Wohnungsbau bleibt Priorität

Kuba hat ein Wohnungsdefizit von über 929.000 Einheiten, welches in den kommenden 10 Jahren deutlich reduziert werden soll (Quelle: CNC TV)

Havanna. Die Schaffung von neuem Wohnraum ist eine der Hauptherausforderungen, vor denen das sozialistische Kuba heute steht und eine Priorität in der Agenda von Präsident Miguel Díaz-Canel. Dies meldete die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina in einem Bericht über die jüngste Arbeitssitzung des Ministerrats zur Überprüfung des staatlichen Wohnungsplans. Demnach kritisierte der Präsident bestehende bürokratische Hemmnisse und forderte zu einer „Verdopplung der Anstrengungen“ auf.

Laut der Tageszeitung Granma warnte Díaz-Canel auf der Sitzung zudem vor Rückständen im aktuellen Plan. Die Langsamkeit bei einigen Genehmigungsprozessen sowie bei der Abnahme fertiger Bauten stelle ein Hemmnis dar, das beseitigt werden müsse. In Zukunft soll dem Thema daher bei den regelmäßigen Arbeitstreffen in den Provinzen verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden, kündigte er an. Zudem werden die Fortschritte beim Wohnungsbauprogramm jeder Provinz ab sofort einmal pro Quartal in den Medien bekannt gegeben.

Kuba will in diesem Jahr rund 20.000 Wohngebäude fertigstellen. Das Wohnungsdefizit beträgt 929.000 Einheiten, wobei die Provinzen Havanna, Holguín und Santiago de Cuba am stärksten betroffen sind.

Um dieses Defizit innerhalb von zehn Jahren beseitigen zu können, plant die Regierung die Bauindustrie des Landes in den nächsten Jahren umfassend zu modernisieren und die Herstellung von Baumaterialien zu verdoppeln. Im Rahmen der langfristigen Strategie bis 2030 soll der Sektor unter anderem mit Hilfe ausländischer Investitionen erneuert werden. Dabei wird der Transport von Baustoffen künftig stärker auf die effizientere Schiene verlegt werden. Erst im Januar lieferte Russland mehrere dutzend Spezialwaggons für den Transport von Zement. Diese sollen nun „schrittweise in die Logistikkette eingegliedert“ und dabei vor allem für die Versorgung der östlichen Provinzen eingesetzt werden, erklärte die Leiterin des Wohnungsbauprogramms, Vivian Rodríguez.

Nach letztem Stand gibt es auf Kuba 3,82 Millionen Wohngebäude, davon wurden 40 Prozent als in „durchschnittlich bis schlechtem baulichen Zustand“ eingestuft. Seit dem Sieg der Kubanischen Revolution am 1. Januar 1959 wurden 2,56 Millionen Wohnungen gebaut. (Amerika21)

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Unkonventionelle Ideen zur Steigerung der Lebensmittelproduktion auf Kuba

Straußen auf einer Farm in Südafrika (Quelle: Commons)

Im Kontext der angespannten wirtschaftlichen Situation werden derzeit auch unkonventionelle Vorschläge zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion auf Kuba diskutiert. Dabei sorgte insbesondere ein Vorschlag für Aufsehen, mit der Zucht von Straußen, Krokodilen und Nagetieren die Proteinversorgung in kurzer Zeit zu verbessern.

Nach den mehrfachen Verschärfungen der US-Wirtschaftsblockade durch die Trump-Administration sowie den zurückgehenden Öllieferungen aus Venezuela, hat Kuba derzeit mit Engpässen bei der Versorgung von Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs zu kämpfen. In Folge der ausbleibenden Deviseneinnahmen kämpft das Land derzeit mit einer massiven Einschränkung der Importe, was sich auch in der heimischen Lebensmittelindustrie bemerkbar macht.

