Kubas Fernsehen wird digital

Das Digitalfernsehen eröffnet neue Möglichkeiten für Medieninhalte (Quelle: Cubadebate)

Nachdem in diesem Jahr ein neuer Sender in HD-Qualität den Betrieb aufgenommen hat, schreitet der Ausbau des Digitalfernsehens auf Kuba weiter voran. Auf einem jährlichen Forum über den Stand des Ausbaus informierten die beteiligten Experten über die jüngsten Entwicklungen. Derzeit werden mehr als 60 Prozent der Landesfläche mit digitalem Fernsehsignalen abgedeckt, seit Beginn der Umstellung im Jahr 2014 wurden auf der Insel mehr als 1,5 Millionen Receiver verkauft.

Mit chinesischer Hilfe stellt Kuba derzeit sein Fernsehangebot schrittweise auf digitalen Sendebetrieb und HD-Qualität um. Nachdem man sich bereits in den Jahren 2009 bis 2011 auf den chinesischen DTMB-Standard geeinigt hatte, begann gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen dem chinesischen Elektronikkonzern Haier und dem dem kubanischen Unternehmen Lacetel, welches sich seitdem für die Herstellung von Receivern auf der Insel sowie den Ausbau der Sendemasten verantwortlich zeigt.

Von der Digitalisierung des Fernsehangebots verspricht man sich neben der höheren Qualität auch Einsparungen im Betrieb, da der digitale Sendebetrieb deutlich weniger Energie erfordert. Im Jahr 2014 wurden die ersten 24 Sendemasten installiert, mittlerweile sind 106 Sendeanlagen in Betrieb, die etwa 60 Prozent der Landesfläche abdecken. Rund 70 Prozent der 3,5 Millionen kubanischen TV-Geräte sind damit bereits theoretisch mit Digitalfernsehen versorgt, allerdings wurden bisher nur 1,5 Millionen Receiver und 230.000 HD-Fernseher mit eingebautem Empfänger verkauft. Anlagen und Software kommen direkt aus der Volksrepublik und wurden für kubanische Bedürfnisse angepasst.

Bis alle Haushalte in den Genuss des Digitalfernsehens kommen, dürften noch einige Jahre vergehen. Die Angebote werden indes weiter ausgebaut: neben zusätzlichen Sendern in HD-Qualität, wie der neue Nachrichtenkanal „Canal Caribe„, gibt es bereits eine elektronische Programmzeitschrift. Weitere Multimedia-Inhalte wie Zugriff auf das Kleinanzeigenportal „Ofertas.cu“ oder die Enzyklopädie „Ecured“ sind bereits in der Mache. Kubas Medien haben indes einen klaren Zeitplan für die Umstellung. In den kommenden Jahren wird der analoge Sendebetrieb schrittweise abgeschaltet, bis dann im Jahr 2023 ganz Kuba nur noch digital empfängt.

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Kuba stellt auf HD-Fernsehen um

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Digitalfernseh-Testlabor des kubanischen Elektronikunternehmens Lacatel (Quelle: Cubadebate)

Im Juni 2013 nahm das kubanische Fernsehen zum ersten Mal den digitalen Testbetrieb auf. Seit Mitte des Jahres laufen bereits die ersten Übertragungen in Full-HD auf der Insel. Kuba will in den kommenden Jahren sein analoges Fernsehprogramm schrittweise auf digitalen Funkempfang umstellen. Die Erwartungen in der Bevölkerung sind groß, denn die neue Technik verspricht viele neue Möglichkeiten und könnte sich rasch durchsetzen. Hilfe bekommt das Land dabei aus China.

Technik aus Fernost

Der Prozess begann, als kubanische Experten nach einer Fachkonferenz im Jahr 2009 die Umstellung auf Digitalfernsehen empfohlen und die verschiedenen Übertragungssysteme unter die Lupe nahmen. Als der Umstieg beschlossen wurde, setzte sich als Sieger der chinesische DTMB-Standard durch. In Zusammenarbeit mit der Insel gründete China 2011 eine Arbeitsgruppe mit dem kubanischen Elektronikunternehmen Lacetel, um die schrittweise Aufrüstung der Infrastruktur zu koordinieren. Seitdem werden die Ergebnisse in jährlichen Konferenzen evaluiert.

