zu wollen.

Kubas Präsident Díaz-Canel kehrt zurück von Auslandsreise

Eintrag im Gästebuch der Verbotenen Stadt in Beijing (Quelle: Cubdebate)

Beijing/London et al. Nach knapp zwei Wochen hat Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel am Donnerstag seine Reise in mehrere Länder Europas und Asiens beendet. Zuletzt machte das Staatsoberhaupt halt in Großbritannien, wo er von Finanz- und Wirtschaftsminister Philip Hammond empfangen wurde und Gespräche mit Parlamentariern führte. Zuvor stattete er der Volksrepublik China sowie den sozialistischen Republiken Vietnam und Laos einen Besuch ab.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel am Grab von Karl Marx in London (Quelle: Cubadebate)

In London traf er sich außerdem mit 30 Vertretern der „Cuba Initiative“, die 1995 gegründet wurde, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Kuba zu fördern. Zu den Mitgliedern der parlamentarischen Delegation mit denen sich Díaz-Canel traf zählte neben Wirtschaftsminister Hammond auch der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbin. Darüber hinaus blieb Zeit für einen Besuch des Highgate-Cementary, wo der kubanische Präsident einen Strauß am Grab von Karl Marx niederlegte.

Am ersten November startete Miguel Díaz-Canel seine dritte und bisher umfangreichste Auslandsreise als neuer kubanischer Staatschef. Der im April gewählte Präsident des Staats- und Ministerrats der Insel begann seine Reise nach einem Zwischenstopp in Paris mit einem Arbeitstreffen in Russland, bei dem er unter anderem auch auf Präsident Wladimir Putin traf. Anschließend reiste er mit seiner Delegation weiter nach Nordkorea, wo er dem Land erstmals seit Fidel Castros Visite 1986 als kubanischer Staatschef einen Besuch abstattete.

In China traf er anschließend nach einem Besuch in Shanghai in Beijing auf Staatspräsident Xi Jinping. „Das chinesische Volk wird niemals vergessen, dass Kuba unter Führung Fidel Castros als erste Nation der westlichen Hemisphäre diplomatische Beziehungen mit China aufnahm“, sagte Xi. Er erklärte, China sei bereit für ein „neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen.“ Man begrüße die Teilnahme Kubas an der „Belt and Road“- Initiative, dem chinesischen Infrastruktur- und Außenhandelsprogramm, das als „Neue Seidenstraße“ bekannt ist. Im Rahmen seines Beijing-Aufenthalts besuchte Díaz-Canel auch die Verbotene Stadt sowie das Mausoleum von Revolutionsführer und Staatsgründer Mao Zedong.

Díaz-Canel besuchte die Vietcong-Tunnel von Củ Chi in Vietnam (Quelle: Cubadebate)

In Vietnam wurde Díaz-Canel der Ho Chi Minh Orden, die höchste Auszeichnung des Landes verliehen. In Gesprächen mit KP-Generalsekretär Nguyen Phu Trong bekräftigten beide Staatschefs die engen Bande zwischen beiden Ländern, die aus Jahrzehnten der beiderseitigen solidarischen Unterstützung gewachsen seien. Es wurde vereinbart, den bilateralen Handel zwischen beiden sozialistischen Ländern bis zum Jahr 2022 auf über 500 Millionen US-Dollar zu verdoppeln. Im Rahmen seines Aufenthalts in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt traf Kubas Präsident auf Vertreter des vietnamesischen Parlaments und stattete den einst vom Vietcong gebauten Tunneln in Củ Chi einen Besuch ab.

Am Sonntag wurde das kubanische Staatsoberhaupt in Laos von Präsident Bounnhang Vorachith empfangen. Das asiatische Land, das seit Dezember 1975 kommunistisch regierte Volksrepublik ist, zählt zu Kubas politischen Verbündeten. Im Rahmen des Besuchs wurden ebenso wie in China und Vietnam neue Verträge über bilaterale Kooperationen abgeschlossen, hier auf den Gebieten Bildung und Sport. (Amerika21)

Kubas Präsident auf diplomatischer Tour durch Europa und Asien

Bei seiner knapp zweiwöchigen Auslandsreise besuchte Díaz-Canel als erster kubanischer Staatschef seit 1986 wieder Nordkorea (Quelle: Twitter)

Paris/Moskau/Pjöngjang/Shanghai. Auf seiner dritten Auslandsreise seit dem Amtsantritt im April dieses Jahres besucht Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel derzeit einige der wichtigsten Verbündeten seines Landes. Bei der kurzen Visite in Frankreich zu Beginn der Reise wurde er vom dortigen Premierminister Edouard Philippe empfangen. Anschließend führte ihn sein Weg nach Moskau, wo er auf Präsident Wladimir Putin traf. Am vergangenen Sonntag brach Díaz-Canel dann zu einem mehrtägigen Besuch nach Pjöngjang auf, von wo er am Dienstag weiter in die Volksrepublik China reiste.

