Personen

personen1Der Staatsrat ist „auf nationaler und internationaler Ebene die höchste Repräsentanz des kubanischen Staates.“ (Verfassung, Artikel 89). Zusammen mit dem Ministerrat, der das höchste Exekutiv- und Verwaltungsorgan des Landes darstellt, bildet er die Regierung. Der kubanische Staatsrat hat derzeit 31 Mitglieder, der Ministerrat 34. Im folgenden werden die einflussreichsten kubanischen Politiker kurz vorgestellt. Wichtiges Auswahlkriterium war dabei die gleichzeitige Mitgliedschaft im Staatsrat sowie im Politbüro der regierenden kommunistischen Partei (PCC). Stand: April 2018.

Raúl Castro (geb. am 3. Juni 1931 in Birán, Provinz Oriente) ist seit 2011 Generalsekretär der Kommunistischen Partei (PCC). 2008 übernahm er das Amt des Präsidenten des Staats- und Ministerrats von seinem Bruder Fidel, als dessen Nachfolger er fungierte. Er kämpfte an Seiten seines Bruders in der Sierra Maestra und zählt damit zu den „Helden der Revolution“. Von 1959 bis 2008 war er Verteidigungsminister des Landes und wirkte entschieden am Aufbau der Streitkräfte (FAR) mit. In den 1980er Jahren gingen erste Impulse für Wirtschaftsreformen von Seiten Raúl Castros und des Militärs aus. In seiner Amtszeit eröffnete er die Debatte um die aktuellen Wirtschaftsreformen. Am 19. April 2018 trat Castro nach zwei Amtszeiten vom Posten des Präsidenten zurück.

Präsidenten des Staats- und Ministerrats

Miguel Díaz-Canel (geb. am 20. April 1960 in Placetas, Provinz Villa Clara) ist seit dem 19. April 2018 Präsident des kubanischen Staats- und Ministerrats und Nachfolger Raúl Castros. Er schloss 1982 eine Ausbildung zum Elektronikingenieur ab und arbeitete bei den kubanischen Streitkräften. 1990 bis 1992 war er erster Sekretär des kommunistischen Jugendverbands UJC in seiner Provinz Santa Clara, 1994 wurde er erster Sekretär des Provinzkomitees der PCC, 2003 wechselte er auf diesem Posten in die Provinz Holguín und wurde mit 44 Jahren zum jüngsten Mitglied des Politbüros. 2009 bis 2012 war er Minister für Hochschulbildung. Seit Februar 2013 fungierte er als Vizepräsident und Stellvertreter Raúl Castros.

Salvador Antonio Valdés Mesa (geb. am 13. Juni 1945 in der Provinz Camagüey) ist erster Vizepräsident des Staats-  und Ministerrats und Mitglied des Politbüros. Er schloß sich als jugendlicher der Revolution an, und beteiligte sich nach der Alphabetisierungskampagne auch am Aufbau des kommunistischen Jugendverbands. Später bekleidete er zahlreiche Ämter innerhalb des kubanischen Gewerkschaftsverbands CTC, dessen Vorsitzender er 2006 bis 2013 war. Zwischen 1995 und 1999 war er Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, anschließend erster Sekretär der PCC in der Provinz Camagüey.

Ramiro Valdés Menéndez (geb. am 28. April 1932 in Artemisa) ist Vizepräsident des Staats- und Ministerrats sowie Mitglied des Politbüros. Mit 21 Jahren nahm er am Überfall auf die Moncada-Kaserne Teil und saß mit Fidel Castro im Gefängnis. Als einer der Führer der Rebellenarmee ist Valdés ein „Comandante“ der Revolution. 1961 wurde er mit der Bildung des Innenministeriums beauftragt und leitete das Ministerium bis 1989. Er war von Gründung des Politbüros bis 1986 in selbigem Mitglied, danach im Staatsrat vertreten. Seit 2008 ist Valdés wieder Mitglied des Politbüros. 2011 gab er die Leitung des Kommunikationsministeriums auf und hat seitdem die zentrale Aufsicht über das Bau- und Industrieministerium.

Roberto Tomás Morales Ojeda (geb. am 13. Juni 1967 in der Provinz Cienfuegos) ist seit 2010 Gesundheitsminister Kubas und seit 2018 Vizepräsident des Staats- und Ministerrats. 1991 schloss er sein Medizinstudium in Cienfuegos ab, anschließend arbeitete er als Arzt sowie Leiter des Amtes für Hygiene. Nach seiner Tätigkeit im Provinzkomitee der PCC in Cienfuegos wurde er 2011 Mitglied des Zentralkomitees. Auf dem VII. Parteikongress im April 2016 erfolgte seine Berufung ins Politbüro.

Gladys María Bejerano Portela (geb. am 7. Januar 1947) ist Vizepräsident des Staats- und Ministerrats. arbeitete über 30 Jahre als Parteikader auf verschiedenen Instanzen. Die studierte Ökonomin arbeitete ab 1993 auf verschiedenen Posten in der Verwaltung des Ministerrats, 2001 wurde sie Vizeministerin des Ministeriums für Rechnungswesen, 2006 Chefin des Ministeriums. Im Jahr 2009 wurde sie von Raúl Castro zur Leiterin des neu geschaffenen nationalen Rechnungshofs ernannt.

Inés María Chapman Waugh (geb. am 9. September 1965) ist studierte Hydraulikingenieurin und seit 2018 Vizepräsidentin des Staats- und Minisetrrats. Sie begann ihre berufliche Karriere als Technikerin bei der „Empresa de Hidroeconomía“ in Holguín und fungiert als Leiterin des nationalen Instituts für Wasserressourcen (INRH).