DTMB wurde 2006 veröffentlicht wurde und gilt als technisch ausgefeilter als die europäischen und amerikanischen TV-Normen, die bereits Ende der 1990er entwickelt wurden. So soll das Signal robuster übertragen werden und über eine größere Bandbreite von bis zu 32 Mbit/s verfügen. Die Nutzung des Standards wurde Kuba ohne Zahlung von Lizenzgebühren ermöglicht, die Insel ist damit das einzige Land außerhalb Asiens, das DTMB nutzt. Dabei soll Kuba nicht nur chinesische Technik importieren, sondern mittelfristig Reciver, Fernsehgeräte und Zubehör auch selbst herstellen können. Im Juni 2013 startete ein sechsmonatiger Probelauf der neuen Technik. Hierfür wurden 45.000 Receiver für 7 Peso Nacional (ca. 0,3 US$) in dutzenden Nachbarschaften der Hauptstadt verteilt.

Zeitgleich wurde der Prototyp des ersten kubanischen HD-Fernsehers vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurde. Er soll in den kommenden Monaten für 300 CUC erhältlich sein. Hergestellt wird er in einer neu eröffneten Elektronikfabrik, die ebenfalls für die Herstellung der Receiverboxen zuständig ist. Zwischen 50.000 und 100.000 solcher Empfangsgeräte sollen bis zum Ende des Jahres in Kuba gefertigt werden. Nachdem in der Provinz Camagüey die restlichen Geräte aus der chinesischen Schenkung zum Probebetrieb verteilt wurden, begann diesen Sommer der freie Verkauf im Einzelhandel.

Neue Sender und interaktive Inhalte

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Kubaner beim Kauf eines Receivers (Quelle: Juventud Rebelde)

Zusätzlich zu den fünf staatlichen Sendern können mit dem Digitalreceiver drei neue Programme empfangen werden, die nur über DTMB gesendet werden: Cubavision Internacional, ein Musiksender und ein Programm für Kinder. Außerdem ermöglicht der chinesische Standard die Übertragung interaktiver Inhalte. So wird die kubanische Nachrichtenagentur ACN ebenso wie die Onlineenzyklopädie EcuRed über den Fernseher abrufbar sein, auch eine Wetter-App befindet sich in der Mache. Die Fünf wichtigsten Radiosender des Landes sind ebenfalls mit dem Digitalfernsehen empfangbar. Derzeit sind zwei Receivermodelle erhältlich: „Soyea“ für 38 CUC und die 47-CUC teure Variante „Konka“, welche das Aufzeichnen von Sendungen sowie zeitversetztes Fernsehen ermöglicht.

Mittlerweile wurden vom kubanischen Kommunikationsministerium genaue Spezifikationen zur Zulassung eines Receivers für den heimischen Markt veröffentlicht. Neben der „Tropentauglichkeit“ gehört dazu auch das Abspielen diverser Audio- und Videoformate wie DivX und MPEG, ein USB-Anschluss sowie die Unterstützung der elektronischen Programmzeitschrift (EPG). Derzeit befinden sich verschiedene Geräte in der Prüfung, diese dürften den kubanischen Markt in den kommenden Jahren erreichen. Im nächsten Jahr sollen zunächst 200.000 Receiver produziert werden und passende Antennen das Sortiment ergänzen.

Schrittweise Digitalisierung

Die Umstellung erfolgt in mehreren Etappen. Während im Jahr 2013 das Digitalprogramm lediglich in einigen Stadtteilen Havannas und Camagüeys zu empfangen war, findet seit Januar 2014 die wohl größte Erneuerung des kubanischen Fernsehwesens seit der Sonderperiode statt. Mit der Aufstellung von 24 digitalen Sendestationen konnten bereits alle Provinzhauptstädte und damit 5 Millionen Einwohner mit Digitalempfang abgedeckt werden. Durch kontinuierlichen Ausbau sollen bis Ende 2015 bereits 52 Sendemasten funktionieren, die eine flächendeckende Versorgung sicherstellen.

Ab 2016 beginnt die sogenannte Phase der Adaption, in der die schrittweise Abschaltung des analogen Sendebetriebs bis zum Jahr 2021 erfolgt. Die Abschaltung der Analogmasten erfolgt dabei von Provinz zu Provinz und zieht sich im wesentlichen von West nach Ost, den Anfang macht die Stadt Havanna, gefolgt von den Provinzen Artemisa, Mayabeque und Pínar del Río.

Derzeit überträgt das kubanische Digitalfernsehen wie bei uns im SD-Format, das in Kuba eine Auflösung von 720×480 Pixeln hat. In Havanna senden jedoch zwei Masten probeweise in Full-HD Auflösung. Im Unterschied zum bei uns eingesetzten DVB-T-Standard können mit DTMB immerhin einige der Sender in HD-Qualität ausgestrahlt werden. In Kuba liegt der Flaschenhals heute nicht beim Sendevermögen, sondern vielmehr bei der veralteten Produktionstechnik der Sender. In den nächsten Jahren sollen deshalb neue digitale Fernsehkameras und Produktionsanlagen angeschafft werden, um in HD produzieren zu können. Den Anfang machte eine neue mobile Sendestation, die bereits diesen Sommer ein Konzert in Full-HD übertrug. Auch die Fußball-WM war bereits in einigen kubanischen Haushalten sowie in staatlichen Kinos in hoher Qualität zu sehen.

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Der Prototyp des 32-Zoll Fernsehers der in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurde (Quelle: Cubadebate)

Die neue Übertragungstechnik scheint sich dabei in Kuba großer Beliebtheit zu erfreuen, schließlich ist der Fernseher mangels Internet eines der wichtigsten Medien für Information und Unterhaltung. Seit der freie Verkauf der Receiver am 21. August landesweit begann, wanderten in den ersten Tagen mehr als 13.000 Geräte über die Ladentische der Hauptstadt. Das Sortiment der größten Kaufhäuser Havannas war binnen weniger Wochen ausverkauft. Und auch in Guantánamo haben bereits über 2.800 Familien Digitalfernsehen zu Hause, die Nachrichtenagentur ACN spricht gar von einem „Boom comercial„.

Große Akzeptanz trotz hoher Preise

Trotz kleinerer Anfangsschwierigkeiten wird der Digitalempfang von der Bevölkerung gut angenommen. Das bessere Signal kommt gerade den entlegeneren Gebieten zu Gute, die Zeiten von Bildrauschen und Artefakten sind für diese vorbei. Die Erweiterung des Programmangebots um drei zusätzliche Sender und interaktive Software sowie eine elektronische Programmzeitschrift dürfte dabei ebenfalls ein Anreiz zur Umstellung für viele Kubaner sein. Zudem soll die neue Technik Strom und Kosten sparen helfen, da weniger Sendemasten benötigt werden.

Dennoch liegt der Preis eines Receivers weit über dem durchschnittlichen Monatsgehalt eines Kubaners, das neue Fernsehen dürfte daher für viele weiterhin unerschwinglich bleiben. Von offizieller Seite heißt es, man sei sich der Problematik bewusst und will im nächsten Jahr noch günstigere Basic-Receiver auf den Markt bringen. Ob es weitere Subventionsprogramme geben wird, bevor im Jahr 2021 in Santiago und Guantánamo die Ära des kubanischen Analogfernsehens beendet wird, ist dennoch offen. Bei den aktuellen Zuwachsraten dürfte sich bis dahin jedoch längst ein Markt für Gebrauchtgeräte etabliert haben.

Nach Angaben des letzten Zensus von 2012 verfügen 97 Prozent der kubanischen Haushalte über einen Fernseher. Die Umstellung auf den Digitalbetrieb ist Teil eines weltweiten Prozesses, der die veraltete kubanische TV-Technik zwangsläufig auf den aktuellen Stand der Technik bringen wird. Kuba bleibt ein Land der Kontraste. Auch wenn heute noch jeder fünfte Fernsehbesitzer ein Schwarz-Weiß Gerät sein eigen nennt, wird in absehbarer Zeit jeder noch so entlegene Winkel der Sierra Maestra mit kostenlosem HD-Programm versorgt sein. Rundfunkgebühren wird es nämlich trotz aller Modernisierung in Kuba auch weiterhin nicht geben.

Kubanische Nachrichtenagentur ACN erhält neue Website

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Neue Website der ACN seit dem 5. Februar 2014.

Die staatliche kubanische Nachrichtenagentur „Agencia Cubana de Noticias“, kurz ACN, hat am 5. Februar eine neue Website erhalten. Das Designupdate wurde bereits vor einigen Tagen angekündigt. „Am Ende sehen wir diesen Traum Wirklichkeit werden, der Resultat der Arbeit eines Teams von Journalisten, Designern und Informatikern ist, um einen noch hochwertigeren, dynamischeren und partizipativeren Nachrichtendienst anbieten zu können“, sagte Evelyn García Vasallo, Leiterin der Internetabteilung der Agentur. Ziel sei es, einen Newsservice bereitzustellen, der 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr über die aktuellen Entwicklungen in Kuba informiert, samt Multimediaintegration und Einbindung in die sozialen Netzwerke.

Wesentliche Neuerung ist die Grundlegung der Website auf ein modernes technisches Grundgerüst, den Open-Source Contentmanager „Joomla!„, mit dem auch Nachrichtenwebsites in Europa arbeiten. Seit 1997 betreibt ACN eine Internetseite, das letzte große Designupdate erfolgte 2007. Dennoch war die damals eingerichtete Seite bei weitem nicht auf dem Stand der Technik und bot nur niedrig aufgelöste Grafiken. Funktionen wie eine Kommentarfunktion fehlten völlig. Diese dürfte eine der spannendsten Neuerungen der aktuellen Website sein, neben der stärkeren Einbettung von Videos und anderen Multimediainhalten. Zunächst kam das verbesserte Layout testweise auf der englischssprachigen Seite zum Einsatz, seit dem 5. Februar ist die neue Seite auch in Spanisch, Russisch und Französisch verfügbar.