Frankreichs Premier empfing den kubanischen Präsidenten vergangenen Mittwoch zu einem diplomatischen Mittagessen. Dabei bekräftigte Philippe „den Wunsch Frankreichs, den kubanischen Transitionsprozess zu begleiten“, wie die Nachrichtenagentur AFP meldete. Trotz der fortdauernden US-Blockade sind derzeit etwa 30 französische Unternehmen auf der sozialistischen Insel aktiv. Die Eröffnung des Büros der französischen Sprach- und Kulturvereinigung „Alliance Française“ markierte zuletzt einen weiteren Schritt zu den heutigen „guten Beziehungen“, welche Kuba mit dem europäischen Land pflegt.

Nach einem kurzen Treffen mit der Generaldirektorin der Unesco, Audrey Azoulay, ging es für Díaz-Canel bereits am Donnerstag weiter nach Moskau. Im Kreml wurde er von Präsident Wladimir Putin empfangen, der seinen Staatsbesuch auf Kuba vor vier Jahren als „wichtigen Meilenstein“ in der Entwicklung der bilateralen Beziehungen bezeichnete. Díaz-Canel überbrachte „freundschaftliche Grüße“ des KP-Generalsekretärs und ehemaligen Präsidenten Raúl Castro und hob die zweistelligen Wachstumsraten des bilateralen Wirtschaftsaustauschs zwischen beiden Ländern hervor. Moskau und Havanna würden „Freundschaft, gegenseitige Hilfe und Unterstützung vereinen“, betonte Putin.

Kubas Präsident vor dem Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz (Quelle: Twitter)

Russland will seine Wirtschaftsbeziehungen mit der Insel massiv ausbauen. Bereits im Vorfeld des Besuchs wurden hierzu Absichtserklärungen in Höhe von 250 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Vor allem bei der Erneuerung des Transportsektors will Russland der Insel zur Seite stehen, unter anderem durch die Erneuerung von Schienen, der Lieferung neuer Dieselloks und Waggons sowie durch den Verkauf neuer Automobile der Marke „Lada“. Durch die russischen Investitionen im Transportsektor soll sich der Güterverkehr auf der Schiene in Kuba bis 2030 verdoppeln. Auch auf anderen Gebieten wurde die Kooperation ausgedehnt. So gewährte Russland Kuba einen Kredit in Höhe von 43 Millionen US-Dollar zur Modernisierung seiner Streitkräfte, die heute überwiegend mit sowjetischer Technik arbeiten.

Auf einem Wirtschaftsforum mit russischen Unternehmern in Anwesenheit von Premier Dimitri Medwedew wurden weitere Verträge diskutiert. Zu den geladenen Gästen zählte unter anderem eine Delegation der Unternehmensgruppen GAZ und KAMAZ sowie des Softwareherstellers Kaspersky. Kuba interessiert sich neben Telekommunikations- und Sicherheitstechnik auch für russische Batterien und Aufzüge, heißt es in einem Bericht des Nachrichtenportals Cubadebate. Auch die Stationierung einer Bodenstation für das russische Satellitensystem Glonass war offenbar im Gespräch. Präsident Putin hob die Bedeutung der russischen Ölliferungen für die „energetische Souveränität“ Kubas hervor und betonte, dass sein Land an der Seite Kubas im Rahmen der Modernisierung seiner Wirtschaft stehe.

Die Reiseziele auf der Auslandsreise Díaz-Canels (Quelle: Granma)

Am Sonntag brach Díaz-Canel dann in die „vier sozialistischen Staaten Asiens“ auf, wie das Nachrichtenportal „Cubadebate“ berichtete. Seine erste Visite machte er in Pjöngjang, wo er vom nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-Un begrüßt wurde. Mehr als eine Millionen Bewohner der Hauptstadt bildeten ein Jubelspalier beim feierlichen Empfang in dem asiatischen Land. Díaz-Canel erinnerte an den Besuch Che Guevaras im Jahr 1960, bei dem dieser von Staatsgründer Kim Il-Sung empfangen wurde und betonte die Unterstützung Kubas für den laufenden Dialog auf der koreanischen Halbinsel. Die „exzellenten bilateralen Beziehungen“, welche „auf gegenseitigem Respekt und Bewunderung basieren“, sollten weiter ausgebaut werden, erklärte
der kubanische Staatschef. Es war der erste Nordkorea-Besuch eines kubanischen Staatsoberhaupts seit Fidel Castros Reise im Jahr 1986.