Dies hat in den vergangenen Wochen zu einer Verknappung verschiedener Produkte wie Speiseöl, Mehl, Eier und Fleisch geführt. Eine Rückkehr in die Zeiten der Sonderperiode, welche nach dem Wegfall des sozialistischen Lagers Anfang der 1990er Jahre zu einer mehrjährigen Versorgungskrise führte, gelte es „Setzung klarer Prioritäten“ zu verhindern, erklärte Präsident Miguel Díaz-Canel auf der jüngsten Sitzung des Parlaments, auf der die Abgeordneten über den aktuellen Status der Wirtschaft diskutierten.

In Bezug auf die Landwirtschaft plant Kuba, in den kommenden Jahren 30 Pfund an Lebensmitteln pro Person zu produzieren, was fast einer Verdopplung der bisher erreichten 17,3 Pfund entspräche. Vor allem die Ernährung des Viehbestands bereitet der Insel Probleme. Jedes Jahr muss das Land rund 60 Prozent der benötigten Lebensmittel importieren, ein guter Teil der Importe entfällt dabei auf Kraftfutter für Schweine, Rinder und Hühner.

Um diesem Problem zu begegnen, sollen künftig auch andere Fleischsorten den Speiseplan der Kubaner ergänzen. Wie der „Comandante der Revolution“ Guillermo García vorschlug, könnte die Straußen- und Krokodilszucht für Kuba eine Option sein. „Ein Strauß legt 60 Eier, von denen man rund 40 Küken erhält. Diese 40 Küken liefern binnen eines Jahres rund eine Tonne Fleisch – während eine Kuh nur ein Kalb in die Welt setzt, welches nach einem Jahr noch nicht herangewachsen ist“, erklärte der 91-jährige Leiter der staatlichen Firma „Flora y Fauna“ in der abendlichen Fernsehsendung „Mesa Redonda“.

Die Firma ist bereits seit mehreren Jahren mit der Zucht von Straußen, Krokodilen und Nagetieren auf Kuba befasst und unterhält mehrere Farmen. Die auf Kuba heimische Baumratte („Jutía“) wurde schon früher in Zeiten mangelnder Fleischversorgung verspeisen und bietet laut García ein Fleisch mit „hohem Proteingehalt“. Vögel und Nagetiere haben den Vorteil deutlich geringerer Brut- und Mastzeiten als Säugetiere, weshalb sich bei einer Verfolgung des Programms relativ kurzfristig Erfolge einstellen dürften.

Die Vorschläge, welche manche an Fidel Castros gescheiterte Experimente zur Züchtung neuer tropischer Rinderrassen erinnert, haben auf Kuba für viel Spott in den sozialen Netzwerken gesorgt. Dabei scheinen sie bei näherer Betrachtung alles andere als unsinnig. Tatsächlich ist die Straußenzucht insbesondere in Südafrika ein profitables Geschäft. Das Fleisch verfügt über einen höheren Proteingehalt als Hühner- und Rindfleisch, gilt als überaus schmackhaft und ist mit Blick auf die benötigten Futtermenge effizient zu produzieren.

Wie die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in einem Bericht zu dem Thema hervorhebt, habe die Straußenzucht „unglücklicherweise noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit durch die Wissenschaft bekommen.“ Der Vogel Strauß könne aufgrund seiner CO2-effizienten Aufzucht sogar zum „Fleisch der Zukunft“ werden, so die FAO. Es wäre nicht das erste Mal, dass man in Kuba aus der Not eine Tugend macht.

Neue Verfassung tritt in stürmischen Zeiten in Kraft

Raúl Castro nimmt den Text der neuen Verfassung in Empfang. Im Hintergrund (von links): Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel sowie Parlamentspräsident Esteban Lázo Hernández (Quelle: Granma)

Mit einer feierlichen Zeremonie im Rahmen einer Sondersitzung des Parlaments wurde diesen Mittwoch Kubas neue Verfassung offiziell proklamiert. Das Dokument garantiere die Kontinuität der Revolution und die „Unwiderruflichkeit des Sozialismus“, so KP-Generalsekretär Raúl Castro. Gleichzeitig stimmte er seine Landsleute auf wirtschaftlich schwierige Zeiten ein.

In seiner gut 40-minütigen Rede vor dem Parlament erinnerte Castro an den langen Weg der kubanischen Verfassungsgeschichte, welche nun in der zweiten sozialistischen Verfassung Kubas mündete. Die Proklamation der neuen Verfassung erfolge nicht zufällig auf den Tag genau 150 Jahre nach der Verkündung von Kubas erster Verfassung von Guaimaró. Diese ist damals im Kontext des kubanischen Unabhängigkeitskampfes entstanden.

„Die Revolution war eine Quelle des Rechts. Sie war es, die den Bauern das Land gab, die freien und universellen Zugang zur Bildung garantierte, die das Gesundheitswesen in den Dienst der Bürger stellte“, erklärte Castro. Im Zuge der seit mehreren Jahren laufenden Wirtschaftsaktualisierungen kam man zu dem Schluss, dass es heute mehr als einer kleinen Reform der 1976 eingeführten sozialistischen Verfassung bedürfe, um den neuen Strukturen Rechnung zu tragen, die geschaffen werden müssten. Das Dokument sei deshalb nicht nur für die Gegenwart, sondern vor allem mit Blick auf die Zukunft der Revolution entstanden, so Castro.

Kubas neue Verfassung wurde in einem ersten Entwurf im Sommer vergangenen Jahres vorgestellt und anschließend im Rahmen einer breiten Volksaussprache diskutiert. Konzepte wie die Anerkennung verschiedener Eigentumsformen, die Stärkung der Autonomie der Gemeinden sowie Amtszeitbeschränkungen für Führungspositionen im Staatsapparat hielten Einzug in das neue Dokument, welches wesentliche Kernprinzipien der 1976 verabschiedeten Verfassung beibehält. Neben dem Kommunismus als Zielstellung gehört dazu auch die Ausdehnung sozialer, politischer und ökonomischer Rechte und Teilhabemöglichkeiten.

Bei einem Referendum am 24. Februar dieses Jahres votierten 86,8 Prozent der Kubaner für die Annahme des finalen Entwurfs. Die Wahlbeteiligung lag bei 90,1 Prozent. Für die kommenden Jahren stehe nun eine umfangreiche legislative Tätigkeit bevor, um die in der neuen Verfassung verbrieften Rechte und Strukturen in der Praxis einzuführen. Noch vor Ende des Jahres soll ein neues Wahlgesetz verabschiedet werden, welches die neuen Ämter von Präsident und Premierminister einführt.

Die anstehenden Umstrukturierungen erfolgen dabei vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Krise in Venezuela sowie der erneuten Verschärfung der US-Wirtschaftsblockade. Die wirtschaftliche Situation könne sich „in den kommenden Monaten verschlimmern“, warnte Castro. Aufgrund eingeschränkter Deviseneinnahmen hat Kuba derzeit mit Einschränkungen bei den Importen zu kämpfen, was sich zuletzt in der Verknappung von Produkten des täglichen Bedarfs wie Eier, Mehl und Speiseöl bemerkbar machte. Kuba werde jedoch nicht „in die Sonderperiode der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts“ zurückkehren: „Heute ist das Panorama in Bezug auf die Diversifizierung der Wirtschaft ein anderes, aber wir müssen immer auf die schlimmste Variante vorbereitet sein“, sagte Castro.

Das Land müsse deshalb seine Anstrengungen bei der Lebensmittelproduktion verdoppeln sowie „alle Ausgaben überprüfen und das, was nicht unbedingt notwendig ist, streichen“, fuhr Castro fort. Gleichzeitig werden strategische Investitionen in Infrastruktur, Energie und Wohnungsbau fortgesetzt. Bei den anschließenden Tagungen des Zentralkomitees sowie der parlamentarischen Arbeitsgruppen wurden die nächsten Gesetze und das strategische Entwicklungspapier des Landes bis 2030 diskutiert. In den Arbeitsgruppen der Nationalversammlung wurde neben dem aktuellen Status der Landwirtschaft auch das Thema des Diebstahls von Treibstoff sowie die Umsetzung der neuen Provinzstrukturen erörtert. Dabei ist mit einer weiteren Einschränkung der Importe zu rechnen. Der aktuelle Plan erfordere eine „rigorose Kontrolle der Ausgaben“, so die Ministerin für Finanzen und Preise, Meisi Bolaños.

USA erhöhen wirtschaftlichen Druck auf Kuba

US-Vizepräsident Mike Pence im Februar 2019 (Quelle: Commons)

Nach der mehrfach angedrohten Verschärfung der Wirtschaftsblockade gegen die Insel, erhöhen die USA nun erneut den Druck auf Kuba. Von der jüngsten Sanktionsrunde gegen Venezuela waren zuletzt auch Frachtschiffe betroffen, die Erdöl nach Kuba geliefert hatten. Wie US-Vizepräsident Mike Pence erklärte, seien „neue Aktionen“ gegen die kubanische Regierung bereits in Vorbereitung. Am Montag erst kündigte die Trump-Administration ein im Dezember geschlossenes Sportabkommen mit Kuba.

Offenbar will man in Washington den Druck hoch halten. US-Vizepräsident Mike Pence bezeichnete Kuba zuletzt als „Führer der wirklichen Imperialisten in der westlichen Hemisphäre“ und kündigte an, „in den kommenden Wochen noch deutlichere Aktionen gegen Kuba“ zu starten. Als Vorspiel dürften wohl die vor wenigen Tagen verhängten Sanktionen gegen mehrere maritime Transportdienstleister gedient haben, die mit Venezuela Geschäfte machen. Davon getroffen wurden unter anderem zwei liberische und griechische Redereien, welche Öllieferungen zwischen Kuba und Venezuela abwickelten.

Kubas Außenministerium verurteilte die neuen Sanktionen scharf. Präsident Díaz-Canel bezeichnete sie als „Akt imperialer Überheblichkeit“. Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza bekräftigte indes, das sein Land die Lieferverteäge mit Kuba weiterhin erfüllen werde. „Wir sind Experten auf dem Gebiet des Guerillakampfs“, so Arreaza. Man werde auf „unkonventionelle Weise“ im Rahmen des internationalen Rechts darauf antworten.

In den USA wurden indes wieder Mittel für Regime-change Aktivitäten auf Kuba freigegeben. Dies ist durchaus im Einklang mit den jüngsten Verlautbarungen aus der Trump-Adminstration, welche eine Verschärfung der seit 1961 bestehenden US-Wirtschaftsblockade ankündigten, um einen Systemwechsel auf der Insel herbeizuführen. Viele der unter der kurzen Entspannungsphase unter Barack Obama zugestandenen Erleichterungen wurden inzwischen wieder rückgängig gemacht. Trump macht, wie viele seiner Vorgänger, keinen Hehl daraus, die Insel wieder wirtschaftlich in die Knie zwingen zu wollen, um einen Systemwechsel herbeizuführen. Damit bedient er vor allem die Interessen seiner republikanischen Wählerschaft unter den Exilkubaner in den USA, für die der Antikommunismus zur politischen DNA gehört.

Außenminister Pompeo kündigte im März an, den dritten Teil der „Helms-Burton“-Gesetzgebung aus dem Jahr 1996 nicht mehr zu verlängern. In diesem Abschnitt der Clintonschen Blockadegesetze gegen Kuba wird das Thema der 1959 enteigneten US-Betriebe behandelt. Obwohl die damalige US-Regierung die Angebote von kubanischer Seite zu Entschädigungszahlungen ablehnte, sieht das 1996 verabschiedete Gesetz die Möglichkeit nach Schadensersatz und gerichtlichen Klagen gegen kubanische Einrichtungen und Betriebe ausländischer Investoren vor, die sich auf angeblichem oder tatsächlich enteigneten US-Eigentum befinden. Nach Angaben aus den 1990ern könnten 75.000 bis 200.000 Ex-Eigentümer von der Option Gebrauch machen und gegen Kuba vor Gericht ziehen.

Normalerweise wird das Dekret einmal pro Halbjahr vom Präsidenten ausgesetzt, um die unabwägbaren rechtlichen Folgen zu vermeiden. Dies soll sich nun ändern. Die Aussetzung muss nun öfter erfolgen und soll zuletzt bis Mai nochmals „überdacht“ werden, was für viele Investoren aus Drittländern rechtliche Unsicherheiten bedeutet. Damit sollen ausländische Handelspartner offenbar gezielt von Geschäften mit der Insel abgeschreckt werden, um die aktuelle Entwicklungsstrategie der kubanischen Regierung zu durchkreuzen. Kuba kündigte indes an, Investoren, die in den USA wegen Entschädigungszahlungen vor Gericht ziehen, von künftigen Deals im Land auszuschließen.

Rückschläge gab es auch im Bereich des Sports. Ein Ende 2018 geschlossenes Abkommen, welches kubanischen Baseball-Spielern erlaubt in der „Major League“ (MLB) unter Vertrag genommen zu werden, wurde von Trump kurzerhand aufgekündigt. Weitere Sanktionen richteten sich zuletzt gegen Firmen des kubanischen Militärs, welche eine wichtige Rolle im Tourismussektor und Außenhandel der Insel einnehmen.

Tierschützer veranstalten Demo in Havanna

Am Sonntag fand auf Kuba die erste Demonstration für mehr Tierschutz statt (Quelle: Cubadebate)

Am Sonntag fand in Havanna eine Demonstration für die Stärkung des Tierschutzes im sozialistischen Kuba statt. Mehrere Dutzend Aktivisten zogen teilweise in Begleitung ihrer Haustiere durch die Straßen und forderten Verbesserungen bei der Gesetzgebung. Die Demo war die erste ihrer Art in Kuba.

Mit Schildern wie „Kuba gegen die Misshandlung von Tieren“ und „Tierschutzgesetz jetzt!“ demonstrierten die Tierschützer am Sonntag in der kubanische Hauptstadt. „Für diejenigen zu sprechen, die nicht sprechen können“ um auf den Tierschutz aufmerksam zu machen, nannten die Organisatoren als Ziel der Veranstaltung. Kubas Medien berichteten über die Demonstration.

Was auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Sonntag-Nachmittag-Kundgebung aussieht, ist auf der Insel bisher noch Neuland. Getreu der Aussage Raúl Castros „Die Straße gehört den Revolutionären“ waren Demonstrationen auf Kuba bisher in Form von organisierten Kundgebungen durch die etablierten Massenorganisationen bekannt. Neben ungezählten Mobilisierungen gegen die US-Blockade findet in diesem Kontext auch die alljährliche Kundgebung anlässlich des Tags der Arbeit am ersten Mai statt.

Seit einigen Jahren gibt es unter Schirmherrschaft von Mariela Castro, der Vorsitzenden des Sexualaufträrungsinstituts CENESEX und Tochter Raúl Castros, auch jedes Jahr eine Kundgebung für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender auf Kuba. Die jüngste Tierrechts-Demonstration, welche offenbar von einer lokalen Initiative abseits der staatlichen Strukturen initiiert wurde, stellt insofern ein Novum dar. Ob die genehmigte Demonstration dabei auch im Kontext der neuen Verfassung interpretiert werden kann, welche am 10. April in Kraft tritt und mit der die Bürgerrechte insgesamt gestärkt werden sollen, bleibt abzuwarten.

Neue Apps erleichtern den Transport auf Kuba

Mit modernen Apps soll Kubas Transportsektor transparenter werden (Quelle: Habana Trans)

Wenige Monate erst sind seit dem Start des mobilen Internets im sozialistischen Kuba vergangen, und auf der Insel blüht bereits die App-Entwicklung. Vor allem das leidige Thema Transport hat in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der kubanischen Programmierer gewinnen können. „Cuba heute“ stellt vier Smartphone-Apps vor, welche die Beförderung im Land deutlich vereinfachen.

Habana Trans

Busfahren kann in Kubas Hauptstadt Havanna ganz schön kompliziert sein. Den Netzplan sollte man sich als Tourist vorher im Internet ausdrucken. Vor Ort hilft sonst nämlich oft nur fragen und probieren, wenn man eine Busverbindung sucht. Dabei hat Kuba in den vergangenen Jahren kräftig in das Busnetz der Hauptstadt investiert. Noch nutzen nur wenige Besucher den extrem günstigen ÖPNV (eine Fahrt kostet umgerechnet rund 10 Cent). Doch auch die Habaneros selbst sind angesichts der jüngsten Änderungen am Linienplan sowie den neuen Angeboten aus dem Kooperativen Sektor manchmal überfragt, welcher Bus oder welches Sammeltaxi gerade das richtige ist. Abhilfe schafft hier die App Habana Trans. Ob mit dem staatlichen Bus oder dem quietschgelben „Taxi-Rutero“: Die App kennt alle ÖPNV-Verbindungen in der kubanischen Hauptstadt und wird dabei laufend aktualisiert. Diese können auf Wunsch einzeln oder komplett auf einer interaktiven Karte visualisiert werden, womit man einen flexiblen Linienplan in der Tasche hat. Besonders praktisch: die Navigationsfunktion ermittelt die nächste Haltestelle am aktuellen Standort und schlägt dann die entsprechenden Linien vor. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht, weshalb die App auch nicht mit (theoretisch!) minutengenauer Ankunftszeit aufwarten kann wie ihre europäischen Pendants – aber zu wissen wo die nächste Haltestelle ist, welche Linie man nehmen muss und wie das Fahrzeug aussieht, ist eine erhebliche Erleichterung, um in Havanna von A nach B zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

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Bajanda

Uber auf kubanisch! Erst seit wenigen Wochen am Start, kann man mit dem neuen Dienst Bajanda bequem mit dem Taxi durch die Stadt reisen. Dabei kann man sich entweder Orten lassen oder den Startpunkt manuell auf der Karte markieren. Anschließend gibt man sein Ziel ein und innerhalb von wenigen Minuten vermittelt die App einen Fahrer, der auch kleine Gruppen zum vorher festgelegten Preis abholt und befördert. Obwohl erst seit kurzem verfügbar, haben sich bereits ausreichend viele Fahrer registriert, so dass die Taxivermittlung in der Regel innerhalb von wenigen Minuten funktioniert. Gute Neuigkeiten also für jene, die irgendwo im Regen stehen, oder auf dem Heimweg mitten in der Nacht keine Lust auf Verhandlungen mit dem nächstbesten Fahrer haben. Bezahlt wird immer in Cash, wobei perspektivisch auch bargeldlose Bezahlmethoden eingeführt werden sollen. Jeder Fahrer verfügt über eine spezifische Nummer, so dass Verwechslungen ausgeschlossen werden. Optimiert für den kubanischen Markt, soll „Bajanda“ den Entwicklern zu Folge äußerst sparsam mit dem Datenvolumen des Nutzers umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

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Sube

Nach ganz ähnlichem Prinzip wie „Bajanda“ funktioniert die Konkurrenz-App Sube. Die Mitfahrgelegenheiten sind grundsätzlich in ganz Kuba möglich, allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Havanna. Nach kurzer Registrierung ist man binnen weniger Minuten unterwegs. Anders als bei Bajanda gibt es hier allerdings keine Festpreise, sondern die Fahrer machen eigene Preisvorschläge, die man auch ablehnen kann. Zudem verfügt „Sube“ über eine weitere Sicherheitsfunktion: um die Fahrt zu verifizieren, kann der Kunde jederzeit den QR-Code des Fahrers scannen. Sowohl „Sube“ als auch „Bajanda“ scheinen momentan bereits zuverlässig zu funktionieren, allerdings läuft die Vermittlung bei „Bajanda“ manchmal einen Tick schneller. Da beide Apps im Moment noch recht neu sind, kann wohl nur die Zeit zeigen, womit man letzten Endes besser fährt.

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Viajando

Für die meisten Besucher uninteressant, für Kubaner und Ausländer mit Aufenthaltstitel jedoch von großem Interesse: die Bus-App Viajando, welche vor wenigen Tagen als Beta-Version erschienen ist. Die offizielle App der staatlichen Fernbuslinie „Astro“ ermöglicht derzeit nur das finden von Verbindungen und die Anzeige der verfügbaren Plätze. In Zukunft sollen jedoch auch Reservierungen und Ticketkauf bequem per App von überall aus möglich sein. Die Zeit des Schlangestehens und Nummern-ziehens bei  Busreisen könnte also für die Kubaner schon bald vorbei sein. Touristen müssen für die Bus-Reservierungen vorerst jedoch weiterhin mit der Homepage der Buslinie „Víazul“ vorlieb nehmen, wo Fahrkarten nach Registrierung reserviert werden können.

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Fazit

Die App-Entwicklung auf Kuba nimmt an Fahrt auf. Mit neuen Anwendungen für Smartphones versucht sowohl der Staat als auch der Privatsektor die Digitalisierung für mehr Komfort und Transparenz zu nutzen. Der Transportsektor, welcher jeden Tag Millionen Kubaner und Touristen auf der Insel bewegt, spielt hier eine wichtige Rolle. Häufig sind Preise und die genauen Linien nicht sofort ersichtlich. Der Zugang über Handy-Apps kann hier sowohl für Kubaner als auch für Touristen eine echte Erleichterung darstellen.

Seit dem Start des mobilen Internets auf Kuba im Dezember 2018 befindet sich App-Entwicklung der Insel auf der Überholspur. Während „Habana Trans“ bereits auf einige Jahre Entwicklungszeit zurückblicken kann (was man der App deutlich anmerkt), sind die drei anderen Anwendungen erst wenige Wochen alt und müssen sich im Alltag erst noch bewähren. Doch schon jetzt scheinen die Apps gut zu funktionieren, zudem erscheinen für alle der getesteten Anwendungen regelmäßige Updates.

Kuba wird digital. Fast zwei Millionen Kubaner haben sich innerhalb der ersten 12 Wochen für das mobile Internet angemeldet, Tendenz stark steigend. In Havanna und Varadero werden neue 4G-Masten installiert. Durch die späten Investitionen können alte Standards übersprungen werden, Kuba setzt beim Aufbau seiner Netze auf modernste Technik des chinesischen Herstellers Huawei. Wie viele andere Entwicklungsländer könnte die Insel damit rasch wieder den Anschluss an die Digitalinfrastruktur gewinnen und schon bald so manch europäisches Land hinter sich lassen. Die Apps auf Kuba, soviel ist sicher, stehen gerade erst am Anfang.

Neues Abkommen zwischen ETECSA und Google in der Mache

Googles Vorführraum im Atelier des kubanischen Künstlers „kcho“ wurde im Jahr 2016 eröffnet und markiert den Beginn der offiziellen Zusammenarbeit zwischen dem US-Konzern und der Insel (Quelle: Commons)

Kubas Telefonanbieter ETECSA unterzeichnete jüngst eine neue Absichtserklärung über weitere Zusammenarbeit zur Verbesserung des Internetzugangs auf Kuba. Demnach wird derzeit über ein sogenanntes „Peering“-Abkommen verhandelt, welches die Infrastruktur des kubanischen Anbieter direkt mit Google verbinden würde, der bisherige Umweg über Drittanbieter entfiele damit.

Dies soll die Latenzzeiten und Surfgeschwindigkeit von Internetnutzern auf Kuba verbessern. Laut Bericht der Tageszeitung „Granma“ arbeiten derzeit Experten beider Firmen an der Evaluierung der notwendigen Aufrüstungen bei der technischen Infrastruktur. Seit 2016 ist Google mit einem eigenen Technologiezentrum in den Hallen des Künstlers „kcho“ in Havanna aktiv. Zuletzt nahm Google im Jahr 2017 seine Cache-Server in Betrieb, die zum Zwischenspeichern von Daten dienen, was Dienste wie YouTube oder Gmail für Kubaner beschleunigen soll.

Nach letzten Angaben von ETECSA zeigte die Nutzung der Cache-Server „positive Resultate“, weshalb die Kooperation mit Google vertieft werden soll. Die Einrichtung der Server sowie das jetzt verhandelte Peering-Agreement gehören zu den Standard-Dienstleistungen, welche Google in den meisten Ländern der Welt kostenlos unterhält, um den Internetzugang zu beschleunigen.