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Relative Häufigkeit des Suchbegriffs „Wikipedia“ von Kuba aus (Quelle: Google Trends).

Seit Inbetriebnahme des Internetkabels aus Venezuela im vergenenen Jahr entwickelt sich das Internet in Kuba stetig weiter, die kubanische Onlineenzyklopädie EcuRed zählt mittlerweile 114.000 Artikel und ist damit größer als so manche Wikipedia. Das Projekt wurde im Dezember 2010 mit knapp 20.000 Beiträgen gestartet und scheint sich in Kuba wachsender Beliebtheit zu erfreuen. Betrachtet man die relative Anzahl der Suchbegriffe von Kuba aus via Google Trends, kann man sogar von einer regelrechten Verdrängung der Wikipedia durch EcuRed sprechen.

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Relative Häufigkeit des Suchbegriffs „EcuRed“ von Kuba aus im zeitlichen Verlauf (Quelle: Google Trends).

Kubas Umgang mit dem Internet beginnt sich zu verändern, was sich auch anhand der Suchanfragen zeigt. Zu den 10 beliebtesten Suchbegriffen aus Kuba zählen die Wörter Facebook, Gmail, Granma und Fotos. Moderne kubanische Nachrichtenwebseiten wie die der Juventud Rebelde oder Cubadebate gewinnen dabei stetig an Einfluss. Von der Regierung wurde nicht ohne Folge mehrmals das Ziel ausgegben, die ideologische Schlacht im Internet offensiv zu führen – das heißt vor allem auf die Stärke der eigenen Websites, auf die integration sozialer Netze und moderne Methoden der Berichterstattung zu setzen. Mit dem Redesign der ACN-Homepage hat Kuba damit einen Quantensprung erreicht. Bisherige Versuche zur Modernisierung der Website sind dagegen bestenfalls als halbherzig zu bezeichnen. Cuba heute nimmt dies zum Anlass, die bisherigen Layouts der Website mit Hilfe des Internetarchivs zu dokumentieren.

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ACN-Website im Februar 2002. So dürfte die Seite seit ihrem Start im Jahr 1997 ausgesehen haben und war bereits damals technisch veraltet.

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Im Jahr 2004 erfolgt die erste größere Designänderung, welche die Seite weder moderner noch übersichtlicher machte.

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Nein, dieser Entwurf stammt nicht aus den 90ern, sondern stellt das ACN-Redesign im Jahr 2007 dar. Ein wenig aufgeräumter, aber hoffnunglos veraltet.

Umstruktuerierungen im kubanischen Internet?

Nach der im Januar erfolgten Inbetriebnahme des venezolanischen Glasfaserkabels „Alba-1“, welches Kuba erstmals auf terrestrischem Wege mit dem Internet verbindet und eine deutliche Erweiterung der Kapazitäten des Landes verspricht, sind in den vergangenen Tagen einige offizielle kubanische Internetseiten nicht mehr oder nur noch zeitweise erreichbar, beispielsweise die Website der nationalen Statistikbehörde ONE, die kubanische Internetenzyklopädie Ecured sowie die Website der Nachrichtenagentur ACN.

Zumindest bei Ecured, das wieder in Betrieb scheint, erschien eine Meldung die Wartungsarbeiten ankündigte. Ein so weitgehender „Ausfall“ dieser wichtigen Anlaufpunkte des kubanischen Internets ist nach meinen Beobachtungen ein Novum und könnte in einem größerem Zusammenhang mit einer Modernisierung der Internetinfrastruktur einhergehen. Möglicherweise werden die Seiten auf andere Server oder Knotenpunkte umgelagert, um schnellere Anbindung zu ermöglichen – oder gar einer generellen Modernisierung unterzogen, die die neue Internetverbindung jetzt möglich macht.

Was auch immer die Ursache dafür sein mag: Es tut sich was, im kubanischen Internet – und die kürzliche Aufschaltung des Glasfaserkabels hat daran sicherlich ihren Anteil.

Update 18.02: Seit heute scheint die Juventud Rebelde eine leicht modernisierte Website erhalten zu haben, was für meine These spricht. Viel hat sich zwar nicht geändert (Das Banner auf der Startseite ist verschwunden), aber immerhin. Ecured funktioniert auch weiterhin nicht:

Ecured-Wartungsarbeiten