Am Dienstag traf Díaz-Canel schließlich in der Volksrepublik China ein, wo er zunächst die erste chinesische Importmesse in Shanghai besuchte. „Für Kuba ist das eine Möglichkeit, unser Potential als Handelspartner zu zeigen“, sagte er am Rande der Messe. China ist seit einigen Jahren Kubas wichtigster Handelspartner, darüber hinaus pflegen beide Kommunistischen Parteien einen engen politischen Austausch. Neben dem Abschluss zahlreicher Wirtschaftsabkommen ist in den nächsten Tagen unter anderem ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping und Premierminister Li Keqiang geplant. Díaz-Canels bisher längste Auslandsreise wird bis Montag dauern. Nach dem Aufenthalt in China stehen noch Besuche in Laos und Vietnam an. (A21)

Lohnreform kommt „mit höchster Priorität“

Der Vorsitzende des kubanischen Gewerkschaftsdachverbands CTC, Ulises Guilarte de Nacimiento (links), und Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel (Quelle: ACN)

Havanna. Die Regierung Kubas arbeitet an einer umfassenden Lohnreform. Dies gab der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbands CTC, Ulises Guilarte de Nacimiento, vergangene Woche bekannt. Dieses Thema werde von der Regierung aktuell „mit höchster Priorität“ bearbeitet. Ziel sei es, die unzureichende Kaufkraft der Löhne gegenüber den hohen Einzelhandelspreisen zu korrigieren. Die Reform der Löhne und Preise ist bereits seit längerer Zeit im Gespräch. Sie soll einhergehen mit der lange angekündigten Währungsreform, um die Doppelwährung auf der Insel zu beseitigen.

„Diese Reform hängt vom Status der Doppelwährung ab, und davon, ob genügend Waren und Dienstleistungen verfügbar sind um entsprechende Nachfragesteigerungen zu befriedigen. Falls nicht, wäre der unmittelbare Effekt der Anstieg der Preise und Inflation“, erklärte Guilarte bei der Gewerkschaftskonferenz in Havanna. Die Regierung hat in der Vergangenheit immer wieder eingeräumt, dass die vom Staat ausbezahlten Löhne unzureichend sind um die Kosten der Bevölkerung zu decken, was wiederum zu niedriger Produktivität und der großen Verbreitung halblegaler Geschäftstätigkeiten geführt hat.

Im Jahr 2017 betrug der Monatslohn im Staatssektor durchschnittlich 767 kubanische Pesos, was nach aktuellem Wechselkurs etwa 27 Euro entspricht. Dank zahlreicher Subventionen und der staatlichen Grundversorgung ist die Kaufkraft jedoch deutlich höher als etwa in Deutschland. Dennoch sind vor allem Importprodukte und Haushaltsgeräte, die zu gängigen Weltmarktpreisen angeboten werden, für viele Kubaner unerschwinglich. Die Reform des Lohn- und Preissystems ist dabei eng an die Abschaffung der Doppelwährung geknüpft, welche auf Kuba seit 1993 de facto existiert.

Der frühere Präsident Raúl Castro äußerte zuletzt im Dezember 2017, dass sich die anstehende Währungsreform bereits „zu sehr verzögert“ habe und nun „nicht länger hinausgeschoben“ werden könne. Dabei soll der 2004 eingeführte Konvertible Peso (CUC), der einst den US-Dollar ablöste, zugunsten des kubanischen Pesos (CUP) als einzigem Zahlungsmittel abgeschafft werden. Dieser wiederum müsste seinen Wechselkurs von bisher 24:1 gegenüber dem Dollar reduzieren, was die Kaufkraft stärken, jedoch auch Risiken in Bezug auf die Inflation mit sich bringen würde.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kubas Präsident eröffnet Twitter-Account

Twitter-Profil des kubanischen Präsidenten (Quelle: Twitter)

Díaz-Canel am twittern (Quelle: Juventud Rebelde)

Miguel Díaz-Canel ist seit heute offiziell auf Twitter vertreten. Unter dem Account @DiazCanelB twittert der 59-jährige ab sofort über seine Aufgaben als Präsident Kubas. Auf dem letzten Kongress des kubanischen Journalistenverbands UPEC im vergangenen Juli, bei dem es vor allem  um Digitalisierung und eine neue Kommunikationspolitik ging, versprach Díaz-Canel bis Ende des Jahres auf dem sozialen Netzwerk aktiv zu werden.

Auf seinem Twitter-Profil stellt sich der neue an Kubas Spitze als „Präsident des Staats- und Ministerrats der Republik Kuba. Den martianischen Ideen von Fidel und Raúl verpflichtet“ vor. Der erste Tweet Díaz-Canels galt einer Veranstaltung zum 150. Jahrestag des Unabhängigkeitskriegs in La Demajagua, bei der auch PCC-Generalsekretär Raúl Castro anwesend war.