 

Beatriz Jhonson Urrutia (geb. 1970) ist seit 2018 Vizepräsidentin des Staats- und Ministerrats sowie erste Sekretärin der PCC in Santiago de Cuba. Sie ist studierte Chemikerin.

 


Parlamentspräsident

Juan Esteban Lazo Hernández (geb. am 26. Februar 1944 in Jovellanos, Provinz Matanzas) ist Parlamentspräsident und Mitglied des Politbüros. Er stammt aus einer armen Familie in ländlicher Gegend und arbeitete bis 1963 als Bauer. Danach nahm an der Alphabetisierungskampagne Teil und wurde 1964 Mitglied der PCC. 1967 schloß er sein Wirtschaftsstudium ab und wurde 1971 Mitglied des Parteibüros von Matanzas. 1981 war er erster Provinzsekretär von Matanzas, 1986 in Santiago und 1994 schließlich in Havanna. 2013 wurde er zum Präsidenten des kubanischen Parlaments gewählt. Sein Schwerpunkt liegt auf der ideologischen Arbeit.

Weitere bekannte Mitglieder des Staats- und Ministerrats

Guillermo García Frías (geb. am 10. Februar 1928 in El Plátano, Provinz Oriente) ist neben Ramiro Valdés der letzte „Comandante“ der historischen Generation im aktuellen Staatsrat. García Frías wurde als Sohn einer armen Bauernfamilie in der Sierra Maestra geboren und schloss sich der Guerillaarmee an, wo er einer Gruppe unter Leitung von Célia Sánchez angehörte. Er ist Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei und hatte verschiedene Regierungsämter inne, unter anderem fungierte er als Transporminister. Auch die Reform der Streitkräfte in den 1980er Jahren zählte zu seinem Aufgabenbereich. Später gründete er das Militärunternehmen „Empresa Flora y Fauna“, welches sich den Bereichen Ökotourismus und Umweltschutz widmet.

Leopoldo Cintra Frías (geb. 17. Juli 1941 in Yara) ist Mitglied des Staats- und Ministerrats sowie des Politbüros, er ist derzeit kubanischer Verteidigungsminister. Ab 1960 machte er eine militärtechnische Ausbildung in der Tschecheslowakei und absolvierte vier Auslandseinsätze, darunter in Angola. Seit 1992 ist er Mitglied des Politbürus und wurde 2008 zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt. Nach dem Tod von Julio Casas Regueiro im Jahr 2011 übernahm er von ihm das Verteidigungsministerium. Er hat einen Abschluß in Politik- und Sozialwissenschaften.

Bruno Rodríguez Parrilla (geb. am 22. Januar 1958 in Mexico City) ist Mitglied des Ministerrats und des Politbüros und Kubas Außenminister. 1986 wurde er zum internationalen Sekretär der UJC gewählt und koordinierte ab 2004 verschiedene Hilfsmissionen in Haiti und Pakistan. 1995 bis 2003 vertrat er Kuba in den Vereinten Nationen und war von 2004 bis 2009 Vizeaußenminister. 2009 übernahm er das Amt von seinem wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzten Vorgänger Felipe Pérez Roque.

Weitere einflussreiche Politiker

jose-ramon-machadoJosé Ramón Machado Ventura (geb. am 26. Oktober 1930 in San Antonio de Las Vueltas, ehem. Provinz Las Villas) ist zweiter Sekretär und Mitbegründer der kommunistischen Partei. Machado kämpfte seit 1952 an Seiten Che Guevaras und Fidel Castros in der kubanischen Revolution und diente 1960 bis 1967 als Gesundheitsminister Kubas. Er ist seit 1965 Mitglied des Zentralkomitees der PCC, seit 1975  Mitglied des Politbüros und seit 1976 Mitglied des Staatsrats. Von 2008 bis 2013 war er erster Vizepräsident des Staatsrats und damit Stellvertreter Raúl Castros.

mercedes-lopezMercedes López Acea (geb. am 1. September 1964) ist Mitglied des Politbüros und diente von 2008 bis 2018 als erste Sekretärin der PCC in Havanna. Sie studierte Fortwirtschaft und arbeitete als Funktionärin an einer UJC-Hochschulgruppe in Pinar del Río. Seit 1997 ist sie Mitglied des Zentralkomitees der PCC und übernimmt dort derzeit neue Aufgaben.

marino-murilloMarino Murillo Jorge (geb. am 19. Februar 1961) ist Mitglied des Politbüros sowie ehemaliges Mitglied des Staatsrats. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in der Sowjetunion und arbeitete als Dozent an der Hochschule von Las Villas. Anschließend übernahm er verschiedene Leitungsfunktionen in kubanischen Betrieben und war 2006 bis 2009 Minister für Binnenhandel, von 2009 bis 2011 Minister für Wirtschaft und Planung. Derzeit arbeitet er weiterhin als Vorsitzender der Kommission zur Überprüfung der Umsetzung der wirtschaftspolitischen Leitlinien und gilt als der Kopf und Koordinator der aktuellen Wirtschaftsreformen.

Adadel-ysquierdoel Izquierdo Rodríguez (geb. am 12. Juni 1945) ist Mitglied des Zentralkomitees der PCC und war bis 2016 Mitglied des Politbüros Er fungiert derzeit als Minister für Wirtschaft und Planung. Rodríguez begann seine Karriere in den revolutionären Milizen und studierte anschließend in der Sowjetunion. Er stieg innerhalb der Streitkräfte zum Wirtschaftsleiter und Chefplaner auf und war von 2011 bis September 2014 Wirtschaftsminister Kubas